Während wir hier unsere wohlgenährten Kreise ziehen und Nabelschau betreiben, passieren in anderen Teilen der Welt schreckliche Dinge. Das wissen wir alle, denn die Medien streuen jeden Tag entsprechende Nachrichten und Bilder.

First World Problems – eine (nicht?) ernstgemeinte Betrachtung

Jetzt bewerten:
4,8 von 5 Sternen auf der Grundlage von

Was ist schlimmer? Wenn ein Kopfkissen zu flach ist, zwei aber zu hoch sind? Oder wenn der Roboter-Staubsauger irgendwo stecken geblieben ist, aber man keine Lust hat ihn zu suchen, weil die Wohnung zu groß ist? Komische Fragen, denkt ihr? Tja, es gibt aber tatsächlich Menschen, die sich mit solch elementaren Problemen rumschlagen müssen. Da bleibt einem vor lauter Stress wirklich keine Zeit sich mit einem Drink an den Pool zu legen. Ach verdammt, der Gärtner hat sowieso vergessen neues Wasser einzulassen…

Willkommen in der Welt der „First World Problems“. Luxusprobleme nennt man so etwas hierzulande wohl eher, oder Jammern auf hohem Niveau. Meint aber alles das Gleiche: Sich beklagen über Dinge, von denen andere nur träumen können. Ist aber auch zu blöd, wenn einem das iPhone runterfällt und dabei das Display vom neuen Tablet schrottet. Ihr lacht? Mir ist eher nach Heulen zumute. Wenn ich im Netz von verzweifelten Menschen lese, deren Essen kalt geworden ist, weil sie noch schnell ein Foto davon bei Instagram posten mussten, wird mir ganz anders. Da bekommt der Begriff „Fremdschämen“ doch gleich eine völlig neue Bedeutung.

Ich will hier nicht den Moralapostel spielen. Kann ich auch gar nicht mehr, seit ich mich neulich über das Luxusproblem geärgert habe, dass die Reste vom leckeren Essen nicht in den Kühlschrank passten. Er war einfach zu voll. Also kein Moralapostel, aber dann zumindest ein schwer irritierter Mitbürger. Einer, der sich fragt, ob sein Vater nicht doch Recht hatte, wenn er vom drohenden Untergang des Abendlands redete. Während wir hier unsere wohlgenährten Kreise ziehen und Nabelschau betreiben, passieren in anderen Teilen der Welt schreckliche Dinge. Das wissen wir alle, denn die Medien streuen jeden Tag entsprechende Nachrichten und Bilder. Muss man da nicht irgendwann zwangsläufig abstumpfen und sich während der Tagesthemen-Kriegsberichterstattung über den schlechten Ton des neuen Flachbildfernsehers ärgern?

Ist es nicht so, dass in unserer sogenannten „First World“ die Probleme der sogenannten „Third World“ irgendwie an Relevanz verlieren? Und das, obwohl heutzutage alles nur ein paar Flugstunden entfernt ist? Ach so, in Phantasiastan ist es zu schweren Unruhen gekommen? Na Liebling, dann lass uns mal schnell die Urlaubsreise dahin stornieren, gell? Dann fährt man halt an die Ostsee und ärgert sich darüber, dass der Sandwall um den Nachbarstrandkorb viel höher ist als der eigene.

Warum ich das Alles schreibe? Eigentlich wollte ich mir bloß mal Luft machen. Oder auch mal hören, was ihr so dazu meint. Tipps gibt es in diesem Beitrag ja eigentlich nicht, aber mal sehen, vielleicht fällt mir beim Schreiben ja noch etwas Schlaues ein. Ist das jetzt auch schon wieder ein Luxusproblem? Dass ich hier im kuschelig warmen Zimmer an meinem Schreibtisch sitzen kann, während es draußen Blasen regnet? Mensch, bei dem Wetter fällt mir der A. ein… Der hat nämlich echte Probleme, obwohl er in der „First World“ lebt. A. sitzt immer vor dem Ullrich-Supermarkt am Bahnhof Zoo und lebt von den Münzen, die ihm Passanten in den Pappbecher werfen. Er schläft auch dort, direkt neben der Busspur unter der Eisenbahntrasse. Wir mögen ihn, meine Frau und ich. Irgendwie sind wir mal nach dem Einkaufen mit ihm ins Gespräch gekommen und jetzt halte ich regelmäßig einen kurzen Plausch mit ihm, wenn ich dort bin. Meine Frau und ich haben beschlossen ihm ein Zelt zu kaufen. Er hatte mal eins im Tiergarten stehen, doch das ist ihm geklaut worden. Wenn wir schon nichts an den „Third World“-Problemen ändern können, haben wir zumindest bei A. die Möglichkeit ein echtes „First World“-Dilemma zu beheben.

