Patientenverfügung

Patientenverfügung erstellen

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Vor ein paar Monaten kam meine Mutter mit dem Wunsch auf mich zu, ihr beim Erstellen einer Patientenverfügung zu helfen. Erst war mir ein bisschen bange, mit ihr die Fragen durchzugehen, die sich aufgrund eines Unfalls, als Folge von Krankheit oder am Ende des Lebens stellen, doch mittlerweile bin ich ganz froh, dass sie das angesprochen hat. Wir haben einige Wochen dafür gebraucht, das Dokument zu erstellen, aber nun ist es unter Dach und Fach und wir widmen uns wieder den lebensnahen Themen.

Das steht in einer Patientenverfügung

In der Patientenverfügung werden Informationen zusammengetragen, die bestimmen, was medizinisch unternommen werden soll, wenn man selbst entscheidungsunfähig ist. Und natürlich auch, was unterlassen werden soll. Dabei richtet sich das Dokument in erster Linie an die Ärztin oder den Arzt sowie an Betreuungspersonen.

Beratung beim Hausarzt

Meine Mutter und ich haben uns erst einmal einen Termin bei ihrem Hausarzt geben lassen. Er hat uns gesagt, dass es in diesem Sinne keine Vorlagen für eine Patientenverfügung gibt, sondern wir mit Textbausteinen arbeiten sollten, die es im Internet zu finden gibt. Die Beratung bei ihm hat uns verdeutlicht, wie schwer es für Medizinerinnen und Mediziner ist, im Sinne der kranken oder sterbenden Menschen zu handeln, wenn diese nicht mehr ansprechbar sind und eine Patientenverfügung zum Beispiel die Ablehnung von künstlicher Ernährung oder Flüssigkeitszufuhr vorsieht, aber nicht klar wird, in welchem Stadium das sein soll. Gilt das in der Sterbephase oder auch zum Beispiel bei einer weit fortgeschrittenen Demenz?

Auseinandersetzung mit Lebens- und Sterbethemen

Mit meiner Mutter die vielen Fragen und mögliche Kombinationen durchzugehen, war gar nicht so einfach. Ich glaube, wir hatten uns das beide weniger emotional vorgestellt. Heftige Diskussionen entstanden bei der Frage, wo das Maß ist, wenn man einerseits lange Leben mag, aber auch die Qualität wichtig ist. Wo ist die Grenze, wenn beides nicht in gleichem Umfang zu haben ist? In diesen Wochen haben wir viel über Leben und Sterben geredet, zurück und nach vorn geschaut und irgendwann habe ich, um Abstand zu gewinnen, mir drei Komödien hintereinander angeschaut.

Aufsetzen der Verfügung

Wir haben mit den Textbausteinen zu Behandlungswünschen gearbeitet, und auch einige Wertvorstellungen, Lebenshaltungen und religiöse Anschauungen meiner Mutter ergänzt, und das sehr detailliert. Für eine Notfallsituation, die nicht einem der niedergeschriebenen Fälle eins zu eins gleicht soll das helfen, den Willen meiner Mutter richtig auszulegen. Ansonsten musste meine Mutter das nur unterschreiben und damit ist es gültig. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, es von einem Notar unterzeichnen zu lassen, aber darauf haben wir erst einmal verzichtet.

Aufbewahrung der Verfügung

Die Patientenverfügung liegt nun in dreifacher Ausführung vor. Meine Mutter hat je eine Kopie bei ihrem Hausarzt und bei mir hinterlegt. Ja, und ihr Original trägt sie nun in der Handtasche bei sich. Das fand ich erst etwas gewöhnungsbedürftig, aber es macht natürlich Sinn, damit im Notfall klar ist, dass es die Verfügung gibt (12 Prozent aller Deutschen haben derzeit eine) und Ärzte hier Informationen über den Willen und die Wünsche meiner Mutter erhalten können.

Als nächsten Schritt mag meine Mutter nun die Vorsorgevollmacht angehen. Eine bevollmächtigte Person kann dann zur Not auch die Patientenverfügung durchsetzen, zum Beispiel vor Gericht. Diese Vollmacht ist aber zügig erstellt, die großen Themen haben wir ja schon hinter uns. Zumindest für den Moment, denn ich habe mir vorgenommen, auch bald eine Patientenverfügung für mich zu erstellen.

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81 Kommentare


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#1
19.8.15, 18:06
Hallo BBaumeister, danke für dieses wichtige Thema. Gerade heute haben wir die Patienten- und Vorsorgeverfügung meines Vaters fertiggestellt, d.h. alle Benannten haben unterschrieben und jeder eine Kopie zu den Familienakten genommen. Mein Vater hatte bereits früher solche Verfügungen, aber die entsprachen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Wie wichtig diese aber sind, mussten wir bereits feststellen. Bei meiner Mutter konnten wir unnötige und qualvolle Behandlungen beenden, weil sie selbst es so bestimmt hatte. Auch bei meinem Mann stand vor 5 Jahren diesen Entscheidung an, aber er hat mir diese schwere Pflicht abgenommen, da er nach 13 Tagen Koma selbst gegangen ist.
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#2
19.8.15, 21:12
Patientenverfügungen sind sehr wichtig. Ich war sehr krank. Vor jeder OP, auch den kleinen harmlosen habe ich eine Patientenverfügung ausgehändigt. Die irritierten Reaktionen waren mir egal. Dass ich es nicht brauchte ist wunderbar. Mein Mann machte keine. ich verstehe das nicht.
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#3
19.8.15, 21:20
Ich habe unzählige Operationen hinter und vor mir und gebe vor jeder Operation meinen Organspendeausweis, die Patientenverfügung sowie Vollmachten ab. Irgendwie gibt mir das mehr Sicherheit.

Der Tipp ist übrigens sehr schön geschrieben, da auch persönliche Empfindungen einbezogen wurden.
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#4
19.8.15, 23:15
@Ichfragmal: Danke für Deine Offenheit.
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#5
19.8.15, 23:19
@Ichfragmal:

Es tut mir sehr leid...........
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#6
20.8.15, 09:36
@Ichfragmal: Du hast dann ja sehr hautnah erlebt, wie wichtig so eine Patientenverfügung ist. Ich wünsche Dir viel Kraft für die Zukunft!
Das ist ein sehr wichtiges Thema, das BBaumeister in diesem Tip anspricht! Und er hat es sehr persönlich beschrieben, was mir gut gefällt.
Mein Mann und ich waren vor zwei Jahren mal zu einer Veranstaltung zu diesem Thema und bekamen auch die nötigen Unterlagen mit nach Hause. Aber die liegen immer noch unausgefüllt in der Mappe. Jetzt müssen wir die Sache wirklich mal angehen.
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#7
20.8.15, 13:52
Mir geht es wie Maeusel. Eigentlich wollte ich schon lange eine Patientenverfügung ausfüllen, habs aber immer noch nicht getan.

