Tyvek - das Zaubermaterial für viele Hobbys

Tyvek - das Zaubermaterial für viele Hobbys

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Entschuldigt bitte den langen Text, aber ich bin so begeistert von diesem Material, dass es mir schwergefallen ist, mich kurz zu fassen. Fast jedem von euch ist Tyvek ® (sprich: Teiweck) z.B. aus Fernsehfilmen durch seine Verwendung als Einweg-Arbeitsschutzbekleidung bekannt (die bekannten Overalls der Kriminaltechniker).

Tyvek ist ein leichtes weißes Vlies, das außerordentlich zäh, extrem reißfest und deutlich leichter als Materialien ähnlicher Stärke ist. Es ist wasserdicht, atmungsaktiv, wasserdampfdurchlässig und raschelt nicht. Das weiche Tyvek hat textilähnlichen Charakter und fühlt sich wie festes Japanpapier an. Tyvek ist beinahe endlos falt- und entfaltbar, dazu beständig gegen Abriebe und antistatisch. Im Gegensatz zum Papier ist es sehr witterungsbeständig und deshalb auch für den Außeneinsatz geeignet. Es lässt sich in der Waschmaschine waschen (läuft beim ersten Waschen leicht ein: Schonwäsche - 30 Grad). Auch bei Kälte bleibt Tyvek flexibel.

Anwendung: 

  1. Tyvek kann mit allen klassischen Verfahren bedruckt werden. Es kann verwendet werden für Raumteiler, als Drachenpapier oder auch für die Herstellung von See-, Land-, und Luftkarten, Ausweisen, Handbücher, Startnummern sowie Etiketten und Anhänger. Für den Fotokopierer oder den Heiß-Laserdrucker ist Tyvek leider nicht geeignet.
  2. Tyvek kann problemlos mit der Nähmaschine (normale Nadel, normales Nähgarn) vernäht werden! Dies eröffnet vielen unter uns einen großen Gestaltungsraum: Wenn ich ein Schnittmuster nicht genau umsetzen kann, verwende ich zum Ausprobieren zunächst einmal Tyvek, weil ich es beliebig falten, entfalten und auch mal eben schnell nur mit Stecknadeln oder Büroklammern in eine ungefähre Form bringen und sogar anprobieren kann. Da Tyvek anders als herkömmlicher Stoff ein wenig steif ist, kann ich es vor dem eigentlichen Zuschneiden per Hand in Form biegen, ggf. kleben und mir so eine räumliche Vorstellung vom Endprodukt schaffen, ohne hierfür Stoff zerschneiden zu müssen, der ohnehin zu wenig Stabilität hätte. Wenn ich beim späteren Zusammennähen der Einzelteile nicht ganz sicher bin, kann ich meine Tyvekteile mit Bleistift beschriften und habe hierdurch eine bessere Vorstellung vom großen Ganzen und kann die Teile in unterschiedlicher Weise mal schnell anordnen. Verwendete Tyvekabschnitte verwahre und kann sie später immer wieder mal für etwas anderes verwenden.
  3. Beim Patchworken z.B. kann man Tyvek einsetzen, indem man kleine Details aufmalt, ausschneidet und auf dem Trägermaterial platziert. So kann man sich leicht einen Gesamteindruck verschaffen, die Teile ggf. in der Anordnung verschieben ... Hier fallen euch bestimmt noch viele Dinge ein!
  4. Vorschul-/Schulkinder können auf Tyvek malen, es mit Schere und/oder Cutter (aus)schneiden (franst nicht aus) und mit Kontakt- oder Sprühklebern verkleben! Man kann es stanzen, perforieren, heften und klammern. Tyvek kann zusammen mit selbstklebenden Folien laminiert werden, was der Kreativität ebenfalls genügend Raum bietet! Da Tyvek nicht brennt, aber bei mehr als 118 Grad schmilzt, kann man es wunderbar unter Backpapier bügeln ...  

Wer mit der englischen Sprache gut vertraut ist, findet unter bei pinterest eine Menge an Inspirationen, wie und wozu man Tyvek verarbeiten kann.

Zwecks Kaufs bitte googeln:

Im Internet reicht die Angebotspalette über verschiedene Stärken und Abschnitte bis hin zu Meterware. Vielleicht wollt ihr euch ja mit einer Nachbarin/Freundin zusammentun und Tyvek als Rollenware bestellen. So seid ihr viel flexibler, was seine Verwendung angeht und habt deutlich weniger Reste. Je nach Wohnort könnt ihr ja auch in Drachenläden und bei Schiffsausrüstern nachfragen.

