Kochbücher wurden vor 150 Jahren in bürgerlichen Familien immer beliebter. Durch die industrielle Revolution und den sozialen Wandel hatten sich die Essgewohnheiten allmählich verändert.

Uralte Kochrezepte sind nicht zeitgemäß

Jetzt bewerten:
1,3 von 5 Sternen auf der Grundlage von

Uromas und Omas Rezepte werden immer hoch gelobt, aber man hat sie oft an heutige Essgewohnheiten angepasst. Viele alte Originalrezepte würde niemand nachkochen oder backen.

Denn vor 150 Jahren hat man Eier und Fett in sehr großen Mengen verarbeitet! Das waren üppige Speisen für hart arbeitende Menschen und für Festtage. Es gab aber auch Rezepte für sparsame Hausfrauen und Kranke. Alte Kochbücher sprechen aus alten Zeiten.

Kochbücher wurden vor 150 Jahren in bürgerlichen Familien immer beliebter. Durch die industrielle Revolution und den sozialen Wandel hatten sich die Essgewohnheiten allmählich verändert. Viele Menschen waren vom Land in die Stadt gezogen - sie wurden wohlhabend und verlangten feine Speisen.

Allgemeines Kochbuch für alle Stände, ein unentbehrliches Handbuch für "Hausfrauen, Haushälterinnen und Köchinnen" nannte Sophie Scheibler ihr Werk, das in Leipzig erschien. Kochkunst soll ihrer Meinung nach Wohlgeschmack, Genuss und Wohlbefinden vereinen. Es ist ein Lehrbuch mit vielen Ratschlägen für den bürgerlichen Haushalt.

Die Arbeiter hingegen hatten es schwerer, denn sie mussten sparsam leben. Die Arbeiterwohlfahrt veröffentlichte ein Büchlein mit dem Titel "Das häusliche Glück" mit einer Anleitung zum Kochen für Arbeiterfrauen. Es enthielt viele Vorschläge, wie mit einfachsten Zutaten nahrhafte Gerichte zubereitet werden. 1881 kam die erste Auflage heraus und innerhalb eines Jahres wurde das Buch ein Bestseller.

Das erfolgreichste Kochbuch damals schrieb eine Hauswirtschaftslehrerin aus Westfalen. Henriette Davidis stammte aus der ländlichen Gegend bei Wuppertal und leitete dort eine Mädchenarbeitsschule. Sie hatte den Mut, ihre erprobten Rezepte aufzuschreiben und einem Verlag anzubieten. 1844 erschien das Kochbuch und die "Davidis" wurde zur meistgelesenen Kochbuchautorin ihrer Zeit. Ihr "Praktisches Kochbuch" mit 1464 Rezepten gab es in vielen Neuauflagen und heute ist es als bei Kochbuchsammlern sehr begehrt.

Mein Tipp

Wer altmodisch backen möchte, der kann ja mal die Brod-Torte mit Chokolade versuchen. 12 Eier, 3/8 Pfund durchgesiebte Zucker, 2 Unzen süße Chokolade, 1/8 Unze Zimmet, abgeriebene Schale einer Zitrone oder ein Stückchen mit Zucker feingestoßene Vanille und 9 Unzen altes, geriebenes und durchgesiebtes Schwarzbrod. Viel Spaß!