@BBaumeister : Sehr einfühlsamer und gut verfasster Tipp. Danke dafür.

Ich denke, dass es einfach nur eine Hilfe ist, eine Patientenverfügung zu haben. So kann man seine Angehörigen auch schützen.
Man stelle sich vor. Es ist keine Patientenverfügung da und selbst kann man nicht mehr entscheiden. Dann müssen das die Angehörigen übernehmen.
Die müssen dann aber mit der Entscheidung, die sie getroffen haben weiterleben. Da bleiben Schuldgefühle und Zweifel sicher nicht aus.
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#8
20.8.15, 16:38
Auch ich habe meine PV immer im Portemonnaie. Hoffentlich brauche ich sie nie. Aber sicher ist sicher.

Wer Vorstellungen über das Lebensende hat, die nicht so ganz den Vorgaben der Kirche entsprechen , insbesondere der katholischen, sollte unbedingt "neutrale" Textvorschläge suchen. Sonst, habe ich gehört, sind die vorformulierten Festlegungen vielfach so "schwammig", dass der Patientenwille nicht eindeutig genug klar wird. Dieser sollte "gerichtsfest" formuliert sein.

Wo man schon mal dabei ist, kann man auch Verfügungen für die Bestattung treffen. Die meisten Bestatter halten entsprechende Verfügungen bzw. Verträge bereit. Den Angehörigen wird damit eine Menge abgenommen. Meine Bestattung und meine Grabstelle ist bereits bezahlt, das Geld liegt auf einem Treuhand-Konto, über das der Bestatter nur zusammen mit den Angehörigen verfügen darf - wenn es soweit ist. Hat noch Zeit . . .

Starker Tobak, das alles, aber wenn man es hinter sich gebracht hat, sehr beruhigend. Neige sonst auch zum Aufschieben, aber das war mir doch zu wichtig.
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#9 mellie_V8
20.8.15, 17:05
#Spectator Wir neigen dazu, unendlich zu denken....dass wir "endlich" sind - der Gedanke wird geschoben.... Deine Art und Weise, schon mal "alles" zu regeln hat meinen Respekt.
Gut, dass du auf die "Schwammigkeit" hinweist.


Wir selber haben uns im Vorfeld mit unserem Anwalt zusammengesetzt, er hat uns Unterlagen/Vordrucke mitgegeben....und da liegen sie nun und warten darauf, "bearbeitet" zu werden....:/
Vielleicht hat der eine oder andere ja im Bekannten- oder Verwandtenkreis Pflegekräfte, die hier beim Erstellen der PV beratend zur Seite stehen können. Die wenigsten wissen z.B. über rechtliche Bedingungen bei künstlicher Ernährung und im persönlichen Gespräch kann u.U. die eine oder andere Frage ethisch/moralisch besprochen werden.
Im Falle eines Falles kann eine PV, die keine Fragen offen lässt, hilfreich sein.
Ich sehe mich auch in der Verantwortung meinem Partner/Kinder gegenüber.
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#10
20.8.15, 17:40
@mellie_V8: Zitat: "Ich sehe mich auch in der Verantwortung meinem Partner/Kinder gegenüber."
Genau das ist auch für mich das Wichtigste. Auf den Angehörigen lastet im Falle des Falles eine Riesen-Verantwortung und auch Angst vor der "Schuld". Das kann man seinen Lieben nehmen, indem man seinen Willen möglichst detailliert dokumentiert.
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#11
20.8.15, 17:41
Mein Mann und ich haben vor kurzem unser Testament bei unserem Notar gemacht und arbeiten nun an der Patientenverfügung und der Vorsorgevollmacht. Es ist gar nicht so einfach, hier unser beider Vorstellungen so niederzulegen, das auch alles so klappt wie wir uns das vorstellen. Wir sind beim dritten Entwurf aber so langsam wir das Ganze rund.
Wie meine Beerdigung stattfinden soll, habe ich schon lange festgelegt und die Ausführung schriftlich beim Anwalt und bei meinem Sohn hinterlegt. Da weiss ich bei Beiden, das alles so passiert wie ich es mir wünsche, einschliesslich der Musik die ich mir gewünscht habe.
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#12
20.8.15, 20:57
Wo bekomme ich eine PV?
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#13
21.8.15, 15:57
Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsvollmacht sind Dokumente, über die man sich bereits in jungen Jahren Gedanken machen sollte. Schon mit 20 Jahren oder sogar noch früher kann man einen Schlaganfall erleiden oder Opfer eines Unfalls werden. Und wenn dann keine Vorsorge- und Betreuungsvollmacht erteilt wurde, kann es passieren, dass einem von Amts wegen ein Betreuer "vor die Nase gesetzt" wird und die Angehörigen haben dann nix mehr zu melden.
#14
21.8.15, 17:26
@flauschi: Hast ne PM
#15
23.8.15, 06:53
@flauschi:

Hallo flauschi,

bei deiner Krankenkasse,beim ADAC und im Internet zum Ausdrucken.


