Haare mit Pflanzenfarben färben - Vorzüge und Nachteile

Lesezeit ca. 2 Minuten
Haare mit Pflanzenfarben färben - Vorzüge und Nachteile

Da meine Haarfarbe ein ziemlich langweiliges Asch-braun-blond ist, färbe ich sie eigentlich schon seit Jahrzehnten. Ich habe dabei alle möglichen Färbungen, Waschtönungen, Schaumtönungen, Intensivtönungen, Strähnchen benutzt und habe daher allerhand Erfahrungen gesammelt.

Mein Fazit von normaler Haarfarbe:

Entweder wäscht sich alles schnell wieder raus - was kein Nachteil sein muss, wenn man nur kurzfristig eine andere Farbe möchte - oder die Haare leiden.

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Natürlich sehen frisch gefärbte Haare erst einmal gut aus, das liegt an den Pflegestoffen, die die Färbemittel enthalten. Nach ein paar Haarwäschen schon werden die Haare spröde, verzotteln leicht und lassen sich schwer wieder auskämmen. Gerade bei längerem Haar sieht man das. Nach ein paar Wochen muss dann der Haaransatz jeweils nachgefärbt werden und die Haare erfahren eine erneute chemische Behandlung (weil nach einer gewissen Einwirkzeit auch die übrigen Haare mit der Farbe bedeckt werden müssen, um eine gleichmäßige Farbe zu erhalten) und werden so noch stärker geschädigt.

Der Vorgang des Färbens ist jedoch sehr einfach und geht relativ schnell: Die Farbe liegt in zwei Komponenten vor, Farbe und 'Entwickler' (=Peroxid), die man mischen muss, auftragen, einwirken lassen, ausspülen, fertig.

Einen weiteren Vorteil will ich aber auch nicht verschweigen: Nur mit chemischen Farben kann man seine Haare aufhellen! Man hat aber einen hohen Verbrauch an Spülungen, Kuren usw., um das Haar auch nur einigermaßen gut aussehen zu lassen.

Bei der Färbung passiert Folgendes:

Die natürliche Haarfarbe wird mit Peroxid herausgebleicht und die neue Farbe innen im Haar verankert. Bei Blondtönen sind besonders viele Peroxide enthalten, die dann auch zu extremen Aufhellungen führen können. Diese Peroxide schädigen die Haarstruktur, sorgen dafür, dass das Haar brüchig wird, und trocknen es aus. Zudem haben die chemischen Farben ein hohes Allergiepotential und enthalten krebserregende Stoffe, die v. a. zu Blasenkrebs führen können. Es heißt zwar, wer schön sein will, muss leiden, aber so?

Nach Jahren habe ich zum ersten Mal eine Pflanzenhaarfarbe mit Henna ausprobiert. Da ich zu der Zeit eine Dauerwelle hatte, ging chemisch färben eigentlich überhaupt nicht mehr.

Eine Hennafärbung (Pflanzenfarben) funktioniert folgendermaßen:

Die natürliche Haarfarbe 'verbindet' sich mit der Hennafarbe zu einem individuellen Ergebnis. Dabei wird die natürliche Farbe im Haar belassen und die Pflanzenfarbe außen um das Haar herum angelagert, glättet und verdickt damit das einzelne Haar, ohne dass es strähnig oder schlaff wird.

Diese Farbe ist ebenso dauerhaft wie eine chemische Färbung. Das Haar kann nicht heller werden, nur dunkler. Es gehen nur Rottöne, Brauntöne und Schwarz bis Blauschwarz.

Da reines Henna nur rot färbt, werden andere Pflanzenextrakte zugegeben: Walnuss, Kaffee, Indigo, usw., um die verschiedenen Farbtöne zu erreichen. Natürlich besteht auch hier ein Allergierisiko und man sollte daher vorher an einer empfindlichen Hautstelle testen!

Die Färbung mit Henna geht folgendermaßen:

Das Farbpulver wird mit kochendem Wasser angerührt. Hier kann man auch schon experimentieren: statt Wasser geht auch schwarzer Tee, Kaffee (damit wird die Farbe etwas dunkler) oder Rotwein für intensivere Rottöne.

