Auch ohne ein Loch im Schlauch oder ein undichtes Ventil verliert der Fahrradreifen bei langen Standzeiten Luft.

Fahrrad nach Winterpause wieder startklar machen

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„Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren.“ (John F. Kennedy)

Dieses relativ unbekannte Zitat des ehemaligen amerikanischen Präsidenten wird jedem Radfahrer aus dem Herzen sprechen. Wohl jedem ist der Kindheitsmoment lebhaft in Erinnerung, an dem die ersten Meter auf dem Rad ohne Stützräder oder die helfende Hand eines Erwachsenen gefahren wurden. Eine völlig neue Freiheitserfahrung und zugleich der Wechsel vom Dreirad oder Kettcar fahrenden Kleinkind zum großen Kind, das schon Rad fahren kann. Einmal gelernt, bleibt die Fähigkeit ein Leben lang erhalten, auch wenn man jahrelang nicht auf einem Fahrrad gesessen hat. Nicht umsonst steht die Redewendung „Das ist wie Fahrradfahren…“ für Dinge des Lebens, die tief verinnerlicht sind.

Jetzt, wo sich das kommende Frühjahr mit Blüten und Knospen bereits ankündigt, ist es Zeit den Drahtesel aus dem Keller oder der Garage zu holen. Doch vor der ersten Spritztour sollte das Rad einer gründlichen Inspektion unterzogen werden. Dabei ist es völlig unwesentlich, um welchen Fahrrad-Typ es sich handelt, ein wenig Pflege brauchen sie alle. Wenn man weiß, worauf zu achten ist, steht nach ein paar Handgriffen der nächsten Radfahr-Saison nichts mehr im Wege.

Frühjahrsputz

Wenn das Fahrrad sein Winterquartier ungeputzt bezogen hat, steht als erstes eine gründliche Reinigung an. Dabei sollte auf keinen Fall ein Hochdruckreiniger benutzt werden. Kärcher und Co. treiben mit viel Druck Wasser in die Lager des Rades und ruinieren sie unwiderruflich. Am besten den kompletten Rahmen und Anbauteile mit einem Haushaltsreiniger oder speziellen Fahrradreiniger einsprühen und nach kurzer Einwirkzeit den Dreck mit einem Schwamm entfernen. Zum Reinigen der verwinkelten Anbauteile von Bremse und Gangschaltung eignet sich eine alte Zahnbürste hervorragend. Nach dem Trocknen können noch eventuell entstandene Wasserränder mit einem Lappen weggewischt werden. Fertig.

Der richtige Druck

Auch ohne ein Loch im Schlauch oder ein undichtes Ventil verliert der Fahrradreifen bei langen Standzeiten Luft. Mit der Daumenprobe kann man den Druck überprüfen: Lässt sich der Reifen einen Zentimeter oder mehr eindrücken, muss nachgepumpt werden. Auf der Flanke des Reifenmantels ist normalerweise eine Minimal- und Maximaldruck-Angabe zu finden. Beispielsweise „Min 2.0 Bar – Max 4.0 Bar“. Eine Luftpumpe mit eingebautem Druckanzeiger leistet hier gute Dienste. Tipp: Ein hoher Reifendruck verringert zwar den Rollwiderstand, lässt die Fahrt auf unebenen Wegen aber holperig werden. Daher: Ist man oft auf unbefestigten Straßen unterwegs, sollte man sich eher am unteren Wert des empfohlenen Reifendrucks orientieren.

Hätte, hätte Fahrradkette…

Die Fahrradkette bedarf besonderer Pflege, und zwar bevor sie anfängt mit Quietschen oder Rattern auf sich aufmerksam zu machen. Bei einer regelmäßig gepflegten Kette entfällt die komplette Wäsche mit einem Fettlöser. Es reicht, die Kette durch einen alten Lappen laufen zu lassen (Fahrrad auf den Kopf gestellt und Pedale drehen), um sie von grobem Schmutz zu befreien. Danach gibt man auf jedes Kettenglied einen Tropfen Ketten-Öl und dreht den Antrieb ein paar Runden im Leerlauf. Überflüssiges Öl kann mit einem Lappen abgewischt werden. Tipp: Dünnflüssiges Ketten-Öl muss zwar öfter neu aufgebracht werden, zieht aber dafür den Schmutz nicht so stark an wie zähes Schmierfett.

Damit’s läuft wie geschmiert…

…muss auch geschmiert werden, und zwar an den richtigen Stellen. Grundsätzlich gilt: Alle beweglichen Teile sollten mit einem kriechfähigen Schmiermittel (Teflonspray, WD 40) behandelt werden. Dazu gehören die Pedale, die Drehpunkte der Gangschaltung und Bremsen sowie die Bowdenzüge von Bremsen oder Schaltung. Auch in den Spalt, wo die Rad-Achse in die Nabe mündet, sollte etwas Schmiermittel. Allerdings sind hier ein paar Tropfen Öl oder Fließfett dem Teflonspray oder WD 40 vorzuziehen.

Bremstest!

Bei einfachen Felgenbremsen muss der Belag der Bremsklötze geprüft werden. Ist der Belag soweit abgenutzt, dass keine Rillen mehr zu sehen sind, müssen die Bremsklötze komplett gegen neue ausgetauscht werden. Für den Fall, dass komplizierte Brems-Systeme, wie Scheibenbremsen oder Öldruck-Bremsen, nicht mehr richtig funktionieren, sollte man einen Fachmann um Hilfe bitten. Funktionierende Bremsen können lebenswichtig sein!

