Allerspätestens, wenn man im Berufsleben ein Geschäftsessen hat, ist es wichtig, sicher im Umgang mit Essen, Besteck und Gegenüber zu sein.

Tischmanieren von heute: So macht man bei Tisch einen guten Eindruck

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Man spricht nicht mit vollem Mund und spuckt nicht auf die Tischdecke. Soweit ist alles klar. Aber was ist außerdem angesagt oder verpönt, welche Verhaltensweisen sind überholt und welche aktuell? Allerspätestens, wenn man im Berufsleben ein Geschäftsessen hat, ist es wichtig, sicher im Umgang mit Essen, Besteck und Gegenüber zu sein. Tischmanieren auf dem neuesten Stand – ein Auflistung ohne Zeigefinger, bitte sehr:

Vor dem Essen

Bei einer Einladung richtet man sich immer nach dem Gastgeber – er tut alles als erster.

Man setzt sich erst, wenn man dazu aufgefordert wird oder der Gastgeber sich setzt. Auch wartet man mit dem Trinken, bis der Gastgeber das Glas erhebt. Auf keinen Fall bringt man schon mal einen Toast aus, bevor der Einladende das Wort ergreift. Kommt das Essen, beginnt man erst, wenn alle am Tisch bedient wurden beziehungsweise sich bedient haben. Die Ausnahme gibt es bei warmen Speisen, wenn Gastgeber oder Tischnachbarn einen ausdrücklich auffordern, zu beginnen.

Wohin mit der Handtasche, meine Damen? Die Regel besagt, dass auf den Tisch nur das Essen gehört. Also Handtasche an die Stuhllehne hängen oder hinter sich auf den Stuhl stellen. Auf den Boden gehören nur Einkaufstaschen! Eine Ausnahme kann man bei Clutches und noch kleineren Abendhandtaschen machen. Diese legt man ebenfalls normalerweise hinter sich auf den Stuhl oder auf den Schoß unter die Serviette. Gerät sie da aber in Gefahr, herunterzufallen, darf man sie zur Not neben sein Gedeck auf den Tisch legen – wenn genügend Platz ist.

Das Handy hat überhaupt nichts auf dem Tisch verloren. Es sollte stumm geschaltet sein.

Makeup am Tisch auffrischen? Auf keinen Fall. Manche sagen, Lippenstift sei erlaubt, manche verneinen das. Auf Nummer sicher geht man, wenn man dafür die Waschräume aufsucht. Da Lippenstiftränder an Gläsern sowieso verpönt sind, kann man das Nachziehen auch auf das Ende der Mahlzeit verschieben.

Beim Essen

Das Besteck. Ist für ein Menue mehrfach eingedeckt, beginnt man mit dem äußersten Besteck und arbeitet sich im Lauf des Essens nach innen vor. Überhaupt Besteck: Benutztes Besteck darf den Tisch nicht mehr berühren. Macht man nur eine kurze Essenspause, dann legt man Messer und Gabel gekreuzt ab, Gabelrückseite nach oben, Stellung zwanzig vor vier. Ist man mit dem Gang fertig, Besteck parallel auf zwanzig nach vier. Das signalisiert dem Service im Restaurant, dass abgeräumt werden kann. Den Teller lässt man selbst übrigens stehen, bitte nicht Richtung Tischmitte schieben, damit man mehr Platz hat.

Die Serviette gehört für die Dauer des Essens auf den Schoß, am besten einmal gefaltet (wenn sie groß genug ist). Den Mund tupft (nicht wischt!) man sich dann immer in der „inneren“ Zone ab, dann sieht die Serviette auch für Tischnachbarn appetitlich aus. Muss man kurz den Tisch verlassen oder nach Ende des Mahls, kommt die Serviette locker gefaltet links neben das Gedeck.

Gläser mit Stiel haben diesen, damit man sie dort anfasst. Das vermeidet Fingerabdrücke am Glas und ein schnelleres Erwärmen kalter Getränke. Vor dem Trinken kurz mit der Serviette die Lippen abtupfen, damit keine hässlichen Fettränder am Glas bleiben.

