Eine blühende Wildblumenwiese ist für Insekten das Äquivalent zu einem All-You-Can-Eat-Büffet beim Menschen: Nahrung satt! Wer also ein paar Quadratmeter seines englischen Rasens zugunsten einer Wildblumenmischung opfert, tut Insekten etwas Gutes.
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Insektensterben – Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen

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Den Autofahrern unter euch dürfte es bereits aufgefallen sein: Bei Überland- oder Autobahnfahrten bleibt die Windschutzscheibe deutlich länger sauber, als noch vor einigen Jahren. Wo früher bereits nach ein paar Kilometern Insektenleichen dicht an dicht auf dem Glas klebten, herrscht jetzt wieder freie Sicht. Toll, mag man da im ersten Moment denken, die Viecher haben ja eh nur genervt. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich der Grund für dieses Phänomen als ernsthaftes Problem heraus: Der Bestand von in Deutschland heimischen Insekten hat sich in den letzten knapp 30 Jahren um unglaubliche 75 Prozent verringert. Die Frage lautet also mittlerweile nicht mehr, ob wir ein Problem mit dem Insektensterben haben, sondern wie wir es noch in den Griff bekommen, bevor es zu spät ist.

Erschreckende Zahlen und Fakten zum Insektensterben

27 Jahre lang haben bienenfleißige Hobbyentomologen im Rahmen einer Langzeitstudie des NABU (Naturschutzbund Deutschland) Daten gesammelt. An sechzig Standorten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz wurden zwischen 1989 und 2015 mithilfe sogenannter Malaise-Fallen verschiedene Fluginsekten-Arten gefangen und gezählt. Nach Auswertung der Daten wurde das Ergebnis der Studie im Oktober 2017 veröffentlicht und offenbart ein düsteres Bild. Demnach gibt es bei der Insekten-Biomasse einen nachgewiesenen Rückgang von etwa 75 Prozent. Dass bei einer derart drastischen Veränderung in diesem verhältnismäßig kurzen Zeitraum das ökologische Gleichgewicht ins Wanken kommt, liegt auf der Hand. Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass sämtliche Malaise-Fallen in Naturschutzgebieten aufgestellt waren – wenn der Insektenbestand bereits in diesen besonders geschützten Regionen derart gefährdet ist, wie sieht es dann erst im restlichen Bundesgebiet aus?

Noch sind die genauen Ursachen des Insektensterbens nicht abschließend geklärt. Allerdings stehen bereits jetzt Pestizide (insbesondere die sogenannten Neonicotinoide aus der Gruppe der Insektizide) im Verdacht, einen maßgeblichen Anteil am Schwund der sensiblen Sechsbeiner zu haben. Ebenfalls die auf deutschen Äckern stetig zunehmende Monokultur wird von Experten für das Insektensterben mitverantwortlich gemacht.

Überlebenswichtige Bienen

Mit einer spektakulären Aktion führte jüngst der Discounter Penny seinen Kunden die Konsequenzen des Bienensterbens vor Augen: In einer Filiale bei Hannover wurden für einen Tag alle Lebensmittel aus den Regalen geräumt, die direkt oder indirekt von der Bestäubungsleistung der Bienen abhängig sind. Von den insgesamt rund 2500 Artikeln des aktuellen Warenangebots waren 1600 betroffen, das macht etwa 60 Prozent. Diese sehr anschauliche Aktion macht deutlich, wie sehr der Mensch auf die Arbeitsleistung von Bienen und anderen blütenbestäubenden Insekten angewiesen ist.

