"Ich hatte eine kleine Bambushütte gemietet, natürlich die fünf-Sterne-Variante mit einer fingerdicken Matratze und einem Moskitonetz..."

Überfluss tut selten gut

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Achtung: Hier beginnt die Tippfreie Zone. Weiterlesen auf eigene Gefahr!

Der Winter 1992 war toll. Soll heißen: Mein Winter war toll. Wie er hier in Deutschland war weiß ich nicht, da ich von Ende November bis Anfang März an einem Strand auf der kleinen thailändischen Insel Koh Phangan gelebt habe. Warum ich das erzähle? Nun, es passt wunderbar zu dem Thema, über das ich heute schreiben möchte: Das ständig-zu-viel-von-allem-Gefühl. Eine permanente Konsum-Übersättigung in jeglicher Hinsicht. An meinem kleinen Strand war das anders. Mein Reisegepäck bestand aus einer Gitarre und einem (kleinen) Rucksack mit ein paar Klamotten, einer Zahnbürste und einer Literflasche Sonnenschutzcreme 50+. Als Erklärung für die Sonnencreme möchte ich anmerken, dass ich rothaarig bin und Sonnenbrand mein zweiter Vorname ist.

Ich hatte eine kleine Bambushütte gemietet, natürlich die fünf-Sterne-Variante mit einer fingerdicken Matratze und einem Moskitonetz. Klo und Dusche befanden sich etwa zwanzig Meter entfernt in einem kleinen gemauerten Verschlag. Wobei Dusche bedeutet, dass in einem ebenfalls gemauerten Trog Süßwasser vom nahe gelegenen Wasserfall gesammelt wurde. In dem Trog schwamm ein kleiner Eimer, mit dem man Wasser schöpfen und sich übergießen konnte. Fertig. Strom vom Generator gab es nur abends von 19 bis 21 Uhr aus zwei Steckdosen in der nach allen Seiten offenen Strandbar. Aber den brauchte von den 25 oder 30 Leuten am Strand niemand. Zumindest habe ich nie gesehen, dass jemand einen Stecker in eine der Dosen gesteckt hätte. Stecker wovon auch? Handys und Laptops gab es noch nicht und Elektrorasierer sind bei Strandbewohnern in etwa so beliebt wie Maßanzüge.

Der Strand war nur vom Meer aus erreichbar und zweimal die Woche kam ein Versorgungsboot. Dann wurde in der Strandbar eine Thermotruhe mit riesigen Eisklötzen und Getränken bestückt und der thailändische Koch nahm ein paar Kisten mit Lebensmitteln in Empfang. Gezahlt wurde erst bei der Abreise. Bis dahin schrieb man einfach alles, was man trank oder aß in ein kleines Buch, das ebenfalls zur Grundausstattung jeder Bambushütte gehörte. Mensch, ich gerate ins Schwärmen, aber Stopp, das soll kein Reisebericht werden. Ich wollte euch lediglich ein Bild vermitteln, wie gewaltig der Kontrast zu meinem gewohnten Leben in Deutschland war. Das einzige, was es am Strand im Überfluss gab, waren Natur und Ruhe.

Als ich im März 1992 bei 10 C° (gefühlt minus 20 C°) wieder in Berlin-Tegel landete, dachte ich die Stewardess hätte eine Droge in meinen Tomatensaft gemixt. Irgendetwas, das alle Sinne extrem empfindlich werden lässt und einen in die Panikstarre totaler Reizüberflutung versetzt. Es herrschte ein Hauen, Stechen, Drängeln und Schieben wie bei einer Stierhatz in Pamplona. Alle Welt schien vor etwas weg-, oder zu etwas hinzurennen. Den Rest gaben mir die überquellenden Schaufensterauslagen der zahlreichen Flughafenshops. Ich investierte den schmalen Rest meiner Urlaubskasse in ein Taxi für die Heimfahrt, etwas, das ich normalerweise nie mache. Aber ich befürchtete im TXL-Bus und der U-Bahn einen unkontrollierten Schreikrampf zu bekommen. ZU VIEL brüllten meine Synapsen, viel zu viel von allem.

