Hunde und Katzen aneinander gewöhnen

Einauge, Taubi und Linchen zusammen beim Erholen und Entspannen auf Mamis Sofa und ihrer Lieblingsdecke.
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Lieblingstipp der Redaktion
Lesezeit ca. 4 Minuten

Heute möchte ich aus meiner eigenen Erfahrung als Tiermami von 2 großen Hunden und 5 Katzen davon berichten, wie ich all meine Tiere relativ entspannt und problemlos zusammengeführt und aneinander gewöhnt habe. Als kurze Vorabinformation einen Überblick, wer welches Tier ist, welche Besonderheiten es gibt und die Reihenfolge, in der ich meine Schützlinge bekommen habe.

Meine Haustiere

  • Einauge (schwarz-weiße Katze) - einäugig wegen Katzenschnupfen
  • Linchen (Tigerkatze)
  • Taubi (die kleine Weiße) - taub von Geburt an 
  • Püppi - meine erste Hündin mit Gehbehinderung (hinten rechts keine Kniescheibe)
  • Hilde (Schildplatt Katze) mit Katzenpilz und Katzenschnupfen mit ihrem Brüderlein 
  • Knüssel (roter Kater)
  • Hannelore (Kangal-Schäferhund) - Mischlingsdame, aus der Tötung, ebenfalls mit großer Hüftoperation, aber mittlerweile wieder fit

Zusammenführung der Katzen

Die 3 ersten Katzen habe ich alle aus einem Tierschutzverein in Bulgarien bekommen. Alle 3 waren in unterschiedlichen Pflegestellen und kannten sich nicht. Die ersten paar Tage war jede Katze etwas für sich und es gab einiges an Faucherei und aufgestellten Haaren. Ich habe von Anfang an aber alle Türen offen gelassen, sodass sie nie getrennt waren. Einauge war meist im Katzenklo oder hinterm Bett, Linchen hat sich nie groß versteckt und Taubi hatte den Vorteil, nichts zu hören, also war sie manchmal etwas unbeholfen und hat vom Stress der anderen beiden Miezen gar nichts mitbekommen. Ich habe die ersten Tage sehr viel mit allen gespielt, mit der Angel, weil darauf alle abgefahren sind und so, dass ausreichend Distanz da sein konnte, aber sie sich auch über das Spielen näher kommen konnten. Ebenfalls habe ich ganz viel Leckerli verteilt und natürlich immer gleich viel. Ein Häppchen für Einauge, eins für Linchen und eins für Taubi und das Ganze von vorne. Nach etwa 2 Wochen waren alle Katzen miteinander in Ordnung und haben untereinander ihre Rangordnung gekannt.

Linchen, Taubi und Einauge entspannt in Mamis Bett. Alle problemlos aneinander gewöhnt, trotz Handicaps

Zusammenführung mit Hündin Püppi

Als Püppi dazu kam, vor etwa 2 Jahren, habe ich gleiches Spiel gespielt. Püppi kam rein, aber die Katzen waren nicht weggesperrt, sondern mussten sich selbst helfen, in dem sie auf Regal oder auf den Kratzbaum oder wohin auch immer ausweichen. Dann habe ich mich sehr viel um Püppi gekümmert, war viel Gassi, habe sie viel geschmust und ihr Vertrauen gewinnen können. Natürlich habe ich weiterhin die Katzen gleich gefüttert, gestreichelt und verwöhnt. Das geht ja auch, wenn sie oben im Kratzbaum liegen oder ähnliches. Natürlich habe ich immer aufgepasst, dass Püppi den Katzen nichts tut, sondern wenn nur näher kommt. Nach und nach war Püppi auf einer Seite und die Katzen auf meiner anderen Seite bis mein Einauge sich zu Püppi gewagt hat und nah dran war. Da war das Eis gebrochen und Püppi hat ab sofort mein Einauge geputzt, sauber gemacht und geknuddelt. Wenn es Einauge zu viel geworden ist, dann hat sie Püppi liebevoll mit der Pfote ohne Krallen zurückgewiesen. Linchen und Taubi mögen Püppi, aber sind eher zurückhaltend und ein eingespieltes Team.

Weitere zwei Katzen Knüssel und Hilde

Als plötzlich und unerwartet auf einmal Knüssel und Hilde, zwei ganz schlecht beieinander Minikatzen, krank, mit Katzenschnupfen und - leider unwissend, dass es noch da ist - Katzenpilz bei mir eingezogen sind, kamen die Transportboxen, Püppi hat diese gesehen und es schien, als hätte sie sofort Mutterinstinkte entwickelt. Die beiden schwachen Minis kamen aus der Box raus, neugierig und schmerzfrei und Püppi hat alle beide sofort in ihr Körbchen sortiert und erst mal lieb gehalten, abgeleckt und umsorgt. Blöderweise hat sie sich dabei auch den fiesen Katzenpilz eingefangen, aber liebt die beiden Minis immer noch unglaublich, teil mit ihnen ihr Körbchen und passt auf all ihre Kinder auf, wie ein Schießhund. Mit den anderen Katzen habe ich Hilde und Knüssel wieder wie oben genannt angenähert. Jeder konnte überall hin und wir haben viel zusammen gespielt, zusammen gefressen, Leckerli gefressen, wo es hier und da mal eins auf die Rübe und etwas Gefauche gab, weil ich als Katzenmami nicht rechtzeitig jedem etwas ins Mäulchen gesteckt habe und jemand großen Hunger hatte, aber mittlerweile hat sich auch das wieder gelegt und in seltenen Momenten schaffe ich auch mal Familienfotos mit all meinen Katzenkindern.

