Gedanken und Gefühle zu kontrollieren, erfordert viel Disziplin. Ändern kann man sich nur durch Training.

Ruhe und Gelassenheit

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In schwierigen Situationen gelassen bleiben - das können nur wenige Menschen. Meistens platzt etwas aus uns heraus und alles wird unangenehm. Ein Beispiel: Ich gehe aus der Haustür und werde fast von einem Radfahrer umgefahren. Fast! Ich kriege einen Riesenschrecken und sofort bin ich wütend. Wieso fährt der auf dem Bürgersteig und wie schnell der fährt! Die machen doch nur was sie wollen! Würde der als Autofahrer auch auf dem Bürgersteig fahren? So, jetzt habe ich schlechte Gefühle und ärgere mich noch stundenlang.

Da frage ich mich manchmal, muss das eigentlich so ablaufen? In diesem Fall könnte es auch anders laufen. Ich spüre meine Wut und zähle bis 10. So, jetzt bin ich ruhiger. Was ist da passiert. Der Radfahrer hat die Verkehrsregel missachtet. Ich hätte beinahe einen Unfall gehabt. Doch es ist nichts passiert. Glück gehabt! Wenn der Radfahrer sehr oft die Verkehrsregeln missachtet, dann baut er irgendwann einen Unfall. Er lebt gefährlich und wird für einen Unfall, bei dem jemand verletzt wird, bestraft. Außerdem nehme ich mir vor, immer zuerst nach rechts und links zu gucken, wenn ich das Haus verlasse.

Ruhe und Gelassenheit sind ein großes Geschenk. Doch der Weg dahin ist voller Tücken. Wir denken und wir fühlen was wir denken. Es ist wahr, die Gedanken sind zuerst da und zwar blitzschnell und dann haben sie sofort Gefühle wie Wut, Verzweiflung oder Gehässigkeit produziert. Das ist uns nicht bewusst. Die meisten Menschen glauben, dass ihre Gefühle durch die Situation entstehen. Dann heißt es: „Die Hektik hier macht mich verrückt“ oder „Dieser Typ ist eine Nervensäge, ich ertrag den nicht“ oder „Wie die immer zu mir rüber schaut, das macht mir Angst“.

Wie man sich fühlt, hängt aber nicht von der Situation oder von anderen Menschen ab, sondern davon, was man über die Situation oder andere Menschen denkt. Das ist ein komplizierter seelischer Vorgang. Da etwas zu ändern ist nicht leicht. Außerdem kennen wir uns ja so und wir hängen an Gewohnheiten. Aber kein Mensch „hat die Ruhe weg“ oder hat von Natur aus starke Nerven, auch in der größten Not. Viele von ihnen hatten Eltern, die mit ihrer Ausgeglichenheit ein Vorbild waren. Andere haben hart daran gearbeitet, weil sie beruflich oder familiär mit schwierigen Situationen fertig werden mussten. 

Gedanken und Gefühle zu kontrollieren, erfordert viel Disziplin. Ändern kann man sich nur durch Training. Nicht gleich platzen vor Wut, erst mal bis 10 zählen. Sich fragen, kann meine Wut etwas ändern? Ist es nicht besser, einen klaren Kopf zu haben und Lösungen zu suchen? Bei meinem Beinahe-Radfahrer-Unfall habe ich der Verkehrspolizei einen Brief geschrieben mit der Bitte, unsere Straße regelmäßig zu kontrollieren.

Auch bei schweren Krankheiten und Schicksalsschlägen möchte man seine Wut erst mal rauslassen: Warum gerade ich? Womit habe ich das verdient? Dann aber können Wut und Verzweiflung die Krankheit noch schlimmer machen. Auch in solchen schweren Lebensumständen ist es besser, wieder zu innerer Ruhe zu kommen. 

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