Gegenüber billigen Scheiben aus aufgerollten Papierstreifen, bieten Scheiben aus Sisalfasern den Vorteil, dass sich das durch den Dart (Pfeil) verursachte Loch nach Herausziehen des Pfeils wieder schließt.

Darts – mehr als nur ein Spiel

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Mein Vater hat mir als Kind das Bogenschießen beigebracht. Nicht mit einem selbstgebauten Spielzeugbogen, sondern mit einem ernstzunehmenden Sportgerät aus Fiberglas. Es war eine meiner liebsten Beschäftigungen in unserem großen Garten und ich denke, ich war recht gut darin. Außerdem liebte ich das satte Geräusch, mit dem die Pfeile in der Zielscheibe aus Stroh einschlugen. Als ich 1989 nach Berlin gezogen bin, war es zwar mit dem Bogenschießen vorbei, nicht aber mit meiner Begeisterung für Pfeile und Zielscheiben. Ich habe dann aus Mangel an geeigneten Plätzen fürs Bogenschießen auf dessen kleinen Bruder Darts umgesattelt. Ein Sport, der mich bis heute fesselt. Ich höre den Aufschrei der Community „Darts ist doch kein Sport.“ Doch, das ist es. Mehr fürs Gehirn als für den Körper, aber nachdem Schach offiziell als Sport gilt, ist die Grenze da fließend. Im Folgenden möchte ich euch einen Überblick über diesen Sport, seine Regeln und das benötigte Equipment geben. Also: Game on!

Eine kurze Historie zu Darts

Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt Darts, trotz des französischen Namens, aus England. Dort fanden zumindest zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ersten sportlichen Wettkämpfe statt. Bereits 1896 legte der englische Zimmermann Brian Gamlin die Verteilung der Zahlen auf dem Dartboard fest. Nachdem Darts 1908 per Gerichtsbeschluss zum Geschicklichkeitsspiel erklärt wurde, durfte in den zahllosen Pubs Großbritanniens gedartet werden. Seitdem hängt Darts (leider) das Image des typischen „Kneipensports“ an.

Das Darts-Equipment

Für einen Neueinsteiger im Darts-Sport ist das benötigte Equipment sehr überschaubar: Eine Dartscheibe (Dartboard), drei Pfeile (Darts) und eine geeignete Wand zum Aufhängen der Scheibe. In Mehrfamilienhäusern ist es sinnvoll, das Board an einer innen liegenden Wand zu befestigen, um eine Geräuschbelästigung der Nachbarn zu vermeiden. Ich beziehe mich bei allen Angaben nur auf den sogenannten „Steeldart“, also Pfeile mit echter Metallspitze. Die in vielen Kneipen zu findenden „Softdart“-Automaten für Plastikpfeile (die einem das Rechnen abnehmen und komische Geräusche machen) finde ich persönlich nervtötend.

Das Dartboard

Ein gutes Dartboard besteht aus unzähligen, senkrecht stehenden Sisalfasern. Gegenüber billigen Scheiben aus aufgerollten Papierstreifen, bieten Sisalfasern den Vorteil, dass sich das durch den Dart (Pfeil) verursachte Loch nach Herausziehen des Pfeils wieder schließt. Ich benutze seit über 15 Jahren ein und dasselbe Board und es zeigt trotz täglicher Benutzung keine nennenswerten Beschädigungen. Ein Wettkampfboard hat einen Durchmesser von ca. 45 Zentimetern und ist im Fachhandel inklusive Wandbefestigung für rund 50 Euro zu haben. Insbesondere für Einsteiger ist zusätzlich ein sogenanntes Dartboard Surround empfehlenswert. Dabei handelt es sich um einen Ring aus dickem Gummi, der über das Dartboard gezogen wird und die umliegende Wand vor danebengeworfenen Pfeilen schützt.

Die Darts

Ein besteht immer aus drei Pfeilen, da jeder Spieler pro Durchgang drei Würfe hat. Jeder Pfeil besteht im Wesentlichen aus vier Teilen: Dem Tip (die Spitze aus Metall), dem damit fest verbundenen Barrel (dem eigentlichen „Körper“ des Pfeils), einem abschraubbaren Schaft (meist aus Aluminium oder Nylon) und dem Flight (vergleichbar mit den Federn eines Pfeils beim Bogenschießen). Darts sind in sehr vielen verschiedenen Ausführungen und Gewichtsklassen erhältlich. Die meisten Spieler bevorzugen Darts mit einem Gewicht von 20 bis 26 Gramm. Ich komme mit 23 Gramm-Darts am besten klar. Gute Steeldarts kosten ab ca. 15 Euro aufwärts. Für Darts eines prominenten Spielers muss man mit Preisen um 80 Euro und (deutlich) mehr rechnen.

Die Regeln

Es gibt zahlreiche Regel-Varianten, aber das am weitesten verbreitete Spiel nennt sich „501 Double Out“. Dabei geht es darum, 501 Punkte möglichst schnell auf (exakt) null zu bringen. Zur Veranschaulichung das Bild eines Dartboards:

Klassische Dartscheibe

Bildquelle: Tijmen Stam, Dartboard, CC BY-SA 3.0

Jedes Segment des Dartboards besitzt die Wertigkeit der außen davor stehenden Zahl. Treffe ich eine 20 bedeutet das: 501 minus 20 gleich 481 Punkte Rest. Eine besondere Bedeutung kommt den beiden schmalen Ringen (Double Ring und Triple Ring zu): Wird eine Zahl im äußeren Ring getroffen, verdoppelt sich ihr Wert. Dementsprechend wird der Wert der Zahl im inneren Ring verdreifacht. Der rote Mittelpunkt der Scheibe heißt Bull’s eye und zählt 50 Punkte. Das grüne Feld rund um das Bull’s eye nennt sich Bull oder Single Bull und zählt 25 Punkte. Die höchste erreichbare Punktzahl mit einem Pfeil ist also nicht das Bull’s eye in der Mitte, sondern das 20er-Segment im Triple Ring (3 x 20 = 60 Punkte).

Jeder Spieler wirft aus einer Entfernung von 2,37 Meter abwechselnd drei Darts, die Punkte werden addiert und von 501 an subtrahiert. Der letzte Wurf, mit dem man genau Null erreicht, muss im schmalen Feld des Double Ring stecken, daher der Name 501 Double Out. Beispiel: Bei 32 Punkten Rest muss die 16 im Double Ring getroffen werden, um auf null zu kommen.

Anschauungsunterricht

Am einfachsten versteht man die Regeln, wenn man den Profis beim Spielen zusieht. Die nächste gute Gelegenheit dazu kommt schon bald: Am 14. Dezember 2017 geht die diesjährige Darts-Weltmeisterschaft los. Austragungsort ist der altehrwürdige Alexandra Palace in London, von Darts-Fans liebevoll „Ally Pally“ genannt. Der Spartensender Sport1 überträgt bis zum 1. Januar 2018 an 15 Tagen die wichtigsten Spiele im TV, kommentiert vom kongenialen Duo Elmar Paulke und Shorty „Schleifstein“ Seyler. Ein mehr als sehenswertes Spektakel und die letzte Gelegenheit den Darts-Gott Phil Taylor zu erleben. Der 16fache Weltmeister zieht sich nach der WM aus dem aktiven Darts-Sport zurück. Viel Spaß!

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