Den Filter und die Filtertüte hat Melitta Bentz erfunden und im Jahr 1908 zum Patent angemeldet. Für ihren Prototyp hat sie den Boden einer Blechdose mit Löchern versehen und ein Löschpapier hineingelegt.

Kaffee mit dem Handfilter zubereiten

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Als der Vollautomat in Reparatur war, bin ich kurzerhand auf von Hand gebrühten Filterkaffee umgestiegen und verrate euch ein paar Tipps und Tricks rund um die Zubereitung per Handfilter, damit euer Kaffee so richtig lecker wird.

Was braucht ihr für einen Handaufguss?

Zunächst mal braucht ihr einen Filter. Den gibt es aus Kunststoff oder Porzellan. Die Plastikvariante hat den Vorteil, dass beim Eingießen das Wasser nicht abkühlt und der Filter für etwa 2,50 Euro günstig zu erhalten ist. Für einen Porzellanfilter müsst ihr etwas tiefer in die Tasche greifen. Ich habe für meinen etwa 18 Euro bezahlt und bin damit sehr zufrieden, da mich das Teil an schöne Wochenenden bei der Oma erinnert und Porzellan eben doch mehr Stil als Plastik hat. Vielleicht gibt es auch jemanden in eurer „älteren“ Verwandtschaft, der noch einen solchen Porzellanfilter übrig hat.

Was sagt die Anzahl der Löcher im Filter?

Beim Filterkauf oder dem Stöbern auf dem Dachboden wird euch auffallen, dass sie eine unterschiedliche Anzahl von Löchern haben. Meiner hat zwei Löcher, ich habe aber auch schon welche mit sechs oder auch nur einem Loch gesehen. Je mehr Löcher, desto schneller läuft der Kaffee durch. Wenn ihr eine große Kanne aufbrüht, seid ihr vielleicht froh um einen Filter mit drei oder sechs Löchern. Sollten sich bei euch mehrere Filter angesammelt haben, dann könnt ihr eure Filter auch auf das Kaffeepulver abstimmen. Ist es eher fein gemahlen und fängt im Ein-Loch-Filter an zu stocken, wird der Kaffee bitter. Probiert es dann mit einem Mehr-Loch-Filter. Und natürlich auch anders herum: ist das Pulver eher grob und der Kaffee läuft ruck zuck durch den Mehr-Loch-Filter, schmeckt dünn und langweilig, dann brüht ihr die nächste Tasse eben im Ein-Loch-Filter.

Die richtige Größe bei den Filtertüten finden

Welche Größe ihr wählt bleibt euch überlassen. Die Angabe 1x4 beziehungsweise je nach Hersteller nur die „4“ steht für einmal aufgießen und dabei vier Tassen erhalten, 1x2 ergibt mit einem Mal aufgießen zwei Tassen. Für Kaffeemaschinen wird meist die Größe 4 verwendet. Alte Bezeichnungen, die noch auf dem Markt zu finden sind wie die 102 stammen aus den Anfängen des gefilterten Kaffees, als es noch sieben Größen gab, nämlich von 100 bis 106.

Die Menge des Kaffeepulvers

Pro Tasse könnt ihr mit 6 bis 8 Gramm Kaffeepulver rechnen. Wenn ihr keine Lust habt, dafür jedes Mal die Küchenwaage herauszuholen, dann packt in die Kaffeedose gleich ein Kaffeelot. Dieser kleine Schöpfer ist für diese Grammzahl ausgelegt. Bei einer Tasse wird von 125 Millilitern ausgegangen, wenn ihr 200 Milliliter aufsetzt, dann braucht ihr etwa 10 bis 12 Gramm, bei einem Liter um die 55 bis 60 Gramm.

