„Ein Kompliment ist die charmante Vergrößerung einer kleinen Wahrheit.“ - Johannes Heesters

Komplimente machen: Topfschlagen im Minenfeld

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Komplimente sind meistens eine feine Sache. Wobei hier die Betonung ganz klar auf meistens liegt. Im günstigsten Fall bescheren sie mindestens zwei Menschen ein gutes Gefühl. Dem, der das Kompliment macht, die Gewissheit seinem Gegenüber eine Freude zu bereiten. Und dem, der das Kompliment bekommt, das wohlige Bewusstsein wertgeschätzt zu werden. Wer aber schon einmal durch ein gemachtes Kompliment mit Karacho in ein Fettnäpfchen getreten ist weiß, dass nicht jede gutgemeinte Äußerung auch so ankommt.

Neulich bin ich auf dem Tauentzien bei der Suche nach einem neuen Paar Sneakers in einem ziemlich hippen Laden gelandet. Streetwear, Skateboards, Basecaps, das ganze Programm für Leute bis 25. Eigentlich kein Problem für mich, obwohl ich die 25 jetzt schon zweimal auf der Lebensuhr habe. Dieses Kein-Problem-Gefühl hielt an, bis mich eine Verkäuferin ansprach: „Na junger Mann, kann ich ihnen helfen?“ Ich schaute mich um. Der Laden war voller Teens und Twens, die durcheinander wuselten, Sachen anprobierten und mit ihren Smartphones Selfies machten. Niemand hatte eine beratende Verkaufskraft im Schlepptau. Sah ich so hilflos aus, dass die Verkäuferin mich aus Mitleid angesprochen hatte? Und was war das mit dem „jungen Mann“? Wenn eine Frau jenseits der 70 mich so anspricht, geht das schon in Ordnung. Aber eine Verkäuferin, die meine jüngste Tochter sein könnte? Irgendwie machte mich dieser als Kompliment getarnte Satz wütend. Etwas in meinem Gesicht veranlasste die junge Frau einen Schritt zurückzuweichen. Ihr Blick flackerte unsicher. „Nein danke“, antwortete ich „wie ich sehe führen sie keine orthopädischen Schuhe.“ Ich verließ den Laden ohne Sneakers. Bin ich zu empfindlich? Oder kann ich mit Komplimenten einfach nicht umgehen?

Diese kurze Episode soll nur zeigen, wie immens wichtig es für ein gelungenes Kompliment ist, dass das Gesagte und die realen Bedingungen in einem schlüssigen Verhältnis zueinander stehen. Dazu fällt mir Saywer ein, der Womanizer aus der legendären TV-Serie „Lost“. Er ist davon überzeugt, dass es drei Dinge gibt, die ein Mann seiner Frau regelmäßig sagen sollte, wenn er mit ihr in Frieden leben will. Erstens: „Genau“. Zweitens: „Es tut mir leid“. Drittens, und laut Saywer am wichtigsten: „In dieser Hose sieht dein Hintern fantastisch aus.“ Im Film funktioniert das, aber im wirklichen Leben? Ich habe das Kompliment mit dem Hintern einem Praxistest unterzogen. Meine Verlobte war entzückt. Was aber mit Sicherheit daran lag, dass sie sich gerade mit ihrer neuen Jeans im Spiegel begutachtete. Hätte ich ihr das gleiche gesagt, während sie in ihrer Schlabber-Jogging-Haushose die Wäsche aufhängt, wäre ihre Reaktion mit Sicherheit mehr irritiert als erfreut ausgefallen. Was schließen wir daraus? Neben dem logisch richtigen Verhältnis zwischen Gesagtem und Wirklichkeit ist auch das Timing eines Kompliments von entscheidender Bedeutung.

Johannes Heesters, der unvergessene Grandseigneur, hat einmal gesagt: „Ein Kompliment ist die charmante Vergrößerung einer kleinen Wahrheit.“ In meinen Augen ein sehr weiser Satz, der das Wesentliche eines guten Kompliments auf den Punkt bringt. Was er voraussetzt, ist ein echtes Interesse am Gegenüber. Nur wenn ich genau hinschaue, entdecke ich die „kleine Wahrheit“ an einem Menschen und damit die Grundlage für ein echtes Kompliment. Womit wir die perfekte Überleitung zum Punkt „Echtes Kompliment vs. Fake-Kompliment“ haben. Ich kenne eine Reihe von Amerikanern hier in Berlin, die ich immer wieder mal auf den Partys gemeinsamer Bekannter treffe. Nach dem zehnten „Ohh, you look soooo beautiful tonight“, das sie irgendwem an den Kopf donnern, glaube ich ihnen kein Wort mehr. Bitte nicht missverstehen: Ich mag die amerikanischen Freunde meiner Freunde von Herzen gern, aber das inflationäre um-sich-schmeißen mit Floskeln finde ich grauenhaft. Warum das gerade unter Amerikanern anscheinend zum guten Ton gehört ist mir ein Rätsel. Und das ausgerechnet in Berlin, wo der Ur-Berliner sich mit Komplimenten eher schwertut. In der Hauptstadt ist ein kerniges „So scheiße siehst du heute ja gar nicht aus“ durchaus als Kompliment zu verstehen. Das ist für Neuberliner gewöhnungsbedürftig, aber erfrischt durch seine raue Herzlichkeit.