Haltung, meine Lieben: Aufrecht, nicht in den Stuhl gefläzt. Die Hände gehören auf den Tisch, die Ellenbogen nie. Die Gabel/der Löffel geht zum Mund, nicht umgekehrt. Nachwürzen ist erlaubt. Aber ziemlich unhöflich.

Tipps für das Tischgespräch: Am besten man nimmt immer nur recht kleine Häppchen auf einmal in den Mund, dann hat man denselbigen schnell wieder leer, wenn man angesprochen wird. Das Besteck ist zum Essen da und nicht dazu, Gesagtes zu unterstreichen!

Einzelne, kritische Speisen

Brot und Butter vorab: Man schmiert sich keine Stulle und beißt ab, sondern zupft (und nicht schneidet) ein mundgerechtes Stückchen vom Brot, gibt etwas Butter drauf und schiebt es im Ganzen in den Mund.

Suppe: Weder schlürfen (ist in China en vogue) noch pusten. Ist sie zu heiß, dann sachte rühren. Suppe wird gelöffelt – in welche Richtung ist egal. In Übersee löffelt man eher von sich weg, bei uns eher zu sich hin. Der Löffel geht bei uns mit der Spitze zuerst in den Mund, in England mit der Breitseite. Verpönt ist das Kippen des Tellers, um letzte Reste zu löffeln. Werden klare Brühen in Suppentassen serviert, ist es übrigens laut Knigge erlaubt, die Reste zu trinken – es empfiehlt sich aber, sich eher am Verhalten der Tischrunde zu orientieren.

Salat wird nie geschnitten, höchstens gefaltet. Überhaupt sollte man laut den Manierenpäpsten Salat nur mit der Gabel essen, einhändiges Falten ist allerdings nahezu unmöglich. Ist also das Restaurant oder der Gastgeber so rücksichtslos, die Salatblätter in Originalgröße zu servieren, kann man schon mal das Messer als Falthilfe benutzen.

Fingerfood? Es gibt kaum Speisen, die mit der Hand gegessen werden. Selbst Hühnerkeulen bitte mit Messer und Gabel. In die Hand nehmen darf man Artischocken, Austern, Canapés, Garnelen, Muscheln, Hummer, Spareribs und Wachteln. Miesmuscheln werden mit Hilfe der ersten Muschelschale schnabuliert. Echtes Fingerfood erkennt man, wenn Fingerschälchen zum Säubern auf den Tisch gestellt werden.

Das Problem Gräten und Kerne: Hat man Olivenkerne oder Fischgräten im Mund, dann befördert man sie diskret (eventuell hinter der Serviette) auf die Gabel und legt sie mit dieser am Tellerrand ab.

Spaghetti werden nicht klein geschnitten, sondern mit der Gabel aufgerollt. In Deutschland kann man dazu den Löffel zu Hilfe nehmen.

Notfälle

Niesen, Husten, Peinlichkeit: Überfällt einen der Niesreiz oder ein Hustenanfall, dann wendet man sich zuerst einmal vom Tisch ab und nimmt sein Taschentuch zu Hilfe. Kurz schneuzen ist okay, für eine ausgiebige Nasenreinigung ist vor der Tür sicher der bessere Platz. Apropos „Gesundheit“: Offiziell sagt man es nicht mehr, weil es auf die Schwäche des Gegenüber hinweist, im Gegenteil sollte der Nieser sich kurz entschuldigen. Diese Etikette setzt sich aber sehr langsam durch. Deshalb: Gesundheit!

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19 Kommentare


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#1
9.8.16, 16:42
OK, mache der Tipps sind eine Selbstverständlichkeit, wie z.B. das Handy stumm zu schalten. Eine Menge davon betrachte ich eher als schräg affektiert, wie z.B. das Besteck "zwanzig vor vier" zu legen. Auch die Serviette auf den Schoß zu legen ist maximal unpraktisch, aber seltsamer Weise immer noch üblich. Und ob man das Brot mit Butter "schmiert" und völlig normal isst oder es klein reißt, naja.

Sorry, in welchem Prozentsatz von Situationen ist so etwas wirklich relevant? Zum Glück ist der bei mir gleich null, selbst wenn man mich jetzt für einen ungebildeten Barbaren hält.

