Linkshänder behelfen sich in der rechtshändigen Welt unterschiedlich: so wird zum Beispiel mit der linken Hand „übergegriffen“, was ungelenk wirken kann und sicherlich manche Verkrampfung oder unbequeme Haltung erklärt.

Linkshändigkeit im Alltag

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Die Zeiten, in denen per Schulgesetz geregelt wurde, dass Linkshänder auf die rechte Hand umschulen müssen, sind zum Glück passé. Heute dürfen die Kleinen mit ihrer linken Hand zum Malstift, Ball oder Löffel greifen. Doch die Linkshändigkeit geht weit über das Schreiben, den Ballsport oder die Handhabung mit dem Essbesteck hinaus.

Vieles ist auf rechts getrimmt

Gartengeräte, Werkzeug, Haushaltswaren, Schreibutensilien, Musikinstrumente oder Maschinen – all diese Dinge sind primär auf Rechtshänder ausgerichtet. Kein Wunder, denn Linkshänder sind in der Minderheit. Statistiken schwanken, die Zahlen variieren von 10 bis hin zu 30 Prozent.

Linkshänder behelfen sich in der rechtshändigen Welt unterschiedlich: so wird zum Beispiel mit der linken Hand „übergegriffen“, was ungelenk wirken kann und sicherlich manche Verkrampfung oder unbequeme Haltung erklärt. Mangels Alternativen oder auch unbewusst wird Alltägliches mit rechts erlernt. Ein Beispiel ist das Schuhe-binden. Kinder schauen sich das oft bei Rechtshändigen ab. Bei einigen klappt das gut und sie müssen nicht die für Linkshänder passende spiegelbildliche Art des Bindens wählen. Doch Experten sind sich sicher: die Irritation der Motorik durch das Umsteigen auf die schwächere, rechte Hand kostet Kraft. Wer mal von rechts nach links umstellt, sei es als Versuch oder aufgrund einer Verletzung, wird merken, dass in diesem Fall die linke Hand nicht nur schwächer ist und langsamer reagiert, auch mit der Feinmotorik wird es hapern. So klagen Linkshänder, die umgeschult wurden, zum Beispiel über Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme oder Lese- und Schreibprobleme.

Produkte für Linkshänder nehmen zu

Nachdem die erzwungene Umschulung in früheren Jahrzehnten als schwerer Fehler eingesehen wurde und somit auch die Zahl der offiziellen Linkshänder wachsen konnte, haben Hersteller reagiert. Vor allem im Schreibwarenbereich, aber auch darüber hinaus, werden heute Linkshänder-Produkte angeboten. Vier davon stelle ich euch vor:

1. Geldbeutel für Linkshänder

Beim Geldbeutel für Linkshänder ist das Kleingeldfach auf der linken Seite angebracht. So kann die Börse rechts gehalten werden, mit der Linken wird das Kleingeld rausgesucht oder entgegen genommen. Beim klassischen Geldbeutel mit dem Fach rechts hat der Linkshänder drei Möglichkeiten: 1. die rechte Hand aufs Kleingeld trainieren, 2. mit der linken übergreifen oder 3. den Geldbeutel drehen. Vorsicht: Beim Drehen ist das Geldscheinfach nach unten gerichtet. Geldbeutel für Linkshänder

2. Füllfederhalter für Linkshänder

Füllfederhalter für Linkshänder gibt es schon seit Jahrzehnten. Ideal sind sie mit einem ergonomisch passenden Griff. Hersteller achten auch auf die Federn. Sie können angeschliffen sein für den linkshändigen Gebrauch, oder sie sind besonders weich. Wer nicht mit Füller schreiben muss kann auf einen Tintenroller umsteigen. Mit ihm spielt es keine Rolle, ob er übers Papier gezogen oder geschoben wird. Füllfederhalter für Linkshänder

3. Dosenöffner für Linkshänder

Mancher Linkshänder dreht mit dem herkömmlichen Dosenöffner für Stunden seine Runden. Wer die 360°-Kurve mit einem Linkshänder-Öffner probieren mag: angesetzt wird auf der linken Seite der Dose, gehalten wird der Öffner mit der rechten Hand, mit links wird vom Körper weg gedreht. Und, kommt ihr mit bei der Vorstellung oder fühlt sich das an wie „um die Ecke denken“? Dosenöffner für Linkshänder

4. Anspitzer für Linkshänder

Der spezielle Anspitzer für Linkshänder sollte keinesfalls im Mäppchen fehlen. Gehalten wird er mit rechts, gedreht wird mit der linken Hand, weg vom Körper. Mit dem Spitzer sind die Zeiten für Linkshänder vorbei, in denen die Mine verkantet, abbricht, der Bleistift immer schneller immer kürzer wird. Anspitzer für Linkshänder

Werkzeuge und Maschinen sind für Rechtshänder entwickelt

Auch wenn der Markt erkannt hat, wie sinnig Produkte für Linkshänder sind, so bleiben viele Bereiche noch unerschlossen. Werkzeuge und Maschinen sind für Rechtshänder entwickelt, teilweise ergonomisch geformt. Beim Fotoapparat liegt der Schwerpunkt in der rechten Hand, ebenso wie bei der Motorsäge oder an der Drehbank. Bestimmt fallen euch weitere Beispiele ein, wenn ihr bestimmte Tätigkeiten durchspielt. Das heißt nicht, dass Linkshänder dafür nicht geeignet sind. Sie kennen es nicht anders, sind möglicherweise dadurch flexibler und im Umdenken geübt.

Woher kommt die Linkshändigkeit?

Untersuchungen zur Händigkeit gibt es zuhauf. So wurde zum Beispiel herausgefunden, dass Linkshänder-Eltern häufiger linkshändigen Nachwuchs bekommen. Eine andere Studie fand heraus, dass Ungeborene, die am rechten Daumen nuckelten, Rechtshänder blieben, bei den „Linksnucklern“ im Mutterleib waren es später immerhin noch zwei Drittel. Geforscht wird zum Chromosom zwei, das für die Händigkeit zuständig sein soll ebenso wie der Ansatz im Raum steht, dass erhöhte Testosteronwerte in der Schwangerschaft das Wachstum der linken Gehirnhälfte bremsen könnten, so dass die rechte Hälfte ausgeprägter wird und sich als Folge die Linkshändigkeit ausbildet. Eine gültige und schlüssige Antwort zur Händigkeit steht noch aus.

Zahl der Linkshänder steigt weiter an

Auch wenn das Phänomen der Händigkeit noch nicht gelöst ist, fest steht, dass die Zahl der Linkshänder zunimmt und eine Umschulung auf die rechte Hand keinesfalls zu empfehlen ist. Sollte die Evolution eines Tages die Linkshändigkeit zur Norm führen, wir Dinge „mit rechts machen“, „zwei rechte Hände haben“ oder „mit dem rechten Fuß aufgestanden sein“, dann gilt das natürlich auch für die Rechtshändigkeit: auf keinen Fall auf links umlernen.

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