Von
Eingestellt am

34 Kommentare


34
#1
18.4.16, 23:29
Sehe ich anders, gerade die alten Kochrezepte sind die besten und leckersten. 
Ich könnte mir gar nicht vorstellen andere Zutaten für meine Dampfnudeln, Rohrnudeln (Buchteln), dem Schweinebraten und Co.... zu nehmen. Ich backe und koche einiges genau so nach. Nur weil es nicht "Zeitgemäß" ist, ist mir das wurst. Selbst einige der Kriegszeitrezepte sind super! Da wurde eben mit wenig viel zubreitet und aus der Not heraus sind viele tolle Rezepte entstanden.  
Ich kann daraus echt keinen Tipp erkennen, was soll uns das jetzt sagen? Kocht mit weniger Fett, weniger Zucker, Eier u.s.w nur weil wir jetzt das Jahr 2016 schreiben? Was damals gut war, ist auch heute noch gut. Uromas und Omas Rezepte für Suppen, Eintöpfe würde ich alles nie anders kochen wollen... Heutige Torten und Kuchenrezepte beinhalten auch jede Menge Zucker und Co... dann muss man eben nur ein Stück davon essen, dafür hat man was leckeres.
32
#2
18.4.16, 23:53
Ich finde, aus den alten Rezepten von früher könnte unsere Nahrungsmittelindustrie viel lernen, wenn sie wollten. Sie würden lernen, wie man aus Lebensmitteln , die naturbelassen sind, die leckersten Gerichte zaubern kann. Da gab es keine E Nummern, keine krebserregenden Zusatzstoffe , keine Fertiggerichte usw. Die Krankheiten die es heute gibt waren fremd und Kinder haben in fremden Gärten Kirschen gemopst, anstatt wie heute sich Süßigkeiten und Kuchen zu kaufen. Sicher, es ist eine andere Zeit und die Entwicklung geht weiter, aber es war nicht alles schlecht früher, ganz im Gegenteil. Ich koche noch immer oft so, wie ich es von meiner Oma gelernt habe, auch wenn die Zutaten nicht mehr so sauber sind wie früher.
15
#3
19.4.16, 00:32
Das ist eine nette Reportage, aber wo ist denn jetzt der Tipp? (den Scherz klammere ich mal aus)
1
#4
19.4.16, 07:02
@xldeluxe_reloaded: Es ist ein Tipp ist nachzudenken, ob "Omas Lieblingsrezept" nicht eine Masche der Kochindustrie ist. Vor 150 Jahren, und das ist die Zeit um 1866, gab es 12 Eier für den Kuchen und pfundweise Fett für anderes. Und das hatte einen Sinn, die Menschen arbeiteten und lebten völlig anders als wir. Die Kochrezepte wurden von Verlagen gedruckt und von Fachleuten geprüft. Die Rezepte wurden dann immer wieder geändert. 150 Jahre später, also heute, würde niemand mehr die uralten Rezepte aus dem Jahr 1866 nachkochen. Es ist auch ein Märchen, dass Oma ihre selbst erfundenen Geheimrezepte aufgeschrieben hat. Es gab das Fach "Kochen" in Frauenschulen und damals wurden Rezepte an die Tafel geschrieben. Die Schülerinnen (also Omas in jung) haben sie in ein Heft geschrieben. Das waren sicherlich tolle Rezepte, aber ursprünglich stammen sie aus Kochbüchern, die von Experten zusammen gestellt wurden.
5
#5
19.4.16, 07:13
Mein Lieblings Kochbuch stammt aus dem Jahr 1935 das "Fülscherkochbuch". Fast bei jedem Rezept gibt es mehrere Variante,  die reichhaltige und die einfache Variante und noch mehr. Es ist bausteinartig zusammengesetzt, hat also viele einzelne Hinweise, aus denen man sich sein gesamtes Kuchenrezept oder Essen zusammenstellt, wenn man nicht dem ersten Vorschlag aus dem Buch folgen will. Dort steht auch der Ein-Ei-Kuchen drin. Einfach genial flexibel. 
#6
19.4.16, 07:17
@Mafalda: Da sieht man ja, wie die Verlage ihre Kochbücher an die Essgewohnheiten angepasst haben - 1935 also "fast" moderne Zeiten.! Danke für den Buchtipp!
4
#7
19.4.16, 07:57
Wer mal einen Blick hinein werden will, es gibt außer mir noch andere Fans von dem Kochbuch. Ich bevorzuge aber mein Offline-Buch mit handgeschriebenen Randnotizen.😋
http://elisabeth-fuelscher.ch/orginalrezepte/ ;
9
#8
19.4.16, 08:10
Ich denke mir die Mischung machts. 

Von Omas Rezepten können wir noch einiges über schmackhaftes Essen lernen. Die haben früher nicht nur solch schwere Rezepte gekocht, wie du im Tipp schreibst, sondern wussten, wie sie aus bescheidenen Zutaten ein gutes Essen zaubern konnten.