Ich wage es auch stark zu bezweifeln, dass derart strikte Regeln selbst bei Geschäftsessen relevant sind. Das ist völlig übertrieben. Ich habe sicher keine schlechten Tischmanieren, aber wer auf so etwas in der Form Wert legt, disqualifiziert sich selbst.
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#2
9.8.16, 17:05
Zum Glück blieb ich bisher von solch vornehmer Tischgesellschaft verschont. Heißt nicht, wir benehmen uns schlecht beim Essen, aber vor allem wenn Kinder dabei sind geht es doch lockerer zu. Einiges von den Regeln ist auch für uns Selbstverständlichkeit, aber so steif und vürnehm ist bei uns keiner. Salat falten?  Suppe nach Vorschrift löffeln zu sich hin, nicht pusten dürfen,  hihi, ich glaube ich bin ein kleines Ferkel..........manchmal
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#3
9.8.16, 17:43
ich verstehe das "von heute" nicht... was ist denn jetzt neu?
ich finde, dass es die alten, verstaubten knigge manieren sind, die glücklicherweise seltenst gebraucht werden und eher "von gestern" sind...
ich dachte es käme etwas neues, etwas, das sich verändert hätte... aber nein!
das einzige ist das mit der entschuldigung nach dem niesen... neu ist das auch nicht und es wird sogar eher von abgeraten...

ich sehe keinen tipp, also von mit leider auch keine 5 sterne... aber immerhin 3, da es vielleicht für manch einen trotzdem "neu" ist.
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#4
9.8.16, 18:04
Diese Tipps sind nichts für lässige Leute. Sind ja auch nicht so gedacht. Es geht um Geschäftsessen und um Essen im eleganter Umgebung . Warum nicht? Gute Manieren haben auch etwas mit Rücksichtnahme zu tun. Wie wirkt mein Verhalten auf andere wenn ich die Suppe anpuste, mich mit der Gabel am Rücken kratze... Man sollte bedenken, dass viele Vorgesetzte sehr großen Wert auf gute Tischmanieren legen. Manch einer hat wegen Null-Bock-auf-Messer-und-Gabel-richtig-halten schon die Kündigung bekommen.
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#5
9.8.16, 18:18
Leider ist es heute so , auch im Geschäftsleben, daß Äußerlichkeiten, Manieren und gutes Elternhaus mehr zählen, als das, was an Wissen und Erfahrung im Kopf steckt. 
Man ist zu dick, schneidet bei Tisch den Salat, ist zu alt, zu viele Tatoos oder der Papa ist Müllmann. Traurige Gesellschaft , ich bin froh Rentner zu sein.
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#6
9.8.16, 18:37
@gudula: Ob ich mich mit der Gabel am Rücken kratze (schräge Idee) oder eine zu heiße Suppe anpuste, ist ja auch ein "leichter" Unterschied. Gutes Benehmen beim Essen - prima. Aber Vorgesetzte, die heute immer noch völlig affektiertes Verhalten wie im vorletzten Jahrhundert erwarten, gehören hoffentlich zu einer aussterbenden Art.