Genau, vielleicht läuft es doch noch auf einen Tipp hinaus, oder zumindest einen kleinen Gedankenanstoß zum Weitergeben, oder „Teilen“, wie es neudeutsch heißt. Wenn sich das nächste Mal jemand aus eurem Bekanntenkreis darüber beschwert, dass sein Kleiderschrank viel zu voll ist, gebt ihm einfach die Telefonnummer von der Kleiderkammer. Die holen die Sachen gerne und kostenlos ab. Oder wenn euer Nachbar seinen funktionsfähigen Staubsauger im Hausmüll entsorgen will, weil er sich das neueste Turbo-Modell gekauft hat, könnte ein Hinweis auf die Sammelstellen von sozialen Einrichtungen eine Idee sein. Die „Third World“-Probleme sind zumeist nur abstrakte Fernsehbilder. Die Probleme an denen man ein klein wenig etwas ändern kann, findet man dagegen direkt vor der eigenen Haustür.

Von
Eingestellt am

26 Kommentare


5
#1
27.12.16, 17:27
Nun, was will man kommentieren, wenn gerade Weihnachten vorbei ist? Wenn man seine eigene Familie, die berufsbedingten Probleme noch im Kopf hat? Die Geschwister, die Eltern und Schwiegereltern,  die Kollegen, die Nachbarn? Jetzt reflektieren, wie man selber ist, was man sich für sich selber wünscht? Sind wir wirklich so verbohrt? Wissen wir nicht mehr, das Einfach einfach ist?

Mich hat es gerade gefröstelt. Die Bude ist für mich gefühlt gerade mal 15 Grad kalt. Was kann ich nun tun, da mich friert?
A: die Heizung hochdrehen (super, bei 10 Grad und Sonnenschein werde ich wohl mehr an Gas bezahlen wie alles andere
B: Mir meine Heizdecke umlegen (super, die kostet mich auch Strom)
C: Wärmeflasche in den Rücken schnallen und ne Decke drum drapieren.

Ich habe mich für C entschieden. Die Wärmeflasche wärmt mich im Rücken, die drumherum drapierte Decke läßt die Wärme nicht verklingen und mir geht es gut.
War für mich die preiswerteste und effektivste Lösung.

Dann kann ich von einem Fall berichten, wo eine Dame das ihr angebotene Brot mit einem Handwisch wegwarf und meinte: ich mag kein kaltes Brot... (höööh)
Sich aber dann im Nachhinein beschwerte, dass sie seit 1945 nie mehr sooo hungrig schlafen ging. 

Diese Luxusprobleme kann ich noch stapeln bis unter den Dachpfannen, doch erreichen wird dieser Tipp  nicht diejenigen, die sie mangels Aufmerksamkeit auslösen.
8
#2
27.12.16, 22:30
Ich erkenne mich im Bericht wieder, kenne all diese Probleme, die für mich in dem Leben, das ich persönlich führe, auch zu wirklichen Problemen werden können. Sogenannte Luxusprobleme zu haben bedeutet nicht, die grundlegenden Existenzprobleme der Mitmenschen zu ignorieren. Für mich schließt das eine das andere nicht aus, sondern hat sogar den großen Vorteil, unterstützen und helfen zu können.

