Wenn Kinder trauern
2

Wenn Kinder trauern

Jetzt bewerten:
4 von 5 Sternen auf der Grundlage von

Da das Thema Tod, gerade Kindern gegenüber meistens tabuisiert wird, ist es um so schwerer, wenn man ein Kind über den Tod eines geliebten Menschen informieren muss.

Ich möchte hier nichts pauschalisieren. Jedes Kind hat seine eigenen Gedanken und Gefühle zu dem Menschen, den es betrauert und darauf müssen wir uns einstellen. Ich möchte euch von meinen Erfahrungen berichten, weil wir damit gut zurecht gekommen sind und ich denke, dass meine Kinder das so für sich sehr gut annehmen konnten.

Der leibliche Vater meiner ältesten Tochter, ist überraschend verstorben, als sie 9 Jahre alt war. Ich empfand es sehr wichtig, mit ihr zur Beerdigung zu gehen. Meine Tochter hat ihm einen Brief geschrieben (den ich nicht gelesen habe) und hat ihn mit in's Grab gegeben. Dann habe ich ihr einen schwarzen Bilderrahmen, mit schönen Fotos ihres Vaters, fertig gemacht. Neben dem Rahmen hat auch ein Engelchen Platz und andere kleine Erinnerungsstücke.

Meine zweite Tochter musste mit knapp 8 Jahren, den Tod ihrer lange schwerstkranken Schulfreundin betrauern. Da es der Tod eines Kindes war und meine Tochter eine geistige Einschränkung hat, war es eine sehr schwierige, sensible Trauer. Wir waren nicht bei der Beerdigung, aber auch sie hat für Ihre Freundin einen kleinen Altar, der für sie auch nach inzwischen fast drei Jahren, überaus wichtig ist. Ihre Freundin ist jetzt ein Stern, und zwar der hellste und schönste, den sie am Himmel entdecken kann.

Ich möchte euch gerne zwei Bücher an's Herz legen, die zwar traurig zu lesen sind, aber mir auch sehr viel Hoffnung und Trost gegeben haben. Und sogar meine älteste Tochter, hat auf ausdrücklich eigenen Wunsch, diese Bücher mit 11 Jahren gelesen.

Elisabeth Kübler-Ross: "Über den Tod und das Leben danach", "Worte an ein sterbendes Kind"(wird nicht mehr aufgelegt, ggf bei amazon erhältlich.)

Von
Eingestellt am

15 Kommentare


6
#1
25.1.14, 19:55
Auch uns haben im schlimmen Leid, die Erzählungen von klinisch toten und reanimierten Menschen geholfen. Von unserer Kirche haben wir uns getrennt, da wir in der schwersten Zeit unseres Lebens weder Hilfe, noch Trost bekamen. Trotz allem, oder vielleicht wegen des Leides haben wir zum christlichen Glauben gefunden. Heute haben wir keine Zweifel mehr, dass es eine sichtbare und eine unsichtbare Welt gibt, so wie dies Paulus in der Bibel schrieb:
"...uns die wir nicht sehen auf das Sichtbare,
sondern auf das Unsichtbare,
denn was sichtbar ist, das ist zeitlich,
was aber unsichtbar ist, das lebt ewig."
...und...:
"Siehe, ich sage euch ein Geheimnis:
Wir werden nicht alle entschlafen,
wir werden aber alle verwandelt werden. "
Siehe Videos auf YouTube:
"Leben nach dem Leben"
"Besuch im Jenseits"
"Ein Fuß im Jenseits"
"Der Tod ist das Tor zum Leben"
2
#2
25.1.14, 20:16
"Kinder und Tod" ist auch von Elisabeth Kübler-Ross, das Buch hat uns sehr geholfen. Meine Tochter war 11 Jahre als ein sehr naher Familienangehöriger nach 14 Tagen Krankenhaus dort verstarb. Sie konnte ihn nicht mehr sehen und Abschied nehmen.

