Einige Wildkräuter, die in früheren Zeiten Teil des täglichen Speiseplans waren, wurden in den letzten Jahren regelrecht "wiederentdeckt".

Unkraut auf dem Teller: Essbare Wildkräuter

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Die befriedigendste Methode von Unkrautbekämpfung ist wohl, das Zeug einfach aufzuessen. Im Ernst: Vieles, was wir heute als Unkraut verteufeln, war in früheren Zeiten Teil des täglichen Speiseplans. Einiges wurde in den letzten Jahren wiederentdeckt und hat dann gleich zu einem „Meine Güte, wie konnten wir das nur vergessen“-Hype geführt. Bestes Beispiel: Bärlauch. In der Saison kann man ja schon froh sein, wenn man eine Grillwurst mal ohne bekommt! Dann Sauerampfer. Kein gutes Restaurant ohne Sauerampfer-Süppchen (warum eigentlich immer in der Verniedlichungsform?) Holunder – ich sag nur Hugo.

Warum also nicht unsere Geschmacksknospen stimulieren und zugleich in unserem Garten die Herrschaft über Wachsen und Gedeihen behalten?

Giersch

Wird auch Dreiblatt oder Geißblatt genannt. Wer einmal Giersch im Garten hat, hat ihn immer, da er unterirdische Ausläufer bildet. Unverkennbar sind sein dreikantiger Stiel und die dreigeteilten Blätter. Nicht verfluchen, essen: Er hat bis zu dreizehnmal mehr Mineralstoffe und doppelt so viel Eiweiß wie „Superfood“ Grünkohl! Am besten schmecken die jungen Blätter, die man vom frühen Frühling bis spät in den Herbst findet. Giersch behandelt man wie Spinat: Man kann ihn blanchieren, dünsten, Quiches damit machen oder roh im Salat verspeisen.

Vogelmiere

Auch die Vogelmiere ist ein wunderbarer Spinatersatz. Das weißblühende Kraut, das ganze Bodenflächen in Nullkommanix bedeckt, breitet sich kriechend aus. Man könnte sie unter Umständen mit dem giftigen, aber rotblühenden Acker-Gauchheil oder mit anderen Mieren, vor allem der Sternmiere, verwechseln. Wenn sich beim Auseinanderziehen des Stengels ein dehnfähiger Faden zeigt, hat man Vogelmiere.

Melde

Es gibt zwei unterschiedliche Pflanzen, die beide Melde genannt werden: die Ackermelde, auch Weißer Gänsefuß genannt, ist eine sogenannte Pionierpflanze, die begeistert Brachen in Beschlag belegt. Sie ist einjährig, wird bis zu 1,5 m hoch und wird in ihren Heimatländern Indien und China kultiviert. Die Gartenmelde wird auch bei uns angebaut und wird bis zu einem Meter hoch. Beide kann man essen, am besten die jungen Blätter. Die Melde war früher fester Bestandteil des Speisezettels und wurde erst vom aus Spanien eingeführten Spinat verdrängt.

Brennnesseln

Auch Brennnesseln kann man wie Spinat behandeln, allerdings sollte man bei der Ernte der jungen Blätter Vorsicht walten lassen. Handschuhe sind angebracht. Werden Brennnesseln blanchiert, verliert sich das Brennen. Wunderbar frisch und gerade im Frühjahr ein Gedicht ist ein Risotto mit Brennnesseln. Dazu braucht man eine gute Handvoll junge Brennnesselblätter, die man ganz kurz blanchiert und klein hackt. Dann macht man ein klassisches Risotto und gibt am Ende die Blätter dazu. Das funktioniert auch mit Giersch, Löwenzahn, Melde, Vogelmiere…..

Löwenzahn

Das klingt nach Sterneküche: Salat von jungem Löwenzahn mit seinen Blüten. Die zarten jungen Blätter sind als Salat tatsächlich sehr lecker, die Blüten kann man ebenfalls essen, allerdings sollte man den Kelch entfernen, da dieser recht bitter ist.

Gänseblümchen

Blätter und Blüten sind essbar, eine raffinierte Zutat im Salat. Die unreifen Knospen kann man wie Kapern salzig-sauer einlegen.

Gundermann

Der kleine Gundermann mit seinen rund-herzförmigen Blättchen kriecht die Erde entlang, auch gern im Rasen. Erst zur Blüte stellt sich der Stängel auf und die blauvioletten Blüten ragen keck aus dem Grün. Gundermann nennt man auch Soldatenpetersilie – er hat ein kräftiges Aroma, das sich auch wunderbar für ein Wildkräuterpesto eignet.

