Für Notfälle: Vorsorglich über Anlaufstellen informieren

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Sich an öffentlichen Orten, an denen man sich häufig aufhält, BEVOR etwas passiert über das Hilfenetz informieren, um im Ernstfall nicht hilflos zu sein.

Vor ein paar Tagen erlebte ich eine unangenehme Situation: Ich stand im Hauptbahnhof meiner Stadt in einem Laden an der Kasse, da sah ich, wie ein Mann vor der Schaufensterscheibe seine weinende Freundin drangsalierte, aggressiv auf sie einredete, und sie heftig gegen die Scheibe drückte. Ich ließ meine Waren stehen und ging raus, ringsherum zahlreiche Schaulustige, niemand tat etwas, einige lachten sogar darüber!

Allein traute ich mich auch nicht, also sprach ich einen der Umstehenden an, der mich auch bereitwillig zu dem Paar begleitete. Von uns angesprochen reagierte der Mann sehr aggressiv, schrie uns an, bedrohte uns und zerrte schließlich seine Freundin den Gang hinunter. Die Situation war mir zu gefährlich, um selbst weiter einzugreifen, also lief ich die Treppe hoch, um die Polizei oder den Sicherheitsservice des Bahnhofs zu suchen, die tagsüber immer viel Präsenz im Bahnhof zeigen, abends aber anscheinend nicht. Ich lief den ganzen Bahnhof ab, aber weit und breit war niemand zu finden. Als ich an den "Schauplatz" zurückkehrte, war das Paar natürlich längst weg und mir blieb nichts anderes übrig, als nachhause zu fahren. Die Situation beschäftigte mich im Nachhinein noch sehr - ich will nicht hilflos sein und ich machte mir Vorwürfe.

Also habe ich gestern, als ich wieder im Bahnhof unterwegs war, Polizisten angesprochen, ihnen mein Erlebnis geschildert und sie gebeten, mir zu zeigen, wo sich im Bahnhof Anlaufstellen befinden, an denen ich garantiert jemanden finde, an den ich mich in Notsituationen wenden kann. Sie waren wirklich nett und zeigten mir das Büro des Bahnhofssicherheitsdienstes sowie eine recht neue Polizeiwache, die ich noch nicht kannte. Jetzt weiß ich, wo ich Hilfe finden kann.

Ich mache das jetzt nach und nach an allen öffentlichen Orten, an denen ich mich häufig aufhalte und kann nur jedem raten, das auch zu tun. Hilflosigkeit ist ein schlimmes Gefühl und es ist beruhigend zu wissen, dass man sich für den Notfall auskennt.

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20 Kommentare


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#1
29.6.14, 00:00
sachen gibt es :(
aber deine idee ist gut und dein handeln finde ich auch gut auch wenn man sich selber heut zu tage noch in Gefahr bringt!
und so schaulustige mag ich sooo garnicht unverschämt ist sowas!
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#2
29.6.14, 00:47
Seit ich für den Nothelferkurs gemacht habe, halte ich auch automatisch die Augen offen. Werde mich nun nach noch mehr Anlaufstellen etc. umsehen. Der Tipp ist simpel, aber dennoch wichtig!
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#3 xldeluxe
29.6.14, 01:10
Du hast die Situation sehr gut beschrieben und handelst sehr umsichtig und vorausschauend. Allein dafür Daume hoch!
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#4
29.6.14, 07:34
Ich habe für solche Fälle mein Handy dabei und kenne die Notrufnr 110 :-)
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#5 marangove
29.6.14, 08:16
Ich finde es gut, wenn man sich nicht feige zurückzieht und denkt: Laß mal andere machen. Wie schnell kann man unverschuldet ebenfalls in eine brenzlige Situation geraten.
Dort, wo ich eingreifen konnte, habe ich es immer getan; leider mußte ich feststellen, daß es meistens Männer waren, die sich abwandten. Ein bißchen Rückgrat sollte jeder haben und zumindest, wenn aktiv werden nicht angebracht ist, wissen, wo Hilfe zu holen ist.
Daumen hoch für Deine tolle Einstellung!
Gruß Marangove
13
#6
29.6.14, 11:03
Not/Gefahren hat viele Gesichter ...

Dieser Rat ist nicht nur gut, um anderen zu helfen, sondern auch um für sich selbst zu sorgen.

Meine Mutter, z. B., hat uns gelehrt, daß wir uns in Kaufhäusern nach Notausgängen umsehen.


Traurige Wahrheit ist aber auch, daß Notausgänge in Kaufhäusern und Läden immer wieder zugestellt und versteckt werden, aber auch teilweise verschlossen sind.
Dies sollte man unbedingt der Bauprüfabteilung (Baubehörde) UND der Feuerwehr mitteilen!
7
#7
29.6.14, 15:16
Ich finde es ganz Toll von Dir, das Du Initiative gezeigt hast, das ist wirklich Vorbildlich !!!
Es gibt nichts Gutes ausser man tut es !!!
Wenn das jetzt im ersten Moment auch vielleicht für Dich unbefriedigend war, aber Du hast wenigstens was getan, im Gegensatz zu den Anderen, die da rumstanden.

Auch toll das du Dir die Infos besorgst um ein nächstes Mal, was es hoffentlich nicht geben wird, noch besser reagieren zu können.

In diesem Sinne, GANZ FETT DAUMEN HOCH !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
6
#8
29.6.14, 15:20
Mir geht so einiges durch den Kopf, beim lesen deines Erlebnisses.

Schon verrückt. Da wird eine Frau öffentlich drangsaliert und man getraut sich nicht einzugreifen.