Nach ein paar Tagen der Akklimatisierung wurden die Symptome milder und ich konnte wieder ohne Schweißperlen auf der Stirn einkaufen gehen. Was blieb, war das zu-viel-Gefühl. Im Supermarkt stand ich vor dem Regal mit Zahnpasta und zählte über 20 Sorten. Das gleiche bei Brot, Saft und Joghurt, eigentlich bei allem. Wer braucht das alles? Bedeutet eine fast unbegrenzte Auswahlmöglichkeit nicht mehr Stress als Freiheit? Ich bin keineswegs ein Anhänger der Ein-Produkt-Philosophie, wie sie in der Ex-DDR üblich war, aber ein Überangebot ist für mich keine echte Alternative.

Natürlich hinkt der Vergleich zwischen deutschem Alltag und einem Leben am thailändischen Strand so stark wie ein dreibeiniger Hund, aber trotzdem…kann ich mir nicht ein Stück dieser asketischen Lebensführung in mein Hier und Jetzt transportieren? Klar, eine Bambushütte in Berlin-Charlottenburg gibt’s nicht und die Supermärkte werden wegen mir auch nicht ihr Angebot reduzieren. Die Frage ist eher, wie weit ich mich auf das alles-immer-und-überall-Spiel einlasse. Ich kaufe mittlerweile so schnörkellos wie möglich ein, immer nur das Notwendigste und Einfachste. Und das in einer Menge, die wir auch garantiert verbrauchen können. Den Rest kauft meine Frau. Nein, Scherz. Wir sind in dieser Hinsicht sehr ähnlich gestrickt und ziehen in Sachen Konsumreduktion an einem Strang, das passt schon. Allen, die jetzt sagen „Das mache ich schon immer so!“ empfehle ich einen kritischen Blick in ihre Vorratsschränke und dann Hand aufs Herz: Echt jetzt? Und alle die sagen „Das will ich gar nicht so machen!“ kann ich nur ermuntern, ihren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen treu zu bleiben. „Nı tæ̀la wiṭhī kār k̄hxng k̄heā xeng“ wie es in Thailand heißt: „Jeder auf seine Weise“. Für mich ist weniger halt meistens mehr…

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22 Kommentare


3
#1
30.3.17, 15:00
ich verstehe nicht völlig, worauf du hinauswillst. du bist mit wenig auswahl zufrieden. fein. andere freuen sich darüber, was nicht bedeutet, dass man bei allem so arg viel auswahl braucht. viele menschen, viele vorlieben und bedürfnisse.

das, was jemand im urlaub fernab der heimat macht, ist ein himmelweiter unterschied zu dem, was er zu hause während des alltags macht. oder sie. das hast du selbst erwähnt, und deswegen kann ich auch nicht nachvollziehen, was das denn nun mit dem alltag zu hause zu tun hat. andere länder, andere sitten, manchmal reichen schon ein paar kilometer entfernung.

die 25 jahre unterschied dürften auch eine rolle spielen. der handyverzicht könnte heute anders aussehen, da sich die möglichkeiten und bedürfnisse stark verändert haben. im urlaub verzichten viele auch ganz bewusst und lassen es ruhiger und lockerer angehen. dafür ist urlaub da, und man sucht sich aus, wie man ihn verbringen will. manch einer geht für einige wochen ins kloster, um ruhe zu finden.

und der unterschied dürfte sein, dass man vieles viel leichter nimmt, wenn man nicht muss und die wahl hat. im berufsleben, wenn es darauf ankommt, kein internet zu haben, ist etwas anderes als im urlaub.

im verkehrsgewühl fühlen sich gewiss nicht viele leute wohl, und in tegel ist nun einmal viel verkehr. es ist wirklich nicht außergewöhnlich, dass man da nach einem ruhigen urlaub am liebsten davonlaufen möchte. inwieweit man weniger konsum einbauen kann oder will, ist doch jedem selbst überlassen.

wer das alles braucht? die frage müsste lauten: wer will das alles? die antwort ist: jeder, der das kauft und damit dafür sorgt, dass es so bleibt. ich weiß nicht, wie viele gitarrenhersteller es gibt. auf jeden fall sehr viele. genügt nicht ein einziger? gitarre ist doch gitarre. an dieser stelle mögen nun viele gitarristen aufschreien. mit recht.

marken, die sich nicht etablieren, verschwinden von allein vom markt. das ist normal. und ich freue mich über die freiheit, wählen zu dürfen. ob es parteien oder zahncremes sind, cornflakes oder taschentücher. zudem belebt wettbewerb das geschäft. wenn man sich außerdem erst einmal für eine bestimmte marke entschieden hat, hat man beim einkaufen auch keinen stress beim auswählen. das hat man nur bei produkten, die man sonst nicht oder nur sehr selten kauft.

