Autowäsche

Autowäsche: Waschanlage oder Handwäsche?

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Zeitgemäße Autowäsche – Geputzt, gewachst, gewienert – des deutschen Mannes "Heilig´s Blechle" will gepflegt sein. Doch welche und wieviel Pflege sind richtig? Wo spare ich Wasser, Energie und damit Geld? Was ist gut für mein Auto und für die Umwelt? Viele Fragen, von denen die wichtigsten im Folgenden geklärt werden sollen.

Autowäsche in der Waschstraße

Moderne Waschstraßen stellen heutzutage die denkbar gründlichste und schonendste Art der Autowäsche dar. Bei den meisten Anlagen dieser Art kann man am Steuer sitzenbleiben. Vor Einfahrt in die bis zu dreißig Meter lange Anlage sollte auf jeden Fall die Radioantenne versenkt werden. Falls euer Auto über einen Regensensor für die Scheibenwischer verfügt, solltet ihr diesen unbedingt deaktivieren. So wird ein ungewolltes Anlaufen der Wischautomatik während der Reinigung verhindert. In den meisten Waschstraßen wird vor dem Auffahren auf das Förderband eine grobe Vorab-Reinigung durch geschultes Personal durchgeführt. Danach fahrt ihr auf das Förderband, schaltet den Motor ab und lehnt euch entspannt zurück.

Die Ausstattungen der verschiedenen Waschstraßen unterscheiden sich von Anlage zu Anlage. In den allermeisten Fällen erfolgt die Reinigung aber nach folgendem Muster:

  • Der Wagen durchläuft einen sogenannten Schaumbogen. Hier wird das gesamte Fahrzeug mit einem speziellen Shampoo überzogen.
  • Die Dachwalze reinigt vordere Front, Motorhaube, Front- und Heckfenster, Dachpartie sowie Kofferraumklappe und Heck.
  • Der Seitenwäscher behandelt die Seitenflächen des Wagens.
  • In vielen Anlagen kommt ein zusätzlicher Schwellerwäscher für die Reinigung der unteren Wagenpartie zum Einsatz.
  • In den meisten Anlagen gibt es noch einen speziellen Rad- und Felgenwäscher. Auch eine Unterbodenwäscheist zumeist optional erhältlich.
  • Nach der Reinigung durchläuft das Auto einen Wachsbogen. Die dabei aufgetragene Wachsschicht sorgt für Konservierung und gibt Extra-Glanz.
  • Mittels einer Klarspülung werden alle eventuellen Rückstände entfernt.
  • Bei der abschließenden Trocknung kommen bewegliche Trockendüsen und eventuell zusätzliche Tuchtrocknerzum Einsatz.
  • Sobald die Ampel am Ende der Waschstraße grünes Licht gibt, könnt ihr euren gründlich gesäuberten und optimal gepflegten Wagen ins Freie fahren.

Waschstraßen verfügen über ein ökologisch sinnvolles und gesetzlich vorgeschriebenes Wasseraufbereitungsverfahren. Das bei der Reinigung verwendete Wasser wird von Schmutz und Rückständen befreit und wiederverwendet. Im Jahr 2013 gab es deutschlandweit 4.256 Waschstraßen*, Tendenz steigend.

Autowäsche in der Portalanlage

Die meisten Portalanlagen in Deutschland werden von Tankstellen als Zusatzangebot betrieben. Im Unterschied zur Waschstraße müsst ihr hier aussteigen und euer Auto ein paar Minuten der Technik anvertrauen. Auch hier gilt: Radioantenne versenken, den Regensensor deaktivieren und den Motor abstellen. Die Handbremse muss angezogen werden. Zuvor müsst ihr an der Tankstellenkasse oder einem Münzautomaten für das gewählte Waschprogramm bezahlen.

Die komplette Wascheinheit befindet sich bei diesen Anlagen in einem beweglichen Rahmen. Während euer Auto steht, fährt dieser Portalrahmen es auf Laufschienen ab und bringt dabei die verschiedenen Reinigungswalzen (wie in der Waschstraße) zum Einsatz.

In vielen Anlagen wird eine zusätzliche Hochdruckvorwäsche oder die Behandlung mit Aktivschaum angeboten. Teilweise gibt es auch die Möglichkeit selbst mit dem Hochdruckreiniger eine Vorwäsche durchzuführen. Nach Abschluss der Reinigung wird das Auto mit einem Heißluftgebläse getrocknet und ist bereit zur Weiterfahrt.

Auch in diesen Portalanlagen wird das verwendete Wasser in einer Aufbereitungsanlage gereinigt und wiederverwendet.

Autowäsche von Hand

Einst…

Ach, waren das noch Zeiten: Jeden Samstag fuhr Vater den Wagen in die Garageneinfahrt und vollzog das archetypische Ritual der wöchentlichen Autowäsche. Das gehörte zum Wochenende wie die Sportschau, Grillkohle und Sonntagsbraten. Während nach getaner Arbeit der Schaumberg langsam in den Gully tropfte, konnte Vati mit dem Nachbarn über das beste Poliermittel fachsimpeln und ein Bierchen zischen. Deutsche Idylle pur.

