Vatertag – mit Bollerwagen, Bier und Bibel

Traditionell gehts am Vatertag feuchtfröhlich her. Wie kam es zu dem Brauch?
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Die Sonne brennt erbarmungslos. Der Asphalt flimmert. Am Horizont sind schemenhaft Gestalten zu erkennen. Das rhythmische knarzen von Holzrädern wird langsam lauter. Es riecht nach Bier und grenzenloser Freiheit, zumindest für diesen einen Tag. Die Rede ist natürlich von Christi Himmelfahrt oder – wie ihn die meisten mittlerweile wohl zelebrieren – Vatertag.

Inhaltsverzeichnis

  1. Ist Vatertag ein Feiertag?
    1. Apostelprozession oder germanischer Brauch?
    2. Marketingstrategie Vatertag
    3. Der moderne Vatertag
  2. Internationale Bräuche → 6 Bräuche aus aller Welt
    1. USA
    2. Frankreich
    3. Italien, Portugal und Spanien
    4. Schweden, Norwegen und Finnland
    5. Thailand
    6. Südkorea

Ist Vatertag ein Feiertag?

Wann ist eigentlich Vatertag? Gar nicht so einfach! Er ist am 5. Sonntag nach Ostern, bzw. zehn Tage vor Pfingsten und fällt immer auf einen Donnerstag. Dabei hüllt sich der Vatertag in den Deckmantel eines offiziellen Feiertags. Denn eigentlich ist er kein waschechter Feiertag, sondern fällt praktischerweise auf den gesetzlichen Feiertag Christi Himmelfahrt.

Praktischerweise fällt Vatertag immer auf einen gesetzlichen Feiertag - Christi Himmelfahrt.

Das kann kein Zufall sein - oder? Ob es zwischen den beiden Festtagen einen Zusammenhang gibt, ist umstritten. Es ist nicht ganz geklärt, ob der Vatertag der Bibel entsprungen ist oder einem lang überlieferten germanischen Brauch entstammt. Naheliegend ist eine gute Mischung aus beidem. 

Apostelprozession oder germanischer Brauch?

Das Umherziehen zu Christi Himmelfahrt hat lange Tradition. Bereits im Mittelalter zogen die Männer an Christi Himmelfahrt umher und beteten u.a. für eine gute Ernte. Gefeiert wurde im Anschluss mit einem üppigen Mahl und Alkohol in rauen Mengen. Bis heute ist nicht ganz geklärt, ob dieser Brauch eine Nachstellung der Apostelprozession sein soll, oder ob er auf einem germanischen Brauch fußt: Bei den Germanen musste ein Grundbesitzer einmal im Jahr sein Grund und Boden umschreiten, um sein Revier zu markieren und seinen Besitzanspruch aufrechtzuerhalten. 

Marketingstrategie Vatertag

Vermutlich dem übermäßigen Biergenuss geschuldet, geriet der Ursprung des Brauchs schnell in den Hintergrund. In den Vordergrund trat dafür die Freude über das alljährliche Biergelage. Inspiriert von den florierenden Muttertagesumsätzen witterten Brauereiunternehmern Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Chance. Der große Durchbruch gelang zwar nicht, doch bis heute fließt am Vatertag Bier in rauen Mengen. Nicht umsonst wird dieser Tag u.a. vom Statistischen Bundesamt gefürchtet. Er gilt als der Tag im Jahr, an dem die meisten alkoholbedingten Verkehrsunfälle verzeichnet werden. 

Im überhöhten Biergenuss zum Vatertag sahen Bierbrauereien ihre große Chance.

Der moderne Vatertag

Statistisch gesehen hat der Vatertag also nicht den besten Ruf. Oft wird ihm auch vorgeworfen, Frauen und Kinder auszuschließen und als Vorwand für Sauftouren zu dienen. Der Trend geht jedoch weg vom Biertrinkenden Männerrudel hin zu familienorientierten Unternehmungen. Immer häufiger wird der Tag ähnlich wie der Muttertag gefeiert. Der Brauch, den Vater zu ehren, wurde übrigens aus den USA importiert. 

Internationale Bräuche → 6 Bräuche aus aller Welt

USA

Vatertag ist, genau wie Muttertag, eine Erfindung „Made in USA“. Gefeiert wird hier am dritten Sonntag im Juni, was viele andere Länder übernommen haben. Die Idee kam von Sonora Smart Dodd, Tochter von William Jackson Smart. Sie wollte damit ihren Vater ehren: Dieser hatte nach dem Tod seiner Frau im Kindbett seine sechs Kinder allein aufgezogen. Im Jahr 1910 wurde in Washington zum ersten Mal der Vatertag gefeiert. Im Laufe der Jahre nahm dieser schnell an Beliebtheit in den USA zu. 1972 erklärte Präsident Richard Nixon der Tag zum offiziell anerkannten Feiertag.

Frankreich

Auch in Frankreich werden die Vatis am dritten Sonntag im Juni gefeiert. Ursprünglich wurde der Vatertag auf Bestreben eines Feuerzeugherstellers in den 1950er Jahren initiiert. Dieser Initiative schloss sich die französische Regierung an. Und inzwischen schenken französischen Kinder ihren Papas lieber etwas Selbstgemachtes. Dazu gibt es eine rote Rose. Und falls der Vater bereits verstorben ist, wird eine weiße Rose zum Gedenken an ihn aufgestellt.

Italien, Portugal und Spanien

Nicht nur das schöne Wetter verbindet diese Länder, hier feiert man den Vatertag nach römisch-katholischer Tradition am 19. März. Die katholische Kirche lässt an diesem Tag ihren Schutzpatron und Ziehvater von Jesus hochleben, den heiligen Josef. Das Fest wird gerne in der Familie mit gutem Essen gefeiert. Die Kinder basteln Geschenke für den Vater, lernen Gedichte oder führen im Kindergarten kleine Theaterstücke auf.

Schweden, Norwegen und Finnland

Der Fars Dag findet am zweiten Sonntag im November statt. Viele Familien genießen den Tag zusammen und unternehmen etwas Spannendes. Damit auch alle Nicht-Väter feiern können, ist der Vatertag gleichzeitig der Männertag.

Thailand

Hier wird am 5. Dezember gefeiert, am Tag der Geburt von Bhumibol Adulyadej, dem ehemaligen König. An diesem Tag feiern die Menschen den „Vater der Nation“ und allgemein die Vatis. Traditionell schenken Kinder ihrem Vater eine bestimmte Blume, die sogenannte „Canna“, die bei uns in Deutschland auch als Blumenrohr bekannt ist.

Südkorea

Hier gibt es keinen Vatertag. Dafür ist aber der 5. Mai ein gesetzlicher Feiertag, nämlich der Kindertag. An diesem Tag haben sowohl die Eltern als auch die Kinder den ganzen Tag frei. Da die Eltern unter der Woche nicht viel Zeit für ihre Sprösslinge haben, unternimmt die ganze Familie am Kindertag etwas gemeinsam.

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