keine wertung.
3
#2
30.3.17, 16:00
@seidenloeckchen: 

Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar! Das ist genau das, worauf ich hinauswollte: Ein reger Austausch, wie im realen Leben. Einer erzählt eine Geschichte, andere reagieren darauf, widersprechen, pflichten bei, ergänzen oder kritisieren, je nach eigener Meinung. Allein die Tatsache, dass Du Dir Gedanken gemacht und vor allem die Zeit genommen hast, diese hier niederzuschreiben freut mich sehr :-)
4
#3
30.3.17, 16:27
Der Überschrift "Überfluss tut selten gut" kann ich NICHT beipflichten. Meiner Meinung nach passt für den Artikel oder Gedankenanstoß (lassen wir mal das Wort "Tipp" außen vor ;-)) die Überschrift "Standortwechsel tut immer gut" besser. Wie heißt es so schön "der Kopf ist rund damit das Denken die Richtung ändern kann". Dort in Thailand am Strand gab es ja auch viel im Überfluss: Sonne, Sand, Meer, Ruhe, Erholung, Gedanken ... Und sicher hattest du auch einen kleinen Überfluss an Geld, um den Flug und den "5-Sterne-Aufenthalt" dort bezahlen zu können und deine weiter laufenden Kosten in Berlin. Was davon gut tut und was nicht, muss jeder für sich selbst wissen oder entscheiden. Reisen tut gut, weil man andere Orte, Menschen und Lebensformen kennenlernt und danach den eigenen Alltag und die eigene Umwelt mit anderen Augen sieht. So wird einem bewusst, wovon man im Alltag zu viel und wovon man zuwenig hat. Dann kann man nicht nur die Gedanken sondern vielleicht auch den Alltag ändern.
Ich versuche mir aus dem Urlaub möglichst einen (1) schönen Gebrauchsgegenstand mitzubringen, ein T-Shirt, einen Gürtel, eine Einkaufstasche, vielleicht auch ein Schmuckstück, das ich möglichst oft im Alltag verwende, um an den schönen Urlaub erinnert zu werden und etwas von dem Urlaubsgefühl in den Alltag einzubauen.
PS. Was das Urlaubsgepäck angeht kann ich nur sagen: als ich noch alleine gereist bin, passte alles in/an einen Rucksack, den ich locker den ganzen Tag auf dem Rücken tragen konnte. Der erste Urlaub mit Kind: Kind im Tragetuch (Rucksack ging nicht mehr): ein kleiner Koffer für das Elterngepäck und ein Riesenrollkoffer für das Babygepäck.
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#4
30.3.17, 20:28
5 Sterne und absolute Zustimmung von mir. Mich belastet der Überfluss auch total. Und es ist immer von allem zu viel. 

Zu viele Menschen, zu viel Hektik, zu viele Sachen, zu viel Lärm, zu viel Chaos draußen unterwegs, lärmende brüllende Leute überall, zu viele Gerüche, sowohl eklige (verwahrloste Menschen), als auch penetrante (Parfüm) bis zu giftigen (Zigaretten, Autoabgase).

Kurzum ich hasse die Welt da draußen, in der Stadt zumindest. 
Das ist etwas mit was ich klar komme denn ich halte mich da auch nicht viel auf. Und ich kann es eh nicht ändern. 

Aber auch in der Wohnung, ein zu viel an allem!! Der Überfluss erstickt mich, aber auch wenn ich einige Dinge verkaufe, wird es doch nicht weniger. 

Mich belastet sämtlicher Überfluss. 

Am schönsten stelle ich mir ein Leben in absoluter Ruhe vor. 

Man braucht Ruhe viel mehr als Hektik und Dinge. 

Das einzige auf was ich nicht verzichten möchte ist Komfort, also ein bequemes Bett, fließendes Wasser und Strom. 