Ach ja, noch in eigener Sache: Mir ist bei Frag Mutti ja schon des Öfteren das zweifelhafte Kompliment gemacht worden, meine Tipps seien so herrlich tippfrei. Also werde ich mich auch bei diesem Beitrag daran halten und nicht mit einem Tipp, sondern einem Kompliment schließen: Ihr seid ganz tolle Leser, wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt. Ehrlich.

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58 Kommentare


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#1
8.5.17, 17:06
Kriss, fass es bitte  nicht als Kritik auf, aber ich finde, in dem Fall warst du zu "empfindlich". 😉
Ich selbst ertappe mich ab und an dabei, wie ich zu einem älteren Mann "junger Mann" sage und mir aber gar nichts dabei denke. Sicherlich ist das absoluter Unsinn von mir! Ich weiß auch gar nicht, warum ich das tue, aber soll ich sagen: "Hey Sie da!". Ich könnte vlt. noch sagen "Der Herr" das wäre zugegebenermaßen eine bessere Möglichkeit, wenn auch etwas steif. Aber manchmal fällt mir halt das Passende nicht ein und ich will ja nicht sagen: "Alter Mann, kann ich Ihnen helfen?" Hinterher schmeißt er mir noch sein Gebiss hinterher! 😄 Ich denke, es ist nicht negativ gemeint, sondern einfach eine Form des Ansprechens,  wenn auch eine Unsinnige!
Ich selbst übe mich darin, nicht jedes Wort auf die Waagschale zu legen, was mir auch manchmal schwerfällt.
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#2
8.5.17, 17:11
Ja, Du bist zu empfindlich.
Als Antwort auf die nett gemeinte Frage, ob der junge Mann Hilfe brauche, empfehle ich: "Gern. Und könnte ich das mit dem jungen Mann nochmal hören?"
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#3
8.5.17, 17:28
Ich stimme Kriss auf jeden Fall zu. Ich hasse diese gedankenlos hingesagten Floskeln. Und genauso ist es auch bei dir, @ebenich. (nicht bös gemeint) Aber du hast ja selbst erkannt, das es eigentlich Unsinn ist.
Die Antwort mit den orthopäd. Schuhen hätte ich zwar nicht gegeben, aber ich hätte innerlich den Kopf geschüttelt.
Warum soll ich wildfremden Menschen Schönes WE wünschen? Vielleicht erleben die gerade ne schlimme Zeit, warum auch immer.  Und die "Grüße unbekannterweise"...auch so ein Schwachsinn.
Wenn ich jemanden grüßen lasse und Schönes WE wünsche, dann bei Bekannten und dann meine ich es auch genau so.
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#4
8.5.17, 17:43
Ich freu mich, wenn ich mit junge Frau angesprochen werde, obwohl ich in das jung dreimal reinpasse. Ein junger italienischer Eisverkäufer flirtet mit jeder Kundin in sehr höflicher Form und alle genießen es sichtbar und strahlen. Ich hab mich da nicht so und spiele die beleidigte Leberwurst. Das würde ich eher, wenn mich jemand mit alte Dame ansprechen würde, auch wenn das den Tatsachen nahe kommt. Vielleicht ist das bei Männern anders, keine Ahnung, aber meiner fühlt sich auch gebauchpinselt, wenn ihn eine junge Verkäuferin anlächelt und junger Mann sagt. Wir wissen doch, daß wir nicht mehr jung und knackig sind, warum sich über Schmeicheleien nicht amüsieren. Ich muss oft herzhaft lachen und der Rest meines Tages ist gerettet.
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#5
8.5.17, 17:53
@Arjenjoris: Ich  verstehe nicht, warum du dich über so eine kleine Sache aufregst. Nicht immer alles auf eine Waagschale legen. Mögen die Leute dir auch  deine Fehler verzeihen. Wir alle reden ab und an "Schmarrn". Sorry, aber ich bin nicht perfekt, ich bin ein Mensch und keine Maschine. :-)
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#6
8.5.17, 17:54
Ich hab mich weggeschmissen 😂orthopädische Schuhe. ....genialer Konter 😂
Manche Floskeln gehen mir auch auf die Nerven - aber sie sind ja nicht böse gemeint.....
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#7
8.5.17, 17:56
Ich stimme Kriss bzgl. der gedankenlosen und vor allem inflationären Komplimente absolut zu. Das nervt und sehr offensichtlich nicht ernst gemeint. Allerdings finde ich die Anrede als "junger Mann" nicht schlimm. Das ist nur eine erweiterte Form von "Hallo!".

