Wer keinen Drucker hat, sollte den Kindern einen Ordner auf dem Desktop am PC anlegen und die Aufgaben dort abspeichern.

Homeschooling: 6 Tipps fürs Lernen zu Hause

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Nie im Leben wollte ich Lehrerin werden. Nie! Jetzt bin ich es, notgedrungen und mit absolutem Widerwillen. Eingebrockt hat mir das ein Virus namens SARS-CoV-2. Die ersten Tage im Homeoffice kombiniert mit Homeschooling waren ein Albtraum. Mittlerweile weiß ich, was hilft, damit ich nicht total durchdrehe. Hier ein paar Tipps, die helfen, besser mit der Situation umzugehen.

Letztlich müssen wir da jetzt durch. Irgendwie brauchen die Kinder ja eine Struktur und es hilft auch kein Jammern. Da die Digitalisierung in Schulen ja leider lange vernachlässigt wurde, bekommen wir Eltern jetzt diesen Mangel ganz besonders zu spüren. Unsere Schule verfügt bereits über Moodle, toll! Das ist eine E-Learning Plattform, super! Nützt uns aber nichts, denn die Plattform wird zwar vom Kultusministerium als Lösung angepriesen, die Schulleiterin lobt, dass das ja viele nutzen, aber in der Realität nutzen Lehrer sie eben nicht. Ich beneide die glücklichen Eltern, deren Kids an Schulen mit einer Schulmanager-App sind. Dort wird Unterricht via Smartphone oder Tablet gemacht. Neid! Gibt es bei uns auch nicht. Stattdessen bekamen die Kinder an unserer Schule, wie wohl die meisten Schüler in Deutschland, in den ersten Wochen an unterschiedlichen Tagen eine Flut von Arbeitsblättern mit Aufgaben und Anweisungen ihrer Lehrer. Ok, erst mal ausdrucken. Oh, kein Drucker. Schnell zum Copy Shop! Geschlossen! Und jetzt?

1. Kein Drucker, kein Papier: Desktop-Ordner anlegen

Und da war es schon unser erstes Problem, wir hatten keinen Drucker. Um die Aufgaben zu strukturieren, schickte die Schulleitung ein Formblatt. Einen Wochenplan, in dem die Aufgaben auf die Woche verteilt werden konnten. Ergibt auch keinen Sinn, wenn man keinen Drucker, keinen Toner und auch kein Papier hat. Ist bei uns nicht so gut angekommen. Typisch Beamte, schicken ein Formblatt. Immerhin haben sie nicht noch eine Anleitung zum Ausfüllen des Formblatts geschickt. Ich denke, das geht wohl gerade vielen so.

Wer keinen Drucker hat, sollte den Kindern einen Ordner auf dem Desktop am PC anlegen und die Aufgaben dort abspeichern. Legt einen weiteren Ordner für die erledigten Aufgaben an. So können Dokumente in den Ordner „erledigt“ gezogen werden, sobald sie komplett bearbeitet wurden. Am Wochenende bzw. am Sonntag muss der Aufgabenordner bei uns dann leer sein. Das können sogar Fünftklässler.

2. Wochenaufgaben von Lehrern schicken lassen

Schwierig war, dass einige Lehrer tatsächlich weiter nach Stundenplan gearbeitet haben und entsprechend immer wieder neue E-Mails mit noch mehr Arbeitsblättern reinflatterten. Ältere Kinder schaffen das, aber gerade Grundschulkinder oder Schüler in der fünften und sechsten Klasse sind damit oftmals überfordert. Und mich als Mama hat das auch genervt. Immer wieder was herunterladen, neu sortieren und wieder alles neu planen.

Letztlich ist es für uns zu Hause viel einfacher, wenn die Aufgaben für die Woche nur einmal am Sonntag oder Montag verschickt werden. Dann können die Kinder und wir Eltern viel besser planen. Und wir müssen dann auch nur einmal einen Wochenplan mit den Kindern durchgehen und nicht jeden Tag von neuem beginnen. Also schickt E-Mails an eure Lehrer, dass sie Wochenaufgaben schicken. Das reduziert den Aufwand erheblich und schont die Nerven.

3. Auf Erklärungen bestehen

Schwierig ist für mich, dass ich viele verschiedene Lehrer ersetzen muss und die wenigsten Lehrer es bisher schaffen, die Aufgaben so zu schicken, dass mein Kind sie ohne weitere Erklärung versteht. Wurden die Aufgaben früher in der Klasse erklärt, so gibt es jetzt nur lauter Aufgaben, ohne Erklärungen. Die Kinder sollen bei uns zwar eine E-Mail an den Lehrer schicken, wenn sie etwas nicht verstehen, leider antworten sie nicht zeitnah oder gar nicht. Und die Kinder kommen natürlich auch gar nicht auf die Idee, eine E-Mail an Lehrer zu schicken und was nachzufragen, das trauen sich viele ja gar nicht. Warum sollten sie denn umständlich eine E-Mail schreiben, wenn Mama oder Papa doch zuhause sind? Ganz naheliegend werden natürlich zuerst Mama und Papa mit Fragen bombardiert, auch wenn die gerade in einem Online-Meeting sind.

