Für viele schwerkranke Menschen ist Cannabis die letzte Hoffnung, ihre Beschwerden zu lindern und ihr Leben zumindest erträglich zu gestalten.

Cannabis als Medizin: Was muss ich wissen?

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Cannabis als Kassenleistung: Dank eines neuen Gesetzes können Patienten künftig Cannabis-Arzneimittel auf Rezept verschrieben bekommen. Wem aber hilft das in Deutschland eigentlich illegale Rauschmittel? Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um von einer Verordnung profitieren zu können –  und ändert sich auch etwas für gesunde Menschen?

Wie wirkt Cannabis?

Die Hanfpflanze ist die meist konsumierte verbotene Substanz auf der Welt. Die insbesondere in den weiblichen Blüten des Gewächses enthaltenen Inhaltsstoffe sind bekannt für ihre psychoaktive Wirkung. Sie beeinflussen unter anderem mein zentrales Nervensystem und versetzen mich dadurch in einen Rauschzustand – allen voran die Substanz Tetrahydrocannabinol, kurz THC.

Wie dieser Rausch erlebt wird, ist individuell unterschiedlich. Das Wirkspektrum reicht von euphorischen Gefühlen, intensivierter Wahrnehmung, über ungewöhnliche Gelassenheit bis hin zu Trägheit. Gerade der länger anhaltende Cannabis-Konsum geht darüber hinaus jedoch oft mit krankmachenden Nebenwirkungen einher. So kann das Mittel den Ausbruch von Psychosen und Schizophrenie fördern, erhöht das Osteoporose-Risiko und erzeugt Taktstörungen im Gehirn.

Wem kann es helfen?

Andererseits können die Inhaltsstoffe des Hanfes durchaus einen medizinischen Nutzen bringen. Denn sowohl Tetrahydrocannabinol als auch das kaum psychoaktive Cannabidiol (CBD) lagern sich im Körper an spezielle Rezeptoren an und können auf diese Weise Schmerzen lindern, Krämpfe lösen und Übelkeit mindern.

Für viele schwerkranke Menschen ist Cannabis deshalb die letzte Hoffnung, ihre Beschwerden zu lindern und ihr Leben zumindest erträglich zu gestalten: Menschen mit chronischen Schmerzen kann die pflanzliche Droge ebenso helfen wie Krebspatienten, die unter den Nebenwirkungen einer Chemotherapie leiden. Auch Betroffene der nicht heilbaren Nervenerkrankung Multiple Sklerose profitieren davon. Bei ihnen hemmt das Cannabis plötzlich auftretende Muskelverkrampfungen, sogenannte Spastiken.

Wer bekommt die Droge auf Rezept?

Um Cannabis als Medizin verwenden zu dürfen, musste ich bis vor Kurzem noch eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Rund 1.000 Patienten durften in Deutschland dank einer solchen Genehmigung Cannabisblüten oder Extrakte aus der Apotheke beziehen – allerdings mussten sie die Kosten von oft mehreren hundert Euro im Monat selbst bezahlen.

Seit der vor Kurzem beschlossenen Gesetzesänderung ist die Situation nun anders: Wahrscheinlich ab März 2017 können Cannabis-haltige Medikamente wie andere Arzneimittel auch auf Rezept verschrieben werden. Das bedeutet, dass die Krankenkassen die Kosten erstatten. Die einzige Voraussetzung: Es muss eine schwerwiegende Erkrankung vorliegen und es darf keine wirksame Alternativbehandlung geben. Bescheinigt dies der Arzt und stellt das Rezept aus, bekomme ich das Cannabis-Medikament auf Rezept.

Ist die Kostenübernahme verpflichtend?

Grundsätzlich sind die Krankenkassen mit dieser Regelung zur Kostenüberahme verpflichtet. Sie dürfen einer Verordnung nur in begründeten Ausnahmefällen widersprechen und müssen dies dann auch schnell mitteilen. Spätestens nach fünf Wochen muss die Entscheidung über die Kostenübernahme fallen –  im Hospiz und in der Palliativversorgung sogar innerhalb von drei Tagen.

Dürfen Patienten künftig selbst Cannabis anbauen?