Bzgl. Amerikanern: Da muss ich immer an die Abschiedsfloskel "I call you!" denken. Das heißt absolut nicht, dass derjenige irgendwann wieder anruft. Das finde ich auch befremdlich, aber ich bin halt auch ein sehr direkter Mensch. 

Vielen Dank für die Hinweise!
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#8
8.5.17, 17:59
Aber man merkt auch, ob jemand ein künstliches Lächeln aufsetzt und eine nicht ehrlich gemeinte Floskel ausspricht. Darauf kann ich verzichten.
Und der ital. Eisverkäufer: nun ja, es ist eben deren Mentalität.
Vielleicht bin ich da auch empfindlich, aber ich mag diese aufgesetzte Freundlichkeit eben nicht.
#9
8.5.17, 18:01
@Skudder: Tja, die Amerikaner lieben halt Floskeln und oberflächliche schnelle Bekanntschaften. Man darf nicht ernst nehmen, wenn es heißt: "Komm doch mal vorbei". Ich möchte schon wissen, woran ich bin, gell. 😄
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#10
8.5.17, 18:02
Zuerst einmal hätte ich an Deiner Stelle den flotten Spruch der jungen Verkäuferin weggelächelt, denn ihr war mit Sicherheit bewusst, was sie da sagt. Entweder war es nicht ernst gemeint oder sie erwartete einen flotten Gegenspruch.

Ich liebe Komplimente und nehme sie sehr gerne freudig mit einem schlichten "Dankeschön" ohne Wenn und Aber an.

Vor vielen Jahren kannte ich mal einen Mann, der schon vielen Frauen vor mir oft und gerne Komplimente machte und er sagte: Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit Du Komplimente annimmst..........

Es gibt leider sehr viele Menschen, die Komplimente beschämen, denken, dass man dazu etwas "erklären" muss und daraus folgt, dass ein Kompliment sofort ins Gegenteil gekehrt wird. Auf durchaus positive Anerkennung folgt sofort eine negative Einschätzung: Du hast die Haare schön - oh nein, die liegen heute gar nicht / die Bluse steht Dir gut - ach hör auf, das olle Ding / das sieht aber schön aus - ach was, finde ich gar nicht....

Vermutlich kann man Komplimente nur annehmen und als ehrlich gemeint einstufen, wenn man mit sich selbst zufrieden ist, sich positiv betrachtet und sich mag.
Dann freut man sich über Komplimente, lächelt und bedankt sich.
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#11
8.5.17, 18:04
@ebenich: 
....keine Maschine? Aber Du wolltest doch mal nur mal kurz die Welt retten.........😂
#12
8.5.17, 18:04
@Arjenjoris: Ja, da hast du recht, es ist die Mentalität der Italiener. Dann bin ich halt eine Italienerin 😄😄
#13
8.5.17, 18:07
@xldeluxe_reloaded: Ja, und sie ließ sich nicht retten 😌😌
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#14
8.5.17, 18:11
Naja, bei uns sind solche Komplimente Gang und Gebe, das wird so hingenommen und gelächelt.
Oder auch mal einen flotten Spruch zurückgegeben. Ich finde das persönlich auch besser so, als alles auf die Goldwaage zu legen.
Ich stimme @Xldeluxe_reloaded vollkommen zu, lächeln und weitergehen....
 
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#15
8.5.17, 18:11
@ebenich: Klar, natürlich weiß ich, dass das nicht ernst gemeint ist. Ich habe auch kein Problem damit, oder generell mit US-Amerikanern. Wo ich dann aber wirklich genervt bin, ist, wenn mir ein Amerikaner nach sehr kurzer Zeit schon das deutsche "du" anbietet. Da bin ich speziell bei Geschäftspartnern "not amused", weil das m.E. die professionelle Distanz kaputtmacht und bei mir als plumpe Anbiederung rüberkommt. Leider ist es sehr schwierig, so etwas abzulehnen. Selbst wenn ich als Kunde in der besseren Position bin.
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#16
8.5.17, 18:18
@Skudder: Ja, es ist schwierig, wenn man nicht geduzt werden möchte. Ich handhabe es so, dass ich den anderen dann trotzdem Sieze. Bei Geschäftspartnern ist das ja sowieso angebracht. Eine andere Mentalität halt.
#17
8.5.17, 18:23
@ebenich: Es ist aber auch seltsam, wenn das Gegenüber einen duzt und man selbst "Sie" sagt. Zum Glück ist die "Duzanfrage" eines Geschäftspartners erst einmal wirklich bei mir vorgekommen. Klar, die Mentalität ist anders, und es gibt ja im englischen kein richtiges "du" oder "Sie".

