Das fertige Griffpolster so um den Trägergurt herum befestigen, dass die Oberteile der Druckknöpfe sichtbar oben liegen und die geschlossene Kante des Griffpolsters die vordere Trägergurt-Kante (die, von der her man den Griff umfasst) umschließt.
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Griffpolster für Rucksack nähen

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Häufig sieht man an Rucksäcken einen Griffbezug, der aus hartem Kunststoff produziert ist. Je nach Gebrauch kann dieser durchaus brechen, sodass im Raume stand, dann doch ein Griffpolster selbst zu nähen, damit das eingearbeitete Gurtband als Trägergurt nicht so in der Hand schnürt und / oder sich immer zusammenquetscht ... 

Materialien

  • Kunstleder oder anderes robustes Material
  • Vlieseline S320 zur Verstärkung/ leichte Schabrackeneinlage
  • Nähmaschine mit Microfasernadel, Garne, zum Absteppen von rechts vielleicht einen kräftigeren Oberfaden
  • Bügeltisch, Bügeleisen, Tuch zum Abdecken beim (feuchten) Bügeln
  • Klettband, aufnähbar oder Druckknöpfe / Durchm. in Abhängigkeit von der Beschaffenheit / Breite des Griffes selbst und den verarbeiteten Materialien ...)
  • ggf. Einfassband 
  • Stoffschere
  • evtl. Schneidmatte, Patchworklineal und Rollschneider
  • Falzbein zum Ausformen der Ecken
  • ggf. teflonbeschichteter Nähfuß
  • Backpapier - Butterbrotpapier
  • Stylefix (schmales doppelseitig klebendes, ohne Probleme für die Nadel übernähbares (!) Klebeband - einfach super!

Das fertige Polster soll im ausgeklappten Maß rechteckig und quasi dreigeteilt sein, weil an einer der drei "Teile" sich die Fläche des Griffpolsters überlappt (siehe Zeichnung Bild ...)

Es gibt zwei Varianten, das Gurtpolster an dem Griff des Rucksacks zu befestigen:

  1. mit zwei Druckknöpfen an beiden Seiten des Griffpolsters oder
  2. mit Klettband

Welche Variante man wählt, wird z. B. davon abhängen, wofür man spontan die Materialien schon im Hause hat oder von der Art der Verarbeitung, die einem von der Optik her besser gefällt ...

Vorbereitende Arbeitsschritte für beide Varianten

  • Altes Griffpolster entfernen - darunter verbirgt sich das Träge-Gurtband (Henkel). 
  • Zunächst die fertige Länge des neuen ausmessen: Dazu habe ich meine Hand um das Griffband gelegt, rechts und links noch einen Zentimeter zugegeben, damit sich der Rucksack auch von etwas breiteren Händen gut tragen lässt, und dann die Endpunkte am Trägergurt mit einer Stecknadel markiert. Bei mir ergeben sich 10 cm.
  • Die fertige Breite des Griffpolsters ergibt sich - wie oben erwähnt - aus 3 x 2 cm (Gurtbreite) + 1,5 cm "Zuschlag", weil das dicke Material beim Umwickeln um den Träger ja an Breite verliert ...- insgesamt also 7,5 cm.
  • Die Fertigmaße für den Zuschnitt sind also 10 x 7,5 cm (ohne Nahtzugabe - diese bitte individuell berücksichtigen = so, wie es an der eigenen Nähmaschine und / oder mit dem Lieblingsnähfuß am besten zu nähen ist).
  • Nach diesem Maß zwei Flächen aus Kunstleder zuschneiden (die individuelle Nahtzugabe berücksichtigen!) und zwei Flächen aus Vlieseline S320 - Letztere aber in jedem Fall ohne Nahtzugabe, weil sich sonst die Ecken des fertigen Griffpolsters nicht so schön ausformen lassen, weil sie dafür zu dick / steif wären ...
  • Die Schabrackeneinlage nach den Herstellerangaben unter einem feuchten Tuch auf die linke Seite der Kunstlederflächen aufbügeln. Diese Stoff-Flächen von der Stelle, auf der gerade feucht gebügelt worden ist, vorsichtig wegnehmen und an an einer anderen = trockenen Stelle des Bügeltisches ablegen. Hier gern 30 Minuten lang austrocknen und auskühlen lassen, damit die Haftung ihr volle Wirkung erreichen kann (diese Abkühlzeit wird leider oft unterschätzt ...).
  • Beide Kunstleder-Flächen mit der rechten Seite aufeinanderlegen und mit der persönlichen Nahtzugabe steppen - dabei an der späteren Wendeöffnung beginnen und auch wieder enden. An den Ecken nähe ich immer mindestens einen schrägen Stich - habe damit gute Erfahrungen gemacht ...
  • Ecken 2 x abschrägen (siehe Bild ...)
  • Das Polster durch die Wendeöffnung von innen nach außen schieben ...
  • Die Ecken mit einem nicht zu spitzen Gegenstand ausformen.
  • Vor dem letzten Pressen der Kanten die Nahtzugaben im Bereich der Wendeöffnung ggf. mit Stylefix aufeinander kleben, damit sie sich nicht gegeneinander verschieben können.
  • Zum Absteppen des Griffpolsters bei nicht rutschenden Materialien (und dazu gehört Kunstleder) Backpapier im Format etwas größer als die Griffpolsterfläche auf den Transporteur legen, dann darauf das Griffpolster. Dieses einmal ringsherum schmalkantig absteppen, dazu nach Belieben einen dickeren und somit auffallenden Zierfaden verwenden - die Stichlänge nicht zu klein wählen - Fadenspannung anpassen - evtl. einen Teflonnähfuß verwenden, der das Gleiten optimiert.