Patienten dürfen ihre Medizin trotz des neuen Gesetzes nicht selbst kultivieren. Den Anbau der Hanfpflanzen soll künftig stattdessen eine beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte angesiedelte Agentur regeln. Sie wird das Cannabis dann an Hersteller und Apotheken abgeben.

Patienten erhalten das Mittel dort in Form von getrockneten Blüten oder Extrakt, das zum Beispiel als Spray verwendet werden kann.

In Einzelfällen kann Patienten der Eigenanbau trotzdem erlaubt werden. Das geht aber nur durch Einzelentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Die meisten Betroffenen müssen künftig also nach wie vor den Gang zur Apotheke machen, um sich mit Cannabis zu versorgen.

Was ändert sich für Gesunde?

Kurz gesagt: gar nichts. Denn am Verbot von Hanf als Rauschmittel für den Freizeitkonsum hat der Gesetzgeber nichts geändert. Der Eigenanbau von Cannabis, der Handel damit, sowie der Besitz und Konsum bleiben in Deutschland weiterhin illegal. Halte ich mich nicht daran, mache ich mich strafbar. In anderen Ländern, wie beispielsweise in einigen Bundesstaaten der USA, ist Cannabis dagegen schon generell legalisiert. Ob es in Zukunft auch bei uns dazu kommen soll, ist jedoch weiterhin stark umstritten.

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20 Kommentare


#1
10.2.17, 21:24
Na,traut sich keiner!? ;)
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#2
10.2.17, 22:13
MS ist keine Nervenkrankheit!
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#3
10.2.17, 22:14
Ich habe das Zeug noch nie im Leben probiert und hab es auch nicht vor. Aber wenn es kranken Leuten hilft, ist es doch ok! Völlig in Ordnung. Ich denke, völlig egal, welche Mittel helfen, alles sollte in jedem Fall verschreibungsfähig sein. Eigenanbau zu erlauben ist Quatsch, wenn es als Medikament läuft, muss es auch als solches behandelt werden. Alles nur unter ärztlicher Aufsicht.
#4
11.2.17, 00:37
@gruppenmuddi: 
Ich würde mich schon trauen, wenn ich Ahnung von der medizinischen Wirksamkeit hätte......
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#5
11.2.17, 09:39
Das wurde auch langsam Zeit.
Es ist schade, dass ein Wirkstoff, der so vielen Menschen helfen kann so lange aus politischen Gründen und Behinderung durch die Wirtschaft in Deutschland nicht zugelassen war.
Die Anwendungsbeispiele von Schmerzpatienten bis hin zu ernsten psychologischen Krankheiten sind vielzählig. Und nun bekommen Patienten diesen Wirkstoff nicht nur legal, sondern in einer überwachten, funktionierenden Form.
#6
11.2.17, 11:06
Ich habe noch nie im Leben Erfahrung mit Drogen gemacht und kenne mich da überhaupt nicht aus. Wenn aber eine Krankheit oder schlimme Schmerzen dadurch gelindert werden und der Arzt es verschreibt, würde ich es natürlich versuchen, aber nur, wenn anderes nicht mehr hilft. Zum Glück muss ich darüber noch nicht nachdenken.
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#7
11.2.17, 17:57
Danke für diesen Beitrag
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#8
12.2.17, 07:52
Ich nehme das Mundspray seitdem es zugelassen ist. Das war glaube ich 2007. Da meine Spastik in den Beinen so immens hoch ist und die Tabletten nicht ausreichen und nicht höher dosiert werden dürfen ist das Spray genau richtig. Ich bin sehr zufrieden damit und froh und glücklich das es mir hilft und jetzt hoffe ich das noch vielen anderen geholfen werden kann.
#9
12.2.17, 10:50
Danke  für den tollen Artikel. Ich war auch schon bei meiner Ärztin, aber sie hat keine Ahnung ob sie es verschreiben darf. Muss ich deshalb zum Schmerztherapeuten oder kann das dannauch meine Hausärztin machen? 
 Du schreibst, ab etwa März wird das so sein. Wann kann ich mich wo darüber informieren.

 Vielen Dank 
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#10
12.2.17, 13:33
Ich bin schmerzpatientin, und bekomme opiate, habe mit meine arzt gesprochen ob es für mich möglich wäre cannabis zu bekommen, er will es untersuchen.
Weil ich nicht höher gehen kann mit dosis von opiate, wäre es vielleicht möglich.

