Ecken ausformen
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Genähte Ecken von innen ausformen

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Schneidern: Falzbein zum Ecken-Ausformen verwenden: Wenn man genähte Ecken von innen her ausformen will, also nach außen ausstülpen möchte, verwende ich keine Schere oder einen sonstigen spitzen Gegenstand, weil man  dünneren Stoff leicht mal "durchbohren" kann (ist mir schon passiert).

Hierfür benutze ich ein Falzbein, das ich mal fürs Glätten von Papier bei einem Buchbinder gekauft habe: Es ist vorn nur leicht abgerundet und für die Ecken bestens geeignet. Von der Stoff-Außenseite her ziehe ich die allerletzten Stoffreste, die an einer 90-Grad-Ecke noch fehlen, vorsichtig mit einer Stecknadel heraus und gebe der Ecke den letzten Schliff.

Ach, so, weise noch mal darauf hin, dass die Ecken natürlich erst "schön" werden, wenn sie nicht im Winkel von 90Grad genäht werden, sondern mit einem (oder bei dicken Stoffen: mehreren) Diagonalstich(en) zwischen den Längskanten, die die Ecke bilden. Anschließend (vor dem Wenden) die Nahtzugaben noch bis 1 mm an den schrägen Stich heran schräg abschneiden, und alles sieht super aus!

Noch was: Wenn der Stoff mit Vlieseline verstärkt worden ist, vielleicht die Ecken davon aussparen, damit man sie später besser formen kann...

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10 Kommentare


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#1 MartinaMüller
18.4.14, 11:31
Falzbeine sind auch für andere Zwecke (Basteln) sehr nützlich. Es gibt sie nicht nur beim Buchbinder sondern auch in Läden für Künstlerbedarf oder großen, gut sortierten Schreibwarengeschäften oder auch Bastelläden wie Rüther.
#2
18.4.14, 14:48
Trom4schu schrieb: "Ach, so, weise noch mal darauf hin, dass die Ecken natürlich erst "schön" werden, wenn sie nicht im Winkel von 90Grad genäht werden, sondern mit einem (oder bei dicken Stoffen: mehreren) Diagonalstich(en) zwischen den Längskanten, die die Ecke bilden. "

Hättest Du mir zu diesem Satz ein Bild...? Lieben Dank, Rovo
#3 trom4schu
18.4.14, 16:16
@Rovo1: Hey, deine Frage passt sich gut: Bin sowieso ohnehin am Nähen, so dass ich gleich mal eine Probe nähe und sie dann einstelle. Schönes Osterfest!
#4 trom4schu
18.4.14, 17:10
@Rovo1: Für eine gute Ecke gilt: Hier so wenig Stoff wie möglich!

Auf Bild 1 siehst du den einen schräg genähten Stich. Dass man ihn so perfekt hinbekommt, erreicht man dadurch, dass man die Nähmaschinennadel vor dem Nähen dieses einen Stiches nicht in der Position "oben" belässt, sondern sie in den Stoff versenkt (= die Nadel steckt im Stoff und hält diesen quasi fest, so dass er zumindest nicht verrutschen kann). Jetzt hebt man den Nähfuß und kann den ganzen Stoff beliebig drehen - für eine tolle Ecke um ca. 45 Gad. Dann den Nähfuß senken und von Hand (per Handrad) nur einen (!) Stich nähen, wieder die Nadel im Stoff lassen, den Nähfuß wieder heben, den Stoff weiter in Nährichtung drehen, bis der Nähfuß parallel zur zweiten Kante verläuft - jetzt normal geradeaus nähen... bis zur nächsten Ecke.

Auf Bild 2 siehst du, dass ich anschließend die Nahtzugaben besonders beschneide: Direkt neben diesem einen Stich genau parallel dazu. Dann aber schräge ich zusätzlich vor und hinter der Ecke die Nahtzugaben im Verlauf von ca. 1 cm ebenfalls noch weiter ab. Hierdurch erreicht man, dass in der eigentlichen Ecke und ihrer "Umgebung" möglichst wenig Stoff vorhanden ist.

Bild 3: unten rechts ist die wie oben beschriebene Ecke genäht und mit dem Falzbein von innen her geformt - unten links aber eine Ecke, deren Linien im rechten Winkel genäht, also nicht abgeschrägt sind. Ich denke, man sieht den Unterschied, der um so deutlicher wird, je dicker der Stoff ist.

Übrigens: Die Ecken vorher am Stoffrest mal ausprobieren, denn wenn der Stoff ziemlich dick ist, reicht ein Stich nicht, dann nähe ich auch schon mal 2 oder drei schräge Stiche... Bevor du dann den Stoff wenden willst, um die Ecken von außen mal so richtig zu genießen(!), die Naht nach dem Abschrägen flach liegend pressen, dann wenden und von innen her mit dem Daumen auseinander streichen, das Falzbein einsetzen und die Kanten von Hand noch mal formen. Jetzt - zu allerletzt - die komplette Arbeit von der rechten Seite her mit dem Bügeleisen pressen (= mit festem Druck auf der Stelle bearbeiten, dabei darauf achten, dass die Kanten von Ober- und Unterseite wirklich exakt auf einander liegen und nicht gegeneinander verschoben sind.
Noch eines: Hochwertigere Nähmaschinen haben die Möglichkeit, dass man per Knopfdruck vor-einstellen kann, dass bei einer Nähungerbrechung die Nadel immer im Stoff stecken bleibt - eine tolle Erfindung...

Gern stehe ich dir bei Nachfragen zur Verfügung, wenn ich kann.
#5
19.4.14, 00:24
Hey, dank Dir für die Mühe!! Das Bilderl ist bis Dato noch nicht da...vielleicht kömmts noch...? VlG
#6 trom4schu
19.4.14, 08:35
@Rovo1: Hoffe doch sehr - gucke auch selbst hier immer nach und freue mich, wenns denn klappt! Genieße die Ostertage!
#7
19.4.14, 13:06
das mit dem falzbein ist eine gute idee, wenn man schon eines hat und dafür verwenden mag. allerdings stimme ich dir nicht zu, was das ausformen der ecken betrifft. selbstverständlich werden sie auch im 90-grad-winkel schön, sofern man akkurat arbeitet.

auf deinen fotos kann man sehen, dass deine ecken eher rund werden, was kein wunder ist, da du sie nicht gerade abnähst. auf dem zweiten foto kann auch noch ruhig ein wenig mehr von der nahtzugabe weggeschnitten werden, damit die ecken spitzer werden. der stoff ist mir noch nie ausgerissen, wenn ich vor dem abschneiden der stoffecken rechts auf rechts das werkzeug hineinstecke und die ecke ein wenig dehne. ich nehme dazu meistens meine stoffschere, da sie an einer seite rund ist. bisher hat es immer geklappt.

dadurch kann nichts mehr ausreißen, weil der stoff bereits strapaziert wurde. deswegen dressiert man ja auch die hintere hosennaht.

bei mit vlieseline verstärkten stoffen gelingen auch die ecken schön, wenn man sie nicht nur bei der nahtzugabe schräg abschneidet, sondern auch nach möglichkeit die vlieseline an den nahtzugaben wieder abreißt, bevor man sie versäubert oder beischneidet. diesen aufwand betreibe ich selbst jedoch nur bei sehr dicken stoffen oder wenn der stoff durchsichtig ist.

bei eingearbeiteten taschen entferne ich die verstärkung auch so weit wie möglich, wenn die tasche fertig ist. es sieht von außen einfach hübscher aus und lässt den stoff schöner fallen. mittlerweile nähe ich jedoch auch bei aufgesetzen taschen, die ich meistens für meine kinder nähe, auf verstärktem stoff. dazu reichen drei schmale streifen, wofür man gut reste nehmen kann. und auch da entferne ich ihn bis auf wenige millimeter direkt an den nähten wieder.
#8 mokado
19.4.14, 19:50
schöner wird es aber mit Briefecken. Verziehen sich auch nicht beim Waschen.
#9
19.4.14, 21:00
@Seidenlöckchen:Es ist tatsächlich so,wie trom4schu es beschrieb.Die Ecken lassen sich schöner(und rechtwinkliger)nach dem wenden ausformen,wenn 1 Stich(bei dünnen Stoffen)bis 2 Stiche (bei dicken Stoffen)schräg gesteppt werden.Klingt zwar erstmal merkwürdig,funktioniert aber.Probiere es doch vielleicht mal aus??
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#10 Icki
22.4.14, 10:03
Wenn man es liest, klingt es so logisch, dass ich vermute, wer Nähen gelernt hat, weiß all so was. Ich habe es nicht gelernt und tu es auch ganz schrecklich selten.

Falzbein musste ich erstmal googlen. Für mich lohnt sich die Anschaffung nicht, aber der Griff eines Löffels mit ähnlich geformten Stiel müsste für meine Zwecke wohl reichen.

Und das mit der Diagonale! Klingt so logisch, aber bis ich da mal alleine drauf gekommen wäre.

Fazit: Vielen Dank!

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