Wie jeder von uns den Bienen helfen kann

Zum Glück ist es so, dass jeder einzelne von uns seinen kleinen Beitrag zur Rettung der Bienen leisten kann. Natürlich reichen die im Folgenden beschriebenen Maßnahmen alleine nicht aus – das Problem muss möglichst rasch im großen Stil angegangen werden. In erster Linie sehe ich hier den Gesetzgeber in der Pflicht, den Gebrauch von bienenschädlichen Pestiziden so weit wie möglich einzudämmen. Aber wie jeder weiß, mahlen die Mühlen in diesem Bereich sehr langsam (wenn überhaupt). Daher ist jedes auch noch so kleine private Engagement sinnvoll, denn: Viele Tropfen kühlen auch den heißesten Stein, gell? So, jetzt aber zu den Tipps.

1. Bienenhotel einrichten

Ein Bienenhotel im Garten hilft Wildbienen eine passende Stelle zum Nisten zu finden. Es braucht nicht viel Platz und ist mit ein bisschen Geschick leicht selbst zu bauen. In diesem älteren Beitrag bei Frag Mutti wird das Thema sehr schön und ausführlich behandelt, eine Bauanleitung für ein schniekes Maja-Adlon ist auch dabei: Nisthilfen für Wildbienen bauen – wie geht es richtig?

2. Wildblumen aussäen

Eine blühende Wildblumenwiese ist für Insekten das Äquivalent zu einem All-You-Can-Eat-Büffet beim Menschen: Nahrung satt! Wer also ein paar Quadratmeter seines englischen Rasens zugunsten einer Wildblumenmischung opfert, tut Insekten (und seinen Augen) definitiv etwas Gutes.

3. Bienenweide anlegen

Das kleine Pendant zur Wildblumenwiese ist die sogenannte Bienenweide aus Wildblumen auf dem Balkon oder der Fensterbank. Die schnelle Lösung für alle, die keinen Garten haben: Einfach einen Blumenkasten mit einer Wildblumen-Samenmischung bestücken und ins Freie stellen.

4. Bienentränke aufstellen

Auch Bienen haben Durst. Als Bienen-Bar reicht eine flache, mit Wasser gefüllte Schale. Einige aus dem Wasser ragende Steine dienen unseren pelzigen Freunden als Barhocker. Aufgestellt wird die Bienentränke sinnigerweise gleich neben der Bienenweide oder inmitten der Wildblumenwiese.

5. Auf Pflanzenschutzmittel verzichten

Dieser Rat an alle Hobbygärtner bedarf eigentlich keiner weiteren Erläuterung.

6. Bienenpate werden

Um die Patenschaft für ein Bienenvolk zu übernehmen, sind weder ein eigener Garten noch ein Balkon vonnöten. Der tolle Nebeneffekt: Ein Teil des von den Bienen gesammelten Honigs wird dem Paten des Bienenvolks zugeschickt. Infos rund um das Thema sowie die Möglichkeit eine Patenschaft abzuschließen gibt es hier: http://www.bienenpatenschaft.info/Bienenpatenschaft.2127.0.html

7. Selbst Imker werden

Das ist wohl die ambitionierteste Möglichkeit, den heimischen Bienen unter die Arme, sorry, unter die Flügel zu greifen. Wer denkt, er würde in Imkerkleidung bella figura machen, kann sich auf der Website des Deutschen Imkerbundes über dieses Thema und die verschiedenen Kursangebote informieren: https://deutscherimkerbund.de/172-DIB_Nachwuchsfoerderung