Um das zumindest zu reduzieren, lasst eure Kinder also immer wieder bei Fragen E-Mails an die Lehrer schicken, denn die müssen merken, dass Kinder ihre Aufgaben nicht verstanden haben. Wenn ihr immer die Fragen beantwortet, dann wird es zukünftig nicht besser. Denn auch Lehrer wollen nicht ständig E-Mails lesen und werden sich anpassen. Drängt darauf, dass eure Lehrer leicht verständliche Erklärungen schicken oder wirklich Aufgaben auswählen, die Schüler tatsächlich selbstständig erledigen können. Die Erklärungen und Aufgaben sollten kurz und knapp ausfallen, damit Kinder zu Hause nicht erst Stunden lesen müssen, bis sie mit der eigentlichen Aufgabe überhaupt beginnen können.

4. Audiodateien und Videos helfen Eltern und Kindern

Besonders hilfreich sind Audiodateien und einfache Videos, die den Kindern neue Themen erklären. Lehrer solltet ihr bitten, den Kindern Sprachnachrichten zu schicken. Es ist extrem erleichternd, wenn ein Lehrer mit seiner Stimme zu uns ins Haus kommt, dann ist die Schule plötzlich bei uns zu Hause und Kinder verstehen viel schneller, was zu tun ist, wenn der Lehrer wie gewohnt zumindest zu hören ist. Wir Eltern verstehen, dass es nicht leicht ist, plötzlich zum YouTuber zu werden. Aber es hilft den Kindern, den gewohnten Lehrer zu sehen. Manche diskutieren in dieser Hinsicht tatsächlich, dass dann die Kinder zu viel vor dem Bildschirm hängen. Ganz ehrlich: Bei mir geht Bildung vor. Bildschirmzeit kann dann an anderer Stelle reduziert werden. Auch Argumente wie das sei pädagogisch für Jüngere schwierig, sind in diesen Zeiten wenig angebracht. Denn gerade sie benötigen Unterstützung und Erklärungen.

Dabei müssen Lehrer doch noch nicht einmal selber Videos drehen. Hut ab, vor denen, die das gerade tun und sich nicht scheuen, mit einfachen Lösungen ihre Schüler zu unterstützen. Es gibt sie und das ist so toll. Für die, die sich das nicht zutrauen, gibt es doch zu vielen Themen im Netz schon tolle Kurzvideos. Die suche ich gerade noch hauptsächlich selber. Aber auch das sollten Lehrer für ihre Schüler tun und nicht die Eltern, denn es reicht einen Link per E-Mail zu schicken. Also schreibt an eure Lehrer oder Elternvertreter und macht Vorschläge, wie man euren Kindern besser helfen kann.

5. Geduld und liebevolle Zuwendung – flexible Lösungen

Nicht nur wir Erwachsenen haben Angst. Diese Unsicherheit, keiner weiß wie lange die Schule geschlossen ist, ob Großeltern erkranken oder vielleicht Familienangehörige sterben müssen. Diese Situation beunruhigt auch die Kinder. Da kann nicht Schule laut Stundenplan erfolgen. Manchmal sind die Kinder morgens schlecht gelaunt, dann wird eben erst später gelernt. Wichtig ist, dass Kinder auch mal traurig und beunruhigt sein dürfen. Das verlangt viel Geduld und Zuwendung und ist wichtiger, als an einem Tag auf dem Lehrplan zu beharren. Außergewöhnliche Situationen verlangen auch nach sensiblen und flexiblen Lösungen.

6. Schlechte Laune ist erlaubt

Wir Eltern brauchen auch mal eine Pause. Jeder darf wegen der doppelten Belastung auch mal schlechte Laune haben. Ich habe mir wegen meiner miesen Laune erst noch Vorwürfe gemacht. Das ist keine gute Idee. Ja, es ist eine Herausforderung, gleichzeitig zu arbeiten und Kinder zu beschulen und auch noch geduldig Kinder zu trösten. Normalerweise arbeite ich halbtags. Jetzt habe ich einen Lehrerjob dazu bekommen und das nervt. Und auch die Kinder werden wütend, weil sie keine Freunde treffen können, ihren Geburtstag nicht feiern können wie sonst und nicht auf den Spiel- oder Bolzplatz dürfen.

Wer kleine Wutmonster zu Hause hat, hat es jetzt besonders schwer. Bei zu viel Wut hilft es, mit Fäusten wild auf ein zu schlagen. Meistens folgt danach ein befreiender Lachanfall. Klingt doof, ist aber sehr entspannend. Bei Jugendlichen in der Pubertät hilft es auch mal mit Geschirr zu schmeißen. Der Tipp kommt von meiner Schwiegermutter. Drückt man wütenden Kids eine Tasse zum Kaputtwerfen in die Hand, sind sie erst einmal so verdattert, dass sie ganz irritiert gucken. Man muss sie tatsächlich auffordern, die Tasse auf den Boden zu werfen. Meist ist die Wut ziemlich schnell verflogen. Klappt übrigens auch bei Erwachsenen!

