Aufstellung eines Kummerkastens

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Ob im Büro, Zuhause, auf diversen Arbeitsplätzen, hilft so manchesmal die Aufstellung eines Kummerkastens. Man bestellt dafür eine bestimmte Person, die z.B. einmal die Woche den Kasten ausleert und die Kummerzettel sichtet.

Das Einwerfen eines Zettels kann anonym geschehen, z.B. in einer Firma oder auch bewusst mit Namen.

Es sollte für den kleinen Kummer zwischendurch genutzt werden, nicht für große Problematiken. So könnte ein Kummerkasten zuhause für alle Familienmitglieder aufgestellt werden und das Familienoberhaupt, Mutter oder Vater, sichtet 1 x die Woche die Zettel und sorgt für Abhilfe oder ruft den Familienrat zusammen und man bespricht den Kummer im Familienverbund. Kleine Sachen können z.B. sein "warum gibt es seit 3 Tagen kein Nutella mehr?" oder "warum braucht Fritz immer solange im Bad" oder "mein Fahrradschlauch ist kaputt und mein Taschengeld reicht nicht für einen neuen" usw. usw.

In einer Firma wählt man einen Kummerkastenverwalter, der das Amt dann übernimmt. Da können dann schon mal Zettel wie "Hr. Mustermann hält Frauen nie die Türen auf" oder "warum wird nie Kopierpapier nachgelegt" eingeworfen werden.

Solche Kummerkästen können den alltäglichen Frust, der sich schnell mal aufstauen kann, etwas eindämmen. Es können natürlich auch mal positive Sachen eingeworfen werden, wie "Frau Musterfrei hat nächste Woche Geburtstag und will nichts geschenkt, einer muss heimlich die Blumen kaufen und verstecken."

Ich fand mal in einem Kummerkasten einen Zettel mit "Frau M. sitzt am Arbeitsplatz und kämpft ständig mit den Tränen." Derjenige, der den Zettel schrieb, war sehr sehr schüchtern und mochte die Kollegin nicht ansprechen. Das übernahm dann ich und es kam heraus, dass die Katze der Frau verstorben war, an der sie sehr hing, und sich nicht traute es im Kollegenkreis zu erzählen, weil sie Angst hatte ausgelacht zu werden. Ich hatte dann ein langes Gespräch über Haustiere und Abschiednehmen mit ihr, wo immer mehr Kollegen dazu kamen und von ihren eigenen Erfahrungen berichteten. Danach war die Kollegin zugänglich, offen und kam gut über den Verlust hinweg.

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13 Kommentare


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#1 Liz82
13.12.12, 00:01
ich muss gerade an die Meckerbox (Beckerbox) von Stromberg denken ;D
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#2
13.12.12, 00:34
@Liz82: Ist Stromberg eine Firma?
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#3 Liz82
13.12.12, 00:36
@Goldpiranha: Eine TV-Serie (ziemlich lustig!)
#4
13.12.12, 01:33
@Liz82: ach so. noch nie gehört, ist die neu?
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#5
13.12.12, 11:15
Mir gefällt der Tipp nicht so gut, denn gerade in der Familie möchte ich doch meine Kinder zu Offenheit und Ehrlichkeit erziehen. Es gehört auch dazu zu lernen, wie man mit Konflikten umgeht. Also lieber den Zettelkasten umgehen und Probleme gleich miteinander besprechen, ein "Familienrat" ist dafür prima geeignet.

Am Arbeitsplatz kann das natürlich spannend werden. Wie mag wohl die Reaktion von Herrn Mustermann auf den anonymen Vorwurf sein, er würde nie die Tür aufhalten? Gut für das Betriebskima wird das wohl kaum sein.
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#6
13.12.12, 11:27
Mir gehts wie @nellocat: in unserer Familie fände ich es nicht so toll und auch unnötig. Ich bin sowieso die Familienmanagerin und fast immer ansprechbar; auch würden dann größtenteils Meckereien drin sein wie "Warum gibt es immer nur gesundes Essen; mach lieber mal Cheeseburger", die Nutella-Frage würde sich stellen (das vergesse ich immer zu kaufen) usw. Das hör ich am Tag mehrere Male, da muss ich es nicht auch noch lesen. :o))

