Statt einfach ein Fotoalbum zu verschenken, nach dem Motto "Wie gesehen, so gekauft", wollte ich zu dem Fotoalbum eine nette Hülle nähen, die Erinnerungswert schafft. Als Material stand sofort FILZ fest.
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Filzhülle für Fotoalbum herstellen

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Statt einfach ein Fotoalbum zu verschenken, nach dem Motto "Wie gesehen, so gekauft", wollte ich zu dem Fotoalbum eine nette Hülle nähen, die Erinnerungswert schafft. Als Material stand sofort FILZ fest. Zum Glück ergaben meine Recherchen im Internet, dass der herkömmliche, preiswerte und in Bastelläden zu kaufende Filz nicht der war, den ich verwenden sollte. Dieser Filz aus dem Hobbybereich ist der sog. Bastelfilz, den es durchaus in unterschiedlichen Stärken zu kaufen gibt. Da meine Hülle aber viele Jahre ... überdauern und vom vielen In-die-Hand-Nehmen auch nicht abscheuern soll, wurde ich gleich auf den sog. Design- bzw. Wollfilz aufmerksam.

Wollfilz ist ein Naturprodukt, bei dem Schafswolle bzw. Wollfasern (manchmal auch mit einem kleinen Anteil an Zellwolle) zu einem in sich einheitlichen, flächigen Textilgebilde weiter verarbeitet werden. Je nach Anbieter kann man Wollfilz in Dicken von 1-6 mm erhalten - dabei als Meterware, als Platten oder Zuschnitte (nach Maß). Wollfilz ist entsprechend des Herstellungsverfahrens bei hochwertigen Anteilen im Preis überhaupt nicht zu vergleichen mit Bastelfilz. Im Gegensatz zu letzterem, pillt er nicht, raut also nicht auf (habe mich schon immer gewundert, weshalb z. B. Laptoptaschen die ich bei anderen gesehen habe, trotz des Benutzens, wie neu aussahen - jetzt ist zumindest das klar!

Weil sich Wollfilz in unterschiedlichen Härtegraden produzieren lässt und ich nicht wusste, welche Stärke für die Hülle am geeignetsten ist und wie meine Nähmaschine damit zurechtkommen würde, ließ ich mir von einer Firma Proben schicken (mache das sehr häufig - Empfehlung!!!), sodass ich die Entscheidung in Ruhe zuhause treffen konnte: Sie fiel auf Wollfilz der Stärke 3 mm (natürlich ohne Imprägnierung und Zusatz von Bindemitteln wie beim Bastelfilz) - doppelt zu vernähen waren das also schon mal 6 mm zwischen Nähfuß und Transporteur! Für die unter euch, die sich hierfür näher interessieren: Die Filzdichte beträgt 0,28 g/cm³ (nach DIN 61200), die Filzhärte M5 (nach DIN 61200) und das Filzgewicht: 600 g/m² (nach DIN 61200). Das Material war eingefärbter Walkfilz aus 100 % Wolle (Wollfilz aus 100% Merino-Schafwolle) - eine nach Oeko-Tex®Standard 100 geprüfte Qualität. Angeboten wurde mein "Lieblingsfilz" in für mich günstigem Zuschnitt von L 90 cm x B 50 cm - ideal für die Hülle. Lieblingsfilz, weil dieser Filz nicht uni gewalkt war, sondern meliert, zudem dann noch die Farbauswahl grandios war und ich somit ohne Probleme eine / die Lieblingsfarbe unser Enkeltochter wählen konnte :-) Entschieden habe ich mich auch für einen bestimmten Shop im Internet, weil dem Kunden garantiert wurde, dass der Filz gerollt geliefert werden würde (und nicht geknickt / gefaltet, wie es leider auch Anbieter von Kunstleder und / oder Korkstoff tun).

