Verletzte Pferdebeine: Verbandswechsel günstiger & einfacher machen

Jetzt bewerten:
4,7 von 5 Sternen auf der Grundlage von

Heute werde ich mich mal mit einem Tipp versuchen. Auch wenn ich mit allzu starker Kritik rechnen muss. Es geht darum, wie man einen Verbandswechsel bei einem verletzten Pferdebein günstiger und einfacher machen kann.

Meine Pferd hatte vor drei Jahren einen bösen Weidezaununfall. Eine Wunde in der Größe eines DIN A5 Blattes am Sprunggelenk. Haut und Fleisch waren bis zum Gelenk und der Sehne weg. Gelenk und Sehne waren jedoch ohne Schaden somit war das Einschläfern nicht unbedingt nötig, solange die große Fleischwunde heilen würde. Ich entschied mich für den langen Heilungsweg. Der Tierarzt war noch so fair mir mitzuteilen, dass die anfallenden Verbandskosten auf über 1000 € anwachsen könnten, ohne Medikamente und sein Honorar versteht sich.

Die ersten zwei Wochen wurde der Verbandswechsel, alle drei Tage, vom Tierarzt persönlich durchgeführt, danach musste ich selber ran. Die erste Rechnung kam und ich war schon baff, wie teuer so eine Rolle Verbandswatte und der übrige Kram dafür war. Grund genug um über Alternativen nachzudenken. Im Internet fand ich einen Anbieter, der Neopreen-Verbände für diese Beinbereich anbot. War zwar relativ teuer, aber ich musste mit 4-6 Monaten rechnen, da rechneten sich dann zwei dieser Teile schon, sie konnten abwechselnd in der Waschmaschine gewaschen werden. Nachteil war, das der Klettverschluss genau über der Wunde geschlossen wurde. Also musste ich noch ein gegensätzliches passendes Innenpolster nähen, habe ich auch irgendwie hin bekommen.

Doch das Hauptproblem war, in diesen nun leichter zu wechselnden Verband einen saugstarken und hygienischen Wundverband zu bekommen. Meine Freundin, gelernte Tierarzthelferin, empfahl mir dieses Wisch & Weg - Küchenpapier, aber die waren mir zu unhygienisch (habe mal einen Bericht gesehen, nee nicht auf Wunden, sind reine Bakterienschleudern).

Nach einigen Debatten mit ihr und dem anwesenden Tierarzt, legten wir uns auf billige Damenbinden fest. Diese gibst in verschiedenen Ausführungen, mal dünn mal dick, das erleichtere uns dann auch die Wahl der Verbandsdicke/polsterung. Praktisch war auch das die Damenbinden selbstklebend sind und leichter am Innenpolster hafteten. Darauf heftete ich, mit Nadel und Faden, wiederum ein passend ausgeschnittenes Stück Verbandswatte, auf der dann die jeweiligen Medikamente aufgetragen wurden. Ich musste etwa 5 Monate, jeden dritten Tag einen Verbandswechsel vornehmen.

Dank der Damenbinden und des Neobreenverbands hielten sich die Kosten aber in Grenzen. Auch der befürchtete Verbandsdruck blieb aus. Ferner fand ich, dass die DA-Binden sehr gut die Wundflüssigkeit aufsaugte. Der gesamte Verband verklebte nicht mehr so stark und erleichterte das abnehmen. Außerdem durfte meine Stute nach zwei Wochen Einzelhaltung in einem kleinen Auslauf, wieder zurück in ihre Herde. Der normal gewickelte Verband, den ich in der Zeit noch machte, hielt das gerade einen Tag aus... Ich brauchte also eine andere Lösung.

Ich wünsche niemanden einen ähnlich schlimmen Fall, aber ich habe damals soviel Kopfarbeit leisten müssen, dass ich nun meine Erfahrung einfach mal weitergeben möchte.

Von
Eingestellt am

15 Kommentare


10
#1
18.10.12, 21:06
hallo,ich habe zwar kein pferd,hatte aber früher ein pflegepferd.und ich wußte auch warum,denn wenn ich mal angucke, was der Tierarzt bei unseren Kleintieren schon kostet,würde ich bei Pferderechnungen sicher in Ohnmacht fallen.ich finde es gut dass du für dich und dein pferd einen weg gefunden hast das alles zu lösen.viele würden,allein schon aus kostengründen, einschläfern lassen.daumen hoch von mir,auf dass dein pferd nun gesund alt werden kann :)
1
#2
18.10.12, 21:34
Super Tipp! Gott sei dank ist mein damaliges Pony von sowas verschont geblieben!
5
#3
18.10.12, 22:20
Hallo KeinKunststoff, schön, dass Du Dich trotz Deiner Bedenken wegen evtl. zu starker Kritik durchgerungen hast, den Tipp einzustellen. Mangels Pferd kann ich Deinen Tipp nicht wirklich beurteilen, aber er liest sich gut und durchdacht und dafür und für Deinen Mut gibt es von mir einen Daumen nach oben.