So, das Griffpolster ist von der Form und Größe her jetzt für die Befestigung am Rucksack-Griff vorbereitet.

Auf dem Griffpolster werden an den langen Kanten im letzten Arbeitsschritt entweder Klettbandstreifen aufgenäht oder Druckknöpfe eingearbeitet, mit dem die Polsterkanten aufeinander befestigt werden, sodass sich das Polster nicht verschieben kann. Es kann aber jederzeit (vielleicht vor einem Waschen des Rucksacks) leicht wieder entfernt werden und / oder auch mal an einer anderen Tasche ... zum Einsatz kommen.

Die fertig genähte Polster-Fläche möge man sich ausgebreitet aus insgesamt drei identisch großen Flächen zusammengesetzt vorstellen (siehe Bild ...). Das völlig fertig gearbeitete Griffpolster wird zuletzt mittig unter den Trägergurt des Rucksacks ... gelegt, das rückwärtige Drittel nach oben geklappt und das vordere Drittel von vorn aus darüber: Wenn man den Griff des Rucksacks in die Hand nimmt, greift diese von vorn an die geschlossene Kante des Griffpolsters - die geöffnete Kante liegt dann Richtung Rucksack-Rückseite.

Näheres zu 1 - Befestigung mit Druckknöpfen 

Bei diesem meinem ersten (!) Griffpolster werde ich beim nächsten Projekt an zwei Stellen nachbessern:

  • Die Breite des Polsters mit noch mehr "Spielraum" versehen, also statt der oben erwähnten +1,5 cm, besser +2,5 cm oder +3 cm.
  • Die Druckknöpfe nicht zu weit innen anbringen, sondern vielleicht mit einem Abstand von nur 1cm zu beiden Seiten der Ecken, an denen sie eingeschlagen werden sollen. Meine ersten Löcher befanden sich in einem Abstand von 1,5 cm zu den Eckkanten - dies erwies sich als zu weit entfernt, weil ja die Gegenlöcher einen eben solchen Abstand haben sollten. Nach dem Probeweise-Herumschlingen des an einer Kante gelochten Polsters ergab sich, dass die Maße desselben beim späteren Zuknöpfen als zu klein erwiesen. Deshalb habe ich die Gegenlöcher in einem kleinen Abstand zu dem Eckkanten eingeschlagen - nicht superkorrekt, aber so konnte ich das Polster wenigstens schließen. Dazu musste ich allerdings das Trägerband einmal mittig falten, bevor ich das Polster herumschlingen und schließen konnte:

Fazit: Deutlich großzügig bemessen!

  1. Am geöffneten Griffpolster an einer Kante im frei gewählten Abstand zu den Ecken den Punkt markieren = das Loch stechen, an dem später das Oberteil des Druckknopfes eingeschlagen wird. Die Oberteile liegen später nach Fertigstellung des Griffpolsters im "zugeklappten" Zustand sichtbar obenauf.
  2. Das Griffpolster mittig unter den Trägergurt legen.
  3. Zunächst die noch ungelochte entgegengesetzte Außenfläche / Kante auf den Trägergurt klappen - dann sandwichartig die schon gelochte Fläche darauf klappen.
  4. Mit einem spitzen Gegenstand / Stift durch die jetzt oben liegende Loch-Bohrungen durchstechen und auf die Löcher für das Unterteil des Druckknopfes markieren.
  5. Die Druckknopf-Oberteile entsprechend der Gebrauchsanweisung einarbeiten.
  6. Beim Einschlagen der beiden Unterteile beachten, dass die Druckknöpfe nicht wie z. B. an einer Jacke geschlossen werden, indem man sie aufeinander drückt, sondern dass das zweite einzuschlagende Teil quasi anders herum eingearbeitet werden muss, weil das Polster ja noch einmal um den Trägergurt herum geklappt und erst dann die Druckknopf-Teile zusammen gedrückt werden - dies ist auch auf den Fotos zu sehen.
  7. Das fertige Griffpolster so um den Trägergurt herum befestigen, dass die Oberteile der Druckknöpfe sichtbar oben liegen und die geschlossene Kante des Griffpolsters die vordere Trägergurt-Kante (die, von der her man den Griff umfasst) umschließt: So liegt das Griffpolster schön weich im Handflächen-Inneren ...

