Je älter die Kinder werden, desto länger und aufmerksamer können sie zuhören und auch Geschichten folgen.

Bilderbücher zum Vorlesen

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Vorweg eines: Dies ist eine sehr persönliche Auswahl. Schlampig gezeichnete oder nachlässig getextete Bilderbücher haben hier keine Chance, auch Kinder haben Qualität verdient. Und auch die Eltern sollen Spaß am Buch haben. Deshalb sind viele der unten genannten Werke Klassiker, die seit vielen Jahren Kinder wie Eltern erfreuen und die sich einfach bewährt haben.

Auch die Alterseinteilung kann nur eine grobe Empfehlung sein. Es scheint logisch, dass man einer Fünfjährigen mit Babybüchern keine große Freude machen kann. Auf der anderen Seite gibt es sicher in jeder Familie Lieblingsbücher, die bis zum Schulalter immer wieder in die Hand genommen werden. Auch können nur die Eltern individuell entscheiden, ob ihr Kind schon reif für ein Bilderbuch ist – ob es bei größeren Textmengen noch stillsitzen und zuhören kann, oder ob es die Thematik des Buches schon umsetzen kann.

Für die Kleinen

Für Kinder unter zwei Jahren empfehlen sich Bilderbücher mit großen, recht einfach gezeichneten Bildern und vielen Farben, die ja auch gelernt werden wollen. Schön sind Mitmachbücher, wo man mal reinfingern kann, wo etwas ausgeschnitten ist, etwas rausguckt. Oder noch besser: Bei denen man ziehen, drehen und schieben kann und dann etwas passiert. Ein schönes Beispiel sind die Mausi“-Bücher von Lucy Cousins.

Hier kann man auf jeder Seite etwas bewegen. Mein Liebling: „Mausi geht ins Bett“ – ein wunderbares Buch, auch um Bettgehrituale zu verfestigen.

Ab zwei Jahre

Die Aufmerksamkeitsspanne wird länger, das Interesse größer, die Entdeckerlust steigt. Eine gute Zeit für Wimmelbücher, aber bitte mit Niveau. Die bunten Bilder mit den zahlreichen Figuren und Details bieten immer wieder Spaß. Mein Favorit: Bücher von Ali Mitgutsch. Er ist quasi der Erfinder der Wimmelbücher. Seit rund 50 Jahren malt er liebevolle Szenarien, auf denen sich selbst im Allerkleinsten noch witzige Geschichten abspielen. Da haben auch die Erwachsenen noch Freude daran und man kann sich gemeinsam mit dem Kind auf Entdeckerreise begeben.

Ab drei Jahren

Je älter die Kinder werden, desto länger und aufmerksamer können sie zuhören und auch Geschichten folgen. „Mitlesen“ wird wichtig, Kinder lernen sehr schnell auswendig und sind dann stolz, wenn sie Teile des Bilderbuches selber „vorlesen“ können.

Ein schönes Beispiel dafür ist „Henriette Bimmelbahn“ von James Krüss. Reime und Rhythmus machen es den Kindern leicht, „mitzulesen“:

Henriette heißt die nette, alte, kleine Bimmelbahn. Henriette, Henriette fuhr noch nie nach einem Plan.

Auch ein Klassiker: Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle. Die kleine Raupe frisst sich durch das ganze Bilderbuch – von Montag bis Sonntag in wachsenden Mengen. Einen Apfel, zwei Birnen, vier Erdbeeren bis sie sich verpuppt und ein wunderschöner Schmetterling wird. Die Kinder lernen nebenbei und ohne pädagogischen Zeigefinger Wochentage und Zahlen, sind fasziniert von den Löchern, die die Raupe tatsächlich im Buch gemacht hat. Schön.

Kinder finden es auch immer toll, wenn etwas Kleines die Großen überlistet und besiegt. Eine der am schönsten erzählten und gemalten Geschichten darüber ist Der Grüffelo“ von Axel Scheffler & Julia Donaldson. Die kleine Maus im gefährlichen Wald hat sich einen starken Freund erfunden: mit dem schrecklichen Grüffelo droht sie den anderen Tieren. Aber eines Tages steht der Grüffelo leibhaftig vor ihr und am liebsten isst er Butterbrot mit Maus. Aber die Maus ist clever und überlistet ihn!