Ich habe eine diskution ins parlament gefolgt, und musste auf den kopf schütteln, weil Merkel verlangt das man eine safe haben muss den cannabis zu aufbewaren.
Ich fand es blöd, weil ich mit meine hohe dosis von opiate, der viel schädlicher ist es nicht haben muss. Ich kann sie ganz normal ins medizinschrank aufbewaren.

Ich warte nun auf antwort von meine arzt.

Und ich wünsche das niemand in eine situation zu kommen das sie um eine schmerzfreie leben kämpfen muss.
Ich wünsche euch allen, viel gesundheit.

Entschuldigen mein deutsch, ich bin dänin.
#11
12.2.17, 16:33
Hallo lilianmaus,

 Dankeschön für deinen Kommentar. Das mit der Merkel und dem safe habe ich nicht gewusst finde ich aber ganz schön übel. 
 Ich habe auch Videos sehr starke Schmerztabletten, die ich ganz normal im Medizin Schrank aufbewahre. Ich bin auch chronische SchmerzPatientin und hab schon sehr viel ausprobiert, aber meine Ärztin hat irgendwie keinen Plan. Ich weiß aber, dass Cannabis mir bei meinen Schmerzen sehr helfen würde. Auch die Krankenkasse weiß nicht genau über die Vorgehensweise Bescheid. 
 Ich denke, es wird noch einige Zeit dauern, bis es einfacher ist, Cannabis als Schmerz Patient verschrieben zu bekommen. 
 Zumindest sollen die Krankenkassen jetzt die Kosten übernehmen das wäre doch schon mal eine gute Option. 

 Alles Gute für dich, und wenn es etwas Neues geben sollte, gib mir doch einfach Bescheid es würde mich sehr freuen. 
#12
12.2.17, 23:24
@Hochdruckgebiet: Ist das ein CBD Spray? Ich habe seit geraumer Zeit Fibromyalgie-Schübe und die "Bedarfstherapie" wäre Tramadol, also ein Opioid... mit heftigen Nebenwirkungen...
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#13
13.2.17, 02:26
Hallo. Das wird ja endlich Zeit. Ich finde es schade,ich habe gehört das Canabis in Apotheken nicht immer vorrätig ist,und dann die Betroffenen teilweise mehrere Wochen warten müssen. Das geht doch nicht. Ich verstehe nicht warum die so rum machen. Wenn es doch Kranken Menschen hilft. Alkohol ein Zellgift oder Nervenkitzel an den Jährlich zig Tausend Menschen sterben wird ja auch verkauft. Ich versteh unsere Politiker nicht besonders hier bei uns in Bayern..LG Uschi 
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#14
13.2.17, 12:24
Habe mal eine sehr gute Reportage gesehen, in der Forscher bestätigten, dass Cannabis bereits seit Jahren als Hilfe bei Schmerz- und Krebspatienten und bei psychischen Krankheiten bekannt sei. Schuld, dass die Patienten es bisher illegal oder teuer im europäischen Ausland bekamen, ist vor allem unsere Pharmaindustrie. Ich werde wahnsinnig wütend mit dem Wissen, dass man Kranken lieber teure, teils nutzlose und nebenwirkungsreiche Medikamente gibt, weil alles, was helfen würde oder gar heilen, kein gutes Geld mehr einbrächte. Ähnlich verhält es sich mit älteren, neu erforschten Medikamenten, die vorher spottbillig verkauft wurden und die nach neuen Forschungserfolgen z. B. zur Heilung von Krebsarten plötzlich einen huntertfach erhöhten Preis bekommen. Unfassbar!
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#15 nnelmn
13.2.17, 13:57
@ uschi 45

ja, genau das ärgert mich auch! cannabis wird verteufelt, aber hauptsache die alkohollobbyisten sind zufrieden. alkohol ist eine harte droge und cannabis eine weiche. mmh.. das versteh mal einer!
ich leide an polyarthitis und komme sehr gut mit der eigenmedikation (ja, ich rauche dann mal nen joint) zurecht. und ja sicherlich kaufe ich das zeug nicht in der apotheke! und vor allem jaaa, man wird auf der straße gefragt "grünes oder weißes (kokain)"
dementsprechend werde ich damit konfrontiert, obwohl ich es nicht will... aber ich sehe auch, wie leicht ich dann kommen würde!

ich bin also nicht nur für die lang ersehnte freigabe für schmerzpatienten (ich bin übrigens nicht krank genug... kann ja mtx* spritzen), sondern für die legalisierung überhaupt! damit die kids nicht auf der straße gefragt werden, ob die nicht auch "weißes" wollen... meine güte!

und die steuereinnahmen und neuen berufsfelder die entstehen würden.... ich schecks nicht!!!

