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Gespräch mit Trauernden bzw. Angehöriger Schwerkranker
Immer wieder hört man von Trauernden, die gerade einen nahe stehenden Menschen verloren haben, dass sie zusätzlich zu dem Verlust des geliebten Menschen auch einige Freunde verloren haben. Gerade wenn man besonders trostbedürftig ist, ziehen sich viele zurück. Das mag daran liegen, dass viele nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen, bzw. was man sagen soll. War es vorher so einfach, ein Gespräch zu beginnen mit der Frage "Wie geht es Dir?" oder wenn man sich auf der Straße trifft "Alles klar?", sind diese Fragen jetzt vielleicht unangebracht. Deshalb sagen viele lieber nichts.Nur Mut, lasst die Betroffenen nicht gerade jetzt alleine, gerade jetzt braucht man seine Freunde/ Bekannten usw. mehr denn je. Keiner erwartet, dass man perfekt ist! Versucht es einfach; man kann ein Gespräch z.B. beginnen mit der Frage "Was machst Du gerade?" oder einfach sagen "ich denke gerade an Dich". In der Regel erzählt der/die Trauernde gerne von sich selber bzw. von dem Verstorbenen.
Dasselbe gilt auch für Angehörige von Schwerkranken, auch da ziehen sich oft die Freunde zurück, da sie nicht einschätzen können, ob man überhaupt willkommen ist, ob derjenige sich unterhalten mag oder sich lieber zurückzieht. Eine Freundin von mir hat das Problem bei ihrer Nachbarin, die ihren schwerkranken Mann zu Hause pflegt, folgendermaßen gelöst: sie hat angeklingelt mit einem Kuchen in der Hand und gefragt: "möchtest Du den Kuchen lieber alleine essen oder mit mir zusammen?" Die Nachbarin hat sich für letzteres entschieden und erinnert sich heute noch gerne an die nette Geste und das nette Gespräch.
Kommentare unserer Leser (15):
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# 2 Tilla Ich kann nur aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es auch in solch schwieriger Situation sehr gut tut, wenn man von Freunden, Bekannten und Nachbarn angesprochen wird. Wenn man gerade keine Zeit zum Reden hat, dann ersucht man ohnehin um Verständnis, aber in der Regel lenkt es einen auch ein wenig ab vom eigenen Kummer und das Gefühl der Anteilnahme der Anderen an seinem Schicksal ist auch sehr trostreich.
18.05.2012, 07:04 +2
# 3 Marizzebill Ja, es tut gut, wenn die Trauernden spüren, daß ihre Trauer von anderen geteilt und auch verstanden wird. Eine spontane Umarmung einer Nachbarin ist meiner Mutter heute noch in Erinnerung, als sie die Todesnachricht ihres Vaters bekam - vor vielen, vielen Jahren. Man kann auch ruhig offen sagen, "ich weiß gar nicht, was ich sagen soll - es ist so traurig und ich denke so viel an euch", das reicht. Man braucht keine klugen Worte oder pseudo-trostreichen Ausführungen. Ein bißchen Wärme und Mitgefühl reichen schon sehr weit.
Noch wichtiger: auch nach langer Zeit können Trauernde noch sehr leiden. Wenn die Umwelt dann davon ausgeht, "na, die müssen jetzt aber drüber weg sein", kann das sehr wehtun. Den Verlust eines Kindes oder geliebten Partners verwindet man nie. Auch nach Jahren kann die Wunde entsetzlich schmerzen. Wer dafür Verständnis hat und nicht in seinem Verhalten zu verstehen gibt "genug mit der Wehleidigkeit" (wie es tatsächlich manchmal geschieht), der tut dem Gegenüber einen riesigen Gefallen. Diese Gefühle sind nicht kontrollierbar, und die Umwelt sollte das akzeptieren und ihnen Raum geben.
Manche Leute zB haben kein Verständnis für Unglücksfälle, die ihnen selbst nicht zugestoßen sind - Frauen, die um eine Fehl- oder Totgeburt trauern, können davon ein Lied singen. Wie oft hören sie, "na ja, in einem Jahr hast du ein neues Kind" oder "es war doch ncoh kein richtiger Mensch" oder so. Manche Taktlosigkeiten machen einen sprachlos. Solche Aussagen trösten nicht, sie tun weh, weil sie das verstorbene Kind praktisch auslöschen. Drum sollte man sie sich verkneifen und die Trauer der Eltern respektieren, nicht verkleinern, auch wenn man es eigentlich gut meint.
Es tut Hinterbliebenen auch oft sehr wohl, wenn man ihnen Dinge vom Verstorbenen erzählt, die sie nicht wissen. Das macht den Toten ein bißchen lebendig, wenn man neue Informationen über ihn bekommt, eine Geschichte hört, die man noch nicht kannte.
Wenn Trauernde oder Schwerkranke ein Gespräch ablehnen oder nicht führen können, sollte man nicht beleidigt sein, sondern dem Gegenüber das Gefühl geben, daß man Verständnis hat und ihn nicht verurteilt. Da muß man das eigene Ego hintanstellen.
Elisabeth Kübler-Ross´ Bücher über den Prozeß der Trauer sind sehr gut und haben mir viele Erkenntnisse gebracht.
