SnapPap meets Stoff: Der Bücherkorb mit dem handgefertigten Label als Blickfang. Seitennaht ist bewusst nicht an dieser Stelle.
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Bücherkorb: SnapPap meets Stoff!

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Meinen Bücherkorb habe ich ja anlässlich der Vorbereitung von Druck und Label schon mehrfach erwähnt, möchte ihn aber heute und hier nun in Gänze (weil fertig!) vorstellen: 

Materialien:

  • Außenstoff: Outdoor-Dekostoff, dicht gewebt
  • Futterstoff / Bücherstoff: Reine Baumwolle
  • Belegstoff innen, oben: siehe Dekostoff (sandfarben)
  • Besatzstreifen außen, oben: Rest Baumwolle (gelb)
  • Gurtband, Polyester
  • SnapPap: Boden, Rand außen, unten und fürs Label "Bücherkorb"
  • Decovil I (das feste!) zur Verstärkung der Außenkorbfläche
  • Decovil light zur Verstärkung der Bodenfläche
  • Vlieseline H250 für Beleg- und Besatzstreifen sowie die Henkelrückseite
  • Volumenvlies H640, aufbügelbar, als Polsterung für den Innenkorb 
  • Twill-Label, seitlich

Arbeitsschritte:

Der Bücherkorb wird zunächst aus zwei einzelnen Körben (Innenkorb samt Henkeln und Außenkorb) gefertigt. An ihrer gemeinsamen Oberkante wird dann der (gelbe) Besatzstreifen angenäht, der die beiden Körbe zu einem Gesamtkorb zusammenfasst. Wenn er (als Allerletztes!) nach außen umgeschlagen wird, kommen die vorher "versteckten" Henkel wieder zum Vorschein!

  • Um für mein Projekt das ungefähr "richtige" Maß zu finden, habe ich einen Papierkorb genommen, Bücher hineingestellt und begutachtet.
  • Alle Teile zuschneiden (Bild 14 listet alle Teile auf, beinhaltet ihre Maße und die mögliche Verstärkung) - meine Maße beinhalten eine Nahtzugabe von 1 cm.
  • Auf den sandfarbenen Außenstoff / Dekostoff die Wörter schablonieren (siehe mein anderer Tipp "Schablonieren mit Freezer Paper").
  • Label "... Bücherkorb" anfertigen (siehe anderer Tipp "Alt trifft Modern ...") und auf die rechte Stoffseite des inneren, oberen Belegstreifens steppen.
  • Teile x, y, z ... wie angegeben mit Vlieseline / Decovil ... hinterbügeln - Ausnahme: beide Futterkorbflächen (Bücherstoff + Beleg, oben).
  • Henkel der Zierde wegen auf einen Streifen aus Baumwollstoff steppen.
  • Seitennaht des Außenstoffes grob heften (nicht steppen): Henkel probeweise anstecken und ihre Länge sowie den Abstand der Henkelenden festlegen.
  • Belegstreifen (Dekostoff) an den Oberrand des Futterstoffes ansteppen.
  • Die erst jetzt komplette Futterfläche in Eins mit Vlieseline hinterbügeln.
  • SnapPap-Streifen unten an den Außenstoff steppen und die Naht von der rechten Seite aus ggf. mit dickerem Ziersteppgarn und größerer Stichlänge ziersteppen.
  • Fertig gearbeitete Henkel (bei mir mit der linken = gelben Seite) so auf die rechte Seite der Futterstoff-lFäche stecken, dass die Henkel-Enden bündig mit der Oberkante des Korbes abschließen und mit ihrer geschlossenen Kante / Rundung in den Korb hinein - auf dem Futterstoff liegend - "hängen". Keine Sorge, die Henkel gelangen im Laufe des Nähprozesses wieder Richtung Oberkante und werden dann wieder sichtbar :-)
  • Henkel-Enden mit der Maschine grob auf der Nahtzugabe des Futterstoffes festheften oder steppen - dies, damit die Henkelenden beim Zusammennähen von Innen- und Außenkorb nicht verrutschen.
  • Alle Seitennähte schließen: am Futterstoff, am Außenstoff (dabei ggf. ein Label zwischenfassen) und am (gelben) Besatzstreifen, der später außen am Korbrand zu sehen ist. 
  • Futterfläche an den Futterboden steppen: Der Innenkorb ist fertig - noch mal kontrollieren: Die rechten Stoffseiten von Ringfläche und Boden berühren sich!
  • Entsprechend die Außenstoff-Fläche an den SnapPap-Boden steppen - auch hier wieder rechts auf rechts: Jetzt ist auch der Außenkorb fertig genäht, aber die rechten Stoffseiten liegen noch nicht außen...