Gruß
Mücke
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#16
23.8.15, 06:53
Bis jetzt ist mir das Thema zu einseitig betrachtet. Es ist nicht unüblich, dass ein Mensch, der sich in einer existenziellen Ausnahmesituation befindet, ganz anders denkt als 20 Jahre früher am Schreibtisch. Und wie genau diese dann aussieht, kann man eben auch nicht voraussehen. Entschieden werden muss im konkreten Fall, und die Entscheidung braucht man den Angehörigen auch nicht abzunehmen, denn schließlich sind wir doch füreinander da.
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#17
23.8.15, 09:11
Schwierig wird es bei Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten bei demenziell erkrankten Personen. Diese werden nur anerkannt, wenn sie zu einem Zeitpunkt erstellt wurden, als der Vollmachtgeber noch im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten - also testierfähig war. Auf der sicheren Seite ist man daher nur, wenn dies bei einer PV der Hausarzt bestätigt. Eine Vorsorgevollmacht hingegen sollte IMMER notariell beurkundet werden, eine Beglaubigung reicht nicht aus, da hier nur überprüft wird, ob die Unterschrift unter der Vollmacht tatsächlich auch vom Vollmachtgeber stammt. Ich hatte für meine inzwischen schwerst demente Mutter nur eine unterschriebene Vollmacht, wenn auch datiert zu einem Zeitpunkt, als sie nachweislich noch völlig klar war. Trotzdem musste ich mich wegen jeder notwendigen Entscheidung ans Betreuungsgericht wenden, es dauerte fast ein halbes Jahr, bis ich als ihre gesetzliche Betreuerin anerkannt wurde. Auch wenn die Beurkundung beim Notar ein paar Euro kostet, es erspart irgendwann einmal viel Ärger und noch mehr Wege..
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#18
23.8.15, 10:27
Eine Patientenverfügung sollte man schon in jungen Jahren erstellen. Wer möchte den Eltern oder Geschwistern auferlegen, wie mein Leben z.B. nach einem Unfall sein soll.Es trifft nicht nur die Anderen.
Genauso wichtig ist die Betreuungsverfügung. Wer möchte von einem gesetzlichen Betreuer vertreten werden, zu mal man den nicht wieder los wird.
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#19
23.8.15, 10:32
@rieke652: Einen gesetzlichen Betreuer bekommt man nur aufgedrückt, wenn sich kein Verwandter findet. Weil: der gesetzliche kostet Geld!
Ich bin der Meinung, dass ich in gutem Zustand gar nicht einschätzen kann, wie mein Leben nach einem Unfall aussehen soll. In einer Familie kann man auch die Sorge füreinander annehmen.
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#20
23.8.15, 10:35
Vordrucke bekommt man auch bei seiner Krankenkasse, da hat man eine Idee b.z.w. eine Vorlage was wichtig ist. Patientenverfügung und Betreungverfügung kann man jederzeit ändern.
Man sollte bei der Krankenkarten einen Hinweis , das man im Besitz einer Patientenverfügung ist, mitführen. Eine Kopie beim Hausarzt und der Krankenkasse hinterlegen.
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#21
23.8.15, 12:43
Es fehlt noch eine Betreuungsvollmacht!

Wenn man nicht selbst die Betreuung für einen/den Familienangehörigen übernehmen will oder kann, sollte man sich mehr für einen ehrenamtlichen entscheiden. Dieser sollte aber nicht mehr als ca. fünf Betreuungen haben. So kann er sich wirklich um die Belange des Einzelnen kümmern und noch wichtiger, ein persönliches Verhältnis aufbauen.

Die Berufsbetreuer haben Narrenfreiheit und entmündigen - so meine Erfahrung. Die dürfen machen was sie wollen - über den Kopf des Betreuten und seiner Familie.

12.43 Uhr
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#22
23.8.15, 14:51
@ BBaumeister,

hallo,
mit einer Patientenverfügung muss man vorsichtig umgehen habe ich selbst erfahren.

Mein Mann war sehr krank und ich hatte alle Unterlagen (Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht) abgegeben. Als mein Mann, durch Fehlbehandlung, in einem kritischen Zustand war hat man überlegt ob man noch helfen soll weil ja eine Verfügung vorlag. Man hat sich dann doch entschieden zu helfen und mein Mann ist heute gesund zu Hause.
Danach habe ich mir sofort die Vollmacht wieder aushändigen lassen und gesagt, dass sie sie nur noch bekommen wenn ich das entscheide.

Oft sind die Ärzte damit überfordert.

Vorher auf einer Intensivstation hat man mir sogar die Vollmacht zurück gegeben und gesagt, dass man sie bei Bedarf anfordern wolle.

Also Vorsicht damit.

LG
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#23
23.8.15, 20:16
Man gibt grundsätzlich keine Originale aus der Hand!

Entweder Kopie oder beglaubigte Kopie abgeben.
Man kann auch das Original (behalten) und zwei Kopien (1x abgeben) und 1x behalten) mitnehmen. Auf beiden Kopien sollte der Arzt vermerken und mit seiner Unterschrift bestätigen, daß das Original vorgelegen hat.
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#24
24.8.15, 07:41
Hallo!
Ja sowas ist wichtig! Erleben es gerade bei schwimu! Allerdings muss man bei Vorsorgeverfügung auch auf eine notarielle Beurkundung aufpassen, falls Eigentum vorhanden ist. Auch müssen Banken oft eigene Vollmacht haben.
Es lohnt sich, sich vorher intensiv damit auseinander zu setzen!
#25
24.8.15, 10:40
Stimmt, Banken können 'sperrig' sein. Dürfen es aber nicht, wenn notarielle Betreuungs- und/oder General-Vollmachten vorgelegt werden oder beglaubigte Kopien ausgehändigt worden sind.
Bei Vorlage des Originals kann die Bank auf ihrer Kopie, in Eurer Gegenwart, vermerken, daß das Original vorgelegen hat.
Am Besten händigt man den Banken (aber auch Versicherungen usw.) beglaubigte Kopien aus.

Die Banken müssen notarielle Vollmachten anerkennen!

Wichtig !
Die Vorsorge-Vollmacht ersetzt KEINE Betreungs-Vollmacht und auch KEINE General-Vollmacht.
Besser ist es, wenn diese Vollmachten notariell und Kopien beglaubigt sind. Dafür ist beim Notar auch nur ein Termin notwenig.

Die Vorsorge-Vollmacht hat nichts mit Eigentum zu tun.
Dis fällt unter Betreuungs- und General-Vollmacht.
Die Kosten dieser Vollmachten basieren auf dem Vermögen. Ist aber auch Verhandlungssache, da es einen gewissen Spielraum gibt.



PS: gelöscht um 10:42 Uhr


10:40 Uhr
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#26
24.8.15, 11:37
Gehört eigentlich nur am Rande zum Thema und wäre einen gesonderten Tipp wert, aber sei's drum: Ganz wichtig ist die Regelung des Kontozugangs für Hinterbliebene, weil sonst erhebliche bürokratische Hemmnisse im Todesfall oder bei Verlust der Geschäftsfähigkeit drohen.

Am einfachsten ist ein gemeinsames Konto, dann kann der Partner ohne weiteres über das Guthaben verfügen. Das gilt natürlich schon zu Lebzeiten und in gesunden Tagen - ein ausreichendes Vertrauensverhältnis sollte also schon sein . . .
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#27
24.8.15, 12:15
@Spectator:

......wenn das ausreichende Vertrauensverhältnis nicht gegeben ist, sollte man die gewählte Lebensform vielleicht grundsätzlich einmal überdenken... ;o)
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#28
24.8.15, 12:39
@xldeluxe_reloaded:

Gewählt ist gewählt, denke ich.
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#29
24.8.15, 12:53
Ich glaube nicht, dass die gewählte Lebensform vom gemeinsamen Konto abhängt. Ich kenne so einige glückliche Paare, die getrennte Konten haben, ich gehöre auch dazu. Es hat auch große Vorteile, wenn jeder sein eigenes Konto hat und dafür verantwortlich ist. Bei uns werden alle Fixkosten brüderlich geteilt und für größere Anschaffungen oder Urlaub wird auf ein extra Konto von jedem monatlich die gleiche Summe angespart. Über den Rest seines Kontos kann jeder selbst verfügen wie er möchte. Wir leben damit seit Jahren glücklich und für evtl. Ereignisse sollte man natürlich alles klären und vorsorgen. Gerechtigkeit, auch finanzielle, sollte in einer Beziehung schon vorhanden sein.
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#30
24.8.15, 13:21
Wir haben ein gemeinschaftliches Konto und das funktioniert auch gut.
Wichtig scheint mir dabei zu sein, dass beide Parteien sich an Abmachungen halten und nicht einer ständig über die Stränge schlägt.