Heute gibts ja den Trend Clean eating. Da werden genau solche naturbelassenen Produkte verwertet, wie sie unsere Omas verarbeitet haben. 
8
#9 superomi
19.4.16, 09:07
Ich besitze auch so ein altes Kochbuch von meiner Schwiegermutter und habe mir schon so manches gute Rezept rausgepickt. Man kann gut kochen ohne Fertigsaucen u.s.w. Auch Brotaufstriche u.ä. wurden hergestellt , wir müssen heute nicht alles neu erfinden und dann als Superfood darstellen
18
#10
19.4.16, 10:00
@gudula: du beleidigst meine Oma wenn du schreibst das es ein Märchen ist, daß alte Leute damals ihre Rezepte für die Nachwelt aufschrieben. Meine Oma hat zwei Weltkriege mitgemacht, im Krieg Kinder aufgezogen und verloren und nur einige Monate in die Schule gehen können. Da war mit Sicherheit keine Kochschule dabei, denn sie hat mit 14 Jahren bei reichen Herrschaften das Dienstmädchen gemacht. Dort hat sie sich viel abgeschaut, auch in der Küche. Mit denen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln hat sie dann eigene Rezepte probiert und aufgeschrieben. Von ihrer holländischen Mutter hat sie auch so einiges mitbekommen und immer weitergegeben, auch an mich. Meine modern aufgewachsenen Enkelkinder rufen mich oft an und fragen nach dem ein oder anderem Rezept, weil es ihnen besser schmeckt mit frischen Gemüse und einfachen Zutaten. Mit viel Fett oder Eiern ist da nichts dabei, denn meine Großeltern waren bettelarm. Also bitte nicht immer alles verallgemeinern  und als Märchen hinstellen.
13
#11
19.4.16, 12:48
@gudula: Nimms nicht übel, aber ich sehe da wirklich keinen Tipp. Dass man sich vor dem Kochen die Zutatenliste anschaut und dann entscheidet, ob man das so kochen will, ist trivial. Und grundsätzlich zu schreiben, dass alte Rezepte nicht mehr zeitgemäß sind, ist m.E. Unsinn. Möglicherweise ist da manchmal zu viel Ei oder Fett drin, aber das ist z.T. wesentlich schmackhafter als manche Mager-Küche. Wenn ich so an manche Spätzle denke, die von der Farbe her schon fast weiß sind, wünsche ich mir da viel mehr Eier drin!

