Recht auf ein angemessenes Zeugnis

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Nach dem Ende eines Arbeitsverhältnisses hat jeder das Recht auf ein Zeugnis. Das ist mindestens ein "Einfaches Zeugnis" (mit Art und Dauer Deiner Tätigkeit). Aber besser ist immer ein "Qualifiziertes Zeugnis", denn da wird auch beurteilt, wie Du gearbeitet hast.

Wenn Du nun das qualifizierte Zeugnis in Händen hast, solltest Du es in jedem Fall genau durchlesen. Es wird zwar immer wieder abgestritten, dass es da ein Geheimsprache gäbe. Aber andererseits sind viele dieser "verschlüsselten" Wendungen auch bekannt. Grob gesagt entsprechen folgende Aussagen den üblichen Schulnoten:
Er (Sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt. = 1
Er (Sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt. = 2
Er (Sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben stets zu unserer Zufriedenheit erledigt. = 3
Er (Sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt. = 4
Er (Sie) hat die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben im großen und ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt. = 5
Er (Sie) bemühte sich, die ihm (ihr) übertragenen Aufgaben zufriedenstellend zu erledigen. = 6

Darüberhinaus gibt es noch eine ganze Menge anderer Tricks, wie gewiefte Personaler schlechte Botschaften über Dich in Deinem Zeugnis verstecken können. Mein Tipp: Entweder zur Gewerkschaft gehen und dort beraten lassen oder das Zeugnis einem professionellen Berater geben (im Internet finden sich diverse). Dann weiß man, was drin steht, und kann möglichst schnell von seinem alten Brötchengeber Korrekturen verlangen.

Denn grundsätzlich sollte ein Zeugnis "Wohlwollend" sein. Unbegründet schlechte Bewertungen haben da nix zu suchen. Das kann man sich notfalls auch vor dem Arbeitsgericht erstreiten.

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20 Kommentare


#1 HoneyBee
17.7.06, 09:50
pssssssst vollstens wird immer weniger geschrieben, weil Zeugnisse in aller Regel inzwischen dudenkonform geschrieben werden :o) Und voller als voll geht halt nicht.

Ach ja und wenn da steht, er/sie hat stets zu unserer vollen Zufriedenheit steht, ist das normal auch ne 1, meine Erfahrung durch meine Arbeit in einer Personalberatung, die auch Zeugnisse für Unternehmen erstellt hat.

idS einen schönen Tag
#2 R.W.M.
31.8.06, 20:40
Er-Sie war zu Mitarbeitern sehr gesellig und brachte manche Arbeiter-innen zu neuen Horizonten, das heisst.....Er soff wie ein Loch und verleitete andere die Arbeit einzustellen und mitzusaufen....grins,nene das stimmt wirklich.
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#3 Hobbes
13.10.06, 14:01
Trotzdem ist dem Arbeitgeber übrigens erlaubt, seine Meinung zu äußern. Es stimmt, dass das Zeugnis wohlwollend formuliert werden muss, aber das ist mit "hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt" ja wohl auch ganz klar passiert.
Ich finde solche Artikel immer sehr zweifelhaft, da sie unterstellen, dass jeder tatsächlich gut arbeitet. Aber meine Erfahrung zeigt, dass manache Kollegen einfach keinen Bock haben zu arbeiten und alles tun, um Arbeit zu vermeiden. Und dann ist kein Chef in Deutschland dazu verdammt, diesem Mitarbeiter ein Zeugnis á la "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" auszustellen.
Also nicht erst zum Betriebsrat oder zur Gewerkschaft sondern erstmal kritisch in sich gehen, ob mein Arbeitgeber nicht vielleicht recht hat und ein bisschen mehr Leistung hätte erwarten können.
Abgesehen davon gibt es noch unendlich viele andere Formulierungen, die es zu beachten gilt.
#4 Irena
7.5.07, 12:47
Dass jeder das Recht auf ein Zeugnis hat sollte sich schon rumgesprochen haben aber wie kommt man zu seinem Recht :-( Ich bin schon 1 Monat aus dem Betrieb raus, habe aber immer noch GARKEIN Zeugnis bekommen :'-(
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#5 Klaus
23.8.07, 13:09
Um ein Zeugnus zu analysieren brauchts keine teuren Berater. Einfach mal nach Arbeitszeugnis gock -äh googeln und aus dem Wust das Wichtigste herausdestillieren, dann weiss man schon ungefähr, wohin der Hase läuft.
#6 Melanie K.
23.8.07, 20:34
Wichtig ist übrigens auch die Dankes- und Grussformel zum Schluss.
Also,"wir bedanken uns und wünschen....."
#7
30.8.07, 13:44
ICh finde das richtig net und ne hilfe das hir euch geminsam einen seiden macht und anden leuten hilft
#8 Nadine
3.11.07, 07:47
Er/sie war in der Firma bei allen Mitarbeitern sehr beliebt - heißt dass derjenige ständig am quatschen ist.
#9 Stefan
21.12.07, 00:41
Also im Jahre 2007 sollte auch der Letzte langsam begriffen haben, dass es keine Geheimsprache bei Zeugnissen gibt und sie allenfalls bei der BILD im Sommerloch noch Verwendung finden.
Es gibt wirklich nur eines was ein Zeugnis sein muss: WAHR!