Das gewählte System um die Finanzen zu organisieren, muss halt für das Paar passen. Und da gibt es viele mögliche Formen.
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#31
24.8.15, 13:39
@upsi:

Ich rede von Vertrauen und nicht von Konten!
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#32
24.8.15, 13:49
@xldeluxe_reloaded: du hast auf Spectators Kommentar geantwortet, darin ging es doch um die gemeinsamen Konten. Vertrauen in Bezug auf das Konto, ich hab schon richtig gelesen, oder du hast etwas anderes gemeint als das was du geschrieben hast.
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#33
24.8.15, 13:49
Doppelt wieso kann man eigentlich einen doppelten Kommentar nicht vollständig löschen ?
#34
24.8.15, 14:24
@Upsi: Im grunde gebe ich Dir aber recht. Man müsste es innerhalb kürzester Zeit vollständig löschen können.
Im Forum geht es ebenfalls nicht. Da ist dann noch vermerkt, wenn man korrigiert hat.
#35 alteolle
25.8.15, 05:13
@schwarzetaste: Ich finde schon, dass man sich gerade im gesunden Zustand damit auseinandersetzen sollte, was ist und passieren soll, wenn es einem schlecht geht oder man für sich selber nicht mehr sorgen kann. Es ist einfach eine Last, die man der Familie/ den Angehörigen/den Partnern abnehmen sollte und es hat m. M. nichts damit zu tun, dass man sich umeinandern kümmert.
Vielleicht möchte man ja nicht, dass dem Partner/der Familie die Last aufgebürdet wird, sich 24 Stunden um die Pflege z. B. zu kümmern (weil die "Gesunden" z. B. selber zu viel zu schaffen haben, es einfach nicht können).
Was passiert z. B., wenn die Familie zusammen einen so schweren Unfall erleidet, dass sich niemand kümmern kann, was mit den einzelnen Personen geschieht?
Bestimmt gibt es wesentlich schönere und lustigere Themen, aber er Tod und auch das Sichtum gehören zum Leben. Und wer weiss schon, ob die Familienzusammenstellung von heute noch in 1 Woche genauso ist?
Zudem ist so eine Verfügung ja nicht in Zement gemeisselt, und man sollte sie sogar von Zeit zu Zeit durchlesen und evtl. anpassen.
Vielleicht als Nebentipp: In vielen Rechtschutzversicherungen sind Beratungen zu diesen Vorsorgethemen bis zu einer gewissen finanziellen Höhe inkludiert.
#36
25.8.15, 18:50
Bei uns kann man Patientenverfügungen mit Beratung ausfüllen. Die Personen, die eine Verfügung erstellen wollen, können sich beim Schweiz. Roten Kreuz melden. Die Berater haben eine entsprechende Ausbildung absolviert und nehmen auch immer wieder an Weiterbildungen teil. Für jede Verfügung nimmt man sich Zeit für zwei Gespräche.
Wichtig: die Patientenverfügungen können an einer zentralen Stelle hinterlegt werden, so dass die Ärzte im dazumaligen Zeitpunkt auf die Verfügung rund um die Uhr zugreifen können.
#37
25.8.15, 22:23
@alteolle:
Ich möchte keinen davon abhalten, eine Patientenverfügung zu machen, wenn er das für sich richtig findet. Für mich kommt das nicht in Frage. Es geht hier um Leben und Tod, das sind gravierende moralische Fragen. Was ich auch ein wenig befürchte, ist, dass die Angehörigen diesbezüglich Druck auf alte Menschen machen, und diese sich dann zu solchen Dingen genötigt fühlen, um ja niemandem zur Last zu fallen. Hallo? Haben wir nicht das Recht, uns in Alter und Krankheit fallen zu lassen, wenn wir ein ganzes Leben aufopferungsvoll für andere gesorgt haben?
Was wir jetzt auch nicht durcheinander werfen dürfen, ist "Patientenverfügung", "Vorsorgevollmacht", "Betreuungsvollmacht".
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#38
25.8.15, 22:28
@schwarzetaste: Das sollte man meinen. Doch wie kann man sich fallen lassen, wenn man nicht aufgefangen wird? Die subtile Nötigung, keinem zur Last zu fallen, ist doch schon Realität. Und irgendwann gibt's die finale Pille auf Rezept für all diejenigen, die sich Pflege nicht mehr leisten können. Und wenn man sich die Zustände in den Altenheimen vor Augen führt, wäre dieser Weg für den einen oder die andere vielleicht auch eine Erlösung. Freilich haben wir nicht darüber zu befinden, unter welchen Bedingungen ein anderes Leben (noch) lebenswert ist.
2
#39
25.8.15, 22:47
@zumselchen:

Das habe ich mir auch gedacht. Ethisch finde ich es sehr schwierig, wenn man davon ausgeht, dass man niemandem zur Last fallen will.

Irgendwann könnte diese Haltung so populär werden, dass man fast nicht mehr anders entscheiden könnte.
Und das wäre meiner Meinung nach nicht richtig.
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#40
25.8.15, 23:02
@bollina: Stimmt. Am Ende wird es davon abhängen, wie lange die Ersparnisse ausreichen.
Es ist traurig zu sehen, wie manches Menschenleben zu Ende gehen muss. Dann vielleicht doch vorher was regeln? Andererseits kommt ja dann doch alles anders als erwartet.
So bleibt einem eh' nichts anderes übrig, als sein Schicksal so hinzunehmen wie es kommt.
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#41
25.8.15, 23:12
Ich habe meine Verfügungen alleine für mich und zu meinem "Wohlergehen" ausgefüllt.

Was ich damit meine:
Im schlimmsten Fall des Falles möchte ich nicht durch Maschinen am Leben erhalten werden und es soll niemand anderes als ich darüber entscheiden, ob sie zu einem gewissen Zeitpunkt abgeschaltet werden. Diese Entscheidung möchte ich niemandem zumuten, da ich es mir sehr schmerzhaft vorstelle, darüber zu entscheiden.