Da denke ich immer an den alten Witz mit Kohl und Thatcher: Kohl: "You can say 'you' to me" 😉
#18
8.5.17, 18:48
Ich arbeite in einer Firma, in der sich grundsätzlich geduzt wird, bis hoch zum obersten Chef.
Das ist am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig. Auf der einen Seite muss man aufpassen nicht ins kumpelhafte zu verfallen, auf der anderen ist mancher vielleicht weniger ängstlich auch mal die Vorgesetzten anzusprechen.
#19
8.5.17, 19:05
@Skudder: Es mag  komisch vorkommen, ja, ich denke, es ist ein Statement von mir.

Skudder, you can say "you" to me 😄😄
#20
8.5.17, 19:08
@Arjenjoris: Ich denke, das liegt daran, dass wir mit dem Siezen erzogen wurden und deshalb das DU als etwas sehr Vertrauliches ansehen. Würden wir ein "Sie" gar nicht kennen, würden wir jeden Menschen duzen ohne uns über Respektfragen Gedanken zu machen und entspannter damit umgehen. 😉
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#21
8.5.17, 19:09
@Arjenjoris: Ich weiß, dass das in manchen Firmen so ist, aber ich halte nicht so viel davon. Vielleicht bin ich da etwas altmodisch, und ich habe auch gar keine Probleme damit, den Chef meines Chefs (in dem Fall der Institutsleiter) auf dem Gang anzusprechen - auch ohne "du". Das musste ich aber auch erst lernen, klar. Ich denke nicht, dass das mit "du" oder "Sie" zu tun hat, eher mit der Entwicklung eines Selbstbewusstseins.. Ich mag halt so "künstliche" Sozial-Verordnungen von oben nicht. 
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#22
8.5.17, 19:11
@ebenich: Immer gern, danke! 😉 In Internet-Foren ist das ja auch (meistens) üblich.
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#23
8.5.17, 19:15
@ebenich: Stimmt. Da kommt aber auch viel von der Sprache, da das das Englische nicht hergibt. Extremes anderes Beispiel: Im Französischen haben sich (zumindest früher, keine Ahnung, ob es das noch gibt) auch Familienmitglieder in gewissen Kreisen gesiezt. Das wiederum finde ich dann auch schräg. Gabs - glaube ich - auch bei uns.
#24
8.5.17, 19:53
#21@Skudder: natürlich hat es mit Selbstbewusstsein zu tun, deshalb schrieb ich auch, das es "manchem" evtl. etwas leichter fällt
und wenn das duzen ne Firmenphilosophie ist, musst du eben mitmachen
#25
8.5.17, 19:53
Bei diesem Tipp fällt mir eine Begebenheit ein, die mir vor einigen Jahren passiert ist: Ich traf mit einer Freundin einen Bekannten mit seiner Partnerin in der Stadt. Sie hatte offensichtlich sehr gut abgenommen und sah super aus, wozu ich ihr auch ausführlich gratulierte. Als die beiden weg waren, klärte mich meine Freundin auf, dass der Bekannte sich von seiner Partnerin getrennt hatte und dies seine Neue (identischer Typ) war. Ups... Naja, sie schien sich jedenfalls über das Kompliment gefreut zu haben, auch wenn sie höchstwahrscheinlich noch nie abnehmen musste. ;-)
2
#26 sabon
8.5.17, 19:57
Johannes Heesters hat so recht.Aber in der Öffentlichkeit sind oft nur Floskeln zu hören,keine wirklichen Komplimente.Komplimente bekommt man doch meist von Bekannten oder Freunden.Ein Kellner im Eiscafe macht ein paar nette Bemerkungen,hebt die gute Laune,aber das nehme ich doch nicht ernst!Wenn aber meine Freundin Samstag arbeiten muß,und ich ihr einen halben frisch gebackenen Kuchen hinstelle,was dann kommt,das ist ein von Herzen kommendes Kompliment und Dank!So sehe ich das....
#27
8.5.17, 20:15
@Dorkas85: ups, Fettnäpfchen, mein Mann traf seinen ehemal. Chef im Einkaufscenter, "Na, machst du dir einen schönen Tag mit deinem Enkel?" "Das ist mein Sohn"
In der heutigen Zeit kann sowas öfter passieren.
#28
8.5.17, 20:23
@sabon: 
Bei einem Kellner im Eiscafe käme mir - vielleicht aber zu Unrecht - sofort der Gedanke, dass er das Geschäft ankurbeln will. Es kommt aber immer darauf an, was wie gesagt wird.
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#29
8.5.17, 20:27
@Upsi: # 4
Ich muss nicht herzhaft darüber lachen Ich glaube das! 😂😂 😂
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#30
8.5.17, 20:54
Also ich finde, das hättest du auch mit Humor nehmen können, Kriss. Das war doch nur ein flotter Berliner Spruch. Als Kompliment kann ich das nicht sehen, denn ein Kompliment ist doch eher so etwas wie ein individuelles Lob für etwas ganz bestimmtes. Dass man gut aussieht, schöne Schuhe hat oder sowas. Ich hab früher kaum Komplimente gemacht und konnte sie auch nicht gut annehmen. Mit zunehmendem Selbstbewusstsein fällt mir das viel leichter und es ist so schön, wie ein ehrlich gemeintes Kompliment ein Lächeln auf das Gesicht beispielsweise einer Kollegin zaubert, da krieg ich gleich mit gute Laune. 