Beide Körbe zu einem Gesamtkorb zusammenfügen

Bitte bedenken: Beim fertigen Korb s​oll nur der Außenkorb mit seiner rechten Stoffseite zum Betrachter zeigen, der Futterkorb aber mit seiner rechten Stoffseite nach innen zeigen , so dass man beim Hineinblicken den hübschen Bücherstoff = rechte Stoffseite sehen kann. Zwischen beiden Körben sollen die Henkel nach oben / außen hervorragen!

  1. Dazu muss als Erstes der Außenkorb gewendet werden, denn wir haben ja die rechten Seiten aufeinander genäht - sie liegen also noch innen. Dieses Wenden war hier eine mordsmäßige Arbeit, denn am Boden grenzen zwei lederharte SnapPap-Flächen aneinander. Man kann sich das Wenden erleichtern, indem man das SnapPap von der Bodenmitte her drückt und die Hände dabei Schritt für Schritt immer weiter Richtung Außenkante des Bodens führt. Hier ist viel Geduld gefragt ...
  2. Der Innenkorb bleibt so, wie wir ihn genäht haben: Er zeigt mit seiner linken Stoffseite weiterhin nach außen/ Richtung Betrachter!

Nachdem das Wenden des Außenkorbes geschafft ist, kann's weiter gehen:

  • Den Futterkorb in die Hand nehmen: Die rechte Seite muss innen zu sehen sein!
  • Genau so, wie er ist, den Futterkorb sandwichartig in den Außenkorb hinein stellen: Wenn man in die Körbe hineinguckt, muss man die hübsche Futterstoffseite sehen! Die beiden linken Seiten der Körbe berühren sich an der ganzen Fläche.

Jetzt ist noch die Möglichkeit zu überlegen, wo die Seitennaht des Futterkorbes "hinkommen" soll - dazu nur den Futterkorb ggf. in der Ebene drehen ...

  • Noch mal kontrollieren: Die rechte Stoffseite des Außenkorbes ist jetzt außen - die rechte Stoffseite des Futterkorbes zeigt jetzt Richtung Inneres des Gesamtkorbes - so soll´s sein: Von innen und von außen sind nur die "schönen" Seiten zu sehen!
  • Die Henkel hängen jetzt noch im Innern(!!!) des Korbes - auch dies soll so sein!
  • Den (gelben) Besatzstreifen der Länge nach links auf links zur Hälfte legen - er bekommt dadurch seine gewünschte Breite - die rechte Stoffseite zeigt nach außen (leider habe ich hiervon kein Bild, aber ich glaube, das ist zu verschmerzen ...).
  • Diesen Besatzstreifen an den Längskanten anfassen = in die Hände nehmen, mit ihm zusammen ins Innere des Gesamtkorbes "greifen" und den Streifen mit seinen offenen Längskanten als dritte Sandwichschicht bündig auf die rechte Stoffseite des Futterkorbes stecken - auch über die Henkelenden!
  • Wenn man von oben auf diese Kante des Korbes guckt, sieht man nur offene Stoffkanten bzw. die vier Enden der Henkel.

Noch einmal zur Kontrolle: Von außen nach innen haben wir

a) den Außenstoff, weiter nach innen

b) den Futterstoff mitsamt Henkeln dran und

c) zuletzt = ganz innen den gelben Besatzstreifen. Alle Lagen gut stecken bzw. mit Klammern halten.

  • Alle Sandwichlagen am oberen Korbrand zusammen steppen - ggf. eine 90er-Nadel einsetzen und die Stichlänge vergrößern, weil doch viele Stofflagen und die dicken Henkel-Enden aufeinanderliegen.
  • Alle Nahtzugaben zusammen ggf. noch zurück schneiden, damit das Folgende besser zu managen ist:
  • Den Besatzstreifen von innen her über die Korbkante zur rechten Stoffseite hin (nach außen) umschlagen, dabei werden die Henkel insgesamt quasi wie von Zauberhand mit "aufgerichtet"!
  • Die Korbkante gut pressen - fertig!!!

Ich würde mich freuen, wenn ich manchem von euch mit diesem Tipp eine Anregung für ähnliche Projekte gegeben habe - das wäre doch klasse!

Lieben Gruß von Nähmaschine zu Nähmaschine, denn nur so kann man zurzeit dem Wetter trotzen :-(