Sollte es mir vergönnt sein, würde ich meinen Lebensabend gerne in den Niederlanden verbringen. Die gesetzlichen Regelungen dort entsprechen eher meinem Bild, das ich von einem würdevollen Leben im Alter und dem Tod habe.
#42
25.8.15, 23:36
@xldeluxe_reloaded:
Die Maschinen sind nun allerdings gerade das Problem. Ich möchte dann eigentlich eher gar keine, als dass irgendjemand (ich??? Wenn ich das irgendwann in guten Zeiten niederschreibe, habe ich doch auch keine Ahnung von der Situation, um die es dann geht!) den Zeitpunkt des Abschaltens festlegen muss. Die Ärzte müssen sich schützen, das ist klar, denn sie stehen mit einem Bein im Gefängnis. Trotzdem haben sie Spielraum. Die Angehörigen übrigens auch. Es gehört ziemlich viel Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein dazu, mit diesem Thema umzugehen. Das anzunehmen, wäre ersteinmal das, was ich mir in der Diskussion wünschen würde.
#43
26.8.15, 00:27
@schwarzetaste:

Aber genau das kannst Du doch festsetzen.

Patientenverfügungen sind sehr umfangreich und man kann zwischen sehr vielen verschiedenen Möglichkeiten wählen, die einem humanen Tod förderlich sind. So finde ich z.B. für mich persönlich wichtig, dass ich nicht verdurste und selbst wenn die Nahrungsgabe eingestellt wird, die (sehr geringe) Flüssigkeitszufuhr bzw. das Benetzen der Lippen sichergestellt ist.

Du legst es zwar in guten Zeiten fest, es betrifft aber doch nur den Fall, dass Dein Leben nur noch durch Maschinen aufrecht erhalten wird. Das ist dann die Situation, um die es dann geht.
#44
26.8.15, 04:08
"Nur noch" durch Maschinen oder vorübergehend durch Maschinen? Es muss in der konkreten Situation entschieden werden. Es ist so ein weites Feld...
1
#45
26.8.15, 11:33
„Wichtig !
Die Vorsorge-Vollmacht ersetzt KEINE Betreungs-Vollmacht und auch KEINE General-Vollmacht.“ #25

„Was wir jetzt auch nicht durcheinander werfen dürfen, ist "Patientenverfügung", "Vorsorgevollmacht", "Betreuungsvollmacht".“ #37



Alle Vollmachten kann man jederzeit ändern und den Gegebenheiten anpassen. Sei es, daß man seine Sichtweise ändert, oder die Medizin Fortschritte gemacht hat, oder sich das Umfeld verändert oder, oder ....

11:33 Uhr
3
#46
26.8.15, 11:39
Biographie-Bogen

Was auch nicht ganz unwichtig ist, ist der Biographie-Bogen, in dem der Lebenslauf mit all seinen Höhen und Tiefen beschrieben wird, aber auch Marotten, Angewohnheiten und alltägliches. Beispiele:
Morgens vorm Waschen zwei Tassen Kaffee mit Milch und Zucker, mittags nach dem Essen drei Tassen Kamillentee (nicht im Glas) und abends beim Fernsehen ein Glas Barcadi-Cola.
Mag keine rohen Zwiebeln, mag keinen Fisch, aber Thunfisch aus der Dose im eigenen Saft.
Marotten wie „die Unterwäsche immer falsch herum anziehen => außen nach innen“. Blusen immer nur am Sonntag tragen. Zahnbürste mit dem Kopf in den Zahnputzbecher, nicht Glas, stecken.
Usw. usw. …



In einer Einrichtung erzählte mir eine Pflegerin, daß sie einen Bewohner hatten, bei dem das Personal am Verzweifeln war: Der Bewohner trank nichts. Nur durch Zufall kam heraus, daß er Darjeeling-Teetrinker war. Damit war das Nicht-Trinken-Problem beseitigt.

11:39 Uhr


PS:
Hat die Marotte am Ende ihres Kommentars die Uhrzeit zu schreiben :)

11:41 Uhr
1
#47
26.8.15, 11:46
@schwarzetaste

„Haben wir nicht das Recht, uns in Alter und Krankheit fallen zu lassen, wenn wir ein ganzes Leben aufopferungsvoll für andere gesorgt haben?“

Boah, was ist das für eine Einstellung?!


Weil ich „mein ganzes Leben aufopferungsvoll für andere gesorgt habe“, habe ich DAS RECHT mich „im Alter und Krankheit FALLEN ZU LASSEN“
Daß heißt, Du hast Dich um andere aufopferungsvoll gekümmert, nicht weil es Dir ein Bedürfnis war, sondern um andere zum Dank zu verpflichten, Dank einzufordern und um Dich im Alter und Krankheit FALLEN zu lassen.
„Aufopferungsvoll kümmern“ und „sich im Alter und Krankheit fallen lassen“
Hm ---, das passt wahrlich zusammen …

Sorry, aber ich finde diese Einstellung unglaublich egoistisch.


Hoffentlich war’s anders gemeint, als geschrieben.

11:46 Uhr
2
#48
26.8.15, 12:13
Die Entscheidung, was mit einem im Notfall geschehen soll, kann ich nur allein treffen und nicht meiner Familie aufhalsen. Die quälen sich vielleicht für den Rest ihres Lebens mit Vorwürfen, etwas falsch entschieden zu haben. Teddy, ich denke schwarzetaste hat das mit dem fallenlassen nicht so gemeint wie du es ihr jetzt unterstellst. Aufopfern nur des Dankes wegen? Nein, das macht keine Mutter. Irgendwie wollen wir uns doch im Alter alle etwas fallen lassen, treiben lassen und ausruhem vom Stress des vergangenen Lebens. Man muss auch andere Einstellungen akzeptieren, denn jede Lebenssituation ist anders.Wir sitzen nicht alle in einem Boot wie es immer so heisst, denn der Strom des Lebens treibt jeden in verschiedene Richtungen.
1
#49
26.8.15, 12:20
@Teddy,

ist das jetzt alles ironisch gemeint? 1. bzw. letztens: braucht das nicht jeder - aufgehoben zu sein im Familienverband? Ich kenne eine Großfamilie, in der das noch heute üblich ist, auch wenn es gar nicht in jeder Angelegenheit eitel Sonnenschein gibt. Man ist jedenfalls füreinander da. Da geht es nicht nur um das Großziehen von Kindern sondern auch um die Sorge für die Alten. Was hat das mit Egoismus zu tun?
2. Biographie-Bogen. Ich verstehe nicht, was Du sagen willst. Kleine Wünsche kann man erfüllen, wenn man kann, und es tut einem Pflegebedürftigen gut, wenn das geschieht. Im Heim hat nur niemand Zeit für sowas. Schöne neue Welt.
1
#50
26.8.15, 12:32
Meine Patientenverfügung ist rein egoistisch - es geht schließlich um mich. Anderen nicht über Gebühr zur Last fallen zu wollen ist zunächst einmal eine ganz normale, verständliche Haltung. Ich möchte ich auch nicht, dass sich jemand für mich "aufopfert". Wer will das schon?