Ach, wer kennt sie nicht, den alten Bauern und seinen kleinen Kater: Petterson und Findus“ von Sven Nordqvist. Der kleine Kater Findus ist neugierig, ein wenig frech und unbestreitbar liebenswert. Die Bücher enthalten relativ viel Text zum Vorlesen, aber die Bilder sind absolut bezaubernd und mit zahlreichen Details, da lohnt es sich, genauer hinzuschauen, vor allem um sich über die jeweiligen Aktivitäten der Mucklas auf dem Laufenden zu halten.

Und das Beste, um es abends zusammengekuschelt im Bett zur guten Nacht vorzulesen: Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab“ von Sam McBratney. Der kleine und der große Hase, die wetteifern, wer den anderen mehr liebt. Eine der schönsten Liebeserklärungen, die es gibt: Ich liebe dich, bis zum Mond und wieder zurück.

Ab vier/fünf Jahren

Es ist 50 Jahre alt und immer noch kein bisschen langweilig: „Wo die wilden Kerle wohnen“ von Maurice Sendak. Ein scheinbar düsteres Kinderbuch, das Kinder dennoch fasziniert: Max wird von seiner Mutter ohne Essen ins Bett geschickt. Daraufhin macht er sich auf, das Reich der wilden Kerle zu erobern. Er zähmt sie, wird König, tobt mit ihnen und findet doch den Weg wieder nach Hause. Und am Ende weiß man: Max ist ein kleiner furchtloser Kerl und die wilden Kerle sind gar nicht so wild.

Und dann ist da noch Janosch. Wie liebevoll die Zeichnungen, wie skurril manchmal die Einfälle wie der Hase mit den roten Schuhen, Janosch ist ein Muss im Kinderzimmer. Ob Tiger und Bär in „Ach wie schön ist Panama“ oder „Komm, wir finden einen Schatz“ entdecken, dass es zuhause am schönsten ist, in „Post für den Tiger“ die Post erfinden, in „Ich mach dich gesund, sagte der Bär“ auch das Krank sein gemeinsam überstehen, bei Janosch geht es um Freundschaft und die wahren Werte des Lebens.

Bilderbücher für das Kind im Erwachsenen

Es gibt Bilderbücher, an denen man eigentlich erst in höherem Alter eine richtige Freude hat.

„Die große Wörterfabrik“ von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo ist so eines. Die Geschichte über das Land, in dem die Menschen fast gar nicht reden und Wörter kaufen und schlucken müssen, um sie aussprechen zu können. Der kleine Paul braucht dringend Wörter, um der hübschen Marie sein Herz zu öffnen. Aber er hat kein Geld. Eine wundervoll poetische Geschichte.

Und dann sind da die Bilderbücher von Emily Gravett, die man am besten im englischen Original liest. So fantastische Ideen und Zeichnungen. „Wolves/Achtung, Wolf!“ erzählt vom Hasen, der ein Buch über Wölfe kauft und über der Lektüre nicht merkt, dass er von einem verfolgt wird. Am besten die Auflösung, wenn die Autorin erklärt, dass während der Entstehung des Buches kein Hase sein Leben lassen musste und der Wolf Vegetarier ist und mit dem Hasen eine Brieffreundschaft pflegt. Für alle Erdmännchen-Fans ist „Meerkat Mail/Post vom Erdmännchen“ Pflicht. Erdmännchen Sunny kann seine große Sippe nicht mehr ertragen und besucht seine Verwandten in der ganzen Welt. Eine Kombination aus Erzählung und echten Postkarten, die Sunnys Erlebnisse illustrieren. Es gibt noch mehr von Emily Gravett – zum Glück!

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12 Kommentare


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#1
8.2.16, 16:54
Die von dir vorgestellten Bücher stehen bei meiner Tochter heute noch im Bücherschrank und kommen demnächst wieder zum Einsatz, wenn ihr Kindchen soweit ist.

Ich bin damals mit meiner Tochter in die Bücherhalle gegangen und wir haben uns zusätzlich Bücher ausgeliehen, weil sie so einen großen (Vor-)Lesehunger hatte und der Kauf doch ziemlich ins Geld ging.

