Geweihe verzieren mit Serviettentechnik

Geweihe verzieren mit Serviettentchnik
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Hat euer geliebter Großvater euch auch das Resultat unzähliger Jahre leidenschaftlicher Jagd vermacht, nämlich einen Haufen toter Tiere in Form von auf Holzscheiben geschraubten Rehbockschädeln inklusive derer Geweihe? Anstelle dem ungeliebten Erbe bei jedem Besuch im großväterlichen Hause einen argwöhnischen Blick zuzuwerfen, schlage ich vor, Frieden mit ihm zu schließen. Schließlich kann das einst hübsche Ding auch nichts dafür, dass es nun so an der Wand hängt.

Gebt ihm einen Teil seiner Schönheit zurück und vor allem: nutzt es, verlängert sein „Leben“ und für die Tierschützer unter uns: Ihr könnt es sogar verkaufen und den Erlös z.B. an eine Tierschutzorganisation spende ... um Opas Sünden zurückzukaufen, oder so! (Das würde ich dann allerdings nicht an die große Glocke hängen, um dem Verein einen Schmutzgeldskandal zu ersparen! ;-)

Ob Hipster, oder Tierschützer, das Dekorieren von Geweihen mit Serviettentechnik und/oder Lack ist wirklich kinderleicht und wer weiß: vielleicht hängt das einst so befremdliche Teil bald als echter Hingucker mitten in eurem Wohnzimmer!

Und so einfach gehts:

Was ihr wenigstens braucht:

  • Geweih
  • Schraubenzieher
  • Serviettenkleber
  • Schere
  • Holzstäbchen
  • Deko

Serviettenkleber: Fertig kaufen, oder im Internet nach „Stärkekleber selber machen“ suchen, vorausgesetzt ihr habt Mais- oder Weizenstärke, Zucker und Wasser zu Hause (die Zubereitung dauert nur 10 Minuten).

Das richtige Geweih auswählen: Lernt aus meinen Fehlern und krallt euch nicht gleich unwissentlich Opas ersten je geschossenen Rehbock als Testexemplar. Das könnte zu einer eher gedämpften Stimmung führen, wenn ihr das gute Stück beim nächsten Familienfest voller Stolz mit schwarzem Lackgeweih und roter Schleife präsentiert ... selbst wenn ich persönlich davon überzeugt bin, dass Opa sich nicht im Grabe umdrehen, sondern lächeln würde ... ungläubig lächeln, aber Hauptsache lächeln!

Seither habe ich mir vorgenommen nur noch Geweihe zu nehmen auf denen hinten weder der Name des Jägers noch Datum und Ort des Verbrechens stehen, auch wenn die verbleibenden Jäger der Familie, die Geweihe unbegreiflicherweise auch ohne Info auf der Rückseite erkennen und zuordnen können! Ich nehme auch nie die richtig hübschen Geweihen, sondern eher die kleinen mit nur einem, oder maximal zwei „Zacken“, nur für den Fall, dass Opa die Idee doch nicht so lustig findet! Dem Gesamtkunstwerk tut das keinen Abbruch.

Geweih und Holz gründlich mit einer Bürste reinigen (besondere Behutsamkeit ist beim Schädel geboten: die Nase kann leicht abbrechen und dann gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Rekonstruktive Serviettenchirurgie oder ein Halloween-Gruselgeweih, s. „Spezialtipps“ ganz unten.

Geweih von der Holzscheibe abschrauben und Serviettenkombinationen testen. Dazu wickelt man die gewünschten Servietten um den Schädel, bzw. um die Holzscheibe und schaut ob a) das Muster gut und ganz auf dem Schädel zu platzieren ist und b) der Untergrund zur Schädelserviette passt. Wer jetzt noch die Schrauben so aufbewahrt, dass er sie am Ende des Bastelexperiments noch wiederfindet, ist klar im Vorteil!