Heilig Abend zum Beispiel haben wir traditionell gefeiert und unsere Gans mit allem Drum und Dran verspeist. Nachdem sich der Magen etwas erholt hatte, ging es nachts in einem vollgepackten Auto durch die Straßen der Stadt auf der Suche nach den Schlafplätzen der Obdachlosen.  Wer sich für Ähnliches interessiert, googelt bitte nach "Warm durch die Nacht", ein Verein, der sich mittlerweile in vielen Städten einen Namen gemacht hat.

Das ist aber nur ein Beispiel, wie man aktiv helfen kann und vielleicht nicht jedermanns Sache - es bleiben noch unzählige andere Möglichkeiten, wie auch bereits im Tipp erwähnt. Frauenhäuser, Kinderheime, Tierheime, Katzenschutzbund, Gnadenhöfe, Männerwohnheime, Die Tafel: Überall werden Spenden in jeglicher Form gerne entgegengenommen.

Vielleicht einfach mal alle Kekse, Stollen, Plätzchen, Kuchen und Süßigkeiten vom Fest zusammenpacken und irgendwo abgeben. Macht Freude und ist gut für die Figur! 😂
7
#3
28.12.16, 18:26
@Eifelgold: ha, diese Dame kenne ich,oder vielleicht auch ihre Schwester. Da heißt es geduldig bleiben! Genau wie bei einem Kunden der sich gerade seinen 3. Wohnsitz ( nur zur Erholung) aus dem Möbelsortiment des Sozialkaufhauses holt und dabei kräftig feilscht! Ich arbeite dort als Verkäuferin im Ehrenamt, d.h. ich bekomme nichts dafür, nicht mal Benzinzuschuß o.ä., nur eine Menge Spaß bei der Arbeit und jede Menge Unterricht in "Mensch". :-)

Übrigens,warum steht im Titel des Tipps "nicht ganz ernst gemeint". Ich finde diesen Tipp sehr ernsthaft und gut.
#4
1.1.17, 08:27
@xldeluxe_reloaded: Danke Dir als auch @Kriss für die sinnvollen Ratschläge. Habe schon manches für Tierheim, Kinderheim und Tafel getan, aber es schadet nicht, wenn man immer wieder mal daran erinnert wird, mit wie wenig Mühe man mithelfen kann, anderen ein wenig Freude zu machen bzw. das Leben zu erleichtern. 
5
#5
1.1.17, 12:39
Mich stört an der momentanen Spendeneuphorie die Jahreszeit!  Warum werden gerade jetzt Obdachlose besucht und beschenkt? Frieren und hungern diese nicht auch in den anderen Monaten? Warum wird gerade JETZT an alle möglichen Organisationen gespendet? Während des Jahres werden wenige Gedanken daran verschwendet. 

Ich vermute, dass dahinter viel schlechtes Gewissen steckt, wenn man gerade zu Weihnachten feststellt, wie gut es einem doch geht. Dabei geht es uns das ganze Jahr über sehr gut und es würde nicht schaden, während des Jahres auch einmal zu spenden.

Ich spende zur Weihnachtszeit gar nichts! Aber während des Jahres öfters! Die Freude gleicht dann oft einer totalen Verwunderung bis zum Erstaunen.

Sorry, als absoluter Realist habe ich etwas gegen diese weihnachtliche Gefühlsduselei!
1
#6
1.1.17, 12:50
@Prinzessin-vom-Land: 

Du meinst doch sicherlich mich mit "Obachlose besuchen"...........

Sie werden von mir und all den anderen nicht nur jetzt "besucht" (eher gesucht), sondern ganzjährig. Die Not ist im Winter aber am größten und das hat mit Weihnachten nicht direkt etwas zu tun. Als absoluter Realist solltest Du nicht mutmaßen.
4
#7
1.1.17, 14:12
@Birgit-Martha: 
Dürfen bei euch im Sozialkaufhaus alle Leute einkaufen? Bei uns muss man nachweisen, dass man bedürftig ist, um dort überhaupt kaufen zu dürfen. War gerade gestern noch Gespräch mit einer Freundin, die dort ein altes Möbelchen erwerben wollte, weil es genau das war, was sie suchte und (ihrer Meinung nach) dort eh viel zu teuer für HartzIV-Bezieher. Sie hatte sogar angeboten, 20 % mehr zu zahlen als ausgezeichnet. Aber sie durfte es nicht kaufen.