In welchem Bereich praktiziert man sowas wirklich noch heute? Selbst in einem Sternerestaurant erwartet das doch keiner mehr. Und das ist gut so, weil es weder mit gutem Benehmen noch mit Respekt irgendetwas zu tun hat. Höchstens mit eigenartigen Ritualen.
#7
9.8.16, 20:40
@Skudder: Du wirst dich wundern, aber es gibt junge Chefs, die ihre noch jüngeren Mitarbeiter zum Benimm-Kurs schicken. Weil Geschäftspartner sich leise über deren Manieren bei Tisch beschwert haben. Und was ist eigentlich "affektiertes Verhalten"? Pommes mit der Gabel und nicht mit den Fingern zu essen?
9
#8
9.8.16, 21:25
Ich finde es sehr wichtig und begrüße es, dass man sich mit "Knigge" auskennt. Einiges hat sich natürlich situationsbedingt im Laufe der Jahrhunderte geändert und selbst was noch vor Jahrzehnten verpönt war, ist mittlerweile kein Fauxpas mehr.
Fast jeder geht heute in Restaurants, Sushi-Bars, zu offiziellen Essen, egal ob durch Bekannte, Geschäftsfreunde oder Verwandte, reist in Länder mit anderen Sitten und Tischmanieren und ich finde es sehr angenehm zu wissen, wie ich mich der jeweiligen Situation anpasse und mich zu benehmen habe.
Mir macht Etikette Spaß und gehört in jeder Lebenssituation für mich zum täglichen Leben.
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#9
9.8.16, 21:38
Ich wundere mich ein wenig, dass diese Hinweise, wie man sich bei einem Geschäftsessen und/oder in einem Restaurant benimmt, hier so schlecht ankommen und Vokabeln wie "affektiert" oder "verstaubt" fallen und dass man denkt, so wie hier beschrieben würde man sich noch nicht mal im Sternerestaurant benehmen. Ich kann da bei der Auflistung eigentlich nichts wirklich Außergewöhnliches erkennen. Tja, wie gesagt, ich wundere mich. Klar esse ich zu Hause lockerer, puste beispielsweise auf die Suppe, aber warum soll ich das Weinglas am Kelch anfassen, wenn das handfeste Nachteile hat? Wie auch immer, ich finde, fast alles von dem, was hier aufgezählt wurde, ist ganz normales Verhalten in einem gehobenen Restaurant oder bei einem Geschäftsessen und es macht mir nicht nur nichts aus, so zu handeln, ich mach das ganz gerne. Ich hab mir ja auch was Nettes angezogen und gehe nicht in der Jogginghose, mit der ich zu Hause auf der Couch fläze und meine Pizza aus der Hand esse. Man passt sich doch an.
In Ländern, wo grundsätzlich mit der Hand gegessen wird, haben wir das auch so gehalten und in Ländern, wo Stäbchen üblich sind, macht man es ebenfalls so. Das ist doch ganz normale Höflichkeit. 
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#10
10.8.16, 08:46
@gudula: Ich weiß jetzt nicht, wo ich das Essen von Pommes mit der Hand propagiert habe - genauso wenig das Kratzen des Rückens mit der Gabel. Deine Diskussionskultur ist da auch nicht wirklich Knigge-kompatibel. Falsche Extrembeispiele sind einfach nur albern.