1
#3 eisernelady
26.1.14, 11:00
Die Idee mit dem kleinen Hausaltar finde ich toll - eine Erinnerungsstätte für religiöse oder auch nicht religiös gebundene Menschen.
#4
27.1.14, 00:10
@Lichtfeder: Danke für Deinen Buchtipp...im Buchhandel konnte man mir das nicht sagen.
#5
27.1.14, 00:13
@eisernelady: Genau, unabhängig von Religionen leben geliebte Menschen in unseren Erinnerungen weiter.
5
#6
27.1.14, 10:51
Oh Gott, hab gerade ganz feuchte Augen bekommen - habe mich an den Tod meiner "Pflege-Oma" erinnert. Mit 9 Jahren habe ich sie (*1904-1991) auf Grund diversen Altersbeschwerden verloren, und sehr-sehr-sehr-sehr... lange ihr hinterher geweint! Meine Eltern wollten mich "in Schutz" nehmen, u. haben mir sowohl ihren Tod, als auch ihre Beerdigung verschwiegen - bin heute noch sauer! Hätte ich nicht zufällig meine Mutter m. meiner Tante reden gehört, wäre ich wohl heute noch unwissend... Danach weinte ich Tag & Nacht, heulte sogar vor der Wohnungstür meiner Oma, sie solle doch aufmachen, bitte aufmachen..obwohl ich wusste dass sie nie wieder zurück kommt. Dies ging dann, nach dem meine Eltern VERBOTEN hatten (ja ihr habt richtig gehört) ihr nun nach ~ 1 Jahr immernoch nachzuplärren, im Geheimen, Toilette,Badezimmer,Schule u. unter der Bettdecke jahrelang soweiter... irgendwann aß ich nix mehr, wog bissl mehr als 40kg (1,68cm), keiner hielt mich zurück, bemerkte scheinbar etwas, mir gings besch...ssen, keiner war für mich da - profession.ärztl. Hilfe wäre damals dringend nötig gewesen, aber nichtmal die Kinderärztin (blöde Kuh!) juckte der Zustand, heute würde ich ihr mal gehörig die Meinung sagen, aber... Naja, die ganze Selbstzerstörung ging halt weiter, bis ich im Traum mit meiner Oma redete. Sie war lebendig, ein angenehmer Duft in der Luft, streichelte mich, kuschelte, u. redete sanft mir ins Ohr, wie sehr sie traurig ist, dass ich so traurig bin, ihr zuliebe aufhören soll u. ESSEN, ESSEN... sie starrte mir in die Augen u. befahl mir immerwieder LEBE, LEBE..WEITER, ich lass nicht zu dass du stirbst, auch wenn du mich nicht siehst, ich bin immer bei dir, weine nichtmehr, komm einfach zu mir ans Grab, da liege ich drin, höre alles was du mir sagst, u dein Herz sieht mich! Als sie mich ans Herz fasste, Zack, wachte ich wieder auf. In dieser Nacht änderte ich meinen Plan, u. riss mich selbst aus dem Zirkel der Trauer raus, begann wieder zu essen, Selbstbewusstsein u. innere Stärke kehrten auch umgehend wiederzurück, u. ich lerne statt um meine "Wunden" zu weinen, sie selbst zu heilen. Immer wenn ich Rat suchte, ging ich an ihr Grab, erzählte ihr meine Sorgen u. schöpfte neue Kraft. Ist heute nach ~ 23 Jahren, eine Menge anderer Verluste bzw Menschen & liebe Tierchen... noch so, dass ich in Verbindung mit meiner Oma bleibe u. ihre "Anwesenheit" mir unheimlich viel Kraft gibt. Wäre niemals Das was ich jetzt bin, bzw so stark, hätte ich damals aufgegeben, u. das tote "Mäuschen" geblieben. Also, immer genau hinsehen, wie sich die Kids verhalten, u. nicht zögern (im Fall eines Falles) auch mal prof. Hilfe in Anspruch zu nehmen, u. das Kind NIEMALS anbrüllen, bedrohen...aus Lachen, hinwegsehen,aufzuhören - kann sehr böse enden! Gott sei Dank sind nicht alle Menschen so naiv,dumm u. boshaft, gleichgültig bzw eigensinnig wie meine "Zeuger"...
2
#7
27.1.14, 14:11
@treuerfreund: Deine Worte machen sehr traurig und bewegt.
Vor einem Jahr ist eine liebe Freundin von mir im KH verstorben. Vor ihrer Beerdigung hat sie im Traum bei mir angerufen, und sagte mir, dass sie nun nach hause geht. Ich habe es nicht verstanden, wie sie mich anrufen kann, wo sie doch tot ist. Als ich wach wurde, wusste ich, sie ist zu hause und alles ist gut.
Es gibt so viel zwischen Himmel und Erde.
1
#8 peggy
27.1.14, 15:27
hallo Bossi, dein Tipp und die Kommentare gehen mir sehr nahe ,
ich könnte viele kleine Tipps zu diesem Thema geben, schaffe es aber nicht, da mir die Seite FM zu öffentlich ist.
Ich denke auch dafür hast du Verständnis.
LG peggy
2
#9
27.1.14, 20:47
@peggy: Hallo Peggy, ich glaube, dafür hat hier JEDER Verständnis.
Beim Einstellen dieses Tipps war ich mir nicht sicher, ob ein derartiger Hinweis für das FM Forum wirklich geeignet ist. Ich habe es getan, weil ich möchte, dass wir das Vertrauen zu unseren Kindern haben, dass auch sie die Fähigkeit haben Trauer zu erleben.
Ich war über meine Kinder sehr verwundert, wie sie mit den Trauernachrichten umgegangen sind. Erst haben sie sehr geweint. Dann wurden ganz offen sehr konkrete Fragen gestellt. Über die Antworten wurde intensiv nachgedacht und geweint, und es wurden noch einige Fragen mehr gestellt. Für mich war es wichtig, dass meine Kinder wahrnehmen, dass auch ich traurig bin und weine, und dass ich meine Trauer und die Tränen zulasse. Die Tränen um einen geliebten Menschen MÜSSEN geweint werden, ansonsten wird die Traurigkeit nicht enden.