@Kriss
Vielen Dank für diesen "Tipp"! Es stimmt durchweg, was du geschrieben hast. 

@xldeluxe
Ich glaube nicht, dass die Prinzessin speziell dich gemeint hat. Es ist ja wirklich allgemein so üblich, dass um die Weihnachtszeit die Leute ihr schlechtes Gewissen schmälern durch gute Taten. Da schmeckt der Braten gleich doppelt gut! So viel Realismus muss schon sein.
Natürlich gibt es auch eine überschaubare Anzahl von Leuten, die übers Jahr verteilt solche Aktionen vornehmen. Ich muss zugeben, dass gerade im startenden Winter (was ja nun mal die Weihnachtszeit ist) auch bei mir die Suche losgeht, welche Mäntel und Jacken ohnehin nicht mehr getragen werden und besser bei Obdachlosen aufgehoben wären. Weil mir bei frostigen Temperaturen gleich in den Kopf kommt, wie furchtbar es sein muss, draußen nächtigen zu müssen. 

Davon abgesehen: Besser 1mal im Jahr als gar nicht! Insofern würde ich das nie so verbissen sehen wie Prinzessin sondern eher die Vorteile dessen  ;-)
2
#8
1.1.17, 16:13
Treffend geschrieben. Ich lache am liebsten über meine Familie. Eltern und Schwester haben Häuser, Schwester sogar 3 Etagen und beide jammern über Platzprobleme :)) ich selbst hatte vorher nur 1-Raum-Wohnungen, im Moment 2 Räume. Aber da heißts wirklich Platz nutzen, den man hat und anbauen ist nicht, wenn man Kleiderkaufrauschmensch ist :)) ich bin es nicht, aber zum Glück. Wenn man sich die echten Probleme der Leute in vielen anderen Ländern anguckt, sollten sich die Permanentjammerer eher schämen und vor allem bei "Armut", die hier nicht wirklich eine ist. Prioritäten setzen und planen ist alles. Wir sollten froh darüber sein, was wir haben und solche Befindlichkeiten, die oben klasse beschrieben sind, eher beiseite lassen :))
#9
1.1.17, 17:27
Bei uns im Sozialkaufhaus darf jeder kaufen. Und das ist auch gut so. Dürften dort nur die Bedürftigen einkaufen, würden das Kaufhaus teilweise auf die Ware sitzen bleiben. Denn auch Bedürftige wollen sich so modern wie möglich einkleiden oder schöne Deko aufstellen. 
#10
1.1.17, 19:00
@CracklinRosie: zuerst allen Muttis,Omas,Vatis,Tanten,Onkeln,Nichten,Neffen,Katzen,Mäuschen,Hunden........allen eben ein gesegnetes,möglichst gesundes und friedvolles neues Jahr!

Ja, bei uns im Sozialkaufhaus können alle einkaufen und wäre es nicht so, könnte der Verein die Miete,Nebenkosten etc nicht aufbringen. Denn dies wird alles aus den Erlösen bestritten und dies klappt meist gerade eben so. Auch wird dadurch ein Anreiz geschaffen, gebrauchtes - aber nicht verbrauchtes Möbel,Geschirr,Kleidung,Deko o.ä. abzugeben.

Unsere Preise sind sehr niedrig und wir lassen auch ( je nach Kunde) mit uns "handeln". Denn auch eine Dame mit Mindestrente oder eine alleinerziehende junge Mutter möchten mal tolle "neue" Sachen.
1
#11
1.1.17, 19:23
Ich wollte gar nicht diskutieren, ob das richtig oder falsch ist - es wunderte mich nur, weil ich es hier anders kenne. War gerade nochmal auf der HP des Sozialkaufhauses gucken und da steht:
"Aufgrund gesetzlicher Vorgaben darf die Weitergabe der Waren nur an einen begünstigten Personenkreis erfolgen. Dazu zählen u.a. ALG-II-Beziehende oder Bezieher/-innen von Grundsicherung nach dem SGB XII."