Abgesehen davon ist an Eiern nichts Ungesundes. Die Sache mit dem bösen Cholesterin in Eiern hat man ja mittlerweile als Quatsch erkannt.
12
#12
19.4.16, 13:00
Gerade die alten handgeschriebenen und weitervererbten Kochbücher sind die besten. Ich besitze auch so eines. Da wurden z.T. aus sehr wenigen Zutaten trotzdem gute und schmackhafte Gerichte gezaubert.
Ich habe auch noch von meiner Mutter gelernt, wie man aus den einzelnen Produkten leckeres Essen auf den Tisch bringt. Sie konnte nur das verwenden, was der Garten hergab und mangels Dukatenesel wurde nur sehr wenig zugekauft. Fleisch musste nicht sein, wir wurden trotzdem alle satt und geschmeckt hat es uns auch, ohne Massen an Eiern und Fett😋
9
#13
19.4.16, 13:39
Gudula, "früher" sind auch nicht nur 2-4 Personen am Tisch gesessen wie heute. Sondern 10-12
Personen.(Oder mehr) Die mussten irgendwie satt werden.
Ich besitze ein altes Kochbuch von einer Hauswirtschaftsschule. Sogar meine Kinder schreiben immer wieder Rezepte ab, wenn sie nach Hause kommen.
7
#14
19.4.16, 14:20
@gudula: Du schreibst in Deinem Kommentar #4, daß früher die Kochrezepte von Verlagen gedruckt und von Fachleuten geprüft wurden! Ja, von wem glaubst Du denn, werden heute die Kochrezepte gedruckt und geprüft? Das sind genau solche Verlage wie die von früher und auch die Fachleute, die die Rezepte prüfen, sind ebenfalls noch genau solche Menschen, die das früher auch gemacht haben! Kochbücher werden immer und sicher auch noch in Zukunft von irgendwelchen Verlagen gedruckt und von Köchen und/oder Ernährungsfachleuten geprüft und für gut oder weniger gut befunden! Anders geworden ist natürlich auf Grund des mit der Zeit erworbenen Wissens über gesunde Ernährung lediglich die Liste der diversen Zutaten in den Rezepten!
Wenn man damals auf Grund nur weniger vorhandener Zutaten das eine oder andere Gericht mit z. B. weitaus mehr Fett kochte, geschah das sicher zum einen aus dem Grund, daß die Menschen viel schwerer arbeiten mußten als heute und zum anderen hat das Fett auch dafür gesorgt, daß das gekochte Gericht durch das Fett als wichtiger Geschmacksträger auch mit wenigen oder einfachen Zutaten oft  "besser" schmeckte als mit nur wenig oder gar ohne Fettzugabe. Was die Verwendung von vielen Eiern anbetraf, so wurde damit auch sehr oft in den sogenannten "besseren" Häusern kundgetan, daß man sich auf Grund seines Einkommens eben viele Eier leisten konnte. Ein armer Haushalt, der vielleicht noch nicht einmal eigene Hühner hatte, konnte sich Eier nur stückweise beim Bauern oder im Tante-Emma-Laden kaufen.
Insgesamt hat sich das Eß- und Kochverhalten der Menschen heutzutage eben verändert, so wie sich alles in allen Zeiten immer irgendwie verändert! In 50 Jahren wird man vermutlich wieder anders kochen und leben wie heute, weil man wieder irgendwelche neuen Erkenntnisse gewonnen oder neue Entdeckungen bezüglich Ernährung gemacht hat!
Aber die alten Rezepte einfach nur zu verteufeln und runterzumachen, ist zum einen unseren Altvorderen gegenüber unfäir, denn sie hatten weder das Wissen noch das Material, um "anders oder besser" zu kochen und zum anderen sind diese alten Rezepte für mich und sicher auch noch ganz viele andere Muttis und Vatis hier durchaus noch Grundlage der heutigen Küche. Es liegt einfach an jedem selbst und an der eigenen Kreativität, so ein altes Rezept mit gesunden und heute bekannten Zutaten immer wieder neu zu kochen, ohne die Grundlage der Herkunft eines solchen Rezeptes zu verleugnen! Fantasie ist übrigens eine der wichtigsten Zutaten in der Küche, denn ohne diese wird man niemals ein leckeres und gesundes Essen auf den Tisch bringen! Denn sind wir doch mal ehrlich, Tüte und Convinience kann jeder und ist alles andere als gesund! Man sollte zumindest meinen, daß das heute in jedem Haushalt bekannt ist!
4
#15
19.4.16, 15:08
Wollte noch was nachtragen zu meinem Kommentar, aber war zu spät zum editieren. Also jetzt hier noch der Nachtrag:

So, wie es früher und heute Verlage gab und gibt, welche Kochbücher drucken, so gibt es nach wie vor und immer noch Menschen, die ihre Rezepte handschriftlich verfassen und an ihre Nachkommen wietergeben. Wenn ich - so wie heute - mal wieder ein Rezept verändert/umgewandelt/mit neuen Zutaten versehen habe, schreibe ich mir auch die zum Gericht neu verwendeten Zutaten und Gewürze in mein "Küchenbuch" und das eigentliche Rezept mit seinen Veränderungen wird von mir später dann zum "Ursprungsrezept" dazugeschrieben. Mittlerweile schreibe ich mein Rezeptbuch im Computer fort, da kann ich dann beliebig viele Abwandlungen zum Originalrezept beifügen, ohne daß ich immer neue Blätter im Buch einheften muß! Meine Tochter und auch viele Freundinnen haben sich schon an meiner mittlerweile recht umfangreichen Sammlung von Eigenkreationen bedient und waren immer begeistert, wie vielfältig doch ein Gericht aus einem manchmal sehr alten Rezept mit neuen Zutaten werden kann und wie gut es auch heute noch schmeckt!
3
#16
19.4.16, 21:11
ich vermisse auch den tipp.
und das rezept ist super ! alles gute zutaten.das ergibt eine torte mit 16 stueck.also nicht mal 1 ei pro person. wenig zucker( nicht mal 200g)
ist vielleicht eine backmischung von heute besser???
und wenn ich oestereichische koch-und backbuecher durchlese geht mir das herz auf.ob alte oder neue. bei mir werden keine kalorien gezaehlt. dafuer spare ich mir saemtliche zusatzstoffe. das sind die eigentlichen uebeltaeter.
10
#17
19.4.16, 21:22
@ Sternenleuchten