Serviette von den unteren Lagen trennen: dazu kann man eine Ecke zwischen Daumen und Zeigefinger halten und draufpusten, bis sich die Lagen voneinander lösen. Achtung, meistens sind es insgesamt 3 Schichten, wobei eine schwerer abzulösen ist (-> riesen Schweinerei, wenn ihr die mit aufklebt).

Geweih lackieren: Wer das Geweih lackieren möchte (z.B. mit für Metall geeignetem Spray aus der Bastelabteilung), sollte dies vor dem Anbringen der Serviette tun, um diese später nicht zu beschmutzen. Hierfür den Schädel abdecken (ich benutze Feuchttücher, da sie weich und leicht um den unteren Teil des Geweihs zu wickeln sind. Nach dem Besprühen Feuchttücher sofort entfernen, damit die aufgesaugte Farbe nicht an den Schädel weitergegeben wird. Geweih gut trocknen lassen (8 Stunden mindestens).

Holzscheibe:

Grundierung: Wer eine helle (weiß, gelb ...) Serviette für die Holzscheibe benutzen möchte, sollte Letztere zuerst mit weißem Lack grundieren, damit das Holzmuster nicht durchschimmert und die Farbe der Serviette optimal herauskommt.

Mit Serviettenkleber bekleistern. Erst einmal rund über den äußeren Rand der Unterseite, dann die Seiten (Rinde) und dann die Oberfläche: Einen dicken Klecks auf die Scheibe und dann mit einem sauberen Holzstäbchen (z.B. vom letzten Sushi Take-away) dünn und gleichmäßig verteilen. Den Überschuss zurück ins Schraubglas, sofern sauber.

Kurz schauen wo oben und unten ist (das Aufhänegloch an der Unterseite muss zur Decke zeigen) und dementsprechend die Serviette platzieren: den schönen Teil des Musters nach unten, da die Mitte und der obere Teil der Scheibe später vom Verstorbenen verdeckt sein werden. Jetzt ist Schnelligkeit gefragt: ist die Serviette erst mal eingeweicht, reißt sie gerne ein sobald man versucht sie noch etwas zu verschieben, oder über den Rändern glatt zu streichen.

An den Ecken bilden die Servietten Umschlagstellen: Hier am besten die Serviette mit einer Schere einschneiden und den überschüssigen Teil abschneiden. Den verbleibenden Teil umklappen, sodass das Holz vollständig bedeckt ist. Wenn die Oberseite und die Rinde bedeckt sind, schneidet man die Serviette etwa einen cm tiefer ab, sodass man den verbleibenden Rand auf der Unterseite der Scheibe andrücken kann. Hierfür die Oberseite der Scheibe vorsichtig auf die flache Hand legen und mit der anderen Hand sachte die Ränder an der Unterseite andrücken.

Die Holzscheibe mit der Unterseite zum Trocknen auf ein Glas legen (Föhnen geht auch für die, die es eilig haben).

Schädel/Geweih:

Serviette zuschneiden: Die Serviette grob in die benötigte Größe schneiden und oben etwas weiter als über die Breite des Geweihansatzes vertikale Längsstreifen einschneiden.

Geweih mithilfe des Holzstäbchens gründlich einkleistern, auch Augeninnenhöhlen, in denen die Serviette später zusammengeschlagen wird.

Serviette an der Nase ansetzen und sachte andrücken bis hoch zu der Stirn. Dann einen Serviettenstreifen zwischen beiden „Hörnern“ durchziehen und andrücken. Die Streifen, die den Geweihansatz hochlaufen, auf die passende Länge kürzen und möglichst präzise nebeneinander andrücken (versuchen die kahle Stelle, die notgedrungen bleibt so gut wie möglich auf den hinteren Teil des Horns zu verlagern, damit man die späteren Ausbesserungen so wenig wie möglich sieht.). Restliche Serviette um den Hinterkopf drücken und kahle Stellen ums Geweih ausbessern mit kleineren Serviettenstreifen (zum Andrücken an diesen Stellen, hilft das zweite, noch trockene Holzstäbchen. Wenn alles schon zu klebrig ist und der Serviettenstreifen nicht halten will: kurz trocknen lassen und noch einmal versuchen).