So, genug der Schwärmerei von dem Material, denn das Wichtigste kommt ja noch: mein "Produktionsverfahren": 

  1. Beschriftung Vorderseite und Label auswählen und beide fertig stellen - noch nicht annähen ...
  2. die Filzfläche für die Hülle exakt = passend zum vorliegenden Fotoalbum zuschneiden.
  3. Beschriftung (bei mir Vorderseite) und das Label auf der Filzfläche anbringen und 
  4. zuletzt erst die vier kurzen Kanten steppen, die den Einschlag des Albums bilden

Die Hülle des Fotoalbums wollte ich aus nur einem Stück Filz nähen, das nur an den beiden offenen senkrechten Kanten des Fotoalbums zu jeweils ... Zentimeter nach innen eingeschlagen wird (Skizze Farbe GRÜN). Dieser Einschlag wird dann offenkantig aufeinander gesteppt - dies oben und unten auf der Vorderseite der Hülle und ebenso auf der Rückseite. Es sind also dauerhaft nur vier kleine Nähte zu erstellen und zu sehen (siehe Zeichnung - dort Farbe BLAU): Fertig ist die Hülle!

  1. Zwecks Ausmessens habe ich den gekauften Filzzuschnitt um das Fotoalbum herumgeschlagen und an beiden offenen Kanten - wie bei einer normalen Buchhülle - nach Augenmaß und Geschmack Richtung Inneres herumgelegt. Dabei habe ich nichts gemessen, sondern mich für die Breite dieses "Einschlags" nur auf meinen Eindruck verlassen. Die für gut befundenen "Enden" dieser Einschläge habe ich mit Stecknadeln markiert, dann die Filzfläche wieder zurück = aufgeschlagen und das Fotoalbum entfernt.
  2. Die Gesamtbreite des Zuschnitts ergibt sich dann aus der Filzfläche von Stecknadel zu Stecknadel gemessen.
  3. Weil der gekaufte Zuschnitt breiter war als mein ermitteltes Maß, habe ich jetzt den überstehenden Filzrest abgeschnitten: Die Breite der Fläche stimmte schon mal.
  4. Weshalb habe ich dies Maß (benötigte Breite) nicht am Fotoalbum direkt ausgemessen? Da der Filz ja deutlich dicker als normaler Baumwollstoff ist, verbraucht er bei jedem Umschlagen um Kanten oder Wölbungen (Rücken des Fotoalbums) wegen seines Volumens / seiner Dicke ja mehr "Stoff" als zum Beispiel ein gewöhnlicher dünner Baumwollstoff. Deshalb ist es in einem solchen Fall immer ratsam, am und mit dem Original-Material zu arbeiten und daran zu messen.
  5. Schwieriger gestaltete es sich beim Ermitteln der benötigten Höhe. Wie man auf der Skizze sehen kann, wollte ich die kurzen Kanten des Einschlags / (in der Skizze GRÜN gezeichnete) ja offenkantig unter die Vorder- bzw. Rückseite der Fläche steppen. Grob geschätzt habe ich am oberen und unteren Rand der zu schneidenden Filzfläche vorsichtshalber 1cm zu der ausgemessenen Höhe des Fotoalbums addiert, die Filzfläche also insgesamt 2 cm höher zugeschnitten: Aufgrund der Tatsache, dass der Fotoalbum-Rand eine Stärke von ca. 3 mm Stärke hat, müssen die beiden kurzen Kanten (Farbe GRÜN) um eben diese Kante herum"greifen, bis sie einander "treffen", d. h. vollständig auf einander zu liegen kommen. Erst dann kann man durch beide Lagen steppen und der Einschlag ist fest mit dem Deckel bzw. der Rückseite der Filzfläche verbunden (in der Skizze BLAU gezeichnet)!
  6. Weil dieses Maß von insgesamt 2 cm Zugabe aber eine Schätzung war, habe ich nicht gleich euphorisch alle vier Einschlags-Kanten nacheinander festgesteppt, sondern nur die beiden unteren Einschlagskanten genäht, d. h. die beiden, die am unteren Rand des Fotoalbums zu sehen sind. Achtung: normale Nadel, aber 100 - Stichlänge vorher ausprobieren - Garnqualität und Farbe ebenfalls ...
  7. Zur endgültigen Festlegung der Höhe der Filzfläche habe ich das Fotoalbum in diese halb fertigen Einschläge hinein geschoben, dann von der Seite her betrachtet und mit einem Handmaß ausgemessen, wie viel Zentimeter ich an Stoff für die beiden oberen zu nähenden kurzen Kanten (BLAU) noch brauchte: Puhhh - zum Glück konnte und musste ich vom ersten Filzzuschnitt an der oberen gesamten Längskante 0,5 cm mit dem Rollschneider abschneiden.
  8. Dann wurden auch die beiden oberen kurzen Kanten nach innen eingeschlagen und fest gesteppt (Skizze Farbe BLAU).               