Alles beieinander? Dann darf gebrüht werden…

Zunächst knickt ihr eure Filtertüte an der Doppelnaht unten sowie am Rand und setzt sie in den Filter. Die Knicke helfen, dass die Tüte stabil sitzt, beim Eingießen nicht einfällt oder auseinander reißt. Nun setzt ihr das Ganze auf eure Kanne oder eure Tasse und lasst im ersten Durchlauf heißes Wasser durchlaufen. Dadurch wäscht sich der Papiergeschmack der Filtertüte aus und landet später nicht im Kaffee. Vorteil für alle, die mit einem Porzellanfilter arbeiten: der wird schon vorgewärmt und entzieht eurem Kaffee nicht die Hitze. Das Wasser weggießen nicht vergessen. Bitte lacht nicht wegen des Hinweises. Mir ist es schon ein paar Mal im morgendlichen Tran passiert, dass ruck zuck die Tasse übergelaufen ist…

Nun gebt ihr das Kaffeepulver dazu und rüttelt es etwas, so dass alles flach verteilt ist. Das aufgekochte Wasser mit seinen 100 Grad Celsius lasst ihr ein bis zwei Minuten abkühlen. Dann hat es mit 96 bis 92 Grad die optimale Temperatur. Ihr gießt erst ein wenig Wasser über das Pulver und lasst es eine halbe Minute ziehen. Jetzt brüht ihr langsam weiter und haltet dabei den Strahl mittig und kreisend. Zu nah am Rand fällt das Pulver in die Mitte und verzögert eventuell das weitere Durchlaufen; der Kaffee kann dann bitter schmecken.

Den Filter und die Filtertüte hat Melitta Bentz erfunden und im Jahr 1908 zum Patent angemeldet. Für ihren Prototyp hat sie den Boden einer Blechdose mit Löchern versehen und ein Löschpapier hineingelegt. Ab da war es vorbei mit dem Kaffeesatz zwischen den Zähnen. Kaffeesatz-Lesen ist aber weiterhin möglich.