Affektierten Unfug gibts in dem Tipp genug. Beim Unterscheiden, ob eine Suppe klar ist oder nicht und ob man die Tasse kippen darf, hats dann wirklich bei mir aufgehört. Das hat mit Benehmen nichts zu tun. Einige grundsätzliche und sinnvolle Dinge stehen auch drin, aber irgendwo hört es dann auf und wird völlig abgehoben. Wenn dann jemand ein Problem damit hat, ist das eher seines als meines. Für sowas bin ich dann doch zu alt. Und meine Tischmanieren sind trotzdem sicher nicht schlecht.
1
#11
12.8.16, 14:16
Die meisten der im Tip aufgeführten Benimmregeln sind völlig selbstverständlich und werden von den meisten Menschen bei festlichen oder förmlichen Anlässen sicher auch so befolgt.
Einige der Regeln wirken aber sehr steif und unnatürlich, z. B. die Beschreibung, wie die Suppe gelöffelt werden soll.
Was ich gar nicht verstehe, ist, wie Brot laut Tip gegessen werden soll. Ich finde es schon nicht vornehm, wenn man sagt, man würde das Brot "schmieren". Ich "streiche" mein Brot, das hört sich für mich appetitlicher an. (Diese Diskussion hatten wir in einem anderen Thread schon mal. Ich weiß, das "schmieren" in einigen Gegenden ein geläufiger Ausdruck ist, aber eben nicht fein.) 
Wenn man sein Brot etwas feiner essen will, dann ißt man es mit Messer und Gabel: Man streicht es und schneidet dann mundgerechte Stücke ab, die man mit der Gabel in den Mund schiebt.
4
#12
12.8.16, 14:35
@Maeusel: ich glaube, du verwechselst da beispielsweise eine ganze Scheibe Brot bei einer Brotzeit oder ähnlich mit dem Brot, das üblicherweise von Restaurants, in denen meistens auch eine Vorspeise gegessen wird, als Beilage zur Vorspeise gereicht wird und vom Restaurant auch nicht extra berechnet wird. Das ist hier mit dem "Brot vorab" gemeint. Ich zitiere mal faulerweise aus der "Karriere-Bibel":
"Dazu steht meist auch ein kleiner Teller und ein kleines Messer auf dem Tisch. Achtung: Das sogenannte Couvert-Brot wird nur gebrochen und nie wie eine ordinäre Stulle im Ganzen mit Butter bestrichen und dann gegessen. Allein richtig ist, das Brot in mundgerechte Happen zu brechen, jedes Stück einzeln zu bestreichen und mit der linken Hand zu essen." Noch eine Anmerkung: der kleine Teller für das Brot mit einem (oft kleineren) Messer steht oben links vom Teller.
2
#13
12.8.16, 15:39
@HörAufDeinHerz: Ich hatte auch schon an Fladenbrot gedacht, aber nicht an den "Gruß aus der Küche". Danke für Deinen Hinweis!
Aber "schmieren" sollte man dieses Brot auch nicht, finde ich.
#14
12.8.16, 17:15
@Maeusel: nein, da hast du recht. Ich glaube, der Verfasser des Tipps wollte explizit darauf aufmerksam machen, dass man von diesem Brot als Vorspeise eben auch immer nur kleine Stücke abbricht und dann das abgebrochene kleine Stück mit einem Mini-Stückchen Butter bestreicht, sofern man das möchte, es dann in den Mund steckt und dann ggfs. ein weiteres Stückchen abbricht, dieses wieder bestreicht etc. Das macht man eben häufig, während man auf die Vorspeise wartet oder während man sie isst. Und das sieht man häufig falsch, nämlich wie aus dem angebotenen Brotstück oder dem Mini-Brötchen eine Stulle gemacht wird, von der immer wieder abgebissen wird. Ist jetzt auch kein Drama, aber es schadet ja auch nichts, wenn man es so handhabt, wie es gedacht ist. 
#15
14.8.16, 10:47
Man muss nicht immer alles glauben was der Fernseher hergibt. Obwohl es jemand aus dem Fernseher gesagt hat das man nicht mehr Gesundheit sagt sondern sich entschuldigt. Meiner Meinung nach ist das niesen ein natürliches Reflex des Körpers. Man sagt Gesundheit damit der niesende nicht erkältet wird. Es hat sich über Jahrhunderte bewährt. Warum muss man sich jetzt entschuldigen?! Ich sage jedem gesundheit sowohl in der Familie, im Freundeskreis und bei der Arbeit. Dasselbe sagen sie zu mir. 

Wenn man Schenkel oder Geflügel isst, isst man es immer mit den Händen. Da haben Gabel und messer nichts verloren. Frage deinem Bekanntenkreis nach wie sie dies handhaben da bin ich mir ganz sicher das da kein Besteck gehört. Mit Spaghetti stimme ich dir zu, man schneidet sie nicht klein und nimmt den Löffel sondern muss man mit der Gabel aufrollen.
#16
15.8.16, 15:54
Ich bin manchmal
schon erstaunt wie man sich heute in einem Restaurant bei Tisch benimmt. Die
Ellenbogen aufgestützt und mit Messer oder Gabel wird in der Luft
umhergewedelt. Oder ein Arm hängt zwischen den Oberschenkeln und der andere
liegt fest auf dem Tisch und der Kopf wird tief über den Teller gebeugt…wie ein
Hund der sein Fressen schlabbert.



Mal ganz
abgesehen von der Optik…



Ist es wirklich
so schlimm, wenn man sich gut benimmt? Wenn die Suppe zu heiß ist, dann würde ich
auch schon mal diskret etwas pusten. Aber nicht als wollte ich eine Tuba zum
Dröhnen bringen.



Klar man kann
alles übertreiben und Messerbänkchen braucht man auch nicht mehr (obwohl…ich würde
sie gut finden,  in entsprechender
Umgebung)



Mir würde es aber
nicht gefallen, wenn ein Gast an meinem Tisch sein Make-up-Werkzeug auspacken
und zur Tat schreiten würde. Oder über den Tisch Husten und Niesen würde. Wir
sind zwar nicht bei „Queens“ aber gutes Benehmen hat noch nie geschadet und
gibt auch Sicherheit.



