Das Verschlucken von Objekten passiert keineswegs nur Kindern. Auch Erwachsene, vor allem ältere Menschen, können aus Versehen Gegenstände verschlucken. Immerhin 13 Fälle pro 100.000 Menschen gibt es jedes Jahr, schätzen Mediziner.

Was tun bei verschluckten Gegenständen?

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Es geschieht häufiger als man denkt: Kurz verschluckt, nicht aufgepasst und schon hat man den Kaugummi, die Erdnuss oder sogar gefährliche Objekte wie Käsepieker verschluckt. Gerade Kinder stecken häufig Gegenstände in den Mund, die beim Verschlucken zur Gefahr werden können. Was aber kann ich tun, wenn es passiert?

Das Verschlucken von Objekten passiert keineswegs nur Kindern. Auch Erwachsene, vor allem ältere Menschen, können aus Versehen Gegenstände verschlucken. Immerhin 13 Fälle pro 100.000 Menschen gibt es jedes Jahr, schätzen Mediziner. "Häufig werden Gebissteile oder ungeeignete Bestandteile des Essens verschluckt, beispielsweise ein zu großes Stück Steak vom Grill oder Fischgräten", berichtet Alexander von der Ulmer Universitätsklinik. "Wir haben aber auch Patienten, die eine Glasscherbe verschlucken oder mit Käse und Traube zusammen den spitzen Plastikpieker."

Was wurde verschluckt?

Egal ob bei einem Kind oder einem Erwachsenen: Das Wichtigste ist es, nicht in Panik zu geraten.

Als erstes sollte ich herausfinden, was der Betroffene verschluckt hat. Ist es eine Murmel, eine Münze oder ein ähnlicher eher kleiner, rundlicher Gegenstand? Dann besteht meist kein akuter Grund zur Sorge. Denn Objekte bis zu rund zwei Zentimetern Durchmesser können Speiseröhre und Darm selbst bei kleinen Kindern meist problemlos passieren. Sie werden von selbst wieder ausgeschieden und finden sich dann in der Toilette oder der Windel wieder.

Welche Sofortmaßnahmen gibt es?

Ist der Gegenstand weder spitz noch scharf, dann kann ich dem Betroffenen manchmal schon mit einer einfachen Maßnahme helfen. Ist ein Kind betroffen, lege ich es bäuchlings über meine Knie, so dass Kopf und Arme herunterhängen. Mit der flachen Hand schlage ich nun ein paar Mal kräftig auf den Rücken zwischen die Schulterblätter. Sitzt der Gegenstand noch relativ weit oben im Hals, kann das schon ausreichen, um ihn herauszubekommen.

Bei einem Erwachsenen kann es helfen, wenn ich seinen Brustkorb unterhalb der Rippen mit den Armen von hinten umfasse. Dann drücke ich mehrfach kräftig zu. Diese plötzliche Kompression kann festgeklemmte Objekte buchstäblich herauskatapultieren.

Auf keinen Fall sollte ich ein Brechmittel einnehmen oder es dem Betroffenen verabreichen. Denn je nachdem, um was für einen Fremdkörper es sich handelt, kann das erst Recht die sensiblen Innereien verletzen.

Wann sollte ich den Notarzt rufen?

Gravierender ist die Lage jedoch, wenn das Kind oder der betroffene Erwachsene entweder unter Atemnot leidet oder unter Schmerzen, Übelkeit oder ungewöhnlich starkem Speichelfluss. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass das Objekt entweder in der Luftröhre oder im Kehlkopf festsitzt, oder aber in der Speiseröhre. In diesen Fällen sollte ich unbedingt sofort den Notarzt rufen.

Gleiches gilt auch, wenn ein scharfer oder spitzer Gegenstand oder eine Batterie verschluckt wurde. Denn ein Käsepieker, eine Rasierklinge oder Ähnliches können die Wand der Speiseröhre, des Magens oder Darms durchbohren und innere Verletzungen auslösen. Hier muss unbedingt schnell gehandelt werden – und das kann nur der Arzt.

Ähnlich sieht es bei einer verschluckten Batterie oder einem Magneten aus: "Wenn jemand eine Knopfbatterie verschluckt, muss der Arzt sofort handeln, denn durch elektrische oder chemische Reaktionen können die Magen- oder Darmschleimhäute geschädigt werden", erklärt Meining. "Auch Magneten müssen sofort entfernt werden, da sie mit ihrer Anziehungskraft beispielsweise zwei Darmschlingen zusammenkleben und verletzen können."

Was muss der Arzt wissen?

