Als Napoleon anfangs des 19. Jahrhunderts die Kontinentalsperre verhängte, waren die Deutschen von den englischen Märkten abgeschnitten. Man bekam kein Schildkrötenfleisch mehr. Findige Köche erfanden Varianten, um ihre Kundschaft trotzdem zu befriedigen

Mock Turtle Soup

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Zubereitungszeit

Zubereitungsdauer
Koch- bzw. Backzeit
Gesamt

Unechte Schildkröten-Suppe (Mock Turtle Soup, engl.: to mock = täuschen, vortäuschen).

Zutaten für 4 Portionen

  • 400 ml Wasser
  • 1 Zwiebel
  • 2 EL Öl
  • 1 TL Zucker
  • ca. 100 g Kalbfleisch (oder Hähnchenbrust)
  • 1 Lorbeerblatt
  • 4 Piment-Körner
  • 4 Körner schwarzer Pfeffer
  • 1 Gewürznelke

Zubereitung

  1. Die Zwiebel in halbe Ringe schneiden, in einer Kasserolle bräunen, dann Öl hinzugeben, rühren und die Zwiebel herausnehmen, bevor sie richtig braun wird. Das sehr fein gewürfelte Fleisch im Öl anbraten, dann Öl mit Fleisch auf einem Teller „zwischenparken“.
  2. In der leeren Kasserolle wird jetzt der Zucker flüssig gemacht und erhitzt, bis er dunkelbraun wird. (Vorsicht: die letzte Bräunungsphase geht sehr schnell!) Kasserolle rechtzeitig von der Platte nehmen und sofort mit dem Wasser ablöschen.
  3. In diesen Fond werden die Gewürze gegeben, die Brühe köchelt etwa 15 Minuten. Dann die festen Gewürze entfernen (Brühe durch ein Sieb gießen), Fleisch mit Öl wieder hinzufügen und weitere 20-30 Minuten kochen, bis das Fleisch weich ist.
  4. Vor dem Servieren mit Sherry oder Madeira abschmecken.

Variationen

Die Niedersachsen-Variante hat sehr viel mehr Fleisch (Kalb, Rind, Herz, Speck, Kassler), wird angedickt und hat Beilagen (Kartoffeln, Klöße, evtl. Gemüse).

Das Original (seit 1988 nicht mehr machbar, weil Handel mit Schildkröten verboten) hatte ebenfalls mehrere Varianten:

  • „Lady Curzon“: die Suppe wird mit Schlagsahne bedeckt, mit Curry bestreut und kurz gratiniert
  • „Sir James“: mit Cognac und Madeira aromatisiert

Geschichte der Mock Turtle Soup

Die Turtlesoup (Schildkrötensuppe) war ein im englischen Bereich nach Erkundung der Kolonien und damit auch in Hamburg, Bremen und Umgebung sehr beliebtes Gericht. Als Napoleon anfangs des 19. Jahrhunderts die Kontinentalsperre verhängte, waren die Deutschen von den englischen Märkten abgeschnitten. Man bekam kein Schildkrötenfleisch mehr. Findige Köche erfanden Varianten, um ihre Kundschaft trotzdem zu befriedigen.

Auch hierbei ergaben sich - wie ursprünglich bei der echten Turtlesoup - mehrere Varianten

  1. Die vornehme Variante für die High Society verwendete Kalbfleisch anstelle des Schildkrötenfleisches; heute kann man feines Geflügel nehmen.
  2. Die bäuerliche Variante enthielt mehr Zutaten mit vielen Kalorien: Speck, Schweinefleisch (auch gepökeltes), Herz, Pilze, auch Kartoffeln, vorwiegend mehlig kochend, wodurch die Suppe cremig wurde, wenn die Kartoffeln zerfielen.
  • je 1 Prise Koriander, Zimt, Muskat, Salz
  • Sherry nach Geschmack (Medium) oder Madeira 
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