Dass man nicht
vor dem Gastgeber mit Essen oder Trinken beginnt sollte doch jedem klar sein.
Eigentlich. Oder dass man dem Arm über den Teller von anderen Gästen greift.



In einem
Speiselokal ist es auch nicht üblich dass man sich in einer unüberhörbaren
Lautstärke verständigt. Das kann so lästig für andere Gäste sein. Aber heute
meinen manche, dass ihr  Thema soooo
interessant ist, dass alle Welt es mitbekommen muss. Und Handys. Natürlich muss
jeder wissen wie begehrt und wichtig man ist…warum also ausschalten.



Benehmen ist doch
heute keine Glücksache mehr, es gibt so viele Möglichkeiten sich zu
informieren, gerade im Netz.



Selbst zur
Handynutzung gibt es Benimmregeln. Die sind wirklich nicht umsonst.



Und wenn jemand
zu Hause an seinem ganz privaten Tisch rülpsen muss, dann kann er/sie das ja
tun.



Aber aushäusig
zeugt das nicht gerade von einer guten Kinderstube. Ist die  überhaupt noch gefragt? Wenn ich mich da
manchmal umsehe… zeigt sich vieles.



So, jetzt musste
ich auch mal meckern.  
#17
15.8.16, 17:38
@ursula: das ist meiner Meinung nach nicht gemeckert, sondern das sind ganz normale Benimmregeln, wie man sie seinen Kindern auch beibringen sollte. Da ist nichts von übertrieben vornehm, sondern selbstverständlich. Es kommt auch immer auf die Örtlichkeit und den Anlaß an. In der Öffentlichkeit sind wir bei Tisch korrekter als zb zu hause bei einer Geburtstagsfeier. Noch anders bei einem Kindergeburtstag, da wird auch schon mal Spaghetti Wettessen gemacht, ohne meckern wenns eine kleine Sauerei wird. Grundregeln des Benehmens in der Öffentlichkeit kennt sicher jeder und die Sache mit über den Tisch niesen und Handy benutzen, oder rülpsen, das geht natürlich nicht, aber dieses übertriebene vornehme Getue verkneife ich mir auch.
1
#18
22.10.16, 00:06
Schaut man sich in Fast food- Restaurants um, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass Tischmanieren für die halbe Nation ein Fremdwort ist. Der Anblick von manchen Gästen ist dazu in der Lage, einem den Appetit zu verderben. Ich will meinem Gegenüber nicht bis in den Magen schauen, nur, weil der mit offenen Mund kaut. Ich will auch kein Rülpsen eines anderen Gastes hören, genausowenig wie vergleichbare Geräusche des Enddarmes!
Lege ich deshalb Wert auf "übertrieben vornehmes Getue"?
Gute Manieren- nicht nur bei Tisch- sind deswegen sinnvoll, weil sie das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Erziehung erleichtern, sie schaffen quasi eine gemeinsame Ebene, auf der man sich bewegt, ohne, dass man sich über den Unterschied Gedanken machen muss.
Gute Manieren sind doch nur für den ein Problem, der sie nicht beherrscht. Was man kann,  das kann man auch ggf. vernachlässigen, was man nicht beherrscht, kann man hingegen nicht von jetzt auf gleich aus dem Ärmel schütteln.
Gute Manieren sind solange sinnvoll und erstrebenswert, wie sie das Zusammenleben von Menschen erleichtern. Alles, was dem nicht dient, muss man auch nicht beherrschen (ich denke da z.B. an den abgespreizten kleinen Finger beim Halten einer Tasse).
Zum Sinnvollen gehört z. B. das Handhaben und Ablegen des Besteckes auf dem Teller - es ist eine Art Sprache, die dem Service-Personal zu verstehen gibt, wieweit man mit der Mahlzeit ist, ist also kein übertriebenes Getue. Und dass man gebrauchtes Besteck nicht auf einer Tischdecke ablegt, sollte jedem klar sein, da es nicht herauswaschbare Flecken hinterlassen kann. Aber wem der Gebrauch von Tischdecken von Hause aus völlig fremd ist, für den ist die Regel, dass man benutztes Besteck nicht neben dem Teller ablegt, natürlich vornehmes Getue.