Zu den Sprüchen von Amerikanern: das liegt an uns Deutschen, dass wir da immer viel mehr reinlesen als wirklich gemeint ist. Wenn die sagen, dass sie sich freuen, einen zu sehen, meinen die das genauso wenig ernst wie wir, wenn wir uns ein schönes Wochenende wünschen. Wäre nun die Alternative, dass man sich gegenseitig keinen guten Tag mehr wünscht, kein schönes Wochenende etc., weil das alles nicht ehrlich ist? Jeder Kulturkreis hat seine sozialen Schmiermittel und auch in den deutschsprachigen Ländern und Regionen gibts Unterschiede. Bin ich in Berlin, muss ich mich immer umstellen und sage mir stündlich, dass die Berliner es nicht so meinen, wie es sich anhört. Befremdlich ist es trotzdem, da ist mir manchmal der österreichische Schmäh lieber - und da käme auch niemand auf die Idee, dass der Schmäh tiefempfunden ehrlich ist und aus tiefstem Herzen kommt, oder?

Kriss, du schreibst sehr gut und unterhaltsam. Ich glaube, ich spreche nicht nur für mich, sondern für viele hier, wenn ich sage, dass ich mich immer freue, etwas von dir zu lesen. Und das war ein vollkommen ehrlich gemeintes Kompliment! 
#31
8.5.17, 20:58
@xldeluxe_reloaded: naja, du bist ja auch drei Tage jünger als ich, dann darf man das glauben 😂😂😂
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#32 sabon
8.5.17, 21:18
@xldeluxe_reloaded:Eben,das er das Geschäft ankurbeln will,ist doch legitim,deshalb sage ich ja,Floskeln,die aber gute Laune machen!!!Kann mich erinnern vor 5 Jahren,mein Mann war gerade gestorben,ich habe mich aufgerafft,in ein Eiscafe bei uns direkt am Deich zu fahren.Als ich da saß,dachte ich,was willst du hier.Aber der Kellner war wirklich nett,und hat mir damit geholfen.Später haben wir uns oft unterhalten,und er hat sich unglaublich gefreut,als ich ihm sagte,daß er mir damals sehr geholfen hat,also habe ich ihm ein Kompliment gemacht,ehrlich gemeint!! 
#33
8.5.17, 21:22
@Skudder #23:
Meine Mutter (66) hat ihre Eltern immer ge'ihrt'. 
Etwa so: "Mutter ich habe 'Euch' heute Pfirsiche mitgebracht." oder etwa: "Pa, würdet 'Ihr' bitte der Ma ausrichten, dass ich später komme." 
Das ist in Italien (zumindest in der Region wo meine Mutter herkommt) heute noch so. Meine Cousine (38) 'ihrt' ihre Eltern auch. Fremde werden allerdings gesiezt.
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#34
8.5.17, 21:38
@sabon: 
Das ist etwas ganz anderes, als ich meinte und es freut mich, dass es Dir gut tat. Der Kellner war wirklich nett und das ist nicht das übliche oberflächliche "Bella-Gerede", das mir im Gedächtnis war.
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#35
9.5.17, 09:24
Der Eisverkäufer hat es vielleicht nicht nur für den Umsatz getan. Er bekam ja bestimmt viele kleine Lächeln zurück und arbeitete so in einer selbstgemachten heiteren, leichten  Atmosphäre für alle, obwohl jeder wusste, dass es nicht so ernst gemeint war.  
Mit etwas mehr Leichtigkeit, Höflichkeit, Respekt und Freundlichkeit bräuchte man auch keine übertriebenen Komplimente.
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#36
9.5.17, 09:34
@Julice: so sehe ich das auch und ich finde das sehr angenehm so freundlich bedient zu werden. Übrigens ist auch meine Kugel Eis immer größer als die meines Mannes. Ich verschenke Leuten die nett sind aber auch mein schönstes Lächeln was ich habe und das ist ehrlich. Von den ausländischen Verkäufern, egal was sie verkaufen, könnte sich so mancher Verkäufer von hier eine dicke Scheibe abschneiden und das hat nicht immer etwas mit Umsatz zu tun.
#37
9.5.17, 10:27
@MissChaos: Das "Ihren" und "Euchen" ist da natürlich noch eine Stufe "anders", aber natürlich völlig ok, wenn keiner ein Problem damit hat. So ist das halt mit sozialem Verhalten - kann sehr unterschiedlich sein.