Von
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7 Kommentare


1
#1
6.10.17, 14:17
Also, ich kann dem Wetter auch mit Singen, Tanzen und Lesen trotzen! Auch Bügeln war gestern eine gute Waffe. Heute scheint bei uns schon wieder die Sonne, und man kann gut nach draußen gehen.
Aber natürlich ist Nähen auch eine tolle Beschäftigung.
3
#2
6.10.17, 16:56
Sehr schön, auch wenn ich den Bücherstoff außen schöner finden würde. 
#3
6.10.17, 18:16
Wie lange hast Du dafür gebraucht?
#4
6.10.17, 20:13
@Tessa_: Oh, je, Tessa, da stellst du eine schwierige Frage, weil zwischen uns Näherinnen so viele Unterschiede in den Fähigkeiten, unserer Ausstattung mit der Nähmaschine, ggf. einer Overlock und sonstigen Werkzeugen, unseren Erfahrungen und auch unseren Ansprüchen an das fertige Produkt bestehen!
 Aber nun will ich mal versuchen, etwas genauer zu werden:
1) Die meiste "Arbeit" liegt bei fast ausschließlich in der kopfmäßigen Vorbereitung des Projekts - dazu gehören Recherchen im Netz (ob es nicht dort eine Anleitung gibt, die meinen Vorstellungen entspricht) - Aussuchen der Materialien und ihrer Kombinationsmöglichkeit und die grobe Ausgestaltung - bei mir eben außen unverzichtbar die Wörter in den finnougristischen Sprachen.
2) Dann stellte sich die Frage, in welcher Technik ich diese auf den Stoff bringen könnte. Auch hier wieder Suche im Internet, bis ich mich dann sehr schnell auf das Schablonieren festgelegt habe, um hierdurch etwas für mich ganz Neues zu lernen. Ohne das ist ein Projekt für mich nicht befriedigend...
3) Dann wieder die Recherche im WWW nach Methoden des Schablonierens, der Farbqualität, Farbauswahl in Abhängigkeit von der SnapPap-Farbe und den dazu erforderlichen Werkzeugen.
4) Als vorletzte Frage war zu klären die nach der Henkellänge: halb "stehend" wie im Endprodukt oder hängend? Sie ist durchaus wichtig, weil der Korb bei hängenden Henkeln einen ganz anderen Eindruck macht. Meiner soll ja ausschließlich auf dem Boden neben dem Schreibtisch stehen und wird nur selten getragen...
5) Sollte der Korb oben außen noch einen Besatzstreifen bekommen oder nicht - davon hängt schließlich die Einarbeitung der Henkel und der oberen Kante ab, sprich die Technik des Zusammenfügens von Außen- und Innenkorbab
Langer Rede kurzer Sinn: Über mehrere Wochen habe ich ausschließlich über obige Punkte nachgedacht, nachgelesen, meine Erkenntnisse notiert und mich dann ... entschieden.
So, grob war alles klar! 
6) Dann habe ich die Technik des Schablonierens aufs Korn genommen und mich ja auf das Freezer Paper als Schablonenmaterial festgelegt. An einem Stoffrest probierte ich dann mit Farbauftrag und Pinsel-Art herum, bis ich ganz sicher war. Zuvor war da noch die Art der Schneidemesser zu klären, in den Kauf umzusetzen und dann auch auszuprobieren.
Nachdem all dies geklärt war, kam die Frage der einzelnen Näh-Schritte:
7) In welcher Reihenfolge mussten sie erfolgen, damit das Produkt so wurde, wie ich mir das vorgestellt hatte. Das habe ich schriftlich fixiert und war mir bald ganz sicher, weil ich eben (siehe Einleitung) recht geübt und geschickt im Nähen bin.
8) Als Letztes kam dann nur noch (ja: nur noch!) das eigentliche Nähen/ Zusammenfügen der Teile zu einem Ganzen - aber es war ja bis dahin alles "geklärt".
Vorab musste die Außenfläche nach meinen Vorstellungen natürlich erst noch fertig schabloniert werden - und das hoffentlich ohne Verschmierer...
9)Zuschneiden : über einen Tag verteilt
10)Nähen: über zwei Tage verteilt.
Du siehst, die allermeiste Zeit habe ich an den Vorbereitungen gearbeitet - für mich genau das, was ein individuelles Projekt ausmacht. Hier liegt für mich über Wochen immer viel Vorfreude und Spannung, wie´s denn im Endeffekt aussehen wird! Außerdem noch ein Rest Spannung auf den Moment, an dem ich das Genähte  verschenken kann!
Schade, dass ich keine Wochen- oder Monatszahl nennen kann, aber solche Projekte sind eben Hobby und sollen mich ja über Wochen beschäftigen.
Liebe Grüße
#5
6.10.17, 20:48
@trom4schu: Danke für Deine Antwort - das ist ja wirklich viel Zeit, die Du mit Deinem schönen Hobby verbringst.
Dann hast Du aber auch ein Unikat.
2
#6
6.10.17, 21:57
Trom4schu Respekt, du bist eine wahre Künstlerin! 
4
#7
7.10.17, 22:23
Mit all Deinen Anleitungen kann ich nur wenig anfangen, aber für so viele Fotos, so viel erklärenden Text und vor allem für so tolle Ergebnisse kann man ja nur die volle Punktzahl geben! (Dass ich nur Bahnhof verstehe, liegt ja an mir und nicht an Dir!) 😂

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