Für den Arzt ist es wichtig zu wissen, was genau verschluckt wurde. Am besten ist es daher, wenn ich einen identischen Gegenstand, also beispielsweise noch einen Käsepieker, mit zum Arzt bringe. Das erleichtert diesem die Diagnose und Therapie. Auch der genaue Zeitpunkt ist wichtig. Denn je länger das Objekt schon im Körper ist, desto weiter könnte es im Magen-Darmtrakt schon gewandert sein. Der Arzt kann bei einer genauen Zeitangabe daher besser abschätzen, wo er nach dem Gegenstand suchen muss.

Was macht der Arzt?

Der Mediziner wird nach einer Befragung des Betroffenen oder bei einem kleinen Kind der Angehörigen zunächst Mund und Hals genau untersuchen. Sitzt das verschluckte Objekt noch im Rachen oder oberhalb des Kehlkopfes, kann er es bei dieser Untersuchung schon ausfindig machen und möglicherweise mit einer Pinzette vorsichtig herausziehen.

Findet der Arzt das Objekt bei dieser Untersuchung nicht, wird er meist eine Röntgenuntersuchung veranlassen. Sie verrät ihm genau, wo der verschluckte Gegenstand liegt, ob er festsitzt und möglicherweise schon Schäden angerichtet hat. Und das Röntgenbild zeigt natürlich auch noch einmal genau, worum es sich eigentlich handelt.

Wie wird der Gegenstand entfernt?

In den meisten Fällen lassen sich die verschluckten Gegenstände endoskopisch entfernen. Der Arzt führt dabei unter Betäubung vorsichtig eine Sonde über den Mund und Rachen ein. Diese trägt an ihrem Vorderende zum einen eine Kamera, zum anderen aber kleine Greifhaken. Mit diesen kann er das Objekt greifen und langsam herausziehen. Bei scharfen oder spitzen Gegenständen nutzt der Mediziner dafür spezielle Sonden, die Schlingen oder Körbchen an ihrem Vorderende tragen. Diese schützen das umgebende Gewebe beim Herausziehen vor Verletzungen.

Nur in seltenen Fällen muss ein Gegenstand durch eine Operation entfernt werden. Das ist meist dann der Fall, wenn er schon Verletzungen verursacht hat oder so tief im Dünndarm sitzt, dass der Arzt per Sonde nicht mehr rankommt. Aber auch die Operation wird meist minimalinvasiv gemacht. Über kleine Bauschnitte führen die Mediziner dabei Sonden ein, mit denen sie dann den Darm vorsichtig an der Stelle öffnen und den Fremdkörper entfernen.

 

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4 Kommentare


#1
7.11.16, 13:43
Führt der Arzt "Bauschnitte" durch oder "Bauchschnitte"?
Der Text ist gut geschrieben, aber ich hoffe, daß ich nie in die Lage kommen werde, jemandem helfen zu müssen, der einen größeren Gegenstand verschluckt hat!
1
#2
7.11.16, 15:19
Mir passiert es in letzter Zeit öfter das ich mich beim essen verschlucke. Mag am Alter liegen und ganz sicher an meiner unübertroffenen Plapperei während des essens. Früher wurde mir beigebracht, man spricht nicht beim essen, aber das habe ich wohl vergessen. Manchmal verschlucke ich mich so heftig, daß mir die Luft knapp wird. Bis jetzt ging alles gut, aber ich muss wohl meine Kinderstube wieder beim essen ins Gedächtnis rufen, zur Not habe ich ja jetzt den Tipp. 😳
#3
19.11.16, 12:29
@Upsi: dann lass Dich aber mal vorsichtshalber, wenn das weiterhin besteht oder schlimmer wird mal bei einem HNO-Arzt abklären. Das Verschlucken kann durchaus durch konkrete anatomische/pathologische oder neurologische Veränderungen zustande kommen....ich habe genug Menschen gesehen, die durch massives Verschlucken einen Hirnschaden durch Sauerstoffmangel erlitten haben.
#4
19.11.16, 17:12
Genau. Verschlucken=Aspiration. Wenn das öfter geschieht, hat man vielleicht eine Dysphagie, die bitte schnell vom Spezialisten abgeklärt werden sollte. Es gibt Ursachen dafür, die gravierend sein könnten. Man kann eine Logopädische Therapie durchführen, die das Ganze behebt (im besten Fall) oder man lernt als Patient, was man beim Essen beachten sollte. Das Alter? Kann sein, aber nur, wenn die Kehlkopfmuskulatur erschlafft ist oder der Schluckreflex verspätet ausgelöst wird. In jedem Fall einen Arzt konsultieren. 

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