Die anderen Duzen dagegen alles und jeden. Wenns passt, ist das prima.
#38
9.5.17, 13:40
@all

Schön, dass so viele Kommentare zusammengekommen sind. Und ja, einige unter euch haben bestimmt Recht damit, dass ich gelegentlich zu empfindlich bin. Aber so hat nun einmal jeder seine Haut, aus der er nur schwer kann...

@Küchenhexe

Obwohl mir die erhaltenen (oder auch nicht erhaltenen) Sterne nicht allzu viel bedeuten, würde es mich doch interessieren, wieso du einen Beitrag als "sehr schlecht" bewertest, aber mit keiner Silbe in einem Kommentar erwähnst, warum? Du schreibst ja auch sonst recht fleißig in deinem Blog, warum nicht auch hier?
#39
9.5.17, 18:47
Hallo Kriss
Der Kommentar war so gut geschrieben, daß ich ihn gern bis zum Ende gelesen habe, auch wenn ich den Auslöser dafür eher nicht als 'falsches Kompliment' verstanden hätte.
Was die Floskeln im täglichen Umgang betrifft, habe ich allerdings auch so meine Probleme damit. Wenn ich einen Bekannten treffe, zu dem ich nie eine nähere freundschaftliche Beziehung hatte und er fragt bei der Begrüßung 'Wie geht es dir', dann muss ich mich zwingen nicht die Augen zu verdrehen. Selbst wenn sein Interesse von ehrlicher Natur wäre, ginge es mir dann doch zu weit ausführlich von meinem Leben zu erzählen. Gesundheitlich geht es mir eigentlich immer schlecht und ich bin aus diesem Grund auch schon seit über 7 Jahren in Rente, aber ich kann mir nicht vorstellen dass das jemand auf diese Frage hören möchte. Umgekehrt stelle ich diese Frage nie. Zum Einen möchte ich gar nicht alles über andere wissen und zum Anderen bekomme ich meistens eine Floskel (Danke gut, und dir?) zurück und muss dann schon wieder lügen.
Oft denken die Menschen gar nicht nach bei solchen 'guten Wünschen'. Wenn ich früher an einem Sonntagabend gegen 21 Uhr an der Tanke hinter der Kasse stand, fand ich ein
'Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende' von Kunden absolut unpassend. 
Die Amis sind da noch wesentlich schlimmer. LIegt jemand schwer verletzt und nach Atem ringend am Boden, fragt auf jeden Fall schon der erste Ritter: Wie fühlst du dich? 
Mit letzter Kraft kommt als Antwort: Danke gut, mir fehlt nichts....
Ich bin ein Mensch der versucht nur Fragen zu stellen, auf die ich auch eine Antwort haben möchte und die so gestellt werden, dass sie der Andere nicht als zu indiskret empfindet.
Statt wie geht's dir? frage ich lieber spezieller nach: Hast du inzwischen einen neuen Job gefunden? Hast du dich von deiner schlimmen Erkältung wieder ganz erholt? Bist du immer noch auf der Suche nach einer neuen Wohnung? etc. So bleibt dem Anderen die Möglichkeit mit Ja oder Nein zu antworten oder ausführlicher auf das Thema einzugehen, ohne dass es peinlich wird. 
Einerseits sollte man also etwas mehr Gelassenheit an den Tag legen und andererseits auch selbst darüber nachdenken, ob und was man andere fragt oder ihnen wünscht. 😉
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#40
9.5.17, 21:31
@Kriss: deine Tipps lesen sich immer sehr schön, weil sie aus dem wahren Leben stammen.