Umschlagstellen in den Augenhöhlen wie vorher beschrieben einschneiden und innen andrücken. Dann die kahlen Stellen mit Serviettenschnipseln ausbessern.

Mit dem Geweih nach unten in ein Glas stellen und trocknen lassen (mindestens 8 Stunden).

Geweih festschrauben und dekorieren:

Schädel gegen das Licht halten, um das Bohrloch zu finden, dann Finger unter die Serviette halten, damit sie sich beim Eindrehen der Schraube nicht von den Augeninnenhöhlen löst. Bei dickeren, lichtundurchlässigen Servietten das Bohrloch mit der Schraube von unten in der Augenhöhle suchen, um sichtbare Beschädigungen auf dem oberen Teil des Schädels zu vermeiden.

Deko anbringen: alles, was der Bastelladen, oder Omas Nähkästchen so hergeben: von Spitze über Glitzersteinchen, Plastik- oder Stoffblumen, Schleifen, oder kleine Anhänger als Kette ums Geweih. Bleiben noch Mängel oder Löcher, kann man diese mit einem Filzstift in der passenden Farbe ausbessern.

FERTIG! :-)

Spezialtipps:

  • Vorher-Nachher Fotos nicht vergessen! Ihr werdet stolz auf euch sein!
  • Eine abgebrochene Nase: Entweder macht ihr daraus ein Halloween-Gruselgeweih (hierzu benutzt ihr z.B. einen alten, leicht geöffneten und klebt ihn mit Superkleber vom Hinterkopf zur Nase laufend am Schädel fest, sodass in der Öffnung die abgebrochene Nase zum Vorschein kommt. Wenn das Ganze getrocknet ist, bedeckt ihr den Rest des Schädels mit einer etwas dickeren Serviette. Als Deko könnt ihr z.B. eine Plastikspinne oder eine Filzfledermaus anbringen.
  • Rekonstruktive Serviettenchirurgie: Wenn z.B. der Schädel an einer Seite bis zu einem Bohrloch abgebrochen ist, könnt ihr diesen bis zur Hälfte der Nase mit einer dickeren Serviette rekonstruieren. Sobald der Serviettenkleber vollständig getrocknet ist, sollte die Serviette stark genug sein, um das Geweih daran leicht festschrauben zu können, vorausgesetzt, das andere Bohrloch ist intakt, sodass es dem benötigten Druck beim Festschrauben standhalten kann.
  • Gut fürs Portemonnaie: Deko erst kaufen, wenn man die Serviettenkombination kennt! So vermeidet man unnütze Ausgaben und wer schon mal in einem Bastelladen war, weiß, wie viel Geld man dort verpulvern kann!
  • Deko-Anhänger: Geht in die Accessoire-Abteilung eines großen Kleiderherstellers. Dort findet ihr sicher eine Kette oder Armbänder mit vielen kleinen Anhängern („Charms“). Zu Hause trennt ihr die Anhänger dann von der Kette ab und könnt je eins als Deko ums Geweih oder in einer Schleife befestigen.
  • Papierservietten: Fragt erst Bekannte und Familie ob sie noch einzelne zu Hause haben. Das wird billiger und erspart euch einen riesen Haufen übrig gebliebener Servietten.
  • Die Recycling-Challenge: Nur Dinge benutzen, die ihr in eurem, oder Omas Haushalt findet. Glaubt mir: es reicht völlig aus um hübsche Geweihe zu entwerfen!
  • Wenn alle Stricke reißen: Servietten ganz einfach abwaschen, Schädel oder Holz kurz abtrocknen und noch mal von vorne beginnen und für den Rest gilt dasselbe Motto wie für den Antritt des Erbes: Akzeptiere was du nicht ändern kannst! 

Gutes Gelingen!

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