Wer mehr Hilfe braucht, kann sich auch an das kostenlose Portal Corona School wenden. Dort bieten Studenten, deren Universitäten jetzt auch geschlossen sind, ehrenamtlich ihre Hilfe an. Bei Fragen und Schwierigkeiten beim Lernen helfen sie per Video-Chat.

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6 Kommentare

1
Wow super deine Tipps

....meine sind zwar groß - aber eben Studenten (der eine mit Homeoffice weil Duales Studium)
aber der Kleine "studiert normal"  ... zur Zeit ist Vorlesungsfreie Zeit und auch die Prüfungen verschoben

beiden werde ich die Corona-School Plattform ans Herz legen - ich Denke, da machen sie dann mit und geben es auch an Kommilitonen weiter
1.4.20, 17:15
2
Vielen lieben Dank RitaH für deinen ehrlichen und aufbauenden Tipp - der Tat wirklich meinem ♥´ŞĆ gut 👍
1.4.20, 18:06
3
Meine Schwiegertochter berichtete, dass es ganz gut klappt,  sich beide Schulkinder, 5. & 3. Klasse, per Telefon und WhatsApp Hilfe bei den Klassenkameraden holen. 
Natürlich ist es problematisch, wenn die technischen Vorraussetzungen wie Drucker, ect. fehlen. Aber dann wird mal für einen Klassenkameraden mit ausgedruckt,  der es sich dann, hinterlegt an einem bestimmten Platz, abholt. 
Das klappt offensichtlich dort gut, ohne das zig Ordner am Computer angelegt werden. 
1.4.20, 18:42
4
Als ich mich entschieden habe, Mutter zu werden, war mir klar, dass ich damit automatisch zur Lehrerin werde. Jede Mutter will ihre Kinder doch so gut es geht auf das selbstständige Leben vorbereiten, mit praktischen Fähigkeiten ausstatten, mit sozialer und emotionaler Kompetenz aber auch mit Wissen in den klassischen Schulfächern.
In der jetzigen Situation müssen wir uns eben alle zusammenraufen, auch mal 5 gerade sein lassen. Am Ende gehen wir sicher alle gestärkt daraus hervor. Auch die Lehrer, die es von Beruf sind, müssen mit der neuen Situation klarkommen. Am besten geht es mit einer positiven Grundeinstellung und gut dosiert. 
Mein Sohn und ich machen uns einen Spaß daraus: wir lösen beide unabhängig voneinander seine Matheaufgaben und vergleichen nach jeder Aufgabe das Ergebnis. Wenn wir auf die gleiche Lösung kommen, geben wir sie ins Programm ein, wenn es verschiedene Lösungen sind, dann erklärt jeder dem anderen seinen Rechenweg und dann merken wir schon bald, wer falsch gerechnet hat. Wenn wir nicht weiter kommen, fragen wir den großen Bruder. 
Dadurch dass die Wege zur Arbeit wegfallen, habe ich gefühlt viel mehr Zeit.
Ich bin mir sicher, dass es den Lehrer am Ende nicht so sehr auf perfekte Ergebnisse ankommt, als darum, dass sich die Kinder überhaupt mit dem Stoff beschäftigt haben. 
2.4.20, 07:18
5
Für die Lehrer ist es im Augenblick auch nicht einfach, ihre Schüler mit Arbeitsmaterial zu versoren. Ich finde, die kommen in diesem Text etwas schlecht weg.
Unsere Tochter ist Lehrerin, sie hat im Augenblick sehr viel damit zu tun, ihren Schülern Aufgaben zukommen zu lassen und die Ergebnisse zu kontrollieren.
Wir leben gerade in einer sehr schwierigen Zeit, aber ich hoffe, daß wir alle eine Menge dazulernen, auch den Umgang mit Lernstoff und digitaler Arbeitsversorgung.
Aber natürlich ist es nicht immer einfach, als Eltern mit dem Home-Schooling zurechtzukommen, denn nicht jeder hat immer die nötige Gelassenheit dafür. Und auch die Kinder sind ja nicht immer in der gleichen Verfassung.
Da brauchen alle, Eltern und Kinder, viel Verständnis füreinander und oft auch eine große Portion Humor.
Ich wünsche allen, daß sie gut und gesund aus dieser Krise herauskommen!
2.4.20, 13:30
6
Für die Lehrer ist die jetzige Situation auch nicht so ganz einfach.
Sie sollen den Schülern Aufgaben schicken, um das schon Gelernte nicht vergessen zu lassen. Aber der direkte Kontakt zu den Schülern fehlt, durch den der Unterricht ja erst richtig lebendig wird.
2.4.20, 14:57

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