Cash-Stuffing – neuer Trend oder alte Socke?

Cash-Stuffing-Anleitung: Sparen mit Umschlagmethode
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Lesezeit ca. 4 Minuten

Warum du dein Geld in Briefumschlägen stopfen solltest und wie du bei hohen Temperaturen besonders viel Geld sparen kannst, erfährst du hier.

„Nur Bares ist Wahres!“, höre ich immer wieder ältere Menschen an der Kasse grinsend sagen, während sie tief in ihrem Geldbeutel nach Kleingeld graben. Die jüngere Generation rollt da meist nur verständnislos mit den Augen. Kartenzahlung, Apple Pay und PayPal sind schließlich einfacher und schneller. Dank Online-Banking hat man jederzeit den Überblick über die eigenen Finanzen. Aber ist das wirklich so?

Hier mal online etwas eingekauft, da mal mit Karte bezahlt und plötzlich findet sich überraschend wenig Geld auf dem Konto wieder. Mit der Umschlagmethode gehört dieses Szenario der Vergangenheit an – so das Versprechen des viralen Spartrends.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Cash-Stuffing?
  2. Was brauche ich für die Umschlagmethode?
  3. Cash-Stuffing-Anleitung: Umschlagmethode Schritt-für-Schritt erklärt
    1. Fixkosten berechnen 
    2. Einnahmen bestimmen
    3. Variable Kosten berechnen
    4. Kategorien bilden
    5. Budget richtig planen
  4. Sinking Funds I und II – lasset das Sparen beginnen
    1. Sinking Funds I
    2. Sinking Funds II – werde zum Sparprofi
  5. Spar-Challenges – so wird Sparen zum Kinderspiel
    1. Kleingeld-Challenge
    2. 52 Wochen-Challenge
    3. Temperatur-Challenge
  6. Wie viel Geld sollte ich für Cash-Stuffing einplanen?
  7. Für wen lohnt sich die Umschlagmethode?
    1. Vorteile
    2. Nachteile

Was ist Cash-Stuffing?

Sparstrumpf 2.0 - Cash Stuffing verspricht besseren Umgang mit Geld und mehr finanzielle Sicherheit.

Cash-Stuffing, auch Umschlagmethode genannt, ist die moderne Variante des Sparstrumpfes. Der virale Spartipp, der übersetzt so viel wie "Bargeld stopfen" heißt ist vor allem bei jungen Erwachsenen auf YouTube und TikTok sehr beliebt. Um das eigene Geld besser im Griff zu haben, wird am Anfang des Monats eine festgelegte Summe vom Konto abgehoben. Das Bargeld wird in beschriftete Umschläge oder Folien in einen Ordner gestopft bzw. gesteckt – daher der Begriff “Stuffing”. Das verschafft einen Überblick über die zur Verfügung stehenden Mittel und sorgt für ein besseres Bewusstsein für die eigenen Finanzen. Ein gläserner Sparstrumpf, sozusagen.

Was brauche ich für die Umschlagmethode?

Wie der Name schon sagt, brauchst du im Grunde nur ein paar Umschläge, z. B. Briefumschläge, die du mit deinen variablen Kosten und bei Bedarf mit deinen Sinking Funds I & II beschriftest und natürlich Bargeld. Was genau die variablen Kosten und Sinking Funds sind und wie du sie berechnest, erkläre ich dir weiter unten.

Für die Umschlagmethode brauchst du – Umschläge. Dort stopfst du das Geld für deine verschiedenen Kategorien rein.

Taste dich mit den Umschlägen erstmal an diese Methode des Sparens heran und teste, ob sie überhaupt etwas für dich ist. Wenn dich das Cash-Stuffing-Fieber gepackt hat, kannst du auch in einen Binder investieren. Dort kannst du dein Geld übersichtlich in Klarsichtumschläge stecken.

Umschlagmethode ohne Bargeld, das geht: Bei manchen Girokonten hast du z. B. die Möglichkeit, Unterkonten anzulegen und dort dein Geld auf verschiedene Kategorien aufzuteilen. Dafür fallen aber meist monatlich Kosten an und du kommst leicht in Versuchung dein Geld online schnell auszugeben. Auch Apps bieten meist kostenpflichtige virtuelle Alternativen zur analogen Umschlagmethode an. 

Cash-Stuffing-Anleitung: Umschlagmethode Schritt-für-Schritt erklärt

Klingt interessant – also einfach Geld abheben und loslegen? Ganz so einfach ist es leider nicht. Bevor du jetzt dein Konto leer räumst, solltest du erstmal deine Fixkosten und deine variablen Kosten berechnen. Denn ganz ohne Budgetplanung geht es auch bei dieser Sparmethode nicht.

Fixkosten berechen

Für die Fixkosten addierst du alle gleichbleibenden Kosten miteinander, die regelmäßig anfallen. Das könnte z. B. so aussehen:

Beispiele für fixe Kosten

  • Miete
  • Versicherungen
  • Abos, die monatlich anfallen
  • monatliche Raten für Kredite
  • Telefon und Internet
  • etc.

Fixkosten sind Ausgaben, die jeden Monat in gleichbleibender Höhe anfallen.

Einnahmen bestimmen

Nun rechnest du deine Einnahmen zusammen. Das kann z. B. Gehalt, Kindergeld oder Unterhalt sein. Jetzt kommt der Moment der Wahrheit: Zieh die Fixkosten von deinen Einnahmen ab. Diese Summe hebst du von der Bank ab. Das ist das Geld, das dir pro Monat für variable Kosten zur Verfügung steht.

Variable Kosten berechnen

Variable Kosten sind die Kosten, die monatlich in unterschiedlicher Höhe anfallen. Damit du weißt, wie viel Geld dir dafür zur Verfügung steht, rechnest du:

Einnahmen - Fixkosten = Geld für variable Kosten

Variable Kosten fallen jeden Monat in unterschiedlicher Höhe an.

Beispiele für variable Kosten

Kategorien bilden

Nun stellt sich die Frage: Was tun mit dem ganzen Geld? Dafür überlegst du dir, wofür du dein Geld ausgeben willst und wie viel Cash du dafür brauchst.

Zur Orientierung wirfst du am besten einen Blick auf deine Kontoauszüge der letzten Monate. Wie viel Geld hast du z. B. für Lebensmittel gebraucht und wie viel für andere Dinge? An diesen Zahlen kannst du dich orientieren, wenn du das Budget für deine variablen Kosten aufstellst.

Fang am besten erst mit zwei, drei Kategorien an, um dich an die Umschlagmethode heranzutasten. Später kannst du je nach Bedarf weitere Kategorien hinzufügen.

Die Kosten für die Kategorien können monatlich variieren. Den einen Monat brauchst du 200 € für Lebensmittel, im nächsten brauchst du vielleicht 300 €. Je nachdem kannst du jeden Monat den Betrag für die jeweiligen Kategorien neu festlegen.

Tipp: Du bist Online-Shopping-Queen oder -King? Dann lass für solche Anlässe einen bestimmten Betrag auf deinem Konto. Denk daran, deine Ausgaben für Online-Shopping in deinem Budgetplaner festzuhalten.

Budget richtig planen

Kommen wir endlich zum spaßigen Teil: Stecke dein Bargeld in die jeweiligen Umschläge. Hast du dein Geld auf die verschiedenen Kategorien aufgeteilt, kann es ans Ausgeben gehen.

Um den ultimativen Überblick zu behalten, kannst du deine Ausgaben auf einem Zettel notieren und sie zur jeweiligen Kategorie stecken. Oder du hältst sie in einem extra Haushaltsplaner fest. So weißt du, wie viel Geld du wofür ausgibst, ob du eventuell irgendwo Geld einsparen kannst oder deine variablen Kosten umschichten musst.

Am Ende des Monats ist Kassensturz angesagt. Ist in einer Kategorie etwas übrig geblieben? Dann kannst du den Betrag z. B. in die Sinking Funds packen oder als Puffer im Umschlag belassen.

Sinking Funds I und II – lasset das Sparen beginnen

Mit Hilfe von Spartöpfen, den sogenannten Sinking Funds, können dich auch unregelmäßig anfallende Kosten nicht mehr ins Schwitzen bringen.

Huch – ist denn schon wieder die Stromnachzahlung fällig? Damit du von Kosten, die jährlich, halb- oder vierteljährlich anfallen, nicht überrumpelt wirst, gibt es Spartöpfe, die sogenannten Sinking Funds. Hier legst du monatlich Geld zurück, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

Sinking Funds I

Kosten, bei denen du die Höhe und das Fälligkeitsdatum kennst, kannst du in den Sinking Funds I besparen. Das können z. B. Raten für Kredite oder GEZ-Gebühren sein, die einmal im Quartal gezahlt werden, oder Mitgliedschaften und Versicherungen, die halbjährlich bezahlt werden wollen.

Im Grunde sind die Sinking Funds I eine Art von fixen Kosten. Der Unterschied besteht darin, dass Fixkosten wie Miete monatlich direkt von deinem Konto abgehen. Die Sparraten für deine Sinking Funds I hebst du monatlich bar ab und steckst sie in einen Umschlag. Alternativ kannst du sie auch auf einem separaten Konto parken. Hauptsache, du kommst nicht in Versuchung das Geld online auszugeben.

Beispiele für Sinking Funds I

  • jährliche Versicherungen
  • Kreditraten
  • GEZ-Gebühren
  • Notgroschen

Beispielrechnung für Sinking Funds I

Du zahlst alle 6 Monate 110,16 € GEZ. Damit du in einem Monat nicht 110,16 € zahlen musst, was dir ein Loch in deinen Sparstrumpf reißen würde, teilst du den Betrag monatlich auf:

Kosten ÷ Anzahl der Monate bis zum Zahlungsziel = monatliche Sparrate

110,16 € ÷ 6 Monate = 18,36 € pro Monat

Tipp: Wenn möglich, runde die Beträge für die verschiedenen Kategorien auf. 18,36 € sind eher umständlich. Bei 19 € oder 20 € musst du dich weniger mit Kleingeld herumschlagen und hast deinen Betrag eventuell schon vor der Deadline zusammen.

Sinking Funds II – werde zum Sparprofi

Durch regelmäßige Rücklagen kannst du auch auf Ziele sparen, von denen du noch nicht das genaue Zahlungsziel oder die genaue Höhe der Kosten kennst.

Deine Waschmaschine ist kaputt oder eine saftige Nebenkostenrechnung flattert ins Haus? Für dich kein Problem! Denn du besparst Sinking Funds II, um solche unvorhergesehenen Kosten abzufangen. Im Unterschied zu Sinking Funds I hast du hier kein konkretes Zahlungsziel und nur einen groben Überblick über die Kosten.

Beispiele für Sinking Funds II

  • Tierarztrechnung
  • Nebenkosten
  • Urlaub
  • Autoreparatur

Beispielrechnung für Sinking Funds II

Die Rechnung ist die gleiche wie bei Sinking Funds I, mit dem Unterschied, dass du die Kosten und das Zahlungsziel grob schätzt.

Deine Waschmaschine wird es nicht mehr lange machen. Du planst dir nächstes Jahr eine neue für ca. 500 € anzuschaffen.

500 € ÷ 12 Monate = 41,67 € pro Monat

Auch hier macht es Sinn, den Betrag wieder auf volle Euro aufzurunden.

Spar-Challenges – so wird Sparen zum Kinderspiel

Mit Spar-Challenges macht Geld sparen Spaß. Ganz nebenbei kannst du hier ein paar Euro zur Seite legen.

Hast du die Budgetplanung raus, kannst du dich an sogenannte Spar-Challenges wagen. Online findest du Unmengen an Vorlagen dafür. Von der Kleingeld-Challenge über die 52 Wochen-Challenge bis zum Temperatur-Challange, sie versprechen alle dasselbe: Sparen macht Spaß und ist gar nicht öde.

Kleingeld-Challenge

Du bekommst beim Einkaufen Kleingeld raus? Sammel die Münzen oder nur die Cent-Beträge in einem extra Behälter. Am Ende des Monats kannst du dich über deinen ganz nebenbei ersparten Betrag freuen. Die Münzen kannst du in den meisten Banken über Automaten auf dein Konto einzahlen oder du gönnst dir damit ein leckeres Eis.

52 Wochen-Challenge

Hier legst du dir jede Woche an einem festen Tag, z. B. immer sonntags, ein Euro mehr in deinen Sparumschlag als in der Vorwoche. Das sieht ungefähr so aus: In der ersten Woche legst du 1 € in deinen Sparumschlag, in der zweiten Woche 2 €, in der dritten Woche 3 € usw. Ziehst du die Challenge 52 Wochen konsequent durch, hast du am Ende 1.387 € gespart.

Temperatur-Challenge

Jede Woche am selben Tag wirfst du einen Blick auf dein Thermometer. Die angezeigte Temperatur wirfst du als Geldwert in deinen Umschlag. Vor allem im Sommer kann das zur Herausforderung werden. Um im Winter bei Minustemperaturen nicht in die Versuchung zu kommen, das Ersparte auszugeben, gibt es einen Trick: Rechne Celsius einfach in Fahrenheit um. Die Formel dafür lautet: (Grad Celcius x 1,8) + 32 = Grad Fahrenheit.

Wie viel Geld sollte ich für Cash-Stuffing einplanen?

In erster Linie soll dir die Sparmethode Spaß machen. Nimm dir am Anfang nicht zu große Sparziele vor und versuche deine variablen Kosten so gut wie möglich auf deinen Lebensstil anzupassen.

Für wen lohnt sich die Umschlagmethode?

Du willst deine Finanzen langfristig in den Griff bekommen, dann ist die Umschlagmethode etwas für dich.

Wenn du dir einen Überblick über deine Finanzen verschaffen möchtest und dabei noch Geld sparen willst, ist die Cash-Stuffing-Methode etwas für dich. Gerade in Zeiten von Klarna und “später bezahlen”-Optionen ist es sinnvoll, die eigenen Ausgaben im Blick zu haben.

Auch für Sparmuffel und Spar-Anfänger ist die Methode gut geeignet. Dadurch, dass du bei der Umschlagmethode tatsächlich Geld in die Hand nimmst, bekommst du ein besseres Gefühl dafür und siehst deine Sparfortschritte sofort.

Cash-Stuffing lohnt sich nicht nur für Singles, auch Familien können ihre Finanzen damit planen. Hier kannst du einfach die zu besparenden Kategorien erweitern und z. B. Kind 1, Kind 2, Schulsachen, Kinderkleidung, etc. in deinen Sparplan mit aufnehmen. 

Vorteile

  • Du wirst nicht mehr von unerwarteten Kosten überrascht, da du deine Ein- und Ausgaben immer im Blick hast.
  • Am Ende des Monats hast du einen Überblick, wie viel Geld du noch in deinen variablen Kosten übrig hast und kannst es sparen oder als Puffer im Umschlag lassen.
  • Du bekommst ein Gefühl dafür, wie viel Geld du wofür ausgibst und kannst mit deinem dir zur Verfügung stehenden Budget besser planen.
  • Selbst wenn das Geld in einer Kategorie knapp werden sollte, hast du im Idealfall in anderen Kategorien noch genügend Geld übrig, um dich nicht komplett einschränken zu müssen.
  • Dein persönlicher Bezug zu Geld wird gestärkt und du konsumierst bewusster. Online lässt sich das Geld schnell und schmerzlos ausgeben. Bargeld gibt man nicht so gerne aus der Hand.
  • Im Unterschied zur Haushaltsbuch-Variante schreibst du nicht nur Zahlen in ein Buch, sondern nimmst dein Geld in die Hand.
  • Verschiedene Challenges bringen dir das Sparen spielerisch näher.

Nachteile

Du musst am Anfang ein bisschen Arbeit in deine Kostenaufstellung stecken. Zu Beginn kommst du mit den Beträgen, die du für deine variablen Kosten und die Sinking Funds eingeplant hast, vielleicht nicht immer hin. Hier musst du ein bisschen Geld hin- und herschieben, bis es für dich passt. Möglicherweise hast du für Lebensmittel ein zu kleines Budget eingeplant, dafür reicht dir das Tankgeld locker für zwei Monate. Plane einfach für den nächsten Monat etwas mehr Cash für Lebensmittel und dafür weniger für Sprit ein.

Die Kostenaufstellung braucht etwas Zeit. Am Anfang musst du eventuell noch mit deinen variablen Kosten und den Sinking Funds herumexperimentieren, bis du den Dreh raus hast.

Auch beim Ausgeben musst du planen. Lebensmittel einkaufen, tanken, Geschenke besorgen – alles auf einmal zu erledigen, kann zur planerischen Herausforderung werden. Steckst du das Geld für alle drei Kategorien in einen Geldbeutel, verlierst du schnell den Überblick. Entweder du hebst dir jeden Kassenzettel auf und rechnest am Ende des Tages aus, wie viel Geld du wofür noch zur Verfügung hast und steckst es wieder in den passenden Umschlag. Oder du machst dir kleine Trenner für deinen Geldbeutel, die du mit Lebensmittel, Tanken und Co. beschriftest. Aber Achtung: Nimm niemals dein gesamtes Geld für deine variablen Kosten mit.

Für große Sparziele (z. B. Rente oder Finanzierung eines Eigenheims) ist die Umschlagmethode nur bedingt geeignet. Denn durch Inflation verliert dein Bargeld an Kaufkraft. Möchtest du langfristig Geld zurücklegen, lohnt sich ein Dauerauftrag, mit dem du ein Sparmodell besparst, das Zinsen abwirft. So kommst du gar nicht erst in die Versuchung, das Geld für andere Dinge einzuplanen und auszugeben.

Hast du Cash-Stuffing schon einmal ausprobiert oder hast du eine ganz andere Sparmethode?

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