Aber es geht mir um die Situation, in der ich MIR SELBST zur Last werde, und dann habe ich das Recht zu entscheiden, was noch alles mit mir "angestellt" wird, bzw. wann es "gut gewesen" ist. Die PV ist ja nur eine Sicherung für den Fall, dass ich nicht mehr selbst meinen Willen äußern und durchsetzen kann. Und ich möchte, dass meine schriftlich festgelegten Wünsche berücksichtigt werden und nicht nachträglich relativiert, nach dem Motto "Wer weiß, wie er sich heute entscheiden würde".
3
#51 alteolle
26.8.15, 16:31
@schwarzetaste: Ich sehe es hier in der Gegend fast nur, dass man erwartet, in einer Großfamilie alt werdenzu können. Das finde ich schlimm, denn die Kinder bleiben immer Kinder, weil die "Alten" (ist nicht despektierlich gemeint) weder das Zepter aus der Hand geben noch andere entscheiden lassen wollen, aber im Gegenzug erwaretn, dass sie bis zum Tode gepflegt werden. Und schon das Einschalten und die Inanspruchnahme eines Pflegedienstes wird als egoistisch beschimpft.
Ich finde, dass auch Kinder das Recht haben sollten, ein eigenes Leben zu führen, selbstbetsimmt. Dass auch Kinder das Recht haben zu entscheiden ich kann es einfach nicht, aus welchem Grund auch immer, meine Eltern pflegen-oder auch meinen Lebenspartner. Denn was es heisst, bis zum "Schluss" wirklich menschlich, 100%ig zu pflegen, davon machen sich viele kein Bild, es ist eine 24 Stunden Aufgabe. Und dann kommt der Angehörige in eine Klinik, wahrscheinlich wegen einer Kleinigkeit, es geht mit der Gesundheit immer schlechter und plötzlich ist man vor die Entscheidung gestellt: was soll nun passieren???
Natürlich ist es eine schöne Vorstellung, im Kreis der Familie, der Enkel, am besten in einer vertrauten Umgebung nicht nur alt zu werden sondern sich in völligem Vertrauen fallen lassen zu können. Aber dieses Fallenlassen geschieht dann m. M. nach auf Kosten von anderen.
Deshalb finde ich die verschieden Verfügiungsvarianten so gut. Natürlich kann es einem ganz schön angst machen, sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen. Vielleicht sollte man dann einmal in ein Pflegeheim gehen und sich dort umsehen. Oder man ruft sich Herrn Schumacher ins Gedächnis. Man kann sich heute so vielfältig informieren, welche nicht schönen Sachen auf einen zukommen können, da ist die "Maschinenmedizin" noch das geringste Übel.
Das Aufschreiben von Marotten finde ich sehr gut und wurde zumindest bis vor ein paar Jahren in jedem Kh bei einer Einweisung abgefragt, bei dem Einzug ins Altenheim sowieso.
Wenn wir aber weiter akzeptieren, dass Pflegepersonal so bezahlt wird, als wollten diese Leute zuhause nur den Teppich schonen, sind wir von reinen Verwahrstationen nicht mehr weit entfernt. Aber das ist ein ganz anderes Thema.
Ich finde es wichtig, mit seiner Familie offen und ruhig auch egoistisch die Wünsche bis zum letzten Gang zu besprechen-so dass niemand in der Familie alleine entscheiden muss, was wann zu tun sein soll, wer was macht usw, bzw. dass nur noch Fremde über uns entscheiden.
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#52
26.8.15, 17:39
@alteolle

Schön geschrieben, gut beschrieben und auf den Punkt gebracht. Danke.

17:39 Uhr
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#53
26.8.15, 18:01
Ich meine mit fallenlassen nicht, sich bei den Kindern oder anderen Angehörigen für die Pflege fallen zu lassen. Nicht das das falsch verstanden wird. Mal ganz brutal auf deutsch gesagt meinte ich, im Alter sich das Recht zu nehmen auch mal richtig die Sau rauszulassen, zu tun was einem Spass macht und nicht ständig Einsamkeit heuchelnd den Kindern auf den Wecker fallen. Auf keinen Fall möchte ich mal von meinen Kindern gepflegt werden, dafür liebe ich sie zu sehr. Vielleicht suchen wir uns eine lustige Rentner WG oder nisten uns im betreuten wohnen ein. Wichtig ist, das alles vorher aufzuschreiben, denn wer weiss wie die Birne mitspielt, wenn es denn mal soweit ist. Wie ich schon mal schrieb, es ist bei jedem anders, man kann da nicht urteilen.
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#54
26.8.15, 18:02
Ich finde es sehr schön, wie ruhig und sachlich diese Diskussion hier abläuft, trotz der großen Emotionalität des Themas.
Ich gebe zu, daß ich über Krankheit und Tod nicht so gerne nachdenke, obwohl ich natürlich weiß, wie schnell ein bis dahin normales Leben völlig anders aussehen kann. Ich scheue auch davor zurück, mit unseren Kindern darüber zu sprechen, irgendwie möchte ich sie nicht damit belasten.
Das sind genau die Gedanken, die hier bei vielen Kommentaren schon angeklungen sind. Unsere Kinder sind alle intelligent und realitätsbezogen, aber auch sensibel. Deshalb habe ich dieses schwerwiegende Thema noch nicht angesprochen. Und meinem Mann liegt es sowieso nicht, über so emotionale Dinge zu sprechen.
Deswegen freue ich mich sehr über diese Diskussion hier. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!
#55
26.8.15, 18:23
@Upsi: "Vielleicht suchen wir uns eine lustige Rentner WG oder nisten uns im betreuten wohnen ein."