Zugeben muss ich allerdings, dass mir diese Regelung einleuchten würde, denn schließlich sollen ja bei gespendeten Sachen die Leute in den Genuss kommen, die es sich sonst nicht leisten könnten. 
Sonst passiert immer wieder das, was oben geschildert stand: "Genau wie bei einem Kunden der sich gerade seinen 3. Wohnsitz ( nur zur Erholung) aus dem Möbelsortiment des Sozialkaufhauses holt und dabei kräftig feilscht".
So ein Sozialkaufhauses existiert ja nicht zum Selbstzweck sondern um Bedürftigen Ware zum Schnäppchenpreis bieten zu können. Wer nicht bedürftig ist, der kann und soll es im normalen Laden kaufen gehen oder die Kleinanzeigen durchforsten.

@Eifelgold
"Denn auch Bedürftige wollen sich so modern wie möglich einkleiden oder schöne Deko aufstellen. "
Womit wir eigentlich fast schon wieder beim eigentlichen Thema dieses Tipps wären. Wer kein Geld für neue Möbel hat und dann bei (fast) geschenkten Möbeln meint "Nee Eiche... das gefällt mir aber nicht", der stellt vll. auch einfach etwas zu hohe Ansprüche.  ;-)
1
#12
1.1.17, 20:51
@CracklinRosie: 
Ich hatte zuvor in einem anderen Tipp schon mal meine Meinung vertreten, dass es nicht von Nachteil ist, wenn Menschen nur zu Weihnachten spenden, da es zusätzliche Einnahmen sind, die ohne dieses eventuelle "schlechte Gewissen zur Weihnachtszeit" eben nicht vorhanden wären. Natürlich wird gerade zu dieser besinnlichen Zeit erfolgreich an Herzenswärme und Menschlichkeit appelliert, aber warum nicht: Es lohnt sich und der Zweck heiligt die Mittel.
Zu den Sozialkaufhäusern:
Hier im Ruhrgebiet gibt es viele Secondhandläden vom Roten Kreuz, Caritas usw. und sie sind für jeden zugänglich. Die reinen Kleiderkammern, in denen auch Einrichtungsgegenstände und Möbel verkauft werden, sind nur für Sozialhilfeempfänger eingerichtet, die auch eine Berechtigungskarte für Die Tafel haben.
In den Niederlanden habe ich kurzzeitig für die Voedselbank gearbeitet, auch eine Art "Tafel" und dort wird es mit den Sozialkaufhäusern ganz anders gehandhabt: Jeder Inhaber des Sozialausweises darf 15 Minuten durch den Laden gehen und alles kostenlos mitnehmen, was gefällt. Wer ohne Ausweis dort "einkaufen" möchte, zahlt für die Sachen, die er haben möchte, den Preis, die sie ihm wert sind. So kommen viele Spenden zusammen, denn kaum jemand mag kleinlich sein.
1
#13
2.1.17, 10:05
Die niederländische Variante finde ich eine gute Alternative! Obwohl man solche Leute wie den mit dem Drittwohnsitz dadurch natürlich nicht ausgefiltert bekommt. Aber zum Glück bilden die ja nicht die Mehrheit. 
Secondhandläden ist klar, dass da jeder kaufen darf. Das Rote Kreuz bekommt von mir auch nie Kleiderspenden, denn die verhökern alles, was Geld bringen könnte. Angefangen bei den Klamotten bis hin zur Blutkonserve. Dabei rede ich ausdrücklich nicht von Kostendeckung. Beim Geld hört für das RK die Nächstenliebe ganz schnell auf. Der oft traurige Rest bleibt dann für die Kleiderkammer übrig. 
Meine Sachspenden gebe ich prinzipiell für Bedürftige ab und nicht, damit das Rote Kreuz mit seinem riesigen Verwaltungsapparat seine Kassen füllt. Gibt es sicher genügend seriöse Dokumentationen und Berichte zu deren Geschäftsmodell im net zu finden. Die sind für mich ein Rotes Tuch, was aber zugegebenermaßen auch andere Gründe hat. 
