Giftige Pflanzen im Garten

Das im Fingerhut enthaltene Digitalis ist hochgiftig und in allen Teilen der Pflanze enthalten – Herzrhythmusstörungen, Entzündungen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Halluzinationen sind die Folge.
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Zum Glück gehen die allerwenigsten Erwachsenen in den Garten und knabbern an Blättern, Blümchen oder sonstigen Pflanzenteilen herum. Anders sieht die Sache aus, wenn Kinder im Haus sind. So sehr man ihnen auch einschärft, nicht einfach Beeren zu pflücken und zu verspeisen, die letzte Sicherheit hat man nie. Umso besser zu wissen, welche verbreiteten Gartenpflanzen giftig sind – damit man sie unter Umständen entfernen kann oder erst gar nicht pflanzt. Die toxische Wirkung der untenstehenden Pflanzen macht übrigens auch vor Haustieren wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde oder Katzen nicht Halt.

Die „Klassiker“

Überlieferungen, Sprichwörter, Märchen, Krimis – hieraus kennt jeder den Schierlingsbecher oder die Tollkirsche. Die „klassischen“ Giftpflanzen, die schon mancher Krimiautor in seinen Romanen verwurstet hat:

Eisenhut. Wunderschön mit seiner tiefblauen Farbe, aber eine der tödlichsten Pflanzen in Europa. Selbst Hautkontakt kann ausreichen, deshalb immer Handschuhe anziehen! Alle Pflanzenteile sind gefährlich, das in ihnen enthaltene Aconitin kann Unterkühlung, Herz- und Atemlähmungen und Krämpfe bis zum Tod herbeiführen.

Fingerhut. Das enthaltene Digitalis wird auch in der Medizin angewandt – es senkt die Herzfrequenz und stärkt die Herzleistung. Allerdings ist Digitalis hochgiftig und in allen Teilen der Pflanze enthalten – Herzrhythmusstörungen, Entzündungen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Halluzinationen sind die Folge. Bereits beim Verzehr von zwei bis drei Blättern kann man sterben.

Stechapfel. War wohl in früheren Zeiten eine Zutaten von „Hexentränken“. Die enthaltenen Alkaloide Scopolamin und Atropin haben halluzinogene Wirkung und führen oft zu einem Horrortrip. Außerdem wirken sie aufs Herz und führen schon in kleinsten Mengen zu Herzrasen bis zu Atemlähmungen. Bei Kindern wirken schon wenige Gramm der Blütenblätter tödlich!

Tollkirsche. Hier gilt das Gleiche wir für den Stechapfel – besonders sollte man Kinder vor den Beeren warnen!

Bilsenkraut. Auch im Bilsenkraut finden wir Scoploamin und Atropin in allen Pflanzenteilen.

Gefleckter Schierling. Das enthaltene Coniin führt zu Lähmungen bis zum Atemstillstand. Im Garten wird er selten gepflanzt, da er aber gerne auf Brachfläche siedelt, sollte man bei Neuanlagen vorsichtig sein.

Einbeere. Vorsicht beim Beerensammeln im Wald. Wenn jeder Stängel nur eine einzelne Beere an der Spitze hat, Finger weg. Die giftigen Saponine können Nerven- und Nierenschäden auslösen, bei höherer Dosis auch zum Tod führen.

In diesen Hecken verbirgt sich Gefahr

Kirschlorbeer. Heißt eigentlich Lorbeerkirsche und ist in allen Pflanzenteilen – vor allem aber in Blättern und Samen giftig. Das Fruchtfleisch der Beeren ist ungefährlich, zerkaut man aber die Samen wird Blausäure frei.

Eibe. Hat schöne rote Früchte, die wie alle anderen Pflanzenteile hochgiftig sind. Das Taxin sitzt dabei vor allem in den Kernen und kann zu Bewusstseinsstörungen, Kreislaufkollaps und Atemlähmung führen.

Stechpalme. Dass der stachelige Ilex äußerlich mit Vorsicht zu behandeln ist, weiß man. Dass aber sowohl Blätter als auch die hübschen roten Beeren zu Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen, Lähmungen, Nierenschäden, Durchfall und Magenentzündungen führen können, ist nicht so bekannt.

Sie können klettern und sie können töten

Goldregen. Sieht aus wie er heißt und ist durch und durch giftig – vor allem in den Samen steckt viel von dem Alkaloid Cytisin, das zu Lähmungen bis zum Atemstillstand führen kann.

Blauregen. Die bei uns auch als Glyzinie oder Wisterie bekannte und beliebte Kletterpflanze enthält in Samen und Hülsen ein Lectin, das Verdauungsstörungen und Kreislaufbeschwerden verursachen kann.