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23 Kommentare


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#1
11.7.18, 14:00
Vom gras zu den bienen. Kriss ist wieder auf dem boden gelandet. Gut so.
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#2
11.7.18, 14:55
Dein Artikel ist gut und ziemlich umfassend.
Natürlich kann niemand von uns als Einzelner das Insektensterben grundlegend aufhalten. Aber jeder kann sich bemühen, es nicht noch zu fördern.
Wenn jeder Garten- oder auch Balkonbesitzer auf eine bunte Blumenvielfalt achtet und nicht, wie es leider immer häufiger zu sehen ist, große Kiesflächen im Gärten anlegt, ist immerhin ein kleiner Beitrag geleistet worden.
Noch viel wichtiger wäre natürlich, daß die Landwirtschaft auf Pestizide und ähnliches Gift verzichten würde. Denn da können wir als Einzelne uns noch so sehr anstrengen - wenn in der Landwirtschaft die großen Giftmengen ausgespritzt werden, dann sind unsere Erfolge daneben verschwindend gering.
Die Menschen müssen ganz allgemein umdenken, und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit!
#3
11.7.18, 15:33
@datura33: So ein ähnlicher Gedanke kam mir ich.😂
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#4
11.7.18, 18:17
ich habe in zwei Balkonkästen eine extra für Bienen und Schmetterlinge ausgewiesene Wildblumenmischung gesät und die sind (entgegen meiner Befürchtungen) toll gewachsen ... aber ich habe bisher noch keine Biene oder Schmetterling daran gesehen ... ich wohne im vierten Stock ist das zu weit oben oder woran kann das liegen ?
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#5
11.7.18, 20:03
@Agnetha: ich denke schon, dass das zu weit oben ist.
Obwohl ich ab und zu im 3.Stock Bienen in der Küche habe.Nachtfalter kommen auch gern mal zu Besuch 😏
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#6
11.7.18, 20:04
Danke für deine Antwort, glucke ... dann erfreue ich mich halt allein an den Blumen ... ich war überrascht, wie gut die im Balkonkasten wachsen
#7
11.7.18, 21:07
@Agnetha: ja erfreu dich so lange es geht...in paar Wochen wird's ja wieder kalt 🙄🧣🧤💦
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#8
11.7.18, 21:46
Schöner Beitrag, Kriss! Rüttelt auf und erinnert an das, was man weiß aber immer wieder vergisst.
@Agnetha/Glucke:
Ich wusste auch nicht, wie hoch Bienen fliegen. Laut Internet aber bis zu 50 Meter hoch..
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#9
11.7.18, 22:40
@xldeluxe_reloaded: wusste ich auch nicht. Unser Haus wird gut 25-30 Meter hoch sein, also Kindergarten für Bienen 🐝
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#10
11.7.18, 22:55
@glucke1980: 
Ich frage mich, ob sie so hoch hinaus wollen oder müssen, um Nahrung zu finden.....aber egal, solange sie nicht aussterben.
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#11
11.7.18, 23:20
Sehr gut, dass Du dieses wichtige Thema hier ansprichst, Kriss👍
Ich kenne viele Leute, die sich nicht die Bohne dafür interessieren, weil sie überhaupt keinen Bezug mehr zur Natur haben. Mir fällt in letzter Zeit verstärkt auf, dass viele ihre Vorgärten in "Steinwüsten" verwandeln, Kiesflächen mit ein paar zurechtgestutzten Buxbäumchen oder ähnliches. Sowas mag natürlich kein Insekt und auch kein Vogel.
Meine Vermieterin hat zum Glück keinen aufgeräumten Garten. Es gibt dort viele Blühpflanzen, wie Lavendel und Sommerflieder. So können wir uns an vielen verschiedenen Schmetterlingen, Bienen und Hummeln erfreuen.
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#12
12.7.18, 12:24
Ein sehr wertvoller Beitrag !

Ich könnte mir vorstellen , daß neben den Pestiziden auch die modernen Mähwerkzeuge eine Ursache sind .
Eine echte Blumenwiese , wie man sie aus Kinderzeiten kennt , gibt es ja leider kaum noch . Selbst in meiner Gegend ( Nationalparkgebiet / Hohe Tauern ) sind dadurch Wiesen , wo noch Glockenblumen , Margeriten , Hahnenfuß , ... wachsen , selten geworden .
In mehrfacher Hinsicht schade drum .....
Umso mehr lohnt es sich , eine "Miniwiese" im Garten oder auf Balkon / Terrasse anzupflanzen .
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#13
12.7.18, 18:37
@all:
Vielen Dank für eure Kommentare und Anregungen :)