#14
2.1.17, 11:13
ich werde mich diese Woche noch einmal schlau machen, ob und wie die Verkaufsregelungen die Abgabe an "alle" begründen. Danke für den Denkanstoß. Kann sein, daß es nur einen anderen Träger, Verein o.ä. bei uns gibt.
So eine holländische Regelung für Mitarbeiter würde mir sehr gut gefallen! Denn obwohl ich ehrenamtlich arbeite, d.h. nicht entlohnt oder entschädigt werde ( und noch Mitgliedsbeitrag beim Tafelverein zahle) muß ich als Mitarbeiter den ausgewiesenen Preis zahlen. Aber der ist ja akzeptabel genug und so tue ich dies gerne.Ohne diese Möglichkeit müßten auch meine Familie und ich auf so manches "neue" Stück verzichten. Dafür bringe ich meine Kraft ein.
An Engagement auf anderen Ebenen fehlt es bei mir auch nicht. Kann ich auch keine großen Summen spenden, so kann ich doch mithelfen und tun in Punkto Organisation,Bereitstellung etc. Auch Gemeindearbeit als Ehrenamt ist Hilfe oder Dienst am Nächsten und Bereicherung für sich selber!
6
#15
2.1.17, 12:51
Als das Zumselchen zum ersten (und letzten) Mal ein Sozialkaufhaus beliefern wollte, hatte es das von langer Hand geplant: In weiser Voraussicht griff es zum Telefon und ließ sich die überaus geruhsamen Warenannahmezeiten bestätigen. Entsprechend wurde der Ausflug terminiert. Dort angekommen, hatte es sich erst mal sein Spaceshuttle bei der Landung total eingesaut, da der Ufo-Landeplatz nichts anderes als ein matschiger Zufahrtsweg war. Gut, den konnte es dem Sozialkaufhaus nachsehen... Nachdem dann auch die Moonboots verschlammt waren, fand es ein kleines Post-It-Zettelchen an der Tür mit der Information, dass just an diesem Tage geschlossen sei. Langsam die Fassung verlierend sowie schon mal die Koordinaten der nächsten Mülltonne und Waschanlage recherchierend, klingelte das Zumselchen dann doch mal an besagter Türe. Nun, was soll es sagen, die Türe wurde sogar geöffnet. Von einem - na, sagen wir mal - Individuum. Das Zumselchen ist ja sehr furchtlos, weshalb es sich nicht direkt wieder in sein Spaceshuttle zurückbeamte (was schon deshalb nicht ging, weil es eh' im Matsch festklebte). Dann machte das Individuum den Mund auf und sagte, während es in der geöffneten Tür stand: "Heute ist geschlossen. Es ist niemand da." Da staunte das Zumselchen nicht schlecht und gab zu bedenken, dass die Tür doch offen und auch das Individuum anwesend sei und trug sein Anliegen (ein Speiseservice im Frachtraum) vor. Daraufhin wiederholte das Individuum seine Worte und das Zumselchen wurde böse und drohte mit der nächsten Mülltonne. Das war wohl ein überzeugendes Argument. "Na guuut", sage das Individuum... Das Zumselchen holte seine Fracht herbei und das Individuum schlurfte voran und wies ihm einen Lagerplatz zu...
Das war kein guter Tag für's Zumselchen: 15 km Anfahrt, Waschanlage, Cockpit- und Schuhputz... Auch die Bilder vom Individuum musste es erst mal nach tagelangen Löschversuchen von der Festplatte bekommen.... Wie viel rentabler wäre doch die hauseigene Mülltonne gewesen! ;-)
1
#16
2.1.17, 13:08
@zumselchen: herrlich beschrieben 👍😂
1
#17
2.1.17, 13:11
@zumselchen: die Mafalda kann es ja kaum glauben, dass das Zumselchen böse werden kann ...