(Eigentlich sowohl schlimm als auch schade, dass sich Neulinge hier bei FM nicht ermutigt fühlen, Tipps einzustellen, finde ich).
3
#4
19.10.12, 08:23
@mimibee: Danke mimibee, die Entscheidung habe ich nicht bereut^^ Die Stute wird nächsten Januar 31 Jahre und erfreut sich der besten Gesundheit :o)
Wir sind seit 22 Jahren zusammen und bis auf die üblichen Kleinigkeit hat sie so gut wie nie einen Arzt gebraucht. Dafür hattet sie aber damals das Spesenkonto für Notfälle auf einem Schlag leergeräumt ;) Ich hänge halt sehr an dieser Stute und wir haben genug schöne Dinge zusammen erlebt, als das ich es nicht versuchen musste^^

@JoJo1989: Zum Glück kommen solche fiesen Unfälle auch nur sehr selten vor und auch nur dann wenn mehrere unglückliche Umstände zusammen treffen. Wir hatten halt einfach nur Pech gehabt. Natürlich hoffe ich, dass hier niemand meinen Tipp braucht und freue mich, dass es allen Vier- und Zweibeinern gut geht :-) Danke^^

@HörAufDeinHerz: Hallo HörAufDeinHerz, also meine Bedenken, ob ich den Tipp mit den Alternativ-Verband und den Damenbinden veröffentlichen sollte, hätte ich im Tipp wohl besser nicht äußern sollen, da ich bei den FM-Mitgliedern gar nicht so große Bedenken habe. Der Tipp selbst ist schon sehr Spezifisch und für diejenigen die die Problematik des Verbandswechsels am Sprunggelenk nicht kenne auch nicht nachvollziehbar.
Der Kerntipp ist auch nicht mein damaliges Gesamtproblem, sondern die Verwendung von Damenbinden, der den größten Teil der Verbandswatte austauschte. Das würde auch bei weniger bösen Verletzungen und auch bei anderen Wunden funktionieren. Den Tierversuchstest haben diese Binden in der Praxis bestanden. Ich weiß selber nicht genau, warum ich deshalb nervös bin. Ich bin etwas paranoid :/ .... herzlichen Dank für deine netten Worte^^
LG KeinKunststoff
8
#5
19.10.12, 08:31
Guten Morgen KeinKunststoff, ich geb Dir 100000000000000000 Sterne

für die Mühe, Liebe, Arbeit, Gedanken, Geld und Zeit, die es Dich gekostet hat,

...ist unbezahlbar aber Lob und Anerkennung wert!
#6
19.10.12, 08:43
@Lichtfeder: moin, moin^^ *breites Grinsen*

Danke Lichtfeder, ich weiß nie wie ich deine Kommis interpretieren darf. Ist so im Internet ohne echter Mimik. Dennoch muss ich jetzt Lachen und Schmunzeln.
Schönen Tag noch, ich muss los :-)

LG KeinKunststoff
3
#7 Upsi
19.10.12, 10:24
super tipp für pferdehalter und sicherlich auch für andere tierhalter sinnvoll, wenn auch nicht für einen wellensittich geeignet:-))))) übrigens sollte doch niemand bedenken haben hier etwas zu veröffentlichen, aber verstehen kann ich das schon. guter tipp, alle daumen hoch, weitermachen.
2
#8
19.10.12, 11:39
Ich wünsche euch noch ganz viele schöne Jahre zusammen - und hoffentlich ohne Verletzungen in jeglicher Hinsicht.
Für mich ist Deine Schilderung tätige Tierliebe - günstiger Verband hin oder her - und dafür muß es einfach "Daumen hoch" heißen !
1
#9
19.10.12, 12:08
Ich finde den Tipp gut durchdacht und freue mich, dass du ihn eingestellt hast.
Meine Pferde hatten glücklicherweise noch nie einen Unfall *ganz fest auf Holz klopf* und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Aber auf alle Fälle werde ich diesen Tipp im Hinterkopf behalten.
2
#10
19.10.12, 13:17
@KeinKunststoff: Sehr gut geschriebener Tipp und Kommentar #4!
Ich habe zwar kein Pferd, sondern eine Katze, freue mich aber über soviel Tierliebe!
Ein Tier einfach einschläfern zu lassen, nur weil es ans Portemonnaie geht, wäre für mich das Letzte!
Alles Gute! :-)
1
#11
19.10.12, 15:15
Auch für den Pferdealltag ein sehr guter Tipp.
Z.B. wenn man mal einen kühlenden Umschlag unter die Bandage bringen will.
Eigentlich bietet sich da auch Babywindel an.
2
#12
19.10.12, 20:32
@Upsi: :-) ich hatte früher auch einen herzallerliebsten Wellensittich und stand manchmal ratlos da ... vielleicht hast du ein paar gute Tipps für ein glückliches zwitscherndes Vogelleben? - Meine ganze Alltagstipps, bis auf den Oberen, sind nur abgeschaut und nachgemacht. Da kann ich nicht viel aus meinem Ärmel ziehen, falls mir doch noch etwas einfällt, werde ich weitermachen^^

