Time goes by so slowly - so heißt es in einem Song von Madonna. Von wegen! Die meisten von uns haben das Gefühl, dass ihnen die Zeit unter den Fingern hinwegrast. Doch woran liegt das?
Die ständige Verfügbarkeit der Nachrichten
Als ich in den 1990ern jung war, gab es auch jede Menge schlechter Nachrichten. Der Völkermord in Ruanda, das Massaker in Srebrenica, die Belagerung von Sarajewo. Wir haben schreckliche Bilder in der Tagesschau gesehen und ja, sie haben mich belastet. Sie liefen aber nur in den entsprechenden Nachrichtenformaten und waren somit nur zu bestimmten Tageszeiten abrufbar, zumindest die entsprechenden Bewegtbilder.
Heute werden wir 24/7 auf allen erdenklichen Plattformen (TikTok, YouTube etc.) mit schlimmsten Bildern konfrontiert. Wenn wir einmal auf entsprechende Inhalte geklickt haben, werden wir mit Bildern von Massakern, Aufständen etc. geflutet.
Was macht das mit uns?
Unser Gehirn wird auf einen ständigen Stress / Krisenmodus programmiert, obwohl wir derzeit nicht angegriffen / bombardiert werden. Das Grundgefühl bleibt negativ, das Ende der Welt scheint nahe, jegliche Zuversicht schwindet. Die Zeit rast an uns vorbei, weil sich eine Horror-Nachricht an die andere reiht. Grundsätzlich merkt der Mensch auch eher negative als positive Nachrichten. Das macht evolutionär durchaus Sinn. So schützt sich der Mensch vor schlechten Erfahrungen. Beispiel: Der Mensch hat einmal diese schönen roten Beeren gegessen. Jetzt hat er Bauchschmerzen. Von nun an wird er sehr vorsichtig mit roten Beeren sein.
Soll ich denn nun den Kopf in den Sand stecken?
Nein, niemals! Es geht vielmehr darum, die Zeit, die ihr in eurem Leben habt, bewusster zu erfassen. Ihr habt Mittagspause und ihr habt euch in den örtlichen Stadtpark zurückgezogen? Ihr sitzt auf der Bank, trinkt euren Kaffee und lauscht den Vogelstimmen? Dann genießt ihr genau diesen Moment! Er ist jetzt gut und kommt nicht wieder und keiner weiß, was in den nächsten Wochen und Monaten sein wird!
Selbstverständlich sollt ihr auch die Entwicklungen der Politik verfolgen, aber eben nicht rund um die Uhr. Überlegt euch Zeiträume des Tages, an denen ihr euch mit den Nachrichten konfrontieren wollt, auch in welcher Form. Ich selbst kann Nachrichten relativ gut hören, auf visuelle Nachrichtenbeiträge verzichte ich seit Jahren.
Genießt die guten Augenblicke!
Man kann sein Gehirn programmieren. Habt ihr einmal ein paar Tage frei und nur wenige Termine, so nehmt gerade diese Zeit bewusst wahr und lasst sie nicht achtlos an euch vorbeirauschen. Sagt nicht: "Ich habe nur noch einen Tag frei!" sondern: "Ich habe noch einen ganzen Tag frei und ich werde etwas Schönes daraus machen!"
Bis zu einem gewissen Grad könnt ihr dazu beitragen, dass ihr schöne Zeiten länger, hektische Zeiten dagegen kürzer wahrnehmt. So könnt ihr aus eurer freien Zeit mehr Erholung schöpfen.
Es ist völlig naiv zu glauben, dass der Einzelne die Welt verbessern kann. Von extremen Notlagen abgesehen, können wir aber beeinflussen, wie schlimm wir unsere Gesamtsituation aufnehmen.
Handy weg!
Ja, das Handy gehört für uns heute dazu, aber leider werden wir durch das Handy auch ständig mit den Katastrophen unserer Zeit konfrontiert. Von daher hilft eine tägliche Auszeit vom Handy für mehrere Stunden, um endlich wieder "bei sich selbst zu sein". Das heißt nicht, egoistisch zu sein. Überlegt euch, welche Initiativen ihr vielleicht langfristig unterstützen wollt (Greenpeace, World Vision, Ärzte ohne Grenzen etc. ) Dann habt ihr nachhaltig etwas Gutes getan, für die Gemeinschaft und für euch. Denn ihr könnt euch nicht in ALLEN Dingen engagieren. Es hilft auch einmal, sich zu sagen: "Ich unterstütze Projekt X. Das ist das, was ich tun kann." Nicht mehr, nicht weniger.