Aber von dem ganzen Überfluss möchte ich mich so gerne befreien aber schaffe es nicht, da kämpfe ich gegen Windmühlen. 
#5
30.3.17, 21:20
das mit den wenigen dingen für sich selbst und dreimal so viel für das kind kenne ich. manchmal fahren mein mann und ich mit unseren kindern über das wochenende an die holländische see. so arg ich mich auch bemühe,so wenig wie möglich mitzunehmen, ich packe immer so, als müssten wir wochenlang in einem erdbebengebiet überleben müssen. aber man mag ja auch nicht für jedes kind nur ein t-shirt mitnehmen, es könnte ja kalt werden. oder sich so arg bekleckern oder beim spielen dreckig werden, dass man sie zweimal am tag umziehen muss. und das dann mal vier. der kleinste braucht am meisten.

mein mann ist da lockerer. wenn etwas fehlt, kann man es ja im ort kaufen. oder improvisieren. oder eben mal im schlafanzugoberteil nach draußen gehen.

natürlich gibt es produkte, wo ich mir auch denke, dass das nicht notwendig ist. ich weigere mich beispielsweise, meinen kindern stark gezuckerte cerealien anzubieten. das sind süßigkeiten, als die sie auch verspeist werden sollten. es gibt nur einfache cornflakes und vollkornflakes bei uns, jedenfalls noch eine weile, bis es ihnen wirklich in fleisch und blut übergegangen ist, wie man gesund oder ausgewogen frühstückt. keine frosties, keine smacks, kein lionmüsli. da kann ich ihnen auch gleich schokoriegel zum frühstück geben. aber ich weiß eben auch, dass sehr viele leute solche cerealien lieben. das bedeutet nicht, dass sie keine marmelade essen dürfen. oder dass es nicht mal arme ritter oder pfannkuchen zum frühstück am wochenende gibt.

mein mann beginnt beinahe einen glaubenskrieg, wenn es um pommes mit currywurst geht. kein gewürzsalz! keine schicki-micki-sauce! kein salatblättchen dazu! "kein feng shui-gedöns! effes salz, normales pommes, rauf auf den teller und daneben die currywurst!"

oder um chips. etwas anderes als paprika oder peperoni isst er nicht. gerade gibt es eine werbung mit bastian schweinsteiger, in der es um selbstkreierte sorten geht. dabei schüttelt es ihn. "tutti-frutti! die spinnen doch!"

aber er verschlingt jedes obst, was ihm schmeckt, auch wenn es exotisch ist und man es eigentlich nicht braucht. jeder kann selbst entscheiden, in welchen bereichen es schlicht zugehen
darf. oder wo man gern viel und aufwändig hat. das sind die kleinen
inseln der ruhe, die gewiss jeder braucht.
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#6
30.3.17, 23:20
Immer wieder schön dicht zu lesen, Kriss.
👍
#7
30.3.17, 23:34
@VIVAESPAÑA: 

Vielen Dank für das Kompliment. Wobei ich mich gerade frage, was man denn nehmen muss um mich "dicht" zu lesen...? Ein Super-Vertipper, könnte man mit Absicht nicht besser machen, alle Daumen hoch :-)
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#8
31.3.17, 10:23
Wie schafft man es, mehr Dinge wegzuwerfen (oder zu spenden)???

Verkaufen ist nicht das Problem, nur das zieht sich halt hin und es kommt mengenmäßig nicht so viel weg.

Welche Strategie kann man verwenden, um mehr Platz zu schaffen indem man sich überwinden kann, Sachen zu entsorgen?
Wodurch kommt man zu dieser Überwindung?
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#9
31.3.17, 11:08
@Cicamica: indem du es als den Ballast betrachtest, den es anscheinend für dich auch ist. Bei dir scheint es um das Geld zu gehen, das das Produkt mal gekostet hat, denn verkaufen kannst du ja eigentlich, nur nicht verschenken (oder spenden, was eigentlich das Gleiche ist), wenn ich dich recht verstehe. Das Geld bekommst du nicht zurück, auch wenn es bei dir nur rumsteht. Bei nicht sehr hochwertigen Dingen verschenke ich gerne etwas, wenn ich es nicht wirklich brauche  (beispielsweise über eBay Kleinanzeigen) und erfreue mich daran, dass jemand anders sich freut, es gratis zu bekommen. Und dann erfreue ich mich am befreiten Gefühl.