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15 Kommentare


1
#1
11.5.16, 08:46
Sehr nett geschriebener Tipp!!😄 Hat mich gleich an meine Mama erinnert, die hat das immer so gemacht.
4
#2
11.5.16, 09:19
Ich bereite mir meinen Kaffee jetzt wieder so zu, alte Holzkaffeemühle, Porzellanfilter, eine Prise Salz auf's Kaffeepulver und los geht's. Ich finde, dass der Kaffee einfach besser schmeckt.
Das stelle ich immer dann fest, wenn es mal schnell gehen muss und ich auf die Kaffeemaschine zurück greife😋
1
#3
13.5.16, 11:01
Ich bereite meinen Kaffee auch mit
Porzellanfilter und gebe auf 500 ml Wasser 35 Gramm Kaffee, in einer
alten Onko Kaffeemühle aus den 60er gemahlen. Es ist ein schönes
Ritual den Tag so zu beginnen und der Kaffee schmeckt mir so am
besten.
1
#4
15.5.16, 09:15
Ich kenne das noch von meiner Oma - sie hat lange so den Kaffee
aufgebrüht und von ihr habe ich es auch gelernt. Ich finde, dass der so
aufgebrühte Kaffee irgendwie immer noch am besten schmeckt 👌
Im
DRK haben wir einen 20-Liter-Behälter für Kaffee und einen entsprechend
großen Filter dafür (und natürlich Filtertüten dafür) ... wenn im
Katastrophenfall kein Strom zur Verfügung steht. Dann können wir nämlich
auf dem Gaskocher Wasser heiß machen und Kaffee aufgießen. Vor kurzem
wurde gefragt, wer diese Art des Kaffee kochens noch kennt ... und ich
war überrascht, wie viele Leute das noch konnten! 👍
2
#5
15.5.16, 09:53
Ich filtere auch mit der Hand, kannte aber das Auswaschen des Papiergeschmackes nicht. Ich werde es gleich probieren. Danke für den Tip. 
1
#6
15.5.16, 10:16
Zu meiner Pad-Maschine für den Alltag habe ich auch noch so einen Filter zu Hause. Der kommt zum Einsatz, wenn ich mehr als nur eine Tasse Kaffee haben will. Das geht deutlich schneller als jedem eine Pad-Tasse zu brühen :-)
#7
15.5.16, 20:41
Danke für den Tip mit dem Wegwaschen des Papiergeschmacks,
das war mir neu. Und daß die Porzellanfilter unterschiedlich viele Löcher
haben, ist mir natürlich auch schon mal aufgefallen - bloß groß darüber
nachgedacht hatte ich nie. Auch dafür danke. Auf Flohmärkten und in
Caritasläden findet man immer mal wieder Porzellanfilter für kleines Geld.
Immer wenn ich einen erschwinglichen sehe, dann kaufe ich ihn auch. Das Problem
ist bei mir vor allem, daß ich in meinem frühmorgendlichen Tran schon den einen
oder andern Filter zerdeppert habe, wenn ich mit fahrigen Fingern den ersten
Becher aufsetze. Und anders als auf einer Kaffekanne hat so ein Filter auf
einem Becher einen ungünstigen Schwerpunkt. Zum Glück brechen die Porzellanfilter nur selten mitten entzwei, sondern haben zwei "Sollbruchstellen", die die Funktionsweise nicht beeinträchtigen: entweder bricht der Henkel ab oder ein Stück aus der unteren Auflagefläche bricht heraus.
#8
15.5.16, 21:05
Zwar hab ich leider keinen Porzellanfilter mehr, aber werde mir mal wieder einen anschaffen.
Und auch mit einem Plastikfilter schmeckt mir der Kaffee gut. Ich gieße ihn auch kurz an und fülle dann vorsichtig Wasser dazu, bisher ist noch nichts übergelaufen, das hat man im Gefühl. Der Filter hat nur ein Loch, dann fließt der Kaffee auch nicht zu schnell durch und wird nicht zu dünn, hat wirklich ein schönes Aroma.
#9
16.5.16, 13:33
Ich hatte mal in einem Hotel gearbeitet, da hatten wir auch Porzellan-Filter mit nur einem Loch und einen Stab zum Verschließen des Lochs. Für zwölf Liter Wasser hatten wir 500 g Kaffeepulver genommen und auch etwas Salz. Bei verschlossenem Loch hatten wir den Filtertopf voll laufen lassen und erst nach fünf Minuten den Stab herausgezogen, danach mit dem restlichen Wasser immer wieder den Filter voll laufen lassen. Der Kaffee war kräftig aromatisch.
Zu Hause mahle ich den Kaffee frisch und mache meist eher eine "French Press" (dann auch meist mit Kakao und Zimt oder Kardamon). Bisher hatte ich leider keine Filtertöpfe mit Verschlussstab gesehen. Vermutlich gibt es die eher für die Gastronomie in größeren Dimensionen.
#10 Saxxonia
1.6.16, 17:33
Dass man über das Filtern von Kaffee so viele Worte machen kann, ist bewundernswert.
Der wichtigste Tipp fehlt allerdings: Nach dem Anbrühen nur einmal den Filter ganz mit Wasser füllen und das restliche Wasser, also den größten Teil, direkt in die Kanne gießen. Das verhindert das Auslaugen der Bitterstoffe. Sagt eine uralte Kaffeetante, die alles an modernem Kram freudig probiert hat und kleinlaut zum Melittafilter ( Porzellan!) zurückgekehrt ist: ich.
#11
11.6.16, 23:24
Ich bin die Einzige in meiner Familie, die Kaffee trinkt. Deshalb habe ich eine Padmaschine für meine Tassee Kaffee am Morgen. Bekomme ich aber Besuch zum Kaffeetrinken, dann mache ich es genau so wie Du es beschreibst und es ist der beste Kaffee überhaupt. Am besten vorher noch frisch gemahlen, da kommt der Maschinenkaffee nicht mit, denn ein guter Kaffee muss auch heiß sein. ASchön schwallweise gießen, damit das Pulver auch schön aufgeht, so ist schon die Zubereitung und der Kaffeeduft ein Genuß. Hmmmmm!
#12
21.6.16, 11:19
äußerst interessant
#13
13.7.16, 09:40
sehr schön recherchiert und beschrieben!
1
#14
21.8.16, 13:46
Wasser in die Kanne hab ich ausprobiert: war viel zu dünn.😜
#15
21.8.16, 20:32
Mittlerweile gibt es wieder neue Porzellan oder Glasfilter und Kanne-sets. Also scheint der Trend doch wieder dahin zu gehen! Schön! Und günstig!!!!

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