Genderstern: auf den Mond und wieder zurück - der Community-#FunFriday

Nicht "flüssig" sondern "überflüssig" finden manche die Gendersprache. Andere wollen auf keinen Fall auf sie verzichten.
4
Lesezeit ca. 3 Minuten

Häufig sind es Kleinigkeiten, die uns rasend machen. Das zeigt zurzeit sehr schön das Gendersternchen. Denn nach dem letzten #FunFriday zum Thema „Gendern“ schwappte unserer Redaktion eine Welle teilweise heftiger emotionaler Reaktionen entgegen.

Der Tenor ging bei euren Beiträgen vorwiegend in Richtung: „Gendern? Überflüssig und nervig!“ Allerdings gab es auch Meinungen, die sich klar fürs Gendern ausgesprochen haben. Lest selbst, was die Frag Mutti-Community zu sagen hat. Wir haben dafür sehr gegensätzliche Auszüge aus euren teilweise sehr langen Beiträgen in den Kommentaren und per Mail geschickten Nachrichten zusammengefasst. Bühne frei für euren ersten Community-#FunFriday!

Sind das Schüler? Oder eben doch Schülerinnen? Manche stört es zumindest, wenn die weibliche Form nicht ausgeschrieben wird.

Schüler*innen für den Genderstern?

Von der 12-jährige Sophie aus Kiel stammt das folgende Zitat: „Es kann schon sein, dass das Gendern viele nervt. Aber mich stört es, wenn unserer Lehrer*innen von uns als ‚Schülern' sprechen. Ich bin nämlich kein Schüler, ich bin eine Schülerin. Wenn ein Brief an uns kommt, möchte ich deshalb ‚Liebe Schüler*innen' lesen. Und nicht nur ‚Liebe Schüler'. Deshalb bin ich für den Genderstern.“

„DWL" meint: „Bevor man mit dem Gendern anfängt, sollte man erst mal überprüfen, was zuerst ganz aus dem Wortschatz verschwinden sollte, z.B. Fräulein, Landsmännin, Frau Minister, Präsident usw. Oder wenn ein Frauenarzt von seinen PatientEN spricht.“

Eine klare Meinung vertritt Margret: „Ich bin schon jenseits der 70 und finde diese Formulierungen einfach nur schrecklich, weil der ganze Text dadurch auseinander gerissen wird.“

Ausgrenzung durch Sprache

Die Argumentation, dass Sprache durchs Gendern nicht gerade „schöner“ wird, ist wohl eines der Hauptargumente gegen das Gendern. Allerdings tritt dieser Aspekt für manche von euch in den Hintergrund.

So geht es zum Beispiel Angela aus Stuttgart: „Die Diskussion ist längst überfällig und manche haben einfach die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Ein guter Freund von mir war früher eine Frau. In der Zeit der Geschlechtsangleichung hat er sehr unter dem „Stempel“ gelitten, den die Gesellschaft Menschen aufdrückt. Die Welt ist aber nicht nur schwarz und weiß. Natürlich ist Gendern an sich nicht schön. Aber wenigstens diskutieren wir jetzt darüber, diejenigen abzuholen, die die ewigen Stempel, auch in der Sprache, satt haben.“

„Sidoad“ sieht das ganz anders: „ ... diese sprachliche Verirrung ist schlimm. Eine Sprache ist lebendig und kommt aus dem Volk. Jugendliche haben ihre eigne Sprache, die mit der Zeit in den normalen Sprachgebrauch einfließt, aber die Kunstsprache vom hohen Ross' ist lachhaft.“

Ewig gestrig oder überflüssig?

Schade, dass wir einige Beiträge nicht oder nur in Auszügen verwenden konnten. Doch viele von euch reagieren – zurecht – sensibel auf beleidigende, unsachliche Aussagen. Entsprechend müssen wir immer wieder Kommentare löschen. Zum Glück war aber der Großteil eurer Beiträge ebenso spannend wie sachlich formuliert. Und dafür bieten wir euch mit Vergnügen Spielraum:

„Mafalda“ zum Beispiel fasst ihre Meinung so zusammen: „Insgesamt finde ich, dass Geschlecht und sexuelle Vorlieben oder Gegebenheiten nicht ständig thematisiert werden sollten. Das ist Privatsache. Ich möchte nicht, dass bei jeder Nennung herausgestellt wird, ob ich zurzeit Mann, Frau, XY bin, in welcher Form von Paarbeziehung ich derzeit stehe oder welche sexuellen Neigungen ich gerade habe. Deswegen finden wir ja ‚Fräulein' so entsetzlich.“

Ein namenloser Herr, der als Absender nur „LG, ein 78jähriger“ geschrieben hat, meint: „Gendern ist (…) mehr als flüssig, nämlich ‚überflüssig'. Viel wichtiger ist, die Würde jeden Geschlechts zu achten und da führt Gendern ins Lächerliche.“

Gwendolin aus Frankfurt dagegen hofft: „ … dass die ewig Gestrigen, die sich über die umständlichen Gender-Formen beklagen, endlich deren Notwendigkeit einsehen. Das Ringen um eine neue, geschlechtergerechte Sprache erfolgt leider nicht von selbst.“

Sind Backende etwas anderes als Bäcker;innen? Bäcker:innen sind dasselbe auch dann noch, wenn sie schlafen, Backende nicht.