*mtx ist ein übliches rheumamittel... mal grob gesagt
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#16
13.2.17, 19:30
@nnelmn:
Ich spritze auch MTX, + opiate und sulfosalzin(Rheumamittel) und ich gebe zu ich rauche ab und zu wenn es nicht mehr geht, und es hilft.

Wenn ich etwas neues lese oder höre gebe ich bescheid.
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#17 nnelmn
13.2.17, 22:12
@lilianmaus

glücklicherweise bin ich seit 5 jahren schmerzfrei, darum spritze ich nicht. 5 - 6x im jahr gehts aber los... geschwollene zehen oder finger und dann hol ich mir was zu rauchen und der schub kommt nicht durch. da bin ich wirklich froh drum!
du hast scheinbar schlimmere entzündungswerte bzw. einen schlimmen krankheitsverlauf als ich... ich hoffe, dass du in das legale programm aufgenommen werden würdest!!! alles gute für dich :)
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#18
15.2.17, 13:37
 Das freut mich sehr für dich zu hören, dass du schmerzfrei bist. Ab und zu rauche ich auch etwas, wenn ich jemand habe, der mir ein bisschen was abgebibt. 
 Aber dann geht's mir total gut und ich bin schmerzfrei. Der mich wäre es das ideale Mittel! Ich habe leider keine Connections. Aber es ist gar nicht so einfach durch den Arzt,  vor allem habe ich das Gefühl, dass keine Interesse hat, sich darüber zu informieren wie die ganze Sache jetzt abläuft. ich halt dich/euch  auf dem Laufenden und sag vielen Dank für eure zahlreichen Nachrichten. 
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#19
6.4.17, 15:52
Ich verstehe einfach nicht, wie eine vergleichsweise Harmlose Droge wie Cannabis illegal ist während die allgmeine Volksdroge Alkohol ohne weiteres nicht nur toleriert, vielmehr total akzeptiert und normalisiert in Deutschland ist.
Habt ihr schon mal einen Menschen gesehen der total im betrunkenen Zustand ist und alle Hemmungen verliert?! Vermutlich jeder. Habt ihr schon mal einen bekifften Menschen gesehen der alle Hemmungen verliert und Sachen macht, welche die Person in normalen Zustand nicht machen würde?!?! Also ich nicht.
Aber ja wenn man total betrunken, nicht mehr Herr seiner Sinne ist, wird das als normal angesehen. Wer einen Joint raucht sollte am Besten sofort ins Gefängnis... armes Deutschland. Sowas von zurück im Vergleich zu vielen Ländern mittlerweile.
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#20
6.4.17, 18:29
Das Cannabis hauptsächlich als Droge angesehen wird ist schade.
Ich hatte vor ca. 25 Jahren einen Zeckenbiss. 10 Jahre später wurde festgestellt, das ich mit Borrelien infiziert war.
In der Zeit haben die Dinger ganze Arbeit geleistet, ich habe an allen Gelenken Arthrose.
Auch meine Wirbelsäule und mein Lymphsystem ist betroffen.
Da die Schmerzen sehr schlimm sind und ich mich manchen Tag fast nicht bewegen konnte, hat mir meine Hausärztin Oxycodon verschrieben. Das war vor 10 Jahren. Die Anfangdosis war täglich 20mg. Vor einem Jahr war ich bei 180mg und beschloss einen Entzug zu machen.
Es war die Hölle.
Da die Schmerzen ja immer noch da und schlimmer geworden sind musste ich wieder mit einsteigen.
Die Nebenwirkungen sind auch nicht ohne und dazu macht diese Medikament süchtig.
Aber um Cannabis verschrieben zu bekommen, muss ich erst mit dem Kopf unter dem Arm zum Arzt antanzen.

Mehrere Schmerztherapien hatten nur kurzfristigen Erfolg.
Mal sehen wie es weiter geht

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