Nich mehr und nicht weniger....
#10 personalchef
22.12.07, 21:29
Stefan hat sich bemüht ...
#11 pupos
23.12.07, 14:59
er hat sich "stets" bemüht.... :)

Neee...wenn es tatsächlich noch Leute gibt, die so armselige Floskeln in ein Zeugnis schreiben, muß es ein Laden sein, bei dem die neue Arbeitsstelle keinen Deut auf die Meinung der alten Stelle gibt.
#12 Kapitalistenwolf
11.7.08, 23:49
Ich hab aber noch ein Uralt-Arbeitszeugnis aus dem Jahr 1991, da wurde der Zeugniscode entsprechend den Klisches 1:1 umgesetzt.
Mit "voller Zufriedenheit" für die Note 2 und linker doppelter "Ausrutscher" unter dem Text als Indiz für Gewerkschaftszugehörigkeit, etc.
Über die Naivität der sogenannten Arbeitgeber hab ich immer herzlich gelacht.
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#13 infoliner
17.3.13, 12:02
@Hobbes:
Völlig richtig: Es gibt genügend Menschen die einfach zu Dumm sind oder keinen Bock auf Arbeit haben. Das würd ich dem im Zeugnis auch attestieren. Er könnte dann gern den Klageweg beschreiten. Das sorgt für entsprechende Publicity.
Das Zeugnis muss sachlich der Wahrheit entsprechen.
#14 hungerhaken
17.3.13, 14:01
@infoliner: Fakt ist, wenn der AG schreibt, dass der AN faul, unpünktlich, unordentlich war und seine Arbeit mehr schlecht als recht erfüllt hat, kriegt er einen saftigen Prozess an den Hals, auch, wenn seine Aussagen hundertprozentig stimmen.

Mir (Ich bin AG) hat mal ein Anwalt geraten, im Zeugnis ruhig ordentlich positiv "auf die Kacke" zu hauen und den AN zu loben was das Zeug hält; ein kluger neuer potentieller AG würde sowieso zum Telefon greifen und sich persönlich über die reale Sachlage erkundigen. So ist man den faulen Kollegen los und hat hinterher mit keinerlei arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu rechnen, die ja im Zweifelsfall finanziell hart werden können.

Publicity in der Art brauche ich nicht, das geht nach hinten los. Unsere Gesetze sind hundertpro alle auf der Seite der AN. AG haben keinerlei Rechte.

Ich hatte Angestellte, die sehr oft krank waren, nach 4 oder 6 Wochen mit einem anderen Schlüssel, sodass die 6-wöchige Lohnfortzahlung von vorn beginnen konnte. Man hat zwar eine gewisse Umlage bei der jeweiligen Krankenkasse, die deckt aber niemals den Verdienstausfall. Bei Kündigung muss Sozialauswahl und was weiß ich nicht alles beachtet werden, sonst geht der/diejenige sofort zum Anwalt. So ist die Lage. Kleinunternehmer trifft es besonders hart, weil sie mit jedem einzunehmenden € rechnen müssen.
#15 brainstuff
17.3.13, 15:55
Grundsätzlich sollten wir endlich aufhören, andere zu "beurteilen".

Jemand der ein "Zeugnis" schreibt, hällt sich immer, für "besser, als es der Beurteilte, jemals sein darf .... ich bin, zum Beispiel, die, voll krass geile, Wiedergeburt, vom alten Jesus! Daher gibt es wohl niemanden, auf dieser Welt, der so "gut" und "gütig" ist, wie ich!!! Da kann jedes "Zeugnis", welches ich verkünde, nur schlecht, für Euch sein! Allerdings: die lange Dürre, die mir in die Wüste gefolgt ist ... beurteile ich ziemlich positiv: das war ein mega geiles Häschen, dürr, aber sexy! Und dass sie etwas dämmlich war, hat mir bestätigt, wie intelligent ICH bin.
#16 Der-Vati
18.3.13, 08:56
Aber wie tauschen sich die Personaler untereinander aus? Da muss es ja auch eine Anlaufstelle geben!?
#17 hungerhaken
18.3.13, 13:38
Die telefonieren.
#18 hungerhaken
18.3.13, 13:39
Im Lebenslauf stehen alle AGs, die man hatte. Ich würde auch anrufen, wenn sich jemand bei mir bewirbt. Zumindest beim letzten.
#19 pokker
8.9.13, 11:43
@Hobbes: Wenn ein Chef seine Meinung über den faulen Mitarbeiter los werden möchte, dann sollte er es vor genau diesem Mitarbeiter tun und nicht im nachhinein über das Zeugnis. Es ist die Aufgabe, sogar die Pflicht jedes Chefs seine Mitarbeiter entsprechend zu motivieren, faule zu ermahnen und unverbesserliche letztendlich auch auszusortieren. Ein schlechtes Zeugnis über einen Exmitarbeiter abzugeben zeugt auch davon wie schlecht man als Chef funktioniert hat.
#20 infoliner
8.9.13, 12:07
@hungerhaken: Hast recht... Ich muss vlt doch noch mal eine Lanze für "Faule" brechen.
Mein Vater hat damals immer gesagt...Man kann besser mit Faulen arbeiten als mit Dummen. Dummen Menschen muss man immer wieder allse erklären. Selbsttständig machen die nix. Der Faule versucht irgendwann mit wenig aufwand das gesetzte Ziel zu erreichen." ....Möglicherweise sogar im Sinne der Firma. Immerhin entwickelt der Faule Kreativität die ein pfiffiger Teamleiter oder Chef umsetzen kann.

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