Ich kann dir das Buch "Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags" sehr empfehlen. Hab ich hier mal als Tipp eingestellt.
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#10
31.3.17, 12:22
@Kriss: Danke für den Denkanstoß! Der Alltagsüberfluss, der mir in normalen Supermärkten begegnet, stört mich nicht allzusehr, weil ich genau weiß, was ich kaufen will. Aber ich war einmal in meinem Leben in einem Kaufland, und das hat mich echt überfordert :) 

@ Cicamica: Nimm dir kleine Projekte vor, z. B. "Jetzt sortiere ich 10 Minuten lang dieses Bücherregal durch"
Überlege Dir bei jedem Ding, das du in die Hand nimmst, ob du es brauchst, ob du es magst und ob du noch eins davon hast. Mach dir klar, dass du das Geld, welches du dafür ausgegeben hast, nicht wieder bekommst, und rechne den Zeitaufwand, den du betreibst, um etwas zu verkaufen statt es zu verschenken oder wegzuwerfen, in bezahlte Arbeitsstunden um, das rückt es meist in die richtige Perspektive.
Ich packe zu verschenkendes in einen Umzugskarton, der dann z.B. im Keller auf seine Gelegenheit wartet.
Wegwerfen tu ich nur, was ich selbst auch nicht geschenkt haben wollte, weil es zu ausgewaschen/zerlesen/sonstwie beschädigt ist.
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#11
31.3.17, 18:13
Das gefällt mir. Bei Kriss war es Urlaub, bei mir ist es fast die Realität, schon ein bisschen anders. Also ich lebe in einem Haus, mit Strom. fließend Wasser (auch warm) und Heizung.
Ich lebe auf einer Insel, 278 kqm groß und ca. 7.000 Einwohner.Hier läuft alles in Ruhe ab und bei mir z.B. hat sich auch das Konsumverhalten geändert, ging ganz automatisch. Viel liegt natürlich auch an der kleineren Auswahl.
Wenn vor mir ein Auto fährt, anhält, weil sich da zwei mal kurz unterhalten wollen, bleibe ich halt auch stehen und warte ab. Irgendwann stehen hinter mir noch 2 weitere Autos, keine Huperei, keine Aufregung, bald geht es dann auch weiter.
Wenn ich in Berlin bin um meine Familie zu besuchen, stört mich zuerst mal der Geruch, oder besser Gestank, nach ein paar Tagen bin ich aber daran gewöhnt. Wenn ich bei Bus und U-Bahn anstehe zum Einsteigen, auch wenn ich ganz vorne stehe bin ich die Letzte beim Einsteigen, alles drängelt sich an mir vorbei, drängeln kann ich nicht mehr.
Wenn ich durch die Straßen laufe ist es ein Zick-Zack-gehen. Ich habe das Gefühl alle rennen stur gerade aus und nur ich muss ständig ausweichen.
In den Supermärkten werde ich erschlagen von den Angeboten und auch in den sonstigen Geschäften ist so viel Auswahl, dass ich mich kaum entscheiden kann. So habe ich mir zuletzt vor 2 Jahren etwas zum Anziehen gekauft. Ich benötige sowieso sehr wenig.
Ich bin wohl nicht mehr Großstadt geeignet. 
Verstehe Kriss ganz gut, was er mit seinem "Tipp" sagen will.
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#12
31.3.17, 18:55
Ich finde auch, dass viel zu viel konsumiert wird. Da pflichte ich dir bei, Kriss. Jedesmal, wenn ich auf der Autobahn  fahre und die endlos erscheinenden LKW-Lawinen sehe, wird mir wirklich übel. Ich denke dann immer: Mein Gott, muss das denn sein?? Sie alle transportieren, was wir so kaufen.

Ich selbst erwerbe auch nur wichtige  Dinge. Der Werbung schenke ich keinen Glauben. Meine Schwester beispielsweise besitzt immens viele Haushaltsgeräte und wann immer eins neu auf den Markt  kommt: Schwesterlein hat es als Erste!! Mit dem Ergebnis, dass das meiste nach ein paar Monaten in den überquellenden Keller wandert.