Schade, dass du so weit weg wohnst, denn so was schwebt mir auch vor.
Das ist sehr schwer zu finden, vor allem, wenn man zumindest in der Nähe seiner gewohnten Umgebung und vielleicht auch der weiteren Familie bleiben möchte.
Wenn man einmal im Pflegeheim ist, das ist dann schon die letzte Station und da kann man dann in den meisten Fällen nichts mehr selbst bestimmen.
#56
26.8.15, 18:33
Nun sind wir aber ganz schön vom Thema abgekommen. In der Patientenverfügung geht es doch im Wesentlichen darum, wie die Ärzte in kritischen Fällen handeln sollen, wenn der Patient sich nicht mehr äußern kann.
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#57
26.8.15, 18:48
@domalu: na, dann komm doch an die Ostsee, hier ist die Luft gut, Berge hamma auch nich und vor der Fußpflege gehn wir Wasser treten im Meer. Fisch gibts auch ganz frisch, können ihn auch angeln und witzige alte Seebäropas gibts hier reichlich. Also , bist herzlich eingeladen wenns dann mal soweit ist.
#58
26.8.15, 19:05
@Maeusel: Auch wenn innerhalb der Familie nicht unbedingt darüber gesprochen wird - wenn die Beziehungen intakt sind, sollte man doch darauf vertrauen können, dass Partner ebenso wie Kinder eine gute Entscheidung treffen.
Und warum sollte man seinen Nächsten eine solche Entscheidung nicht zumuten wollen? Es gehört doch zum Leben dazu, mehr oder weniger weitreichende Entscheidungen zu treffen.
Natürlich darf man sich dann auch nicht beschweren, wenn es einem nicht gefällt und man selber vorher nichts geregelt hat.
Das Schicksal annehmen (oder eben auf Gott vertrauen) lautet dann die Devise.
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#59
26.8.15, 20:52
@zumselchen: Du sprichst mir ja sowas von aus der Seele! Ich war selbst jahrelang gesetzlicher Betreuer meiner Mutter. So viel zum Thema Egoismus. Ich musste auch Entscheidungen treffen. Mit Dankbarkeit, in welcher Richtung auch immer, hatte und hat das nichts zu tun. Ich halte das immer noch für selbstverständlich. Das mit dem Egoismus würde ich nun genau andersrum sehen.
#60 michelleh
4.9.15, 08:57
Hast du auch einen Link für uns? Wo wir eine vernünftige, vorformulierte Patientenverfügung abschreiben können? Danke.
#61
4.9.15, 09:11
@michelleh
z.B. www.patientenverfuegung-srk.ch
Die ist vom Schweizerischen Roten Kreuz und kann
a) entweder alleine im stillen Kämmerlein oder
b) mit Beratung (zwei Beratungsgespräche)
ausgefüllt werden.
Die Beratung hat natürlich einen grossen Vorteil, da auch Themen angesprochen werden, an die man/frau normalerweise nicht täglich denkt. Im Gespräch stellt man öfters fest, dass nicht das verstanden wird, was der Schreiber sagen wollte. Es sind somit klare Aussagen nötig, die nicht hinterfragt werden können. Genügt dir dies?
#62
4.9.15, 09:13
@michelleh
Es besteht auch die Möglichkeit, die Verfügung an einer zentralen Stelle zu hinterlegen, wo rund auf die Uhr vom behandelnden Arzt Einsicht genommen werden kann. Und natürlich ist die Aktualisierung wichtig. Alle zwei Jahre werden die Leute angeschrieben, ob die Verfügung noch ihrem aktuellen Willen entspricht.
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#63
7.9.15, 21:20
@flauschi: Hallo flauschi ,du gehst einfach zu deinem Hausarzt oder holst dir am besten einen Termin und besprichst mit deinem Hausarzt dann die einzelnen Punkte oder Schritte ,das wäre meiner nach zu erst zu tun ?
Ich hab mir das mit der Patientenverfügung schon lange durch den Kopf gehen lassen und hab auch lange mit meinem Mann darüber gesprochen ,wir sind alle beide zu dem Endschluß gekommen ,das wir alle zwei eine machen lassen werden
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#64
7.9.15, 22:12
@xldeluxe_reloaded:
Danke für Ihre besonnenen Ratschläge! Ich muß Ihnen einfach mal sagen, daß ich Ihre Beiträge (zu den unterschiedlichsten Themen)immer 100%ig gut finde!
#65
7.9.15, 22:25
@sersheim:
Danke! Das ehrt mich sehr und ich freue mich über das großartige Kompliment.
#66
8.9.15, 07:55
@sersheim: das unterschreibe ich voll und ganz und kann dieses Kompliment einfach nur bestätigen :-)
#67
8.9.15, 16:37
Dr. Thomas Steinmüller im AOK-Magazin Nordost 3/2015: "Die Patientenverfügung allein gibt in der wirklich individuellen Situation kaum eine Antwort darauf, wie man sich jetzt verhalten soll. Das liegt nicht am Text, sondern in der Natur der Sache. So konkret kann man sich das vorher alles gar nicht überlegen"
Genau das ist es, was ich meine! Eine Gesellschaft, in der die Alten meinen, alles Unwägbare doch festlegen zu müssen, weil sie die Angehörigen sonst unzumutbar belasten würden, ist krank.
#68
8.9.15, 17:04
Eine sehr kühne Interpretation der Privatmeinung von Dr. Steinmüller! Natürlich kann trotz PV eintreten, was man so nicht bedacht hat, aber deswegen ist sie doch nicht generell sinnlos!

Auf jeden Fall ist es für meine Angehörigen hilfreich, wenn sie meinen Willen kennen. Wer soll ihn denn sonst festlegen, wenn nicht ich selbst? Das hat mit "kranker Gesellschaft" absolut nichts zu tun. Dass die Belastbarkeit allgemein sinkt, hat viele Gründe. Und sie ist glücklicherweise individuell verschieden - was die Einen noch "wegstecken", überfordert die Anderen bereits. Man sollte das nicht verallgemeinern.
#69
8.9.15, 17:13
@Spectator: Das Problem ist zum einen, dass man die konkrete Situation nicht voraussehen kann, zum anderen aber, dass man in der konkreten Situation dann doch ganz anders entscheiden würde. Hat das nicht jeder von uns in harmloseren Situationen schon erlebt?
Krank finde ich, dass die Generationen nicht mehr füreinander einstehen wollen.
#70
8.9.15, 17:30
@schwarzetaste: Tja, das Problem lässt sich wohl kaum lösen. Gilt u.a. für das Testament.
Man sollte sich viel öfter und auch schon in "jungen Jahren" ruhig über "die letzten Dinge" unterhalten. Dann ist man nicht nur auf die schriftliche Festlegung angewiesen und hat eine bessere Grundlage, um den "mutmaßlichen" Willen des Patienten zu ermitteln.

