Ein bisschen Dreck hat noch niemandem geschadet. Mit kleinen Mengen Schmutz und Bakterien wird unser Körper spielend fertig, im Gegenteil, es gibt die Theorie, dass zu viel Sauberkeit zu Allergien beitragen kann.

Hygiene im Haushalt – wo ist der Mittelweg?

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Es gibt Menschen, die desinfizieren täglich ihre Türklinken und wieder andere benutzen fröhlich zwei Wochen lang ein und dasselbe Küchenhandtuch. Über Haushaltshygiene gibt es viele Ansichten, aber es gibt auch wissenschaftliche Einsichten, die helfen, den goldenen Mittelweg zu finden.

Sauber ist gut. Zu sauber ist gefährlich

Zunächst einmal: Ein bisschen Dreck hat noch niemandem geschadet. Mit kleinen Mengen Schmutz und Bakterien wird unser Körper spielend fertig, im Gegenteil, es gibt die Theorie, dass zu viel Sauberkeit zu Allergien beitragen kann, da sich das Immunsystem „langweilt“ und dem eigenen Körper zuwendet. Auch Kindern muss man ihre Portion Unsauberkeit gönnen – sie ist Training fürs Immunsystem, das in Jugendjahren Keime kennenlernt und sich später an sie erinnert. Deshalb sind Hygienereiniger oder Desinfektionsmittel in Kinderzimmern gesunder Kinder wirklich unnötig. Aufpassen muss man, wo ansteckende Krankheiten grassieren, immungeschwächte Menschen leben oder bei einem Übermaß an Verkeimung.

Wo stecken die meisten Keime?

Die größte Dreck- und Bakterienschleuder im Haushalt ist der Mensch. Deshalb heißt die erste Regel zur Hygiene im Haushalt: Händewaschen. Regelmäßig, nach jedem Besuch der Toilette, nach dem Handhaben von Fleisch in der Küche, nach dem Streicheln von Haustieren, einfach mal so. Mehr Sauberkeit bekommen wir auch, wenn wir von den Japanern abschauen: Keine Straßenschuhe im Haus. Nur einmal kurz darüber nachdenken, was an den Schuhen so alles haften bleibt (vor allem in Profilsohlen!), den Teppich im Wohnzimmer anschauen und Schuhe verbannen.

Wer übrigens denkt, dass eine Toilettenschüssel eine wahre Bakterienoase ist, der hat unrecht. Mikroben mögen keine glatten Oberflächen und werden außerdem regelmäßig weggespült. Aber aufgepasst: Sicherheitshalber immer mit geschlossenem Deckel spülen, damit man die Keime nicht auf die danebenliegende Zahnbürste spritzt. Bedeutend mehr Bakterien als in der Toilettenschüssel findet man auf Fernbedienungen, Telefonen und Türklinken. Und bis zu 400mal mehr auf Spülschwamm, Küchenlappen & Co.

Liebe geht durch den Magen, Gesundheit durch die Küche

Hier sollte man Hygiene besonders wichtig nehmen. Der Spülschwamm, das Wischtuch – idealer Lebensraum für Bakterien. Sobald ein Lappen mit Fleisch oder Fisch in Berührung kommt, feiern die Bakterien Party, der Lappen beginnt zu müffeln. Spätestens dann heißt es: ab in die Tonne. Mit klarem Wasser ausspülen, in der desinfizieren – bringt alles nicht, es wurde nachgewiesen, dass die Schwämme innerhalb kürzester Zeit noch mehr verkeimt sind. Außerdem könnte man sich so seine ganz persönlichen resistenten Stämme züchten. Also: Lieber billige Schwämme kaufen und alle paar Tage durch neue ersetzen. Auch Küchenhandtücher regelmäßig und oft wechseln und bei mindestens 60°, besser noch 90° waschen.

Eine Alternative zum herkömmlichen Spülschwamm sind solche aus Silikon, hier haben Bakterien kaum Lebensgrundlage. Leider kapitulieren sie meiner Erfahrung nach vor Angebratenem, weshalb man um den herkömmlichen Schwamm wohl nicht herumkommt.

Wer von Hand spült, kann die Keimzahl reduzieren, wenn er jedes Stück mit klarem Wasser nach- und abspült.

Schneidbretter

Plastik oder Kunststoff? Das ist Geschmackssache. Der Vorteil von Kunststoff ist, dass er in der Spülmaschine gereinigt werden kann (aber bitte bei mindestens 60°, alles andere überleben die kleinen Scheißerchen). Der Vorteil von Holz ist, dass es wegen seiner Harze, Öle und Gerbstoffe gewisse antibakterielle Eigenschaften besitzt. Bei Holzbrettern muss man darauf achten, dass sie stehend und schnell getrocknet werden, trocken mögen Keime nämlich auch nicht. Haben Schneidbretter deutliche Schnittkerben, sollte man sie ersetzen, da sich in diesen Furchen die Keime hartnäckig halten können.

Im Übrigen empfiehlt es sich, für verschiedene Lebensmittel verschiedene Schneidbretter zu benutzen, besonders Geflügel verlangt eine absolute Extrawurst. Salmonellen sind zäh und lassen sich schon durch ein verschmutztes Messer beispielsweise auf die Tomate übertragen. Und dann hat man den Salat! Eine Farbcodierung hilft.

Putzmittel

Hygienereiniger und Desinfektionsmittel sollten nur zum Einsatz kommen, wenn der Arzt es empfiehlt. Ansonsten schaden sie durch ihre Aggressivität mehr als sie nutzen – unserer Gesundheit und der Umwelt. Auch all die Mittel, die Mühelosigkeit versprechen, sind meist sehr scharf, umweltschädlich und gar nicht soooo wirksam. Das A&O von Sauberkeit ist immer noch Armschmalz. Daher genügen in einem normalen Haushalt vier verschiedene Reinigungsmittel: Zitronen- oder Essigreiniger gegen Kalk, Scheuermilch, WC-Reiniger und Allzweckreiniger

Für verschiedene Aufgaben (Toilette, Fliesen, Küchenoberflächen, Boden etc.) sollte man auch verschiedene Putztücher benutzen – am besten man überlegt sich eine Farbcodierung, damit man nicht durcheinander kommt.

Was es sonst noch zu wissen gibt

  • Wischwasser im Putzeimer oft wechseln, sonst verteilt man den Schmutz nur gleichmäßig im Haus.
  • Feuchte Handtücher werden von Bakterien geliebt. Deshalb vor allem Gästehandtücher öfter wechseln und das Badetuch nach dem Duschen so aufhängen, dass sie gut abtrocknen können.
  • In der Küche unterschiedliche Handtücher für Geschirr und Hände benutzen.
  • Die Tiefkühltruhe ist kein Desinfektionsapparat – die Bakterien gehen einfach in den Winterschlaf und vermehren sich nach dem Auftauen fröhlich weiter.  
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