Man hat ja schon einiges gehört von Menschen, die sich in solchen Situationen eingemischt haben und dann übel drangekommen sind.

Das macht mich einfach nur betroffen und traurig.

Da ist dein Tipp wirklich gut sich vorher zu erkundigen woher man Hilfe bekommen könnte.
Werde mich auch kundig machen.
Vielen Dank für den wichtigen Hinweis.
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#9
29.6.14, 17:22
Respekt für Deine Hilfsbereitschaft. Von der breiten Masse an Menschen kann man ja in der Regel NICHTS erwarten.
6
#10
29.6.14, 18:05
Ich finde es auch toll, dass Du Dich eingesetzt hat, aber warum hat du nicht einfach die 110 gewählt, da wäre ganz schnell jemand da gewesen.
Aber manchmal denkt man ja an das naheliegendste einfach nicht.
3
#11
29.6.14, 19:38
@Tamora: naja, als ich letztes Mal die 110 brauchte, ist niemand drangegangen :-/
112 hat dann funktioniert
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#12
29.6.14, 21:11
das sind die wichtigsten Notrufnummern:

110 - Polizeinotruf
112 - Rettungsleitstelle, für Feuerwehr und Notarzt/Rettungsdienst

ausserdem sollte man die Nummern vom ärztlichen Notdienst und vom Giftnotruf parat haben ... sicherheitshalber
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#13
29.6.14, 21:59
Es ist total wichtig nicht wegzuschauen! Das eingreifen muss man abwegen ob man vielleicht dadurch selbst in Gefahr gerät!-aber Notruf anrufen kann jeder- das wird leider oft trotzdem obwohl einem damit nichts passieren kann nicht einmal gemacht!

leider wurde ich auch schon mal in der Öffentlichkeit körperlich angegriffen! hab um Hilfe geschrien! es war auf einem öffentlichen Parkplatz eines Kaufhauses! - alle haben mich angeschaut- aber keiner hat mir geholfen! tja leider ist das echt traurig in der heutigen Zeit.
8
#14 xldeluxe
29.6.14, 22:13
Ich habe gelesen, dass man andere Leute direkt ansprechen, um um Hilfe zu bitten, wenn man sich alleine unsicher fühlt bzw. der Sache nicht gewachsen ist.

Wer direkt angesprochen wird, schaut meist nicht weiter peinlich berührt weg...
1
#15 InkaSt
30.6.14, 14:20
Danke für eure netten Rückmeldungen :)

Ich habe mein Handy oft nicht dabei, allerdings bin ich auch nicht auf die Idee gekommen, einfach jemanden zu bitten, den Notruf zu wählen (wäre ja auch eine Alternative gewesen).

Wer sich dafür interessiert: Es gibt den sog. "Bystander-Effect", der grob gesagt darin besteht, dass die Wahrscheinlichkeit, Hilfe zu bekommen, mit STEIGENDER Anzahl der Umstehenden ABNIMMT. Wirkt erst mal paradox, aber man neigt eben dazu, sich zu denken, dass die anderen sich schon kümmern werden.

Das Ansprechen anderer funktioniert übrigens wirklich gut. Viele sind hilfsbereit, wenn man sie direkt anspricht und ihnen auch sagt, was sie machen sollen. So wie in diesem Fall, der Mann, den ich angesprochen habe, stand ja erst auch nur daneben und guckte, erwies sich dann aber bei direkter Ansprache und der klaren Bitte, mich zu dem "Krawallbruder" zu begleiten, als freundlich und hilfsbereit.
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#16 InkaSt
30.6.14, 14:21
Das mit den Notausgängen ist übrigens auch ein guter Hinweis! Darauf habe ich noch nie geachtet, ergibt aber echt Sinn, sich danach mal bewusst umzuschauen! Gerade an Orten, an denen man häufiger mal ist, ich denke da z.B. an unser Einkaufszentrum..
#17
30.6.14, 20:19
ach und macht euch mal den Spass und fragt auf der Arbeit nach dem Feuerlöscher und der ErsteHilfeKiste ... ich habe da schon manches mal in die ratlosen Augen von Kollegen geblickt *hmpf*
#18
1.7.14, 08:30
@Agnetha
'Möchte nicht wissen wieviele jetzt beim Lesen, wie ich, verdutzt gucken.



... und wo befinden sich Löschdecken ...
1
#19
1.7.14, 14:48
@alle: ich habe mal gehört das man nicht hilfe rufen soll sondern feuer.
leute drehen sich eher um wenn man feuer statt Hilfe ruft.
traurig aber wahr.
#20
9.7.14, 21:49
Die Polizei bietet - zumindest in größeren Städten - auch Veranstaltungen zum Thema "Umgang mit Gewalt im öffentlichen Raum" oder so ähnlich kostenlos an. Habe mal einen mitgemacht, war super. Da lernt man die simpelsten Sachen - z. B. dass die Notbremse in der Ubahn gar nicht sofort bremst, sondern erst im nächsten Bahnhof und man sofort mit jemandem verbunden wird und die Situation schildern kann - wenn das Handy nicht dabei ist oder man keinen Empfang hat ist man also nicht hilflos und kann auch - wenn man sich unauffällig vom Geschehen entfernt - auch Hilfe holen ohne die Aufmerksamkeit des Täters auf sich selbst zu lenken.

Die Polizei ist bei uns in den Betrieb gekommen für die Veranstaltung. So konnten gleich ganz viele Kollegen teilnehmen. Erkundigt Euch ruhig mal, und wenn es das gibt, sprecht mal Euren Chef an.

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