Vorlesen ist so wichtig, leider kennen viele Kinder dieses Ritual heute nicht mehr.
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#2
8.2.16, 18:16
Bücher sind etwas Wunderbares. Meine Mutter hat uns als Kindern lange vorgelesen und später haben wir uns mit dem Vorlesen abgewechselt: die eine hat gelesen, die andere hat gebügelt, gestrickt, gehäkelt. Meinen Kindern --inzwischen Teenager-- lese ich immer noch vor.
Nur eins: Kauft wenn möglich nicht beim großen Internetversand, sondern lieber beim kleinen Buchladen in der Nähe. Die müssen ums Überleben kämpfen. Viele kleine Buchläden haben auch eine Internetpräsenz. Man kann genauso bequem von zu Hause aus bestellen und bekommt die Bücher dann je nach Wunsch nach Hause oder in den Buchladen geliefert und zahlt erst dort an der Kasse.
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#3
8.2.16, 18:55
Schade, dass nicht Max und Moritz erwähnt wurde.
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#4
8.2.16, 19:47
Auch sehr schön das US-amerikanische Lernbuch "Dr. Seuss´s ABC." Für jeden Buchstaben gibt es 2 Seiten mit lustigen Bildern natürlich, z.B. BIG U, little u, What begins with U? Uncle Ubb´s umbrella and his underwear, too. Ich weiß nicht, ob es das Buch in Deutsch gibt.
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#5
8.2.16, 23:27
Mal vorab:

Ob ich als Kind überhaupt etwas von einem Anspruch auf Qualität verstand, lasse ich hier mal unbeantwortet......

Ich habe die Kleine Raupe Nimmersatt gerne verschenkt und bin ein Janosch-Fan.
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#6
9.2.16, 07:50
@xldeluxe_reloaded: Die Qualität eines Kinderbuches steckt nicht nur äußerlich in den Bildern, sondern auch in der Länge der Sätze, möglichen Satzverbindungen (für Ältere) und nicht zuletzt in der Wortwahl: Unsere Sprache (das ist nicht bei allen Sprachen so) "klingt", weil sie melodisch ist (ganz anders z.B. das Spanische). Dieses sanfte Klingen beim Vorlesen oder später auch Sich-Selbst-Erlesen berührt das Ohr, somit die durch Schwingungen angeregte Muskulatur und zuletzt die Seele! Also bin ich immer für größtmögliche Qualität!
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#7
9.2.16, 08:12
Danke für diesen wertvollen Tipp!!!
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#8
9.2.16, 11:59
Bilderbücher mit gereimten Versen sind auch immer gut - vorausgesetzt, sie haben ein richtiges Versmaß und eine schöne "Melodie". Das merken die Kleinen sich schnell und können es bald auswendig. Mein großer Enkel hat mit 4 Jahren dem Kleinen ganze Bücher "vorgelesen".
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#9
9.2.16, 20:33
ich finde die Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner auch total schön.
Es sind die vier Jahreszeiten und in jedem Buch sieht man verschiedene Geschichten und auch im Laufe des Jahres sieht man Entwicklungen. ZB ist im Winder eine Frau schwanger und im Frühling hat sie ihr Baby.
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#10
10.2.16, 00:04
@trom4schu:

Ich finde z.B. französisch wesentlich melodischer als Deutsch und es berührt meine Seele viel mehr (wenn überhaupt), wenn ich französischen Chansons lausche anstatt deutscher Musik.

Wie wurde eigentlich aus uns älteren Semestern überhaupt was, wenn man darauf früher nicht achtete? Ich finde sehr viel völlig übertrieben und trotzdem ist aus mir "was geworden" ;o)))
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#11
26.7.16, 23:45
halli hallo 😄 , gerade in der letzten zeit häufen sich die
schreckensnachrichten, überall kommt einem wut und intoleranz entgegen und
gerade weil es ein tehma unserer zeit ist,und auch besonderse die kinder
betrifft, finde ich wichtig, den kindern ein stück weit toleranz
näherzubringem, darüber zu diskutieren. mein buchtipp dazu , ein sehr schön zu
lesendes kinderbuch: "Mein Gott, dein Gott, unser Gott" drei freunde
streiten sich, wer denn den "allergrössten gott" habe und sie
streiten immer wieder darüber, bis sich einer von ihnen auf die reise macht und
in allen ländern nachfragt und letztlich erfährt: wir sehnen uns alle nach dem
demselben, nach frieden , freundschaft ...und das ist es, was uns alle
letztlich verbindet. ein tolles buch, um anzuregen und ...einander besser zu
verstehen..denn das ausgrenzen fängt schon bei den kids an , denk ich .😜
#12
26.7.16, 23:51
@sunshine37: 
Sehr schön!

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