Gudula,langsam wirst Du langweilig,Du trägst
nichts zur Verbesserung bei,aber Du füllst hier die Zeilen.Alte
Kochrezepte sind bewährte Rezepte und sie sind von sehhhhhhhhhhhhr
vielen Hausfrauen ausprobiert. Die heutigen Rezepte werden auch
irgendwann einmal alt sein --und dann?
Bitte überlege erst,bevor Du hier Deine Ergüsse zum besten gibst.
3
#18 dorle8
20.4.16, 12:07
@Sternenleuchten: Ach, Du sprichst mir aus dem Herzen, auch ich habe einige alte Kochbücher, die ich immer wieder hervorkrame und deren Rezepte auch nachkoche.😋
#19 Kletterpflänzchen
22.4.16, 01:27
Ich bin im Besitz
2
#20 Kletterpflänzchen
24.4.16, 14:39
Irgendwie klappte der vorherige Versuch eines Kommentars nicht, also noch mal:  von meiner Oma habe ich ein Henriette Davidis Kochbuch ererbt. Sie hat das von ihrem zukünftigen Mann zur Verlobung bekommen, versehen mit der Widmung : "Ein gutes Gericht-ein frohes Gesicht!" 1911.
Meine Mutter hat mir ihr Dr. Oetker Schulkochbuch geschenkt, als ich zum Studium zuhause auszog. Das stammt aus den Kriegsjahren, als Lebensmittelknappheit herrschte.
Beide Kochbücher enthalten Rezepte zur sogenannten Fest- bzw. Sonntagsküche, aber auch Alltagsrezepte mit einfachen Zutaten. So suche ich mir immer mal wieder ein Rezept heraus und koche es nach. Auf Krammetsvögelpastete (Amselpastete) u.ä. verzichte ich allerdings. Es ist aber durchaus interessant zu lesen, was in den damaligen Zeiten auf den Tisch kam, wovon man heute eher Abstand nimmt ( z.B. diverse Innereien), noch interessanter ist, was in solchen alten Kochbüchern an Obst und Gemüse gar nicht auftaucht. Man muss ja davon ausgehen, dass diese Lebensmittel zumindest der gutbürgerlichen und schon gar nicht der ärmeren Küche zur Verfügung standen, weil sie zu selten oder viel zu teuer waren. Dass damals mit den zur Verfügung stehenden Lebensmitteln üppiger umgegangen wurde, ist daher nachvollziehbar, denn an Vielfalt mangelte es ja eher.
2
#21
24.4.16, 14:44
Ich kenne Leute, die sagen, Kochbücher oder Rezepte, die älter seien als fünf Jahre, seien überholt. Dieser Meinung bin ich überhaupt nicht. Dann müßte ich auch den größten Teil meiner schönen Kochbücher wegwerfen oder zumindest nicht mehr beachten.
Solche Pauschalurteile finde ich sehr engstirnig.So dumm waren die Menschen früher doch nicht! Und daß in den alten Rezepten keine Fertigprodukte verwendet werden, ist ein großer Vorteil. Dadurch können wir heutigen Hausfrauen viel lernen.
 Ich habe auch das alte Buch von Henriette Davidis. Es ist einfach schon wegen der alten Ausdrucksweise richtig schön.
#22
24.4.16, 14:48
@Kletterpflänzchen: Du meinst, daß einige Obst- und Gemüsesorten zumindest der gutbürgerlichen und der ärmeren Küche NICHT zur Verfügung standen!
Ich weiß, wie Du es meinst, aber einige verstehen Deinen Satz vielleicht falsch.
Entschuldigung für die Korrektur!
#23 Kletterpflänzchen
24.4.16, 15:16
@Maeusel: Ja, genau das meinte ich! Danke für die Berichtigung!
Ich habe einige Zeit an diesem Satz herumüberlegt, weil er mir nicht stimmig erschien, aber irgendwie doch nicht so ganz den Berichtigungsdreh gefunden.
#24
25.4.16, 13:19
ich habe auch noch eine Kochbuchsammlung meiner Oma.
In vielen Rezepten von damals steht als erster Satz : "man nehme,wenn man hat..."
@ risiko : meinst Du das blaue Kochbuch? Das gibt es mittlerweile wieder in einer Neuauflage.
LG
6
#25
25.4.16, 14:50
Ich verstehe auch nicht, warum "uralte Rezepte nicht zeitgemäß sein sollen". Ist es etwa zeitgemäß, wenn man in den Supermärkten in den Einkaufswägen außerordentlich viele Fertigprodukte sieht ? Man kocht heute mit Maggi-fix, Knorr-fix, Tiefkühlpizza etc. - das ist vermutlich "zeitgemäß". Ich koche gerne und gut aus Omas Rezepten, die mit wenig Produkten aber mit etwas Zeitaufwand die tollsten Gerichte auf den Tisch brachte. z.B. Marillenknödel - wer macht so etwas heute noch selber?
Eine kleine Anekdote zum schmunzeln. Wir waren kürzlich im Restaurant essen, meine Enkel entschied sich dann für Gulasch mit Semmelknödel, fragte aber skeptisch seine Mutti: "schmeckt das dann auch so wie bei Oma?"
4
#26
1.5.16, 05:36
Interessanter Thread hier!