Formulierungen auf dem Prüfstand

Für viele Aufreger sorgt das Gendern auch wegen seiner „Richtigkeit“, falschen oder nicht eindeutigen Formulierungen und deren Gebrauch.

Auch „whirlwind“ geht das so: „Forschende', Arbeitende' etc. kann man sprachlich korrekt nur so bezeichnen, solange sie bei der Arbeit sind. Backende' sind nicht automatisch Bäcker, Bäcker' ist auch jemand, der gerade schläft, während ein Backender' aktuell der Tätigkeit des Backens nachgeht, gleichgültig, ob es sich um einen Vertreter des Berufsstandes der Bäcker handelt, oder einen dilettierenden Hausmann. So der Sinn des Partizip Präsens.“

„schoenezeiten“ hat einen charmanten Alternativvorschlag für die sperrigen Formulierungen: „Ich benutze die Anrede: Liebe Damen und Herren und komme mir damit gar nicht dämlich vor. Soviel Zeit muss sein. Auch die Formulierung Forschende' oder Arbeitende' oder Autofahrende' lasse ich mir gefallen. Was soll der ganze Trubel ums Gendern? So geht das doch. Und ich finde, dass es in männlich und weiblich unterschieden werden sollte bei der Anrede oder die allgemeine Form bei der Betrachtung des Berufes.“

Was bringt der Fittnesstrainerin die weibliche Anrede, wenn sie weniger verdient als ihr männlicher Kollege?

Gleichberechtigung durch Gendern?

„Pferdefreund74“ beschreibt einen weiteren Ansatz: „Dieses Gendern' macht jedes Gespräch kaputt. In den Nachrichten versteht man z.B. häufig gar nicht mehr worum es geht, weil die Informationen unnötig verlängert werden. Und, dass unser Sohn in der Oberstufe mittlerweile einen Punkt Abzug erhält, wenn die Texte nicht gegendert sind, halte ich für völlig überflüssig. Für mich hat Gleichberechtigung nichts damit zu tun, wie ich angesprochen werde, sondern mit z.B. gleichen Chancen oder gleichem Lohn. Es bringt mir nichts, wenn ich als Fitnesstrainerin angesprochen werde und trotzdem weniger Stundenlohn bekomme als der Fitnesstrainer.“

Karoline aus Essen meint dagegen: „Gleichberechtigung beginnt nun mal bei der Sprache. Deshalb ist Gendern so wichtig.“

Als Fazit der Community zitieren wir noch einmal „whirlwind“: „Letztendlich geht es doch bei den Bestrebungen ums Gendern darum, anderen Menschen Respekt zu erweisen, sie zu achten. Wie soll das gelingen mit absurden Wortschöpfungen, die nur ausdrücken, dass man sich nicht die Zeit nimmt, Männlein und Weiblein getrennt anzusprechen? Zeit ist eines der kostbarsten Güter, das man für jemanden aufbringen kann. Wenn man die paar Bruchteile von Sekunden für getrennte Ansprache der Geschlechter nicht übrig hat, dann fehlt es auch am Bewusstsein für den Sinn des Genderns.“

Der Community-#FunFriday

Wie sich unsere Sprache entwickelt und ob oder wie wir dafür aufgeschlossen sind, bleiben oder werden, bleibt also spannend. Der erste Community-#FunFriday hat jedenfalls gezeigt, dass Sprache nichts Selbstverständliches ist und dass es dazu ordentlich Diskussionsbedarf gibt.

Wir freuen uns schon auf den nächsten #FunFriday, bei dem ihr hoffentlich wieder mit Humor, Herz und spitzer Feder mitschreibt.

Wie findest du diesen Tipp?

Voriger Tipp
"Bernhards Welt": Lachyoga und Kopfkino gegen Miesepeter und Winterblues
Nächster Tipp
„Bernhards Welt" Geschwister – das beste Mittel gegen Neid
Tipp erstellt von
am
Jetzt bewerten!

Bewerte jetzt diesen Tipp!
Vergib zwischen ein und fünf Sternen:

3,9 von 5 Sternen
auf der Grundlage von
3 Kommentare

Tipp online aufrufen