Sorry für den Roman, aber das Thema liegt mir gerade aus persönlichen Gründen sehr am Herzen.
18.05.2012, 08:53 +14
Noch wichtiger: auch nach langer Zeit können Trauernde noch sehr leiden. Wenn die Umwelt dann davon ausgeht, "na, die müssen jetzt aber drüber weg sein", kann das sehr wehtun. Den Verlust eines Kindes oder geliebten Partners verwindet man nie. Auch nach Jahren kann die Wunde entsetzlich schmerzen. Wer dafür Verständnis hat und nicht in seinem Verhalten zu verstehen gibt "genug mit der Wehleidigkeit" (wie es tatsächlich manchmal geschieht), der tut dem Gegenüber einen riesigen Gefallen. Diese Gefühle sind nicht kontrollierbar, und die Umwelt sollte das akzeptieren und ihnen Raum geben.
Manche Leute zB haben kein Verständnis für Unglücksfälle, die ihnen selbst nicht zugestoßen sind - Frauen, die um eine Fehl- oder Totgeburt trauern, können davon ein Lied singen. Wie oft hören sie, "na ja, in einem Jahr hast du ein neues Kind" oder "es war doch ncoh kein richtiger Mensch" oder so. Manche Taktlosigkeiten machen einen sprachlos. Solche Aussagen trösten nicht, sie tun weh, weil sie das verstorbene Kind praktisch auslöschen. Drum sollte man sie sich verkneifen und die Trauer der Eltern respektieren, nicht verkleinern, auch wenn man es eigentlich gut meint.
Es tut Hinterbliebenen auch oft sehr wohl, wenn man ihnen Dinge vom Verstorbenen erzählt, die sie nicht wissen. Das macht den Toten ein bißchen lebendig, wenn man neue Informationen über ihn bekommt, eine Geschichte hört, die man noch nicht kannte.
Wenn Trauernde oder Schwerkranke ein Gespräch ablehnen oder nicht führen können, sollte man nicht beleidigt sein, sondern dem Gegenüber das Gefühl geben, daß man Verständnis hat und ihn nicht verurteilt. Da muß man das eigene Ego hintanstellen.
Elisabeth Kübler-Ross´ Bücher über den Prozeß der Trauer sind sehr gut und haben mir viele Erkenntnisse gebracht.
Sorry für den Roman, aber das Thema liegt mir gerade aus persönlichen Gründen sehr am Herzen.
18.05.2012, 08:53 +14
Und wie du schon sagtest: auch einige von seinen alten Kumpel können gar nicht begreifen, dass er nicht mehr so ist wie früher, denn "sein Selbstmitleid muss er jetzt doch mal überwunden haben. Er hat ja wieder ein Kind!" Solche Aussagen machen mich ganz krank vor Wut. Als ob man ein Kind durch ein anderes ersetzten könnte.
18.05.2012, 10:39 +4
18.05.2012, 15:41 +2
Ich kann auch auf Menschen zugehen und habe keine Scheu davor. Nur Mut!!
18.05.2012, 16:58 +1
Im vorletzten Jahr hörte ich von einem früheren Kollegen der an Demenz erkrankt war. Das ging mir nahe denn wir hatten uns sehr gut verstanden, leider mochten seine Frau und ich uns nicht so. Trotzdem habe ich sie angerufen, erfahren das mein früherer Kollege inzwischen in einem Heim für Demente lebt. Seine Frau freute sich riesig das ich anrief, klagte das die früheren Kollegen sich nicht melden.
Einige Wochen später reiste ich in meine alte Heimat, die 400 km entfernt ist und besuchte den Kollegen, zusamen mit seiner Frau.
Das Leuchten in den Augen werde ich nie vergeßen, wir hatten uns fast 35 Jahre nicht gesehen, wie hat sich dieser Mann gefreut und mich auch wiedererkannt. Seine Frau ging Kaffe holen, ich nahm meinen alten Kollegen derweil bei der Hand und ging mit ihm in`s Besucherzimmer. Er strahlte mich an und vertraute mir wie ein Kind! Hatte richtig einen Kloß im Hals.....knapp ein halbes Jahr später verstarb er und seine Frau und ich halten Kontakt.
18.05.2012, 19:32 +4
Wie ich es auch kennen gelernt habe, ein Trost. Vor allem von älteren Verwandten, die ich eigentlich nicht mehr so zuzuordnen wusste, aber eine Erinnerung an frühere Zeit kam.
Hast Du gut ausgedrückt, Ollksi. Was ich an den Beerdigungs-Zeremonien cool abgelehnt hätte, war es im Augenblick der Bestattung und Trauer eine liebevolle Zuwendung, als ich erlebte, wie mich Großtanten drückten, an die ich auf einmal eine Erinnerung an eine liebevolle Kindheit bekam, deren Lebensbekanntschaft sich im Laufe meines Lebens und Berufserlebens verlor. Haben Mut und Herzlichkeit die Mädels. Hätte vielleicht vorher schon näher Kontakt zu ihnen haben müssen.
Viele liebe Grüße Pitz
18.05.2012, 22:33 +1
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