Näheres zu 2 -Befestigung mittels Klettband

Arbeitsschritte:

Ich habe mich für das Anbringen von Druckknöpfen entschieden, im Folgenden aber die möglichen Arbeitsschritte für das Anbringen des Klettbandes beschrieben und anhand einer Zeichnung erläutert (siehe Fotos).

  1. Nach der Fertigstellung der Griffpolster-Fläche wird nun mit dem Klettband weiter gearbeitet. Dieses besteht ja aus zwei Teilen, aus einem Flausch-Band und einem Häkchen-Band. Beide Teile über die ganze Länge von einander "trennen". Nur das Flausch-Band an einer langen Kante so abmessen, dass zu den Kanten des Griffpolsters hin ungefähr 0,3 mm frei bleiben, damit später nicht an diesen Stellen nichts hervorblitzt.
  2. Nur die Flausch-Seite auf eines der äußeren Drittel des Griffpolsters legen und hier dicht neben einer langen Kante aufsteppen.
  3. Damit man die Position des Klettband-Gegenteils, nämlich der Häkchenseite, gut bestimmen kann, das Hakenband entsprechend dem Flauschband ablängen und exakt zurück auf die Flauschseite "kletten": Wenn im Folgenden von "Klettband" die Rede ist, meine ich das Flauschband, das mit dem Häkchenband zusammen geklettet ist, also eine Einheit bildet.
  4. Einen Markierstift bereitlegen!
  5. Nun das Polster in die Hand nehmen: Das mittlere Drittel (D_M) des Griffpolsters genau so unter den Trägergurt "legen", dass das Klettband-Drittel nach vorn Richtung Rucksack-Vorderseite hängt und das letzte, ebenfalls (noch) leere Drittel zur Rückseite des Rucksacks. Auf dieses letzte, nach hinten hängende Drittel soll jetzt das Häkchen-Teil genäht werden.
  6. Dazu dieses letzte Drittel nach oben Richtung Betrachter zeigend um das Gurtband klappen (siehe Pfeil 1 in der Zeichnung).
  7. Dann als Letztes - quasi sandwichartig - das Klettband-Drittel  ebenfalls nach oben klappen (Pfeil 2).
  8. Hier liegen nun die beiden äußeren Drittel des Polsters aufeinander = sie berühren sich und das mittlere Drittel liegt weiterhin unter dem Gurt. 
  9. Diese "Anordnung" der drei Teile so lange ein wenig verschieben, bis der Trägergurt gleichermaßen umschlossen ist. GUT FESTHALTEN!
  10. Nun die oben liegende Fläche ein wenig anheben, sodass das Klettband zu sehen ist. Die Ansatzlinie des Klettbandes mit dem Stift auf die andere Fläche übertragen: Flauschband und Häkchenband müssen ja später exakt genau aufeinander zu liegen kommen!
  11. Das Griffpolster wieder auseinanderfalten und das Häkchenband vom Flauschband abziehen, damit man es auf das in der Zeichnung rechte Drittel (D_H) nähen kann.
  12. Dieses Häkchenband nun an die eben markierte Stelle an der (langen) Gegenkante annähen (in der Zeichnung durch das gestrichelte Rechteck markiert).
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12 Kommentare


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#1
2.4.17, 18:44
Ich hab keine Ahnung vom Nähen...aber ich finde es immer wahnsinnig toll wie viel Mühe du dir in deinen Tipps gibst. Du erklärst das immer so mega ausführlich. Da steckt richtig viel Arbeit drin. Toll wie du das machst :)
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#2
2.4.17, 22:01
@Zoeybird: 
Genau! Und allein dafür, auch wenn ich mit dem Tipp nichts anfangen kann, eine Handvoll Sterne.😄

Ich bin Jäger und Sammler und hätte für den Fall, dass ich einen Griff brauche, mindestens 2 alte Taschen, von denen ich den Griff weiterverwenden könnte. Und wenn nicht, gehe ich zum Flohmarkt und kaufe mir für maximal 1 Euro irgendeine Tasche, die so einen Griff hat ;o))

Aber der Erklärung und den vielen Fotos gebührt Respekt!
4
#3
3.4.17, 08:42
Das Teil ist klasse! Das muss ich mir auch mal nähen (hoffe, ich krieg das einigermaßen hin...).

