Der Mandela-Effekt: Bedeutung, Beispiele & Erklärung #FunFriday

Der Mandela-Effekt ist ein Phänomen, bei dem sich Menschen kollektiv falsch an bestimmte Dinge erinnern. Das können Ereignisse, Filme, Marken und vieles mehr sein.
Lesezeit ca. 2 Minuten

Hast du schon mal etwas von dem Mandela-Effekt gehört? Bevor du dir diesen FunFriday durchliest, mache unbedingt das folgende Quiz und erfahre, ob du selbst von dem Phänomen betroffen bist. Es dauert nur 1-2 Minuten und macht auf jeden Fall Spaß.

Herkunft des Mandela-Effekts

Wie der Name schon sagt, geht das Phänomen auf Nelson Mandela, Freiheitskämpfer gegen Unterdrückung und die Apartheid, zurück. Er war von 1994-1999 der erste dunkelhäutige Präsident in Südafrika und lebte viele Jahre in Gefangenschaft. Damals nahmen viele Menschen fälschlicherweise an, dass Mandela bereits im Gefängnis gestorben sei. Dabei wurde er 1990 aus der Haft entlassen und wurde danach sogar noch Präsident. Als 2013 Mandelas Tod durch die Medien ging, waren viele Menschen verwundert; einige meinten sogar, sie könnten sich an Aufnahmen der Beerdigung des Aktivisten erinnern. Solche kollektiv falschen Erinnerungen der Gesellschaft gibt es in jeglichen Bereichen des Lebens – ob Musik, Film, Marken oder Fakten über Personen des öffentlichen Lebens; der Mandela-Effekt tritt in vielen Gebieten auf.

In unserem Quiz konntest du bereits einige Beispiele kennenlernen. Auch in Filmen trügen uns manchmal unsere Erinnerungen. Ein prominenter Fall ist das Film-Zitat von Darth Vader aus Star Wars: „Luke, ich bin dein Vater.“ So ist es im Film nämlich gar nicht zu hören – eigentlich sagt der Bösewicht gar nicht Lukes Namen, sondern lediglich „Nein, ich bin dein Vater.

Psychologische Erklärung

Doch wie kommt der Mandela-Effekt eigentlich zustande? Eine einheitliche logische Erklärung gibt es nicht. Fakt ist jedoch: Erinnerungen sind Konstruktionen der Wirklichkeit. Man kann es sich wie ein Puzzle vorstellen; jedes Mal, wenn man eine Erinnerung abruft, stellt man sie aus vielen verschiedenen Informationen, wie ein Puzzle, wieder zusammen. Details können verändert oder Dinge dazu erfunden werden. Bei manchen Ereignissen bzw. Sachverhalten haben viele Menschen trügerische Erinnerungen, was dann wiederum zu ihrer Glaubwürdigkeit beiträgt – so kann der Mandela-Effekt entstehen.

Soziale Wahrnehmungsschemata

Dass Erinnerungen verfälscht werden können, belegen auch zahlreiche Studien. Ein interessantes Beispiel sind soziale Wahrnehmungsschemata, die Linda Carli 1999 erforschte. Dabei mussten Probanden eine Geschichte über ein Pärchen, Jack und Barbara, lesen, das übers Wochenende auf eine Skihütte fährt. Bei einer Version endete die Geschichte damit, dass Jack seiner Freundin einen Heiratsantrag macht. Die andere Version hatte ein böses Ende und Jack vergewaltigt Barbara.

Zwei Wochen später mussten die Studienteilnehmer*innen einen Gedächtnistest bezüglich der Geschichte ablegen und Aussagen ankreuzen, an die sie sich erinnern. Viele Probanden erinnerten sich fälschlicherweise an Geschehnisse bzw. Sachverhalte, die in der Geschichte gar nicht vorgekommen sind.

  • Version 1 mit dem Heiratsantrag: Teilnehmer*innen kreuzten Aussagen wie „Jack brachte zwölf Rosen mit“ oder „“Jack wollte Barbara seinen Eltern vorstellen“ an.
  • Version 2 mit der Vergewaltigung: Probanden glaubten, dass Aussagen richtig seien, wie „Jack war Alkoholiker“ oder „Jack war bei Frauen eher unbeliebt“.

Die Menschen haben also Sachverhalte und Ereignisse aus den Geschichten falsch rekonstruiert bzw. dazu erfunden, die mit dem „jeweiligen Schema“ zusammenpassen. Erinnerungen wurden verfälscht und haben sich an das soziale Schema angepasst.

Wahrscheinlich kennt jede*r Menschen, die gerne Mal etwas übertreiben oder ihren Teil dazu dichten; beim Mandela-Effekt geht es jedoch um Erinnerungen, die von einer Mehrheit der Gesellschaft wirklich – unbeabsichtigt – falsch aufgefasst wurden.

Wie sieht es bei dir aus? Warst du beim Quiz auch anfällig für den Mandela-Effekt?

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