Hier sieht man meine fünf Katzen, allesamt gemeinsam auf meinem Sofa.

Dann kam Hannelore (Kangal-Schäferhundmischling)

Zwei Ladys ist bei Hunden nicht immer einfach, aber da Püppi mit allen verträglich ist, habe ich mich getraut. Hannelore kam rein und das Erste, was sie gemacht hat: Sie hatte Angst. Angst vor meinem Raumduft, Angst vor allem. Püppi kam ihr etwas nah und Hannelore ist zum Futternapf, hat den sofort leer gemampft und ist dann kurzweilig auf Püppi losgegangen. Das konnte ich natürlich - ohne Verletzungen - trennen. Ich habe Hannelore die ersten beiden Nächte mit in mein Schlafzimmer genommen und Mama hat ein paar Tage hier gesessen, um aufzupassen. Anfangs hat Hannelore stark hinter den Katzen hergejagt, allerdings haben die Katzen mittlerweile die ca. 20 m² große Küche, mit Fressen, verschiedenen Sitz- und Liegemöglichkeiten und auch das Wohnzimmer mit einem Kindergitter abgetrennt und für sich, sodass die beiden Hunde weder Katzenkacki aus dem Klo klauen, noch das Katzenfutter fressen können oder eben permanent den Miezen auf den Keks gehen. Auch im ca. 15 m² großen Flur gibt es zwei riesige Kratzbäume und eine Kratztonne. Hannelore und Püppi ergänzen sich gut. Hannelore ist sehr charakterstark und eine fantastische Gassigängerin. Püppi ist total lieb und eine Angsthündin, zumindest beim Gassi gehen. Beides passt super zusammen. Mit den Miezen möchte Hannelore oft spielen, aber sie lernt immer mehr, dass das nicht immer geht und die Katzen wissen sich mittlerweile alle zu helfen und kennen ihre Ecken, wo sie Ruhe haben.

Pubertierendes Problemkind Hannelore, mit Hüftproblemen und kurz vor der OP, ebenfalls mit allen angefreundet.

Was bei den beiden Hundedamen passieren kann ist, dass sie schon miteinander streiten, weil einer ein Spielzeug hat, was der andere gerne will oder einen Markknochen, den der andere nicht mehr will und plötzlich aber auch nicht will, dass was anderes damit passiert. Nassfutter gibt es nur getrennt voneinander, denn Hannelore hat - durch die Zeit in der Tötung - einen sehr ausgeprägten Futterneid. Bei Trockenfutter und Wasser ist es total egal. Spielzeuge habe ich mittlerweile alle weitestgehend aussortiert, weil es einmal eine größere und leider auch etwas blutige Auseinandersetzung gab um einen Knochen. Es ist nicht viel passiert, aber ein blutiges Ohr und kleiner Biss im Ballen von Püppi und eine furchtbar besorgte Hundemami reichen aus, dass ich so etwas nie mehr wieder möchte. Ich habe auch Schnee aus zerfledderten Stofftieren für die nächsten drei Leben. Auch das brauche ich also nicht mehr. Mittlerweile machen wir lieber noch größere Gassirunden oder lernen Sitz, Platz, Pfötchen oder sonst irgendwelche Kommandos und sind auch ausgelastet genug.

Schlussinformation

All meine Tiere sind Mischlinge, keins ist ein Rassetier, sondern allen habe ich mehr oder weniger das Leben gerettet. Ich habe 5 von 7 mit Handicap. Einzig Linchen und Knüssel sind wirklich kerngesund. Alle anderen haben größere oder kleinere Einschränkungen. Bislang war ich mit keinem meiner beiden Hunde in der Hundeschule. Nicht, weil ich es grundsätzlich nicht möchte, sondern weil ich in Schichten arbeite und weil ich es in meinen Augen bislang nicht brauchte. Keine meiner beiden Hündinnen hat Probleme mit anderen Hunden, weder Männlein noch Weiblein. Hannelore habe ich Mitte Dezember 2021 dazu bekommen. Sie hat gehumpelt und vor Weihnachten hat sich herausgestellt, dass ihr ein Teil des Hüftknochens entfernt werden muss. Das haben wir Mitte Januar für insgesamt 1800 Euro gemacht, gewusst, als ich sie aus der Tötung gerettet habe, dass diese Kosten auf mich zukommen, habe ich nicht. Die kleine Hilde hatte im Oktober durch den Katzenschnupfen so viel Druck auf dem Auge, dass ich eines ihrer Äugelchen morgen habe fast aufgeplatzt heraushängen sehen. Auch hier wurde operiert. Der Haustierarzt sagte, er könne das Auge nur entfernen, aber da ich schon ein Einauge habe, war das keine Option, sondern wir sind in die Tierklinik gefahren, wo man mit einem speziellen Operationsverfahren das Äugelchen meiner kleinen "Tröti-Katze" Hilde Gott sei Dank retten konnte.

Ich bin sehr froh, dass ich alle habe und allen eine Chance geben konnte. 103 m² Wohnfläche und ein großer Park sehr nah an der Wohnung, eine Oma, die oft Hundesitterin spielt und eine liebe Freundin, die immer mal wieder Leckerli oder Futter oder Spielzeug mitbringt und selbst einen Hund hat, machen das Leben natürlich etwas leichter.

Viel Erfolg!

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