Vieles im Sprachgebrauch ist einfach zu einer höflichen Floskel geworden und nicht mehr wörtlich gemeint und dann zählt m.M. der gute Wille, der dahinter steckt, mehr als die fehlende Ehrlichkeit. Das ist vor allem bei Grußformel auch bei "junger Mann" der Fall. Mir geht es selbst so. Nicht jeden, dem ich "auf Wiedersehen" sage, möchte ich z.B. auch wirklich wieder sehen, aber wem nützt es, wenn ich das laut sage?
Bei Komplimenten sollte man bei anderen den guten Willen sehen und sich fragen, ob man diesen guten Willen nicht selbst auch aufbringen könnte und auch wieder mal eins verteilt. 
Wenn man sich nur etwas Mühe gibt, findet man sicher bald einen wahren Kern, den man zu einem netten Kompliment machen kann.😄 und bei der Gelegenheit kann man gleich auch ein paar kleine Fehler übersehen.😎
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#41
9.5.17, 21:44
@Mafalda: 
Ich verabschiede mich, z.B. in Wartezimmern, bei Behörden, an Tankstellen, im Aufzug etc., also bei Menschen, die ich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wiedersehen werde, mit "Schönen Tag/Schönen Abend". Das wird aber kaum erwidert und ist wohl nicht so umgangssprachlich. Trotzdem bleibe ich dabei und würde nicht "Auf Wiedersehen" sagen wollen.
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#42
9.5.17, 21:53
@xldeluxe_reloaded: gute Idee, das merke ich mir und bringe es bei Gelegenheit an.
von mir würdest du auf jeden Fall ein "Danke gleichfalls" erwidert bekommen.
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#43
9.5.17, 21:59
@Mafalda: 
Danke, aber meist verwirrt es, weil es unüblich ist. Ich finde es aber schön und höflich.
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#44
9.5.17, 22:33
@xldeluxe_reloaded: 

Das ist unter normalen Umständen auch meine Abschiedsgruß-Formel... "Einen schönen Tag/Abend wünsche ich noch." Hört man hier in Berlin auch nicht so oft, aber da ich ebenfalls aus NRW stamme, glaube ich das von dort importiert zu haben... :-)
#45
10.5.17, 19:58
@Taita: dein Beispiel mit der Tankstelle ist absolut passend. Wenn beim Checkin im Hotel Schönen Aufenthalt gewünscht wird, sagen die Gäste "Ihnen auch". Was soll das? Gedankenlos dahingesagt. 
Mir ist es schon oft passiert, das Leute auf mein Auf Wiedersehen "Danke" gesagt haben. Die hören nicht mal richtig hin und rechnen wohl automatisch mit Schönes WE o.ä.
#46
10.5.17, 20:03
@Arjenjoris: 
Kenn ich so wirklich nicht:
Abends in Supermärkten, in diesem Fall an der Tankstelle, wünsche ich einen schönen (Feier)Abend und wenn mir zuvor gekommen wird, höre ich schon hin, was mir da gewünscht wird. Aber so hat jeder halt seine Erfahrungen.......
#47
10.5.17, 20:08
@Arjenjoris:
Könnte es nicht sein, dass man solche Floskeln, die nur aus Gründen der Konvention und nicht aus echter Herzlichkeit ausgesprochen werden, mittlerweile "automatisch" ausblendet?

Wenn also aus diesem Grund kaum noch jemand zuhören sollte, wundern mich unpassende (und ebenso gedankenlos geäußerte) Antworten nicht.
#48
10.5.17, 22:05
@xldeluxe_reloaded: ja, du hörst zu und ich eben auch. Und ich sage auch nur das, was ich wirklich meine. Ansonsten halte ich meinen Mund. 
@jeannie: kann schon sein, das man ausblendet und abschaltet, aber warum "rafft" man sich dann noch zu einer Antwort auf?