Da die Mafalda ungern mehr als 2 Räder selber lenkt und sich auf selbigem Drahtesel nur wenig Stauraum befindet, muss sie keine Spenden darauf befördern. Lebensmittel werden selbst verspeist. Aber andere Dinge, die für die Mülltonne zu schade sind, werden an Selbstabholer verschenkt. Die örtliche Müllabfuhr hat eine Onlineplattform dafür und ist froh, dass ihre Dienste dadurch entlastet werden. Und die beschenkten Selbstabholer sind meist sehr dankbar, oft geben sie der Mafalda im Gegenzug was aus dem eigenen Garten.
3
#18
2.1.17, 13:18
Auch solche Berichte kenne ich aus dem Bekanntenkreis: 3 Leute, die im Sozialkaufhaus als dort Tätige anwesend sind und als die Dame mit ihrem bepackten Fahrzeug auf dem Parkplatz steht, ist niemand bereit, ihr beim Ausladen der Kartons zu helfen. Dafür sei man nicht zuständig.
Lediglich ein zufällig anwesender Obdachloser bietet ihr Hilfe an, die sie gerne annimmt - während man im Laden generös ihre Kartons in Empfang nimmt und anweist, wo sie hinzustellen sind. Als sie dem Obdachlosen eine u. a. im Auto befindliche Iso-Matte überlässt, muss sich dieser noch rechtfertigen und sie schnell eine Geschichte erfinden, warum er sie geschenkt bekam und sie nicht zum Verkauf in den Laden gegeben wurde. Zitat des Obdachlosen: "Ich habe nicht danach gefragt - ganz ehrlich!"
Ihre Reaktion war, nachdem sie das Erlebnis verarbeitet hatte, dass sie dort das letzte Mal etwas hingegeben hat. 
1
#19
2.1.17, 13:28
@CracklinRosie: 
Erschütternd und das kann einem das Helfen arg vergraulen.
Hier ist es aber so, dass alle Gegenstände auch abgeholt werden. Ich habe vor einigen Jahren meinen Flohmarktkeller leerräumen lassen, als ich das regelmäßige Verkaufen aufgab. Bringe ich größere Mengen Kleidung zu einer Männertagesstätte, sage ich dort nur Bescheid und ein paar Männer kommen mit zum Parkplatz und räumen das Auto leer.
Schlechte Erfahrungen oder ähnliches wie beschrieben habe ich noch nie erlebt.
1
#20
2.1.17, 14:16
Ich kenne es ja auch anders, wenn ich meine Sachen zur hiesigen Obdachlosen- und Asylbewerber-Unterkunft bringe. Ich kann gar nicht schnell genug was sagen, so blitzartig stehen die Schlange, um auszuladen. Und bieten mir noch Kaffee an und ich muss mich kurz dazu setzen und paar Minuten schwätzen, und, und...
Aber da gehe ich auch über den zuständigen Sozialarbeiter und nicht ans Sozialkaufhaus, an das man mich von der Stadtverwaltung aus verwiesen hat. Der Sozialarbeiter sagte mir: Bloß nicht dahin bringen - dann müssen die Leute da noch was für bezahlen und die wissen ja oft nicht mal, wie sie dahin kommen sollen und haben eh kein Geld. Was hier direkt ankommt wird auch direkt an die Leute weitergegeben. Entspricht zwar nicht den Vorschriften, geht aber am schnellsten und vor allem für die Bedürftigen kostenfrei.
Leider sind jetzt keine Familien mit Kindern mehr da. Muss den beim nächsten Mal fragen, wo ich die denn jetzt finden kann für eine unproblematische Spenden-Abwicklung.
1
#21
2.1.17, 16:09
@zumselchen: och nee! Nächstes mal kommste zu uns! Da bekommst Du noch einen schönen Kaffee, ein herzliches Dankeschön und vor allem einen gepflasterten Parkplatz und wir lassen Dich auch nicht schleppen!