Treuerfreund hat ihre sehr traurige und fast zerstörerische Geschichte erzählt...das sollte niemand erleben müssen.
Wir beschützen unsere Kinder nicht, indem wir sie in Watte wickeln und alles von ihnen fern halten, damit werden sie für dumm gehalten und sie werden schwach. Meiner Meinung nach gehen Kinder mit dem Thema Tod wesentlich besser um, als wir Erwachsenen. Liegt es an ihrer kindlichen Wahrnehmung? Ich kann es nicht in Worte fassen.
3
#10
29.4.14, 17:10
ich musste letztes jahr meinen Sohn in der 17. Schwangerschaftswoche leider schon zur Welt bringen weil er eine Fehlbildung hatte die ihn außerhalb des mutterleibes nicht lebensfähig sein ließ.
meine, zu der zeit noch 4 jährige Tochter hat sich riesig auf ihr lang ersehntes geschwisterchen gefreut.
nach der Diagnose kam sie erstmal ohne wissen was los ist zur Oma damit wir uns auf das was auf uns zu kam vorbereiten zu können (krankwnhausaufenthalt, Geburt usw )
nachdem das alles überstanden war und sie wieder bei uns war mussten wir ihr das irgendwie beibringen das ihr Bruder nun im Himmel wohnt. vom Krankenhaus haben wir eine Urkunde mitbekommen mit seinen Fußabdrücken, sämtlichen Daten, eine Kerze und ein Foto von ihm.
da bei uns zu Hause das Thema tot und sterben kein tabu ist, haben wir offen mit ihr geredet. wir haben ihr erklärt das der kleine Mann krank War und deshalb leider gestorben ist. wir haben ihr die Kerze gezeigt und die Urkunde mit den abdrücken. am Anfang hat sie es nicht verstanden das er nicht mehr da ist, von der Hebamme haben wir gesagt bekommen wir sollen ihr das Foto zeigen das würde es für sie leichter machen. eigentlich wollten wir ihr das ersparen, aber nachdem sie es dann mit eigenen Augen gesehen hat das ihr Bruder nicht mehr in meinem Bauch ist hat sie es verstanden.
ich muss sagen sie hat es gut aufgenommen und verkraftet.
heute ist sie stolz darauf große Schwester eines sternchens zu sein und erzählt jedem das sie einen Bruder im Himmel hat der auf sie aufpasst.

ich bin der Meinung das man den Kindern in angemessenen Rahmen auch solche Themen nahe sollte ohne jegliche Berührungsaengste.
4
#11
29.4.14, 18:12
@schmausi87: deine Geschichte hat mich jetzt wirklich sehr berührt, das tut mir so leid, was euch passiert ist. Wie kann man es auch einer 4 Jährigen die dauernd Fragen stellt am besten erklären, ich finde das hast du so gut gemacht. Irgendwann kommt bestimmt noch ein Geschwisterchen für sie und dann hat sie einen Stern im Himmel und einen auf der Erde ;)
3
#12
29.4.14, 19:06
@gluckchen: Das hast du jetzt sehr schön geschrieben, da schließe ich mich direkt an.

Alles Gute für die Schmausi-Familie!
2
#13
29.4.14, 19:44
Danke euch :)

ja, die schmausi Familie bekommt sogar dieses jahr ihren Stern zurück :)
3
#14
29.4.14, 19:51
@schmausi87: na dann herzlichen Glückwunsch, das freut mich
3
#15
29.4.14, 22:23
@schmausi87: Liebe Schmausi, ich verstehe gut, was Ihr durchgemacht habt. Wir waren in der 20.SSW ,als sich zeigte, dass meine zweite Tochter nicht gesund ist. Die große Schwester war damals 2 1/2 Jahre alt, und wir wussten 11 Wochen nicht, ob sie lebend geboren wird. Das war eine schwere Zeit. Da wir nicht fähig waren die Situation so lange glaubwürdig zu überspielen haben wir mit unserer großen Kleinen gesprochen und erklärt...und sie hat es verstanden. Kinder verstehen viel mehr als wir vermuten. Meine Tochter ist zwar nicht gesund, aber lebend zur Welt gekommen.
Ich wünsche Euch für den diesjährigen Schmausizuwachs alles, alles Liebe und Gute!

Verfasse einen Kommentar

Emojis einfügen