Hoffe, ihr seid nicht zu erschöpft, aber umso mehr auf den Geschmack gekommen!

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13 Kommentare


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#1
19.5.15, 21:55
Klingt sehr interessant!
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#2
19.5.15, 22:04
wow, wieder was wieder was dazugelernt! danke
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#3 trom4schu
20.5.15, 07:20
Noch etwas zum Bügeln von Tyvek: Leider ist der Link nicht mit hochgeladen worden, aber ihr findet ein super Video, wenn ihr googelt "Tyvek bügeln". Das wird dies in dem ersten angezeigten Video vorgeführt: Wenn man das Bügleisen nur schwebend über das Backapier führt, beginnt darunter das Tyvek beginnt zu schmelzen und verändert daraufhin seine Form: Es bildet Blasen, so dass sich nach dem Abkühlen ein neues Material gebildet hat, das man wieder vielseitig weiter verwenden kann - genial! Am rechten Rand wird dann noch auf weitere Videos verwiesen - unbedingt mal reinschauen und staunen!
Wenn ihr bei Google "pinterest" eingebt und dort auf der Startseite in der Suchleiste "tyvek", werdet ihr überhäuft mit Videos, in denen die Weiterverarbeitung von tyvek vorgeführt wird. Bitte nicht von der englischen Sprache abschrecken lassen: Oftmals sind die Videos auch ohne viel Worte verständlich. Bestes Gelingen und im Voraus einen schöne Pfingsten!
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#4
20.5.15, 08:08
@trom4schu: ich habe es leider nicht so mit Basteln oder Nähen, aber ich freue mich allein schon an der Tatsache, wie begeistert du bist :-))) Das spürt man gleich aus deinem Tipp.
Das finde ich sehr gut, dass du somit alle an deiner "Entdeckung" teilhaben lassen willst.

Mir ist beim Lesen der Gedanke gekommen, dass man es doch vielleicht auch als Innenfutter für selbst genähte oder gestrickte Taschen verwenden kann. Die kann man dann mal zwischendurch mit einem feuchten Lappen auswischen. Oder riecht das dann zu sehr nach Plastik?
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#5 trom4schu
20.5.15, 16:14
@domalu: Es riecht mit Sicherheit nicht! Für den von dir gedachten Verwendungszweck vielleicht intensiv googeln, weil es das Tyvek in unterschiedlichen Stärken gibt. Vielleicht sendet der Händler auch kleine Proben?! Gutes Gelingen!
#6
20.5.15, 17:40
öööhh... das Zeug is aus Polyethylen. Plastik. Böse.
#7
20.5.15, 18:59
@zauberweib:

Hihi. Böses böses Plastik;-)
#8
20.5.15, 20:28
@trom4schu: leider wird mir das nicht gelingen, da ich nähtechnisch mehr wie zwei linke Hände habe :-(((
Die Idee kam mir nur, weil gestern beim ARD-Büffet gerade so eine Tasche gestrickt wurde und ich als junge Frau von meiner Mutti so eine selbst gefertigte Tasche geschenkt bekommen habe.
Meine Mutti hatte allerdings das Innenfutter aus Stoff genäht.
Das war damals schon modern und nun ist es wieder in Mode.
#9
25.5.15, 08:31
guten morgen trom4schu, na das ist ja mal ein toller tipp. meine grosse tochter ist absoluter mittelalterfan, schnittmuster für die grossen roben usw. sind schwierig auf papier zu bringen, vor allem hält es nicht lange. ein modell von einer robe zu schneidern ist immer sehr aufwendig und kann teuer werden. ihr werde ich sofort deinen tipp weitergeben. vielen vielen dank.
#10
26.5.15, 00:47
man kann es aber leider nicht einfärben.....
#11 trom4schu
26.5.15, 05:50
@Schnuff: Hast du das schon mal ausprobiert? Wenn ja, womit?
#12
26.5.15, 12:22
@trom4schu: meine Schwester hatte es versucht für eine private Aufführung von der Laienspielgruppe.Sie hatte versucht,diese Anzüge rosa einzufärben,um als Schweinchen spielen zu können...
LG
#13 muddi1965
27.5.15, 14:56
@pummelelfe: Hallo, Nebentip um Schnittmuster halbarer zu machen: alles auf Packpapier machen (gibts z.Zt. von der Rolle bei Aldi für ganz kl. Geld)

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