Habe ich schon erwähnt, daß länger nicht verkaufte Sachen kostenlos an bedürftige Menschen abgegeben werden? Gibt ja immer wieder "Ladenhüter", und die Zeiten dafür werden bekannt gegeben.

Toll, wie Cracklin es macht. Aber der Meinung des ihr bekannten Sozialarbeiters stimme ich nicht vorbehaltslos zu. Ein bissel wirtschaftliche Selbstverantwortung kann man den Leuten schon zumuten. Dazu gehört es auch, sich den Winterpullover für 0,50€ selbst kaufen zu müssen.Bei Obdachlosen ist die natürlich nicht möglich. Aber für einen ALG II Empfänger bedeutet es doch auch Selbstachtung!
#22
2.1.17, 16:32
@Birgit-Martha: Das Zumselchen überlegt es sich... Mit einem Kaffee lässt es sich gerne ködern. :-)
2
#23
2.1.17, 19:20
@Birgit-Martha: 
Stimmt schon. Aber bei frischen Asylbewerbern, die gerade aus Syrien gekommen sind und dort vorübergehend untergebracht werden, scheitert es oft schon daran, dass die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Sozialkaufhaus finden müssten - und dann vermutlich genau das falsche Ausweispapier dabei haben, um dort kaufen zu können. Zumal die ja erst einmal mit einem Taschengeld zurechtkommen müssen. Und genau denen wollte ich ja helfen - total unbürokratisch und schnell. 
...und die ehem. Obdachlosen, die dort zumindest ein Dach überm Kopf finden, haben sich tierisch über 1 Kiste Krimis und Thriller gefreut. Die haben da direkt ein Regalbrett im Gemeinschaftsraum aufgemacht, wo die Bücher rein kamen zur gemeinschaftlichen Verwendung. 
Übrigens gibt es bei uns im Sozialkaufhaus leider nicht für 50 Cent Pullover oder Jacken. Die wollen schon etwas mehr sehen. Und die Möbel liegen auch preislich außerhalb der Möglichkeiten der meisten Bedürftigen. Das hatte meine Freundin ja am meisten geärgert, dass klar war, dass das Kleinmöbel für den Preis keinen Bedürftigen finden wird, der das zahlt und sie sogar mehr gezahlt hätte, quasi als Spende obendrauf. Also wenn schon ausschließlich an Berechtigte, dann doch auch bitte zu absoluten Kleinbeträgen und nicht ein Beistell-Tischchen für 20 €. Da bekommt man auf jedem Flohmarkt die Sachen billiger als dort.
1
#24
4.1.17, 10:50
Sorry, aber der Tipp ist für mich eine absolute Binsenweisheit. Jeder halbwegs lebenserfahrene Mensch weiß, dass er seine Probleme relativieren sollte.
1
#25
4.1.17, 12:04
Hallo Kriss 

Ich finde deinen Artikel sehr passend, vor allem darum, weil wir ja in der sog. first World wirklich gut leben können!!
Grade der Hinweis auf die Kleiderkammer und sozial- Kaufhäuser ist eine wahrlich gute Idee!!
Heut vormittag war ein Beitrag über obdachlose in Deutschland...Und die Idee mit dem Zelt für A. In Berlin ist meiner Meinung nach der erste Schritt in die richtige Richtung!!!
Aber mir stellt sich doch hin und wieder die Frage...worin ist denn unsere Welt so "first"...Wenn es Menschen darin gibt, die nicht mal einen Wohnsitz bzw . Auch nur ein Vordach über dem Kopf haben???
Es gibt schon Tipps für den Beitrag...nämlich daß jeder einzelne sich mal überlegen soll, was er wirklich zum überle!eben braucht...Und keiner wird mehr als eine handvoll Dinge benennen können...
Das traurige ist- unsere Wohnungs- und obdachlosen haben oft nicht mal das!!!
In diesem Sinne

Ein frohes neues Jahr!!!
1
#26
7.1.17, 21:58
@ all

Es freut mich sehr, dass mein Beitrag einen so positiven Gedankenaustausch bei euch allen angeregt hat. Das ist die schönste Bestätigung dafür, dass es sich lohnt seine Gedanken niederzuschreiben und zu teilen. Danke auch für die vielen Sterne!

Etwas verspätet wünsche ich allen ein frohes Neues Jahr :)

Verfasse einen Kommentar

Emojis einfügen

Kostenloser Newsletter

Frag Mutti-Produkttest

Wir haben 300 Produkttester ausgesucht, die über 600 Henkel-Produkte auf Alltagstauglichkeit testen!