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16 Kommentare


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#1
28.3.17, 17:45
Giersch schmeckt besser als Spinat, und ein Süppchen aus den jungen Brennnesseln mit einem Klacks Creme fraiche ist eine richtige Delikatesse. Ich kann es kaum abwarten, bis diese "Un"kräuter sprießen.
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#2
28.3.17, 22:05
Gute Auflistung!
Ich bereite im Frühjahr regelmäßig eine leichte Cremesuppe aus Giersch, Brennnesseln und Löwenzahn zu. Dazu noch Kräuter, Knoblauch und ein paar Kartoffeln für die Sämigkeit und eine Mahlzeit vom Feinsten steht ruck zuck auf dem Tisch.
In meiner Jugend kannte ich nur Melde. Soweit ich mich erinnern kann, war Spinat recht unbekannt im Haushalt meiner Eltern.
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#3
29.3.17, 00:28
am karfreitag gabs bei uns immer "herrgottsbscheißerle", maultaschen, die mit hack und unkraut aus dem garten gefüllt wurden. danach haben dann unsere 3 meerschweinchen die unkrautvernichtung übernommen.
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#4
29.3.17, 13:57
Mir wurde einmal beigebracht, es gibt kein Unkraut, man nennt unerwünschten Wuchs im Garten Beikraut.
Löwenzahn, Brennessel und Gänseblümchen haben in meiner Küche immer ein offenes Töpfchen und auch sonst belese ich mich gern und viel über die Geschenke der Natur.
Habe mir erst gestern die App "essbare Pflanzen " runtergeladen. Sehr interessant gestaltet mit Rezepten und vielen Fotos. 
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#5
30.3.17, 15:44
Kinder (kleine und grosse!!) essen Salat gleich lieber, wenn man ein paar Gänseblümchenköpfe drüber streut.... Sieht süss aus und schmeckt!
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#6
31.3.17, 19:06
Hallo
Vielen lieben dank, für diesen ganz tollen Tipp.
Ach, ist das schön, man lernt nie aus!!!!
Dankeschön👍🍀💜🙋
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#7
1.4.17, 18:42
ich mag Gänseblümchen auf dem Butterbrot, mit einem Hauch grobem Meersalz  ...  Danke für den Tip mit der app, die werde ich mal testen
#8
2.4.17, 07:52
Ich freue mich auch immer auf die ersten Pflanzen. Ich mach immer Tee mit Brennessel und Salbei. Der Vorteil Brennessel entwässert den Körper und Salbei ist gegen lästiges Schwitzen.
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#9
2.4.17, 07:55
Und die Brennnessel wirkt entgiftend und anregend auf den Stoffwechsel also voll Gesund.
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#10
2.4.17, 09:16
@Upsi: Hallo, Upsi, welche App hast Du denn? Wohl nicht iOS? 
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#11
2.4.17, 10:32
@schwarzetaste: die App heißt "essbare Pflanzen" von Lars Konarek , über Play Store runtergeladen
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#12
2.4.17, 10:41
Ich bin etwas erstaunt, dass hier immer noch von "Unkraut" die Rede ist. Allgemein wird heute, sowohl von Gartenfreunden als auch von Kochfreunden, von "Wildkräutern" gesprochen, drückt dieser Begriff doch mehr die Wertschätzung gegenüber den wilden ,essbaren Pflanzen aus - was ja dieser Beitrag fördern möchte, wenn ich ihn richtig verstanden habe.
#13
2.4.17, 12:04
@Upsi: Dankeschön! :-) Leider ist es dann nur für Android, schade.
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#14
2.4.17, 12:06
@whirlwind: Wenn etwas in meinem Beet wächst, was da nicht wachsen soll, nenne ich es immer noch "Unkraut", egal, ob man es essen kann! ;-)
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#15
3.4.17, 23:27
So so. Wenn jemand sich kostenlos solche Köstlichkeiten  besorgen möchte; der komme in meinen Garten ! Girsch, Melde u.s.w.
Aber bitte noch vor Ostern, große Körbe bitte mitbringen. Danke
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#16
9.4.17, 23:06
Dann werde ich jetzt mal alle Gänseblümchen vom Rasen wegsammeln und dann erst mähen. Danke für die Tipps.

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