Dann
eher weniger für Rucksäcke, sondern für diese elenden 6er-Packs
1,5l-Flaschen, die mir immer die Fänger abschnüren, wenn ich sie nach
Hause schleppe! Einfach drum klipsen, nach Hause tragen und dann wieder
ab in die Handtasche für den nächsten Einkauf!

Danke, trom4schu, für diese tolle Idee!
#4
3.4.17, 12:04
@Watershed: Hey, das ist ja toll, dass dir der Tipp gerade recht komm! Wenn du nicht gerade Kunstleder zur Hand hast, kannst du ja auch super einen Jeansrest nehmen, diesen mit Vlieseline verstärken und wie oben beschrieben arbeiten.  So ein Griffpolster sieht in jedem Fall cool aus - wenn das erste Teil gelingt, dann kannst du ja in Serie arbeiten: Die nächsten Geburtstage... kommen bestimmt. Und das Teil ist in jedem Fall ein Unikat! Was die Länge betrifft, bitte deutlich größer arbeiten als die Hand breit ist, denn dann muss man beim Benutzen nicht immer so genau "hingreifen". Bei Druckknöpfen darauf achten, dass diese schön stramm im Stoff sitzen (Löcher immer kleiner als erforderlich, damit schon beim Hindurchstecken eines Ober- oder Unterteils dieses sehr stramm sitzt - die Belastung beim ständigen Abnehmen soll gewährleistet sein. Also ran an die Nähmaschine und viel Erfolg! Bitte lade dann auch du mal ein paar Fotos hoch!!!
1
#5
4.4.17, 17:17
Genau wie Zoeybird und xldeluxe kann ich Deine Tipps nicht umsetzen, bewundere aber immer die Professionalität mit der Du sie erstellst. Text & Bilder: Großes Kino :)
#6
4.4.17, 21:02
So ein Griffpolster kann man bestimmt auch sehr gut als Gurtpolster für Anschnallgurte in sämtlichen Verkehrsmitteln benutzen. Sehr gute Idee. Danke. 5*****😄
#7
5.4.17, 21:00
@NFischedick: warum vergibst du dann nicht die 5 Sterne?
#8
5.4.17, 21:09
@JOSCHI2012: Hatte ich vergessen, sorry. Ich habe es aber dank Deiner Erinnerung gerade nachgeholt.
#9
24.4.17, 07:25
@xldeluxe_reloaded: Dem schließe ich mich voll und ganz an. Soviel Mühe und Ausdauer. Hut oder auch Capot werden gezogen. Als alte !! Flohmarktgängerin habe auch ich diverse ältere Taschen, auch von meiner Mutti selig,  für solche Fälle parat. Schönen Montag an ALLE.
#10
24.4.17, 09:28
Ich finde die Tips prinzipiell auch gut. Was mir gar nicht gefällt sind dann immer die Anmerkungen, dass man doch lieber hier und da mehr cm nimmt oder dort und dort noch dieses und jenes beachten soll. Näh doch lieber gleich ein zweites Teil mit deinen Änderungen und beschreibe das, dann ist es für Nachahmer besser.
#11
24.4.17, 16:08
@FigureOfMerit: 
Schade, dass du mit meinen Erklärungen nicht zurecht kommst - gerade aber diese scheinbar nebensächlichen Hinweise und Ausschweifungen sind eine Hilfe für diejenigen, die entweder nicht die von mir verwendeten Werkzeuge/ Materialien besitzen, mit meinem Text nicht zurecht kommen und oder im Nähprozess allgemein noch nicht mutig oder noch nicht so erfahren sind. Das Näh-Ergebnis meiner beschriebenen Projekte ist in jedem Fall identisch - ich muss also nicht ein zweites Teil nähen. Darüber hinaus sind alle relevanten, vielleicht abweichenden Details in ausreichend vielen Fotos oder Skizzen optisch dargestellt und meine Texte insgesamt optimal gegliedert. Wenn du also Fragen zu einem Text... hast, bitte schreibe mir doch mal, an welcher Stelle ich dir weiter helfen kann - tue das sehr gern! Bis denne....
#12
24.4.17, 20:39
Keine Sorge, ich verstehe deine Erklärungen. Ich bin es nur gewohnt, dass eine Anleitung direkt auch das Ergebnis liefert ubd nicht noch irgendwo am Ende Zusätze sind. In meinen Ebooks beschreibe ich alles so wie es am Ende auch genäht wird. Da stehen dann nicht am Ende noch Hinweise wie mehr NZ oder sonstiges. Nur ein Tip von mir. Wenn andere das gut finden, kein Ding, aber ich mags nicht.

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