Wenn die Mischung soweit abgekühlt ist, dass man sie auf der Haut ertragen kann, trägt man sie auf das Haar auf, setzt eine Plastikhaube (liegt der Packung meist bei) auf, wickelt nochmal ein Handtuch drum für die Wärme und lässt es einwirken.

Vor- und Nachteile von Pflanzenfarben

Ein kleiner Nachteil ist die lange Einwirkzeit, nämlich 2 Stunden. Allerdings hat man ja in den zwei Stunden nichts weiter zu tun und kann sich daher dem Hausputz widmen, vor den Fernseher fläzen oder ein schönes Buch lesen. Nach 2 Stunden wird ausgespült.

Da sich der Pflanzenbrei nicht so leicht auswäscht, muss nochmal nachgewaschen werden, am besten mit einer Spülung, denn die 'versiegelt' praktisch die Farbe im Haar und lässt sie noch länger halten.

Der nach einigen Wochen sichtbare Haaransatz sieht bei weitem nicht so krass aus wie bei chemischen Farben und kann problemlos nachgefärbt werden.

Mein erster Versuch war noch nicht so der Hit, es wurde ziemlich karottenrot. Allerdings fiel mir gleich auf, wie voll und glänzend meine Haare wurden und was für schöne Locken ich hatte. Da man schon nach kurzer Zeit wieder überfärben kann und sich der Haarzustand dadurch noch mehr verbessert, habe ich dann mit einem Braunton überfärbt und meine Lieblingshaarfarbe, kastanienrot, gefunden.

Alle Pflanzenfarben sind nämlich auch untereinander mischbar, man mischt einfach die verschiedenen Pulver vor dem Anrühren.

und reines Hennapulver gibt es in Reformhäusern und Drogeriemärkten, da ist man ab ungefähr 5-6 Euro dabei und das ist auch nicht teurer als eine chemische Farbe. In einem Asialaden habe ich auch mal reines Henna für 1,50 Euro gesehen... aber im Zweifelsfall würde ich doch lieber etwas mehr ausgeben, alle Pflanzenfarben, die ich in Reformhäusern und Drogerien hier gefunden habe, wurden von Ökotest auf Schadstoffe untersucht und mit sehr gut beurteilt. (Ich will hier keine Schleichwerbung machen, teile aber auf Anfragen gern mit, was ich schon genommen habe)

Mein Tipp für alle ist, wenn ihr färbt, färbt mit Pflanzen - eure Haare und eure Gesundheit werden es euch danken! Und da ihr weniger Pflegemittel braucht, spart ihr auch noch Zeit und Geld. Danke fürs Lesen dieses 'Romans'.

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27 Kommentare

Auch wenn ich zu meinem "Edelgrau" stehe, welches sich seit meinem 19ten Lebensjahr in meinem Schopf verbreitet...

Allein für die Mühe, einen solch langen Text ohne inhaltliche "Längen" zu verfassen, gibt es mindestens drei Sterne...

Auch wenn ich bisher die Tipps von Wermaus mit teils eher gemischten Gefühlen gelesen habe:

Ehrlichen Dank für die Mühe und die ausführlichen Hintergrundinformationen!
Henna ist super zum färben! Nur sollten auch dabei Handschuhe getragen werden!
Ich finde den Text wirklich informativ und wer nich so viel Geduld hat ihn zu lesen, hat halt Pecht gehabt. Er spiegelt genau meine Erfahrungen wieder und eigentlich fehlt mir nur eine Info die mich bisher immer wieder vom Henna zur Chemie bringt:
Wie krige ich diese erdige stinkende Pampe wider von meinem Kopf. Ich wasche und dann nochmal mit Spülung und dann nochmal und nochmal und nach net halben Stunde sind frühestens alle Bröselchen draußen. Das dauert mir nach der langen Einwirkzeit definitiv zu lange.
Wenn da noch jemand nen Tipp für mich hätte wies schneller geht, wäre meine Gesundheit gerettet ;-)

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