Beschriftung des Albums im Drucker erstellen

Selbstverständlich kann man Texte - auch sticken oder von Hand schreiben - ich habe das Bedrucken von Stoff im Drucker gewählt.

  • Für den Text auf der Titelseite habe ich (es war die Qual der Wahl!) mehrere Schriftarten ausgedruckt und mich im Ausschlussverfahren für letztlich zwei mögliche entschieden.
  • Damit ich den Text im Drucker auf Stoff drucken lassen konnte, habe ich ein Stoffstück (größer als A4) grob zugeschnitten und so gut es geht glattgebügelt. Weil der Drucker den Stoff aufgrund der geringen Stärke ja nicht transportieren würde, wird die Rückseite des Stoffes mit sog. Fixier-Stickvlies hinterbügelt (siehe Fotos) - auch dieses etwas größer als A4-Format. Nach dem Abkühlen desselben habe ich Stoff + Stickvlies mit dem Rollschneider auf exakt A4-Format zugeschnitten. Damit ja keine Fusselreste des Stoffes in den Drucker gelangen, habe ich abschließend diese Stoff-Stickvlies-Fläche vorsichtig von innen nach außen mit einem Fusselroller abgerollt.
  • Das Stickvlies bleibt beim Druckvorgang hinter dem Stoff und stabilisiert ihn, so dass der Drucker ihn als etwas dickeres Papier erkennt und gut in den Schacht einzieht :-)
  • Am Drucker die gewünschten Einstellungen vornehmen: Papierformat A4 (es geht natürlich auch mit A5!), bei mir dann noch "Hochkant". Bitte vorsichtshalber noch mal einen Probeausdruck mit Papier machen und / oder die Voransicht / Vorschau genau überprüfen, denn wenn der Stoff erstmal im Drucker liegt, gibt's kein Zurück mehr, und bei einer falschen Einstellung ist alle gemachte Arbeit umsonst sowie Stoff und Fixier-Stickvlies für den Mülleimer.
  • Bevor man den Stoff dann tatsächlich in den Drucker einlegt, überprüfen, auf welcher Seite normalerweise gedruckt wird, d. h., wie der Drucker das Papier einzieht: Es soll ja auf der Stoffseite gedruckt werden und nicht auf der Stickvlies-Fläche ...
  • Wenn alles stimmt, dann den Papierschacht / die Papierzufuhr öffnen und den Stoff (so, wie es der jeweilige Drucker erfordert) auf den vorhandenen Papierstapel legen - niemals nur das Stoff-Stück!
  • Nun wie immer am Rechner den Druckbefehl geben: tata!! Wenn alle Voreinstellungen stimmen, müsste der Stoff wie gewünscht bedruckt den Drucker verlassen!
  • Stoff liegen lassen und die Farbe trocknen lassen - ggf. unter Backpapier nachbügeln. Da in meinem Fall der Stoff nicht gewaschen wird, ist kein Nachbehandeln des Stoffes nötig.
  • Vorsichtig das Stickvlies von der Stoffrückseite her abziehen :-)
  • Fixier-Stickvlies gibts in gut sortierten Warenhäusern oder zur Not (Portokosten) im Internet ... 

Label aufnähen

  • Nach dem Auskühlen die bedruckte Stofffläche im gewünschten Maß einschl. Nahtzugaben zuschneiden. Ich persönlich habe diese Stofffläche mit Vlieseline F220 hinterbügelt und dann mit identischem Stoff verstürzt.
  • Nach Belieben, d. h. mit vielleicht etwas dickerem und / oder farblich kontrastierendem Garn auf der Außenfläche der Filzhülle festnähen.

SnapPap-Label

Auf einem der Fotos ist zu sehen, wie ich vorgegangen bin. Der handgeschriebene Text sollte von zwei kleinen Stempeln eingerahmt sein - dies habe ich nach Abstimmung mit der Farbe des SnapPaps ausprobiert und mich erst dann für die endgültige Farbe entschieden. Das SnapPap erst etwas größer und nach dem Beschriften ... auf das gewünschte Maß zurück schneiden. Wieder nach Gutdünken und vorhandenem Garn ... feststeppen.

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1 Kommentar


#1
27.6.17, 17:39
Das sieht ja richtig klasse aus. Bei Gelegenheit wird es nachgenäht. Danke.😄

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