@Agnetha: 
Vielleicht ist das Nahrungsangebot für Bienen zu ebener Erde groß genug, sodass die Bienen sich nicht die Mühe machen müssen, höher gelegene Stellen anzufliegen...?
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#14
12.7.18, 18:54
ich wohne mitten in der Altstadt aber das kann natürlich trotzdem sein ... die Stadt Hofheim hat Anfang des Sommers Wildblumensamen an alle Interessierten verschenkt, damit überall Futter für die Bienchen angepflanzt werden kann ... schöne Idee übrigens
#15
14.7.18, 14:05
Wer einen Garten hat , sollte auch in einer abgelegenen Ecke wo man nicht immer lang muss , Brennesseln stehen lassen . Diese Futterpflanzen brauchen viele Schmetterlinge für ihre Raupen .
Den Tipp von Chris finde ich jetzt auch super und wichtig . 
Hier war mal ein Tipp , dass man eine Erdkugel mit Blumensamen drin irgendwo im grünen hinwerfen könnte . Speziell eben auch Wildblumensamen dazu zu verwenden . Diese Idee finde ich für das Frühjahr auch nicht schlecht . 
#16
14.7.18, 14:20
@Schnuff: Zwei solcher "Seed Balls" habe ich im Frühjahr geschenkt bekommen und in meine Blumenbeete gesetzt. Leider ist aus beiden nichts geworden.
Unserer Schwiegertochter und ihrer Mutter ist es genauso gegangen.
Schade!
#17
14.7.18, 14:37
@Maeusel: das war ja schade . Da hat wer was falsch gemacht oder es waren keine Samen drin . Kann verstehen , dass Du/ihr enttäuscht wart .
#18
15.7.18, 10:46
... wir haben eine große Dachterrasse (2.Stock) und in diesem Jahr einige Sommerflieder und Dahlien in größeren Töpfen gepflanzt. 

Besinders in den Fliedern "tobt das Leben"
Schmetterlinge (bisher waren Pfauenaugen, Kaisermantel, Kardinale, und Taubenschwänzchen da), Hummeln und Bienen geben sich täglich ein Stelldichein.  
Toll, das zu beobachten ...
 Wiederholte Aussage eines Familienmitglieds: ich will noch mehr Flieder ..." 😀

Die Idee mit der Bienenpatenschaft finde ich super, danke
#19
15.7.18, 11:24
@keine_Bree: Buddlejas haben wirklich einen hohen ökologischen Wert. Ich hab mal zwei gekauft und mittlerweile durch Selbstaussaat fünf im Garten. So schön wie dieses Jahr waren sie noch nie, das Wetter war genau richtig. 
Auch unsere Wisteria (Blauregen) ist ein Insektenmagnet und war dieses Jahr wegen der ausgebliebenen Spätfröste wunderschön wie nie. Es hat nur so gesummt und gebrummt darin und die Vögel hatten auch was davon. 
#20
15.7.18, 13:32
@HörAufDeinHerz: 


Wistera finde ich auch sehr schön, aber ich glaube, der ist  leider nur was für den Garten
#21
15.7.18, 21:22
Der Hype um die "verschwundenen Insekten" ist Bullshit. Ich lebe auf dem Land. Hier gibt es plenty of them!!! More than ever since. So shut up!

Der selbe Käse wie "der Mensch ist am Klimawandel schuld". Was für ein links-grün-gequirrlter Müll. Vor allem: ihr wisst es alle besser und dennoch besteht ihr auf dieser "Tatsache". Warum?
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#22
15.7.18, 21:28
@journaxel: wo , im Kuhstall oder auf der Miste ?
Mag sein , dass Du so empfindest , aber Wissenschaftler irren nicht .
#23
16.7.18, 01:55
Ein richtig toller Beitrag. 👍. Mich freut es so sehr das sich bei diesem Beitrag sich alle einig sind. 👏😃LG Uschi 

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