Würde auch gerne meine Gedanken dazu äußern:
Ich lebe in Lateinamerica und hier gibt es US Riesensupermärkte...
Ich bin immer wieder erschrocken mit welcher Bedenkenlosigkeit die Latinos und Amis hier tonnenweise Fertigprodukte, Chemiegetränke in Pulverform, Industriefleisch und Fisch in ihre Pickup großen Einkaufswagen schaufeln und dann 4-500 Dollar ablatzen an eine der 25 Kassen...an jeder denkbaren Ecke steht eine strahlende Verkaufs-Latina und versucht dir irgendeine aufgewärmte Fertiggerichtsgratisprobe anzudrehen und dir dann mindestens 2-3 Pakete im 2 KG Format schmackhaft zu machen...
und die Leute kaufen, der ganze Markt ist eine einzige psychologische Falle aus "Angeboten"...
it's fuckin' Industrial Garbage!.....
Ich wurde selber von aufmerksameren Amis aufgeklärt welche Produkte UNBEDINGT zu vermeiden sind und woraus sie bestehen....fast alles Cornsirup und Chemie!
Kellogs, Nestle...na, über die kann sich jeder hier informieren....für mich sind es im kriminellen Bereich agierende Multis...

Gerade hier, wo ich wohne muss ich ALLES von der Pike auf nachkochen bwz. vorbereiten...
weil, die ganzen europäischen Traditionssachen gibt es hier nicht.
Also, Semmelknödel: selberbauen. Marzipan? selbermachen...die Liste lässt sich beliebig lange fortsetzen, also habe ich eigentlich erst im Ausland so richtig deutsche alte Rezepte schätzengelernt! - und ich finde, umso älter desto schmackhafter....mir egal ob da 1 Ei mehr drin ist...ich denke es kommt darauf an wie OFT man das kocht/ist....es muss nicht jeden Tag sein!

Ich bevorzuge sehr gerne eine gemischte Asiatische Küche - direkt per Videojuggs zum nachkochen, dann ab und wann deutsche Traditionsküche und Kuchen, und gelegentlich einheimische Sachen...in der Reihenfolge.
Gerade Kuchen und Backwaren: in Lateinamerika ist das hier eine gravierende Fehlanzeige...
Mit Backen, Brot und Kuchen haben die es hier nicht so...alles Einheitsweissmehlpampe und einfallslos..Usa ähnlich..ausser Donut und Weissbrot kennen die nix.

Also bin ich recht dankbar alte deutsche Backrezepte zu finden, von mir aus auch aus dem Mittelalter...so das ich nahezu alles nachbacken kann, auch wenn es erheblich mehr Aufwand bereitet, weil ich kann es hier nicht kaufen, und es schmeckt erheblich besser als beim (D) Bäcker...
Alte Rezepte faszinieren mich, weil sie frei von Giftmüll sind...

Hier bei uns haben wir in jedem Dorf sonntags den lokalen Markt...das ist echtes Bio..!..von den Leuten aus den Bergpueblos, eigener Anbau....gibt nichts besseres, man schmeckt es raus...!
Nur die Uhrzeit ist etwas ungesund...ab 4 morgens...
Ansonsten baue ich Kräuter, Tomaten, Pommes, Knoblauch selber an...Bananen kommen von selber, die kosten nix und sind pure Natur..

Und macht eure Eierliköre selber, das schmeckt super!

Rezept nach unserer Art hier:
250 - 300 ml Wodka
400 gr Dose gezuckerte Dosenmilch
wenn nicht kaufbar Kondensmilch + Puderzucker
9-12 Eigelb, je nach Größe...sauber trennen!

Im Mixer auf unterster Stufe die Eigelb und gezuckerte Milch ein wenig durchpürieren, erst dann den Alkohol nach und nach einfüllen.
Für Ängstliche kann alles auch im Wasserbad erhitzt werden, max. 80°,
aber der Alkohol tötet eh alle Bakterien ab.
die Eier sollten recht frisch sein und keine 10 Wochen alt...
Zur Eiweissverwertung unbedingt bei den Ösis reinschauen...die sind Backexperten und haben fantastische Rezepte für Eischneegebäck etc..(Eiweiss MUSS frei von Eigelb sein)
muss nix weggeworfen werden!
In saubere Flasche abfüllen, gut durchschütteln, nicht ganz voll machen, der Likör dehnt sich aus...Haltbarkeit sehr kurz, je nach Gier! ansonsten Wochen...zum Wohl und Gruss nach Old Germany.

Noch eine Anmerkung:
Nix deutsches Wirtschaftswunder im Lebensmittelbereich nach dem Krieg....
Wir zahlen alle einen viel zu hohen Preis für die Industrialisierung nahezu aller Nahrungsmittel...
Leute bitte vermeidet diese ganzen Tütenfertigpulverchemie und lernt Sossen usw. nach alter Manier selberzumachen...es ist nicht schwer!
Wir werden krank von diesem Chemie und Monsanto Genzeugs und füttern den Pharmakraken damit...
Wir haben verlernt selber zu denken und konsumieren unkritisch alles was schnell fertig ist und uns fertig macht!
#27
1.5.16, 07:57
@Ananda96: Danke für Deinen Bericht. Sehr interessant und erschreckend. Kauf Dir das "Fülscher-Kochbuch" mit 1759 Rezepten, gibt es in Neuauflage bei Ebay für 12 Euro. Es lohnt sich!
#28
1.5.16, 08:05
@Sternenleuchten: Mein Tipp ist mindestens 10 Sterne wert. Die Kommentare allein schon 5 Sterne. Langweilig sind sie nicht... Das Fülscher-Kochbuch, das Mafalda beschreibt, ist ein super Tipp. Habe ich mir bestellt und ist schon angekommen. Neuauflage, also preisgünstig. Frau Fülscher war eine Leiterin einer Kochschule in der Schweiz und hat viele alte Rezepte modernisiert. Dagegen ist nichts zu sagen! "Nicht zeitgemäß" heißt nicht, dass Rezepte schlecht sind. Mein Tipp war, die Werbetricks der Kochindustrierie zu prüfen, "Omas Lieblingsrezept" z.B., wie schnell lassen wir uns da anlocken!
1
#29
1.5.16, 08:14
@gudula...
die Fülscherseite ist längst abgespeichert in meiner Kochpages Sammlung....
Aber nix mit Buch kaufen hier....ich bin nicht bereit Importzölle und ultrahohe Versandkosten zu bezahlen....ausserdem kommt hier NICHTS an...
bedenke: hier gibt es keine Strassennamen, geschweige Nummern oder Namen an den Türen......(und ich bin glücklich darüber) das ist hier nicht Europa! Nix Ebay...LOL
und eine P.O. Box mieten kommt nicht in Frage, niemals...
Ich kaufe Bücher grundsätzlich nur noch als Ebook, Ist augenblicklich da und gut für meinen Tab Reader.
#30
1.5.16, 11:14
Gudula, das ist jetzt nicht böse gemeint, aber mir erschließt sich noch immer nicht, was denn jetzt dein Tipp, also dein Ratschlag hier in diesem Tipp ist. (Auch nicht, was du unter "Kochindustrie" verstehst.) Deine Antwort an XL_Deluxe, die ja das gleiche gefragt hat, bringt für mich auch nicht mehr Licht ins Dunkel. Also wenn du nochmal erklären magst, was man jetzt wie anders machen soll, um von deinem Tipp zu profitieren, dann versteh ich's vielleicht auch. 
2
#31
1.5.16, 11:52
@Ananda96: vielen Dank für deinen interessanten Kommentar, da merkt man wieder, wie gut es uns hier eigentlich geht und das wir es selbst in der Hand haben was wir kaufen und essen, ohne große Umstände
#32
1.5.16, 12:20
@Ananda96: 
#26

Interessanter Bericht von dir. Mir gehts wie Upsi. Bin dankbar hier in Europa zu leben. Die Convenience   Industrie, wie du sie beschreibst,  ist zum Glück bei uns noch nicht in diesem Mass angekommen.  Das Problem, dass so viele Menschen in den USA mit massivem Übergewicht zu kämpfen haben, wundert bei diesen, von dir genannten Aspekten, nicht.

Wenn ich allerdings bei uns die Zutatenlisten von Produkten prüfe, bin ich immer wieder erstaunt, wo zum Beispiel überall Zucker drin ist. Das wäre wirklich nicht nötig. 
Da lohnt sich das selber machen und kochen allemal.
1
#33
9.7.16, 21:46
Ich kenne das Ananda@96. Ich bin Kolumbianerin, aber in Deutschland aufgewachsen. Meine Mutter hat 12 Geschwister und meine Oma hat noch alles selbst hergestellt. Wenn ich aber jetzt wieder in Kolumbien bin, dann erschrecke ich selbst über die riesen Supermärkte... Aber ich muss auch sagen, dass die Dinge, die auf der Straße angeboten werden, alle selbst gemacht und frei von Chemie sind.

Ich bin nach meinem Studium nach Norwegen in die Pampa ausgewandert. Da hab ich erstmal blöd geschaut. 50km ist die nächste "Stadt", eher Städchen, entfernt und das Dorf ist 18km von hier weg. Ich verbringe sehr viel Zeit damit mir Kochen anzueignen, da ich das Mensaessen und den Döner um die Ecke gewöhnt war. Und ich muss sagen, dass mir die alten Rezeptbücher sehr viel weiter helfen, als die modernen, da ich bei den modernen Kochbüchern dann da stehe und denke:  Mist, das hab ich nicht. Ich weiß nicht mal was das ist... Die alten Rezepte sind soo unkompliziert. Man hat einfach alles im Haus, was man braucht. Wir sind jetzt dabei uns selbstzuversorgen, Hühner sind schon eingezogen. es macht richtig Spaß zu sagen, alles was auf dem Tisch steht ist selbstgemacht, vom Feierabendbier, oder Blaubeerwein, Käse, Brot, Wurst etc. Ich habe mich neulich erst an einen Blätterteig getraut. Verdammt viel Aufwand, aber danach war man richtig stolz. Ich würde die alten Bücher nicht missen wollen. Sonst stünde ich teilweise ganz schön im Regen, da die modernen Rezepte so viel "Schnickschnack" brauchen. 
#34
29.10.16, 09:56
Ich habe hier auch noch das Kochbuch von Anna Halm "Neues praktisches
Kochbuch für einfache und feinere Küche. Es ist ein Erbstück von meiner
Großmutter (mütterlicherseits, geboren 1892), die tatsächlich in einem
Hotel in Kirm ein halbes Jahr kochen gelernt hat. Vorne steht eine
Widmung: "Zur Erinnerung an die Kochstudentenzeit Kirn 1913).
Aber heute so kochen? Zum einen hat man heute durch weniger körperliche
Arbeit einen geringeren Kalorienbedarf, die Rezepte sind aber shcon sehr fett- und besonders schmalzlastig.  Außerdem ist heute das Angebot
und Bedarf doch schon anders, auch wenn ich viel selber koche. Klöße
würde ich z. B. nie fertig kaufen, selbstgemachte sind besser.

Verfasse einen Kommentar

Emojis einfügen