Besitztum verpflichtet und jeder sollte ganz einfach das, was er schon besitzt mehr schätzen! 😉
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#13
31.3.17, 18:59
@Cicamica: Verabschiede dich ganz bewusst von den Dingen. Mach noch ein Foto und freu dich über die Zeit, die das Ding dir nützlich war und erkenne, dass du es jetzt nicht mehr brauchst. Das Geld, was die Dinge einmal gekostet haben, waren sie wert, weil sie dir jahrelang so nützlich waren. Verschenke wertvolle Sachen an Freunde oder Bekannte, wo du sie noch besuchen kannst und freu dich dann darüber, dass sie nun anderen nützlich sind.
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#14
31.3.17, 19:12
@Cicamica: Dieses Problem habe ich auch: Ich kann sehr schlecht wegwerfen. Dabei habe ich schon sehr viele Tips und Tricks dazu gehört und gelesen. Aber in mir sperrt sich oft etwas gegen das Wegwerfen.
Meistens ist es vor allem Sentimentalität, die mich blockiert: Mit diesem Stück verbinde ich doch bestimmte Erinnerungen, oder: Das möchte ich doch schon so lange lesen ...
Das ist wirklich ein Problem!
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#15
31.3.17, 19:24
@Kriss    Bitte schreib eine Handvoll Kurzgeschichten (vielleicht zu einem Thema) und reiche die bei einem Verlag ein. Deine Schreibe hat irgendwie etwas ganz eigenes.
Viel Glück.
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#16
31.3.17, 22:37
Nı tæ̀la wiṭhī kār k̄hxng k̄heā xeng

Ich bin ganz genau das Gegenteil und
habe sogar noch ein passendes Gegenstück dazu gefunden 😘:
Es ist nicht zu verheimlichen:
Ich bin konsumsüchtig:, denn ich liebe alles, was schön ist und es muss nicht mal nützlich sein. Mein Herz schlägt für Klimbim, Mode,
Kosmetikprodukte, Reinigern und Lebensmittel und bin jedem neuen Produkt, egal
aus welcher Kategorie, in höchstem Maße aufgeschlossen. Alleine die Logistik und
das extrem ordentliche Lagersystem nimmt täglich viel Zeit in Anspruch, es ist
aber keine Last für mich: Ich habe Spaß daran.

Natürlich mache ich mir oft Gedanken,
wer mit diesem "Erbe" einmal klar kommen muss, dann wiederum denke ich: Anders
als in einem Messie-Haushalt kann durchaus ein lukrativer Hausflohmarkt
stattfinden, da alles zusammengehörend gelagert ist.

Schon seit meiner Jugend habe ich Spaß
an allem. Ich kann das nicht mal auf einzelne Bereiche reduzieren und habe daran
auch nichts zu bemängeln, denn es bedeutet absolut nicht, dass sich mein Leben
nur auf Kaufen und Geldausgeben, also auf Konsum, reduziert. Mir mangelt es
auch absolut nicht an Tiefsinn oder Intelligenz: Ich liebe es einfach, mein Geld
für schöne Dinge auszugeben, die mir Freude bereiten.

Fragt man mich, was ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wäre die
Liste unendlich. Ich bin kein Mensch, der mit 3 Büchern auf einer einsamen
Inseln leben könnte!

Beispiel: Wenn ich ins Krankenhaus gehe (was durchaus oft und regelmäßig
passiert), ziehe ich dort mit einem großen Rollkoffer mit aufgesetztem
Kosmetikkoffer ein, später wird mir noch eine Reisetasche gebracht mit all dem,
was ich noch so brauche. Und ich brauche es wirklich (zum Wohlfühlen und
Glücklichsein)


Allein meine Handtasche spiegelt mein Ich wider

Vom Pflaster bis zur Sicherheitsnadel, Minischraubenzieher,  von
Hygienetüchern bis Schmerztabletten, vom kleinen Kosmetikset bis zu Block und
Kugelschreiber, Spiegel, Mundwasserprobe und Zahnstochern sowie Nagelpfeile ist
alles ordentlich in der Tasche in der Tasche......sollte ich jemals entführt
werden, komme ich eine zeitlang gut über die Runden.
Natürlich habe ich viele volle Regale in einem "Verkaufsshowroom", aus denen ich regelmäßig Dinge verkaufe und auch verschenke, aber es ist natürlich viel mehr vorhanden als verkauft wird, denn ich kaufe mehr als ich verkaufe. Das Problem kennen viele........
Bei mir geht es nicht um Erinnerungen, die ich nicht entsorgen kann:
Es geht um Kleidung, Taschen, Schuhe, Dekoartikel, Küchenutensilien..........
Wer also große Mengen auf dem Flohmarkt verkaufen möchte, kann es gerne bei mir kostenlos abholen. Ich würde mich freuen.
In dem Bericht von Kriss geht es ja darum, wie wenig man braucht.........wirklich braucht........aber auch wenn ich nichts von dem, was ich kaufe, wirklich brauche, so macht es mich doch einfach glücklich, wenn ich es mir leiste . (Nein, es ist  keine Ersatzbefriedigung für das, was mir fehlt. Irgendwas fehlt immer, aber mein Grund ist Freude am Neuen )
Bedenklich wäre es, wenn es dem Konto schaden würde oder sich zur Sucht entwickelt.
3
#17
3.4.17, 10:33
@all

Vielen Dank für die tolle Morgenlektüre eurer Kommentare. Ich war ein paar Tage nicht online bei FM und da hat sich ja einiges an sehr interessanten und offenen Texten hier angesammelt. So finde ich das toll und es freut mich den kleinen Beitrag geschrieben zu haben, der den Anstoß dazu gegeben hat.