Efeu. Magenbeschwerden und Fieber sind die Folge, wenn man von den Früchten des Efeus nascht, der übrigens durchweg giftig ist.

Blütenpflanzen

Oleander. Bitte nie essen! Das Herzgift Oleandrin verursacht Bauchkrämpfe, Erbrechen, Durchfall, Herzrhythmusstörungen und Herzlähmungen

Maiglöckchen. So hübsch, so gefährlich. Sowohl Blätter als auch Blüten sind hochgiftig und können sogar zu Tode führen. Wer Maiglöckchen pflückt, bitte hinterher gründlich die Hände waschen!

Engelstrompete. Vorsicht vor den Blütenblättern, denn hier stecken Erbrechen, Durchfall, Sehstörungen und Halluzinationen drin!

Christrose. Zum Glück steckt das meiste Gift in der Wurzel, so dass Vergiftungen relativ selten sind. Dennoch sind die Herzgifte in allen Pflanzenteilen vorhanden.

Goldlack. Auch der hübsche Goldlack enthält ein Herzgift, das zu Herzrhythmusstörungen führen kann.

Rhododendron. Andromedotoxin heißt das Gift, das in allen Teilen des Rhododendrons lauert. Ein extrem verlangsamter Herzschlag, schwacher Puls bis hinzu Koma und Tod sind die Folgen schwerer Vergiftungen.

Rittersporn. Das im Rittersporn durchweg vorhandene Alkaloid kann zu Verdauungsstörungen führen.

Herbstzeitlose. Was im Herbst wie ein lila Krokus auf der Weide blüht, kann Atemlähmungen auslösen.

Alpenveilchen. Harmlos steht es auf dem Fensterbrett und dennoch sind Blätter und Knolle voll von Kreislaufstörungen und Krämpfe auslösenden Saponinen.

Bäume und Sträucher

Pfaffenhütchen. Die auch Spindelstrauch genannte Pflanze bezaubert durch die roten, an einen Priesterhut erinnernden Früchte – diese jedoch verursachen beim Verzehr Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magen-Darm-Reizungen, Leber- und Nierenschäden bis hin zum Tod.

Buchsbaum. Der Buchs verteidigt sich gegen Fraßfeinde, in dem er in allen Teilen rund 70 Alkaloide einlagert, die zu Übelkeit Erbrechen und zum Tod führen können.

Robinien. Die Scheinakazie gilt als in allen Teilen sehr giftig – auch für Haus- und Nutztiere. Bereits der Verzehr von 4-5 Samen kann zu Vergiftungen führen. Besonders giftig ist die Rinde.

Holunder. Unreife Holunderbeeren ebenso wie alle anderen Teile der Pflanzen führen zu Übelkeit und Brechreiz.

Rizinusbaum. Die Samen der auch Wunderbaum genannten, attraktiven großblättrigen Pflanze wirken abführend, können aber schon in geringen Mengen tödlich sein! Denn in den Schalen befindet sich das hochgiftige Rizin, das jedoch bei der Gewinnung von Rizinusöl „außen vor“ bleibt, da es fettunlöslich ist. Allerdings ist auch bei der Anwendung von Rizinusöl zu Abführzwecken Vorsicht geboten – eine Überdosis kann zu schweren Komplikationen führen.

Wie kann man Vergiftungen vorbeugen?

Die beste Prävention ist, giftige Pflanzen erst gar nicht anzupflanzen. Leider stehen auf den Schildern im Gartencenter oder auch bei den Beschreibungen der Baumschulen selten etwas zur Giftigkeit. Wer kleine Kinder oder Haustiere hat, muss hier genau nachfragen.

Kleinen Kindern sollte man von Anfang an einprägen, dass sie niemals einfach Beeren oder andere Pflanzenteile essen, ohne vorher gefragt zu haben. Hat man Giftpflanzen im Garten, sollte man auch Haustiere nicht unbeaufsichtigt nach draußen lassen – vor allem, wenn sie noch jung und unerfahren sind.

Was tun bei Vergiftungen?

  • Keine Panik. Vor allem bei Kindern – meist wird nur eine Beere oder ein Blatt gegessen, weil giftige Pflanzen selten gut schmecken, das führt zu Bauchweh und Übelkeit. Fertig.
  • Trotzdem sofort den Giftnotruf, den Kinderarzt oder bei schwereren Symptomen den Notruf 112 anrufen. Bei Haustieren natürlich den Tierarzt.
  • Die Pflanze identifizieren und benennen.
  • Nichts einnehmen – auf keinen Fall Milch! Auf Rat und Hilfe eines Arztes warten.
  • Niemals Erbrechen auslösen!

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