Garten

Kalkstickstoff: Ein vielseitiger Helfer für den Garten

Jetzt bewerten:
2,8 von 5 Sternen auf der Grundlage von

Das naturnahe Gärtnern liegt im Trend. Ein Blick in aktuelle Gärten zeigt, dass der Naturgarten immer beliebter wird. Deren Besitzer möchten ihren Garten möglichst ohne Pflanzenschutzmittel pflