Fruchtwein selbstgemacht

Fruchtwein selber machen (Erdbeerwein)

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Obst- und Fruchtweine entstehen durch die Gärung von Obst und Früchten. Die Herstellung ist leichter als vielleicht vermutet wird. Das Wichtigste sind dabei gute Früchte und ein bisschen Geduld. Der Wein kann aus fast allen Fruchtsorten hergestellt werden. Nicht nur gängige Sorten wie Kirschen, Erdbeeren oder Brombeeren eignen sich, auch Rhabarber, Bananen oder Orangen kann man zur Weinherstellung verwenden.

Saftgärung und Maischegärung

Grundsätzlich unterscheidet man bei der Herstellung von Obst- und Fruchtwein, zwischen einer Saft- oder einer Maischegärung. Wir konzentrieren uns hier auf die Maischegärung, da dieser Vorgang meist der erfolgreichere, bzw. einfachere und geschmacksintensivere ist. Maische bedeutet soviel wie Obstbrei der aus Früchten hergestellt wird.

Eine Saftgärung macht man bei Früchten die vorher entsaftet werden; das sind unter anderem Äpfel, Orangen und Birnen oder auch Quitten. Die Farb- und Geschmacksstoffe, die vor allem in der Schale und in den Zellen der Früchte sitzen, gehen bei dieser Methode leider verloren.

Früchte, die sich für eine Maischegärung eignen:

Im Grunde eignen sich alle Früchte die man zerdrücken kann: Bananen, Erdbeeren, Johannisbeeren oder Brombeeren. Die Auswahl ist groß - man wählt nach Geschmack und Saison. Je aromatischer die Frucht desto aromatischer sollte auch der Wein werden.

Grundsätzliches zu den Früchten und der Herstellung:

  • Die Früchte müssen sehr reif sein, aber auch tadellos in der Qualität. Keine matschigen, angefaulten oder angegorenen Früchte verwenden.
  • Pilze und Bakterien müssen vermieden werden und eine gründliche Reinigung vor der Verarbeitung der Früchte ist dringend notwendig.
  • Die Grundlage eines Fruchtweines sind die Früchte und Zucker. Die meisten Fruchtsorten enthalten schon einen Teil des notwendigen Zuckers.
  • Aus den reifen Früchten wird durch Zerquetschen die Maische (Obstbrei) hergestellt. Dabei sollen die Samen der Früchte nicht beschädigt werden, da diese Bitterstoffe abgeben können.
  • Damit die Maische eine ausreichend flüssige Konsistenz bekommt, ist es meist nötig ihr Wasser zuzufügen.

Beispiel für die Herstellung von Obst- und Fruchtwein, anhand einer Anleitung für Erdbeerwein:

Zubehör

  • 1 Gärbehälter (Glasballon) mit einem Gäraufsatz
  • Küchenwaage
  • Küchenmesser
  • 1 Schüssel / 1 Eimer
  • 1 Stampfer zum Zerdrücken der Früchte
  • Flaschen zum Abfüllen
  • Leinensack, Leintuch/Baumwolltuch

Zutaten

In der Regel sind die Rezepte für Obst- und Fruchtweine auf 10 Liter ausgerichtet. Das heißt 10 Liter Weinansatz, das ergibt etwa 5 Liter Wein.

  • 3,5 L Wasser
  • 6 kg Erdbeeren
  • 2,5 kg Zucker
  • 30 g Milchsäure
  • 10 ml Antigel
  • 1 Reinzuchthefe Kultur Portwein
  • 1 g Kaliumdisulfit
  • 5 Hefenährsalz Tabletten

Die Zutaten und das Zubehör sind erhältlich online, in manchen Gartencentern, oder in einzelnen Haushaltswarengeschäften.

Wo bekommt man Zubehör und Zutaten?

Am besten und einfachsten bekommt man Zubehör und Zutaten online. Oft werden fertig zusammengestellte Sets angeboten. Es gibt viele verschiedene Anbieter im Netz. Auch manche Gartencenter und Haushaltswarengeschäfte bieten Zubehör und Zutaten an, allerdings meistens in geringerer Auswahl. Das Angebot ist da sehr verschieden und muss im Einzelnen herausgefunden werden. Tendenziell scheinen Gartencenter ein bisschen besser bestückt zu sein.

Tipp

Am besten bereitet man Erdbeerwein im Frühsommer zu, wenn Erdbeersaison ist. Dann erhält man die aromatischsten Früchte, außerdem sind im Frühsommer die Temperaturbedingungen sehr günstig und die Gärung dauert nur etwa eine Woche. (7-10 Tage)

Zubereitung

  1. Die Reinzuchthefe wird ein paar Tage vor der Zubereitung der Maische in einem ¼ Liter Apfelsaft vermehrt.
  2. Erdbeeren gut waschen und abtropfen lassen und von den grünen Blättern und Stielen befreien. (Das Entfernen ist bei größeren Mengen nicht unbedingt notwendig, da sie den den Gärprozess nicht negativ beeinflussen.)
  3. Erdbeeren halbieren und aus Wasser und Zucker eine Lösung herstellen.
  4. Nun die Erbbeeren zerdrücken. Nicht zu stark zerquetschen.
  5. Die Erdbeeren mit der Zucker-Wasser-Lösung, dem Hefenährsalz, der Milchsäure, dem Kaliumdisulfit und dem Antigel in den Gärbehälter geben. Dazu kommt die vorbereitete und vermehrte Reinzuchthefe. Der Gärbehälter darf nur bis zur Hälfte mit dem Gäransatz befüllt werden, da die Maische während des Gärprozesses ansteigt.
  6. Der Gäraufsatz kommt auf den Gärbehälter und der wird dann an einen warmen Platz gestellt.
  7. Nach etwa 7 – 10 Tagen wird die Maische in einen Leinensack/ Press-Sack geschüttet und über einem Eimer ausgepresst.
  8. Der Gärbehälter muss gereinigt werden und dann wird der gewonnen Saft eingefüllt und mit dem Gäraufsatz wieder verschlossen. Dann muss das Ganze noch einmal für etwa 2 Wochen kühl stehen (ein Keller eignet sich gut dafür).
  9. Nach den zwei Wochen hat sich ein Satz gebildet und der Wein muss davon abgezogen werden. Das funktioniert so: mit einem sauberen Kunststoffschlauch lässt man den Wein in ein tiefer stehendes (Gär-)gefäß fließen. Der Bodensatz darf dabei nicht aufgewirbelt werden und wird dann verworfen. Nach Bedarf süßt man mit einer Zucker-Wasser-Lösung etwas nach.
  10. Nun wird der Wein im gereinigten Gärgefäß zur Klärung des Weines wieder an einem kühlen Ort aufbewahrt.
  11. Sollte der Wein nicht von alleine klar werden, kann man ihn durch die Zugabe von Kieselsol klären oder durch ein Tuch filtern.

Haltbarkeit von Erdbeerwein

Erdbeerwein sollte innerhalb einiger Monate verbraucht werden. Durch einen niedrigeren Alkoholgehalt und leicht flüchtige Aromastoffe, ist seine Lagerzeit begrenzt. Der Lagerraum sollte möglichst dunkel und kühl sein (Kellerräume eignen sich gut).

Die Zubereitung von Obst und Fruchtwein bei Verwendung anderer Früchte kann variieren. Meist ist der Vorgang aber ähnlich. Am besten sucht man sich zu der jeweils zu verwendenden Frucht ein Rezept aus, da Zubereitung der Maische oder die Stehzeit- bzw. Gärzeit verschieden sein kann.

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4 Kommentare


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#1 jb70
4.7.14, 08:41
Das scheint mir eine ziemlich aufwendige Prozedur mit unsicherem (wenn ich das richtig gelesen hab) Ergebnis zu sein...Ich weiß nicht,da misch ich mir doch lieber ein Glas Prosecco mit einem Schuss selbstgemachtem Fruchtsirup ;)
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#2
4.7.14, 20:32
Wein selbst zu machen ist immer mit etwas Aufwand verbunden. Fruchtweine sind allerdings weniger aufwendig als "normaler" Wein. Also für alle die es mal ausprobieren wollen würde ich sagen, ist das eine guter Einstieg. Ich bin auf jeden Fall neugierig geworden und werde es glaube ich demnächst mal probieren.
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#3
5.7.14, 11:45
@henrike: das stimmt nicht, wir machen jedes Jahr unsere Weinlese und das ist weit weniger aufwändig und wir kommen zudem ohne Chemie und Konservierungsstoffe aus. Unser Wein ist 100% natürlich.
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#4
5.7.14, 13:55
Viel Aufwand, und das Risiko einer "Fehlgärung" ist immer gegeben. Daher würde ich dieses Verfahren nur empfehlen, wenn man bereits Erfahrung oder Lust am Experiment an sich hat. Wirtschaftlich gesehen lohnt es sich nur, wenn man das Obst selbst ernten kann und aufgrund einer ungewöhnliche guten Ernte eine "Schwemme" vorliegt.

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