Ich werde euch gleich allen einen 👍 geben - nicht weil ich wahllos alles anklicke, sondern weil ich alle Kommentare gut finde, in denen jemand seine ehrliche Meinung äußert.

Ach ja xldeluxe_reloaded: Ich habe eine sehr gute Bekannte hier in Berlin, die Deine heimliche Zwillingsschwester im Geiste sein könnte. Ein Besuch bei ihr ist jedesmal spannend, weil es immer etwas Neues zu sehen gibt...ich glaube, ihr würdet euch gut verstehen... :)
2
#18
3.4.17, 22:05
@Kriss: 
Ich weiß jetzt schon: Wir würden uns gefallen, Deine Bekannte und ich. Was gibt es Schöneres, als mit einer sister-in-crime shoppen zu gehen und sich anschließend im Cafe am Klimbim zu erfreuen? 😉 Grüße sie mal ganz lieb! 
1
#19
4.4.17, 18:04
@xldeluxe_reloaded: Wenn es dich dein  Hab und Gut nicht belastet, ist das ja super. Die Meisten lieben es, neue Dinge zu besitzen. Wenn man aber mal schaut, wieviel Arbeit es macht, diese Gegnstände zu pflegen, zu putzen und zu reparieren, fragt man sich schon, ob man nicht kürzer treten sollte. Auch was die Umwelt angeht, wäre ein Umdenken nicht schlecht. Altes hervorzukramen und es zu schätzen, das ist mein persönliches Ziel. Aber jeder wie er mag.
😉
1
#20
4.4.17, 20:53
@ebenich: 
Der Zustand im Haus mit all den neuen Dingen belastet mich nicht, daran habe ich Freude. Für mich ist die Pflege, das Arrangieren, Restaurieren und Instandhalten keine Belastung: Es ist eines meiner zahlreichen Hobbys.
Was mich aber belastet sind die "Verkaufsflächen" in eigens dafür gebauten Außenflächen: Allerdings habe ich mir das selbst zuzuschreiben, da mir schon lange die Lust am Verkaufen auf dem Flohmarkt wie auch im Internet fehlt und sich somit viel zu viel angesammelt hat.

Altes hat durchaus seinen Platz in meinem Haus und mein Herz hängt an vielen Dingen aus den früheren Jahrzehnten, die dekorativ präsentiert und niemals ausgetauscht werden.

Dazu gehören auch einige Taschenklassiker, die ich für kein Geld der Welt ersetzen würde.

Natürlich wäre es dem Umweltschutz dienlich, sich mehr auf das zu besinnen, was man hat. Neuzeitliche Gegenständen ohne großen Wert wertschätze ich nicht über ihre Zeit hinaus, versuche sie gewinnbringend zu verkaufen und ersetze sie. Geht es aber um Andenken, Dinge aus dem vorherigen Jahrhundert oder 50/60ger Jahre Schätzchen, kann ich versichern, dass sie für immer ihren Platz bei mir haben. Modisch und dekorationsmäßig bin ich aber gerne auf dem aktuellen Stand. Ich bin einfach nicht so der Typ für Klassiker.......mein Problem ist die Vielfalt. Wie kann ich da widerstehen? 😂
#21
25.4.17, 10:03
Das ist ja wirklich eine ganz nette " Reisebeschreibung "  ..... Scherz ..... habe mir in der Tat richtig eine halbe Stunde Zeit genommen. Um all die anderen 20 Kommentare zu lesen fehlt mir jetzt die Muse und ich lasse lieber die Worte von Kriss sacken. Euch allen einen recht schönen  < bei uns in Bayern verregneten  >  , also greislichen Dienstag  ( Kino wurde gerade geplant ).
#22
25.4.17, 10:54
@cahumi: Bei uns schneit es, der ganze Garten ist weiß!

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