Ich bin mein Leben lang gut zurecht gekommen, indem ich den Satz meiner Großmutter beherzigt habe:"Benimm Dich zuhause wie bei Fremden und bei Fremden wie zuhause." Und, indem ich nicht von vornherein eher nach Weniger-zu-lernen, sondern nach Mehr-zu-lernen gestrebt habe. Allerdings wurde in meinem Elternhaus von meiner frühen Kindheit an auch auf das Einhalten von Tischmanieren geachtet, gleichgültig, ob es einfache Kartoffelsuppe oder Sonntagsbraten gab, ob wir zuhause oder auswärts aßen.
In meiner beruflichen Tätigkeit hatte ich sehr viel mit Kindern unterschiedlichster Altersgruppen zu  arbeiten. Ich fand es erschreckend, wie wenige Kinder die einfachsten Verhaltensregeln bei Tisch beherrschen. Es sind Fehlleistungen des Elternhauses, wenn ein Zehnjähriger nicht weiß, dass man dem Tischnachbarn nicht mit Messer und Gabel vor der Nase herumfuchtelt, dass man nicht aus dem Brotkorb alle Frühstücksbrötchen  den Tischgenossen vor der Nase wegschnappt und sie auf dem eigenen Teller anhäuft, um dann höchstens ein Drittel davon zu essen, das man nicht mit auf dem Tisch aufgelegten Oberkörper isst, dass man seinen Mund leer isst, bevor man neue Nahrung hineinschaufelt oder zum Reden ansetzt.
Da in vielen Haushalten mit Kindern der Trend eher zum generellen Abschaffen von Büchern als zum Zweitbuch geht(was im Zweifel wohl eher kein Benimmbuch wäre), halte ich diesen Tipp für sehr sinnvoll - und sei es nur, um den einen oder anderen Eltern- oder Großelternteil daran zu erinnern, dass gute Umgangsformen immer noch in sind und einem Kind nicht schaden.
#19
22.10.16, 10:21
@ whirlwind
da kann ich nur unterschreiben. Benehmen ist leider bei vielen Mitmenschen Glücksache. 
Es kann einem wirklich den Apetitt verderben, wenn man manchen beim Essen zuschauen muss, bzw. das sich nicht vermeiden läßt. 
Meine Generation hat das noch zu Hause gelernt. Zumindest was in unseren Bereich fiel. Das war nicht Austern oder Schnecken oder Hummer verspeisen können. Aber die ganz normalen Tischmanieren. Nicht die Arme aufstützen und mit dem Besteck in der Luft rumfuhrwerken. 
Aber die Kiinder von heute haben ja oftmals Eltern,die es selbst nicht gelehrt bekamen. Schade darum. Genau so wie Danke und Bitte, Guten Morgen/Tag... alles überflüssig glaubt man. 

Allein schon Geflügel mit Knochen mit Messer und Gaben zu essen... Glücksache, Fisch auf dem Teller zu filetieren... Durch Fischstäbchen lernt man das nicht. Und dann als Erwachsener im Restaurant sitzen und sich nicht helfen können oder anderweitig daneben zu benehmen. 
Auch das benutzte Besteck hat nicht mehr auf dem Tisch zu suchen, sollte nur auf dem Teller abgelegt werden. Wer will denn schon absichtlich die Flecken auf dem Tischtuch haben. Wenn denn eines daliegt . Und wenn nicht, dann erst recht nicht das benutzte Besteck auf den Tisch. Es gibt noch so viel Kleinigkeiten, es gibt einem aber auch eine Sicherheit, wenn man weiß wie man sich zu verhalten hat. Das ist schließlich viel bequemer als sich wie ein ungehobelter Klotz zu benehmen. 

Mal einen Knigge oder sonst ein Benimmbuch oder eine entspechende Seite im Netz zu lesen ist sehr interessant und man immer noch was lernen. Das ist das Schöne am Leben, man kann immer noch dazu lernen, auf vielen Gebieten. 

Klar kommen jetzt die Widerspüche, aber die sagen auch schon wer dahinter sitzt.  

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