Ich habe z.B. ganz deutlich festgelegt, dass bei Hirntod der "Stecker gezogen" werden kann. Je weniger "schwammig" die PV formuliert wird, desto besser für alle Beteiligten. "Keine Apparate, nicht an Schläuche" ist z.B. so eine schwammige Aussage. Die sollte man tatsächlich vermeiden.
#71
8.9.15, 17:31
"Krank finde ich, dass die Generationen nicht mehr füreinander einstehen wollen"

Unser Bundestag hat im Jahr 2009 ein Gesetz zur "Selbstbestimmung des Patienten" verabschiedet. Nach meiner Kenntnis ist es so, daß in einem Notfall nichtmal die nächsten Angehörigen entscheiden dürfen, was gemacht oder nicht gemacht werden soll.
#72
8.9.15, 17:45
@sersheim: Die PV ist nicht für jeden akuten Notfall gedacht. Dann ist ja auch meist keine Zeit, noch groß mit den Angehörigen zu diskutieren.
Es geht darum, bei absehbar tödlichem Verlauf zu entscheiden, wie man dem Willen des Patienten am besten entsprechen kann. Und nur für den Fall, dass der Patient von seinem Recht auf Selbstbestimmung keinen Gebrauch machen kann. Und dann haben die nächsten Angehörigen sehr wohl das Recht, über das weitere medizinische Vorgehen mit zu entscheiden. Entscheidungen gegen die allgemein anerkannte ärztliche Ethik müssen natürlich nicht berücksichtigt werden. Aber der mutmaßliche Wille des Patienten muss - oder sollte - Vorrang haben vor der individuellen Einstellung der Ärzte. Es dürfte z.B. keine Rolle spielen, ob man in einem katholischen oder einem staatlichen Krankenhaus "landet".

Ein weites Feld - Ideal- oder Patentlösungen gibt es da nicht. Es müssen harte Entscheidungen getroffen werden, langes Rumeiern ist keine Hilfe. Merke: Neben der Ersten Hilfe gibt es auch die "Letzte Hilfe".
2
#73
8.9.15, 17:50
@Spectator: Medizinische Laien - wie ich - halten eine Formulierung wie "Hirntod" für eindeutig genug. Ich musste bei meinem Mann lernen, dass es selbst da Abstufungen gibt. "Nein, ganz hirntot ist er nicht, es gibt da gewisse messbare ...." waren die Worte des Neurologen. Es gab aber weder Reaktionen, noch eine allergeringste Aussicht auf irgendeine Änderung. Ich wusste, welche Entscheidung mein Mann in diesem Fall getroffen haben wollte, denn wir hatten darüber ausführlich gesprochen. Aber ohne seine schriftliche Patientenverfügung hätte ich gar nichts ausrichten können.

@schwarzetaste: Es geht nicht darum, dass man nicht mehr füreinander einstehen möchte. Es geht nur darum, im Sinne des Angehörigen zu handeln und mit den entsprechenden Unterlagen auch handeln zu können/dürfen.
#74
8.9.15, 18:11
Die Patientenverfügung ist doch nur für die Absicherung der Ärzte. Sie stehen eben (mindestens) mit einem Bein im Knast, wenn sie die Maschinen einfach abschalten. Das hängt damit zusammen, dass sie nicht einfach so über Leben und Tod entscheiden dürfen. Aber wir dürfen das? Jeder, wie er will, aber ich werde das gewiss nicht tun.
1
#75
8.9.15, 20:50
@domalu #66:
Auch Dir von Herzen Dankeschön!
1
#76
9.9.15, 11:55
@schwarzetaste: Ich auch nicht, denn niemand entscheidet "einfach so" über Leben und Tod. Du machst es dir sehr einfach und tust Vielen Unrecht mit dieser Einstellung!
3
#77
9.9.15, 14:21
Ich sehe es überhaupt nicht so, dass eine PV eine Absicherung für die Ärzte ist, sondern dass eine Absicherung für mich persönlich (ich entscheide, ob ich "künstlich" am Leben erhalten werden möchte) und für eventuelle Angehörige (denen die schwere Entscheidung über Leben und Tod eines nahestehenden Menschen abgenommen wird) ist.

Auch sollte man bedenken, dass nicht jeder Angehörige hat, die das entscheiden bzw. übernehmen könnten.
1
#78
9.9.15, 23:19
@xldeluxe_reloaded: Also ich würde genauso endscheiden wie du gesagt hast.
Ich möchte für mich selber endscheidungen treffen dürfen mit einer PV und so sehe ich das auch und so würde ich das auch so festlegen lassen.
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#79
10.9.15, 13:47
@xldeluxe_reloaded:
"für eventuelle Angehörige (denen die schwere Entscheidung über Leben und Tod eines nahestehenden Menschen abgenommen wird)", schreibst Du.

Ich weiß genau, dass Du es nicht so meinst, wie man das vielleicht verstehen könnte. Natürlich wird keine Entscheidung über Leben und (oder) Tod verlangt, sondern darüber, wie die Endphase einer unheilbaren Krankheit gestaltet werden soll. Das diese Krankheit letztlich in absehbarer Zeit zum Tode führt, ist dann schon sicher.

Das letzte Wort sollte immer der betroffene Patient haben, wenn es nicht anders geht, durch die zuvor schriftlich festgelegte Verfügung. Die PV sollte den gleichen Rang haben wie der Letzte Wille = Testament. Sich darüber hinwegzusetzen ist in meinen Augen eine schlimme Anmaßung. Leider gibt es in gewissen politischen Kreisen Bestrebungen, dieses Selbstbestimmungsrecht mehr oder weniger einzuschränken.
2
#80
10.9.15, 15:10
@Spectator:

Richtig. Genau so meinte ich es.

Wenn ich zu Lebzeiten entscheide, dass ich dies oder das im Falle des Falles nicht möchte, sollte das uneingeschränkt akzeptiert werden. In dem Moment, in dem ich so eine Verfügung aufsetze, muss niemand an meiner vollen Zurechnungsfähigkeit zweifeln. Also sollte es auch so gemacht werden, wie ich es wünsche.

Schauen wir doch einfach mal über die Grenze zu unseren niederländischen und schweizer Nachbarn.......aber das ist wiederum ein ganz andere Geschichte.
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#81
15.9.15, 18:31
wir (mein Mann, sein Bruder , seine Schwester und ich) mussten vor ein paar Jahren entscheiden, wie es mit meinem Schwiegervater gehandhabt wird. Schwiegervater hatte einen Gehirntumor, der bis in Lunge und Leber ausgestrahlt hat und lag nur noch mit offenen Augen im Krankenbett.
Da hab ich entschieden, das ich so eine Entscheidung meinem Sohn nicht zumuten werde.

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