@horizon: Danke horiznon :o)

@mops: Ich klopft für dich jetzt ganz laut auch auf Holz^^ es freut mich, das eine Pferdebesitzerin, für den nicht eintreffenden Ernstfall, jetzt einen Tipp im Hinterkopf hat. Viel Glück für dich und deine Lieben^^

@kitekat7: Danke, für so viel Lob. Dennoch hatte ich in den ersten 14 Tagen nach dem Unfall oft das Gefühl, das meine Entscheidung egoistisch und falsch von mir war. Denn meine Stute litt sehr, trotz starker Schmerzmittel. - Und das nur für ein zweifelhaften Behandlungserfolg. Ansonsten sehe ich es fast genauso wie du, das es nicht am Geld liegen sollte um einen/r Freund/in zu helfen. Aber ich kenne auch zwei Fälle, da wuchsen die Kosten dermaßen an, das nur ein riesiger Schuldenberg übrig blieb (Fall 1: über 11.000 DM / Fall 2: 8.500 DM). Pferde tot und zwei Banken freuten sich. Irgendwo muss man auch Grenzen setzen, auch wenn die Grenze bitter ist.
Dir auch alles Liebe und Gute ^^

@AMA: Hi, darüber habe ich wiederum noch nie nachgedacht :-))))
Hmmm... kühlenden Umschlag, weiß nicht... habe ich noch nie gebraucht. Die Beine kühle ich immer mit fließenden Wasser.
Probiere es doch aus, Erfahrungsberichte können nicht schaden ;-) - Babywindeln, sind glaube ich etwas teurer, oder? Aber wenn man welche übrig hat... gute Idee, die müssten ja auch sehr hygienisch sein, glauben ich^^

LG KeinKunststoff
1
#13
22.10.12, 23:36
Ich bin früher viel geritten und weiß, wie schön eine lange Beziehung zu einem Pferd ist. Deswegen 5*
Was ich toll finde, ist der Tipp mit den Damenbinden. Evtl. kann man solche auch bei anderen stark nässenden Wunden verwenden, also nicht nur Pferd:))
1
#14
23.10.12, 07:15
@KeinKunststoff: Ich hatte öfter mit Hufgeschwüren, auch Sehnenreizungen zu tun. Da war es immer ein Problem den vom TA verordneten nassen Umschlag am Pferdebein zu halten.
Ich habe eben mal bei ebay nach "Windeleinlagen" geguckt. Das bringt einen auf Ideen, wenn man so was braucht.
#15
23.10.12, 17:25
Danke Flieder65^^

@AMA: Mein Wallach hatte im Sommer ein Hufgeschwür. Den nassen Hufverband zu machen, fand ich nicht so schlimm. Watte drum, dann diese selbsthaftenenden Bandagen drum und zum Schluß ganz viel von diesem Reparaturband (aus dem Baumarkt). Die Watte muss eh oben etwas überstehen, da konnte ich immer gut angießen. Hier käme ich gar nicht auf die Idee eine Alternative zu suchen.
Bei der Stute hatte ich früher mal eine Woche lang einen feucht Verband machen müssen. Doch da nahm ich nur diese einfachen Bandagierunterlagen. Ich weiß jetzt nicht wie die heißen, die sind wattiert und gibt es in jeden Reiterladen. Ich brauchte keine besondere Vorsicht wallten lassen, da keine Wunde vorhanden war. Fixiert wurde es mit einer normalen Strickbandage, ich konnte den Verband ganz gut feucht halten und nach Gebrauch (Bandage und diese Unterlage) einfach waschen und für einen neuen Einsatz in die Stallapotheke legen. Wurde auch vom TA abgesegnet.
Ich möchte dir deine Idee nicht ausreden, auch weil ich deine spezifische Problematik noch nicht ganz erfasst habe, so kommt es mir dennoch etwas Übertrieben vor, für einen Feuchtverband Wegwerfprodukte zu nehmen.

LG KeinKunststoff

Verfasse einen Kommentar

Emojis einfügen