Clever geschaltet

Eine Nabenschaltung ist in der Regel wartungsfrei. Kettenschaltungen können sich hingegen nach einer längeren Standzeit verstellen. Das kann sich durch ein Rattern der Kette oder einen ungewollten Gangwechsel während der Fahrt bemerkbar machen. Zumeist lässt sich das Problem mithilfe einer kleinen Stellschraube beheben. Sie befindet sich dort, wo das Schaltungskabel in die Gangschaltung mündet. Eine Drehung der Schraube im Uhrzeigersinn bewirkt bei den meisten Schaltungs-Typen, dass sich das Schaltwerk in Richtung des größten Ritzels bewegt. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl kann man sich in kleinen Schritten an die korrekte Einstellung herantasten. Aber auch hier gilt: Im Zweifelsfall Hilfe beim Fachmann holen.

Die Beleuchtung

Die richtige Beleuchtung ist nicht nur Pflicht, sondern bei Fahrten im Dunkeln unerlässlich. Daher sollte die Funktionsfähigkeit von Vorder- und Rücklicht unbedingt vor der ersten Nachtfahrt überprüft werden. Fehlerquellen finden sich hierbei am häufigsten in kaputten Birnchen oder nicht richtig angeschlossenen, beziehungsweise gerissenen Stromkabeln. Tipp: Neben der technisch überholten Stromversorgung der Beleuchtung durch einen Dynamo ist seit dem 1. August 2013 auch eine ausschließliche Beleuchtung mit Batterie- oder Akkubetriebenen Lampen zulässig. Diese bieten neben der einfachen Handhabung den zusätzlichen Vorteil auch bei stehendem Fahrrad zu leuchten.

Nachdem wir diesen kleinen Ratgeber mit einem Zitat eröffnet haben, schließen wir ebenso:

„Fahrradfahren ist für mich wie ein kleiner Urlaub.“ (Wigald Boning)

In diesem Sinne: Allzeit gute Fahrt!

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7 Kommentare


1
#1
3.5.16, 20:06
ich benutze das Fahrrad auch im Winter. für mich ist es nicht für die Freizeit, sondern ein normales Fortbewegungsmittel. Dadurch wird es regelmäßig gewartet. für Schönwetter Fahrer eine gute Anleitung.
1
#2
4.5.16, 07:17
Ich bin bekennender "Schönwetterfahrer" und finde den Tip gut, ausführlich und nett geschrieben.
#3
12.5.16, 16:30
Ich bin auch Ganzjahres-Radlerin aber jedes Jahr im Frühjahr gönne ich meinem Fahrrad einen Wellnesstag im Fahrradladen. Das hat der Drahtesel dann auch nötig und der Fahrradhändler freut sich.
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#4
12.5.16, 22:37
ich bringe mein Rad nach der Winterpause ebenfalls für einen QuickCheck in den Fahrradladen ... der kostet 10 Euro und ich kriege Luft auf die Reifen, die Kette geölt und Bremsen sowie Federgabel und Schaltung geprüft ... neue Bremsbeläge sind im Preis ebenfalls enthalten

ich würde das auch selbst machen aber dazu fehlt mir die entscheidende Feinmotorik :o(
#5
23.5.16, 10:23
Tja,mein neues Fahrrad steht so wie ich es vor 5 Jahren gekauft habe,im Schuppen.Kurz nach dem Kauf bekam ich den blöden Schlaganfall und traue mich bis heute noch nicht,es zu benutzen.Mein Gleichgewichts Sinn wurde in Mitleidenschaft gezogen.Falls jemand Interesse hat....
#6
23.5.16, 14:52
Ich fahre mit einem E-Bike, was ich auch das ganze Jahr über nutze. Mein Bike ist vor kurzem noch in einer Fahradwekstatt zur sogenannten Inspektion gewesen. Das werde ich auch immer wieder in eine Wekstatt bringen da ich mich mit den ganzen Bauteilen eines E-Bikes überhaupt nicht auskenne geschweige denn auseinander oder wieder zusammenbauen könnte. 😄
#7
23.5.16, 15:01
@Schnuff: Oh, das ist wirklich keine schöne Zuschrift. Und jeden !!! kann so etwas treffen wie der Blitz aus heiterem Himmel. Immer denkt man < mir passiert so etwas nicht >. Aber das ist ein Irrtum und ich sage immer : unter jedem Dach ein ach !! Ich weiß sehr wohl wovon ich spreche.
Als vor 25 Jahren mein damals 20 jähriger Sohn verunglückte dachte ich die Welt geht unter.
Auch die blöden Sprüche von Zeit heilt Wunden kenne ich zur Genüge. Den sogenannten Vogel hat damals allerdings eine Bekannte abgeschossen, als sie beim kondolieren meinte " Sie haben ja noch mehr Kinder !........Dazu fällt einem gar nichts ein. Wenn Sie also nach ihrem Schlaganfall außer der Gleichgewichtsstörung keine anderen, gravierenden Einbußen erlitten haben, so danken Sie ihrem Herrgott oder wem auch immer. Fahradfahren gehört nicht unbedingt zu den wichtigsten Dingen des Lebens..................Alles Gute

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