Und jetzt…

Die Zeiten haben sich geändert. Genau wie wilde Müllentsorgung und Laub verbrennen musste sich das Thema Wagenwäsche der ökologischen Gesetzgebung anpassen. Sogenanntes "wildes Autowaschen" (auch auf dem eigenen Grundstück) ist mittlerweile vielerorts eine Ordnungswidrigkeit und wird dementsprechend geahndet. Dass es sich hierbei nicht um staatliche Willkür sondern eine sinnvolle Neuregelung handelt, können folgende Zahlen belegen:

Die harten Contra-Fakten:

Der Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland e.V. (BTG-Minden) geht von etwa 105 Millionen illegaler Autowäschen jährlich aus. Was dabei ungefiltert in das Abwassersystem gelangt, oder schlimmstenfalls direkt im Boden versickert, verdeutlicht der Abwasser-Experte des BTG Gerhard Petig wie folgt:

"Wenn man, sparsam gerechnet, von 10 Gramm Schmutzfracht pro Autowäsche ausgeht, fallen bei den wilden Wäschen pro Jahr 1,05 Millionen Kilo Schmutz an, darunter große Mengen Salz und Bindemittel. Das entspricht pro Jahr der Ladung von 150 Lkw mit 7 Tonnen."

Auch zu den verwendeten Reinigungsmitteln kann Petig erschreckende Zahlen nennen:

"Geht man von nur 20 ml Reinigungs- und Konservierungschemie pro wilder Wäsche aus, ergibt dies jährlich 60 Tanklastzüge zu je 35.000 Liter Chemie, die unkontrolliert abfließt."

Fazit

Das Entscheidende zuerst: Jede "wilde Autowäsche" ist wesentlich umweltschädlicher und teurer als der Besuch einer Waschstraße oder Portalanlage. Angesichts der Häufigkeit mit der die Deutschen ihr Auto waschen, liegt hier ein enormes Sparpotential an Wasser- und Energieressourcen (Von den Bußgeldern beim "Erwischt-Werden" ganz abgesehen). Statista hat ermittelt, dass 23 % aller Deutschen ihr Auto sechs- bis zehnmal jährlich waschen. Drei Prozent waschen überhaupt nicht und immerhin noch sechs Prozent 25 bis 48 Mal pro Jahr*.

Bei einem vom ADAC durchgeführten Test im Jahr 2013 schnitten Waschstraßen (Durchschnittsnote 2) deutlich besser ab als Portalanlagen (Durchschnittsnote 3,6). Das mag daran liegen, dass Portalanlagen zumeist nur "nebenbei" von Tankstellen betrieben werden. Waschstraßen sind hingegen spezialisierte Betriebe in denen in der Regel geschultes Fachpersonal arbeitet. Wer Wert auf Gründlichkeit legt, sollte also die Waschstraße einer Portalanlage vorziehen.

Im Herbst und Winter sollte das Auto häufiger gewaschen werden. Zum einen ist ein Auto mit sauberen Scheinwerfern in der dunklen Jahreszeit besser sichtbar. Zum anderen können Streusalzrückstände den Lack angreifen.

Eine interessante Zahl liefert noch die Umfrage des Portals "Autoscout24" zum Thema "sauberes Auto" – demnach ist 20 Prozent der Männer Sauberkeit am und im Auto wichtiger als im Schlafzimmer. Ob ihre Frauen das genauso sehen? Allzeit gute Fahrt!

*Quelle: © Statista 2015

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2 Kommentare


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#1 alteolle
26.4.15, 20:39
Komisch, Landwirte dürfen Gülle in (fast beliebig) großer Menge auf die Äcker bringen, es wird immer noch Salz verkauft und verwendet um Strassen und Gehwege rutschfrei zu bekommen, gefühlt täglich gibt es neue, sinnfreie SUV die einen sehr hohen Schadstoffausstoss haben, wir benutzen Sprays, die die Ozonschicht zerstören, in Freizeitparks gibt es FAhrten mit Panzern, Formel-1 Rennen und andere Autorennen sowie Flugschauen dürfen veranstaltet werden, unsere Bundeskanzlerin fliegt für ein Fussballspiel mit einem Bundeswehrflugzeug alleine(!), täglich werden Unmengen von Abgasen durch Urlaubsschiffe in die Atmosphäre geblasen usw. - und dann ist es schädlich, sein Auto privat zu waschen????
Übrigens ist ein Ölwechsel privat nicht verboten, wenn das Altöl korrekt entsorgt wird und ich bei der Arbeit nichts ins Erdreich kommen lasse......
#2 der_dingo
17.5.15, 11:53
vollste Zustimmung, alles nur dummes Gelaber und reglementiert um Pfründe zu sichern.
Weltweit die einzigen die sich den Schwachsinn von Umweltplaketten ausgedacht haben.
Rundherum wird gedieselt auf Teufel komm raus, Feinstaub macht erstaunlicherweise nicht Halt an unseren Grenzen, der wabert einfach rüber. Ganz Holland freute sich über unsere billigen gebrauchten Dieselfahrzeuge die bei uns keine Plaketten mehr bekamen.
Wir sind die Deppen.

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