Im Büro finde ich es allerdings eine gute Idee; das werde ich meinem Mann mal stecken (oder noch besser seiner Sekretärin, die hat da mehr Sinn dafür!)
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#7 Hilla
13.12.12, 13:25
Ich schließe mich nellocat und mops an. Drei Tage ohne Nutella? Das hätte es bei uns nicht gegeben. Und wenn wer große oder kleine Sorgen hatte, der konnte immer jederzeit mit Papa oder Mama darüber sprechen und sein Herz erleichtern.
Heute sieht es etwas anders aus, meine Jungs kommen aber immer noch, wenn es Probleme gibt. Einfach, um sich das von der Seele zu reden und alles mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Das hilft oft.
Einen Kummerkasten für mich alleine hänge ich lieber nicht auf hier ... ;-)
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#8
13.12.12, 16:05
Ich bin auch mehr für Offenheit und direkte Ansprache, nur so entsteht weder Frust noch Stau und auch kein Problem, in der Familie wie mit Kollegen.
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#9
13.12.12, 17:24
ja ja ja, selbstbewusst im Internet kann jeder tun.

ich habe mal anonym einen Kummerzettel an den BR geschrieben. Nicht dass es mir an Selbstbewusstsein fehlte, nein, denn das wäre öffentlich mein Tod gewesen.

Bei mir war es ein großes Ding, bei der Dame, deren Katze verstarb, kann ich das auch nachvollziehen.
Man hat nicht immer liebevolle oder verständnisvolle Kollegen.
Das Leben ist nicht immer "Frag-Mutti", wo wir uns alle hinter einem Bildschirm verstecken und schön tun.

Die Arbeit ist hart und gemein. Besonders die Kollegen.
Daher kann so ein Kummerkasten Gold wert sein.

Kommt schon, erinnert euch: in der Schule in der Pausenhalle Nähe Schwarzem Brett hing auch so ein Kasten. Habt ihr da nix eingeworfen?
Nein, dann ward ihr ja wohl die Kings and Queens of school.

In der Familie bin ich auch der Ansprechpartner, da braucht es einen Kummerkasten nicht. Aber auf der Maloche finde ich das Modell der anonymen Beschwerde oder Sorgenmitteilung gar nicht mal so schlecht
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#10
13.12.12, 19:11
Wir hatten auf der Arbeit eine Kollegin, die - was nur die wenigsten wußten - sehr starke Beruhigungsmittel nehmen mußte. Sie machte aber eher den Eindruck angetrunken zu sein. Ich sollte sie im Auftrag meines Chefs (Ich war damals Chefsekretärin) darauf ansprechen. Im vertraulichen Zweiergespräch stellte sich der Sachverhalt dann raus. Das Gespräch war für uns beide nicht so einfach, aber ging auf jeden Fall gut aus.

Stellt man sich vor, die Kollegen, die den Verdacht hatten, hätten anonym einen Zettel gemacht und der wäre dann im "Kollegenrat" vorgelesen worden.... wie wäre das wohl für die Kollegin gewesen?
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#11
13.12.12, 20:42
Mit solchen Methoden erzieht man sein Umfeld zur Feigheit & Hinterlistigkeit! Warum sollten nicht alle untereinander den Mut zur Ehrlichkeit pflegen, redlich sein und vertrauenswürdig miteinander umgehen dürfen? Sorry: Im Zeitalter der weiblichen Emanzipation ~ empfinde ich alle fremdbestimmten Regelwerke, als eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte.

Da macht man "zu seinem Selbstschutz" besser nicht mit!
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#12
13.12.12, 21:14
So etwas ist natürlich absolute Vertrauenssache: also nicht vor allen Kollegen vorlesen, sondern nur durch eine Person zu sichten, der alle vertrauen. Das hat nichts mit Feigheit zu tun: oft entstehen doch Missverständnisse einfach durch unglückliche Formulierungen, die jemand falsch versteht. Sollten wir doch auch bei FM sehen: manches lässt sich besser per PM klären, da brauchts keine öffentliche Diskussion im Forum
#13 Liz82
13.12.12, 21:54
@Goldpiranha: Schade, Link zum Video darf ich hier offensichtlich nicht posten. Die Serie gibt es schon länger. Lief/läuft auf Pro7. Auf MySpass.de kann man sich alle Folgen gratis anschauen. Die Folge mit der Meckerbox heißt "Erika" 3. Staffel. Es geht in der Serie um die Arbeit im Büro und die netten und weniger netten Kollegen - es lohnt sich mal reinzuschauen, vor allem, weil man an so manchen realen Kollegen erinnert wird.

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