Wie auch immer, mich ärgert diese Oberflächlichkeit. 
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#49
10.5.17, 23:35
Wenn mich jemand mit "Schönen Tag/Abend, Schönes Wochenende/Schöne Feiertage" etc. verabschiedet, finde ich das nett. Ob das ehrlich gemeint ist oder nur eine Floskel, weiß ich nicht und ist mir auch egal. Ich erwidere stets "Danke, gleichfalls".- und meine es auch so. :) 
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#50
11.5.17, 09:32
@viertelvorsieben: 
Ich denke, dass Menschen, die überhaupt den Mund aufbekommen und den Anstand haben, etwas zu wünschen, meinen es auch ehrlich.
#51
11.5.17, 10:12
Das war mal wieder ein wunderbarer 'Nicht-Tipp'. Ich finde übrigens nicht, dass du zu empfindlich reagiert hast! Ich bin auch schon Mitte 50 und finde es befremdlich, von einer deutlich jüngeren Person als junge Frau bezeichnet zu werden, zumal in einem Laden, in dem ich den Altersdurchschnitt schlagartig um Jahrzehnte erhöhe, indem ich nur einen Fuß reinsetze.
Ich habe auch mal ein 'schönes' Kompliment bekommen. Eine Bekannte sah ein Foto von mir, das absolut furchtbar war. Zu dem Zeitpunkt, als es aufgenommen worden war, war ich erkältet gewesen und sah auch entsprechend aus: rote dicke Nase, rote Augen, ungeschminkt, strähnige Haare, und zu allem machte ich noch ein blödes Gesicht, und sie meinte: 'Du fotografierst dich aber gut!' völlig ehrlich und ohne Ironie. Das hat mich schwer getroffen.
4
#52
12.5.17, 20:48
Apropos Komplimente:

Vor einiger Zeit traf ich meinen Chef (Seniorenheimleiter) im Treppenhaus. Er wollte hoch, ich runter. Wir grüßten uns im Vorbeigehen und ich schaute ihm 2-3 Sekunden lang hinterher. (Er trug einen wunderschönen Strickpullover aus teurer Wolle  und mit außergewöhnlichem Strickmuster). Er spürte wohl meinen Nachblick, sah mich fragend an und ich machte ihm ein Kompliment über das besagte Oberteil.  Verdutzt blieb er kurz stehen und schmunzelte. Dann kam ein herzliches "Oh, Danke!" 
Kurz darauf dachte ich: Geht das? Spinne ich?? Mache meinem Chef ein Kompliment über seine Kleidung? Was denkt er jetzt von dir? Darf ich das als Angestellte, die noch nicht solang dort ist? Ist das nicht vermessen? Eventuell respektlos? 
Oft mache ich mir zuviel Gedanken. Das Kompliment war ehrlich gemeint, ohne irgendwelche Hintergedanken. Es lag auf der Zunge und " schwupps" war es draussen. 
Neulich sprach ich die Verkäuferin in der Bäckerei auf ihre Frisur an. Es war sonst keine Kundschaft anwesend. Machte ihr ein Kompliment zu ihrer Frisur (wir haben die gleichen krausen Haare) und fragte, ob sie mir verrät, zu welchem Friseur sie geht. Sie errötete und sah mich an, als würde ich sie entführen wollen oder hätte ihr ein unanständiges Angebot gemacht. 
Schon komisch, was man mit Komplimenten so erlebt.....den selbst gemachten oder denen, die einem entgegengebracht werden. 
Die Kommentare hier finde ich auch sehr interessant. :-)
4
#53
12.5.17, 21:21
Jetzt mache ich mal ein Kompliment, nämlich euch hier bei Frag Mutti. Die ganzen Jahre habe ich hier mit euch gelacht, gezickt, geraten und auch geheult. Manchmal lustig, auch wütend und traurig, aber immer interessant die unterschiedlichen Charaktere zu studieren. Es ist schön, wenn hier Meinungen aufeinander prallen und Mißverständnisse zu Reibereien
führen. Körperliche Schmerzen musste ja niemand erleiden, auch wenn man manchmal
mit dem Knüppel dazwischen gehen könnte.
Ich habe mich meist gut unterhalten gefühlt und daran habt ihr den größten Anteil. Ihr seid dufte und knorke, danke und auf weitere spannende Jahre.
Das ist ehrlich gemeint und kommt von Herzen.
#54
14.5.17, 16:17
ich verstehe, dass das mit dem "junger Mann" nervt, es ist auch ein bisschen frech, finde ich.
Aber ich bin auch schon oft selber in Fettnäpfchen getreten......
1
#55
14.5.17, 17:30
ich hatte letzte Woche einen Gast hier im Hotel, der zur Ü30-Party wollte ... er sagte zur mir, dass er mich gerne mitnehmen würde aber sicher tät man mich nicht reinlassen ... grins ... ich bin 43   :o)
#56
14.5.17, 19:32
@Agnetha: 
Sehr charmanter Mann! (Ich hätte Zeit gehabt, leider aber Ü60.........;o))
3
#57
14.5.17, 19:49
Wieso? Ü60 ist doch auch Ü30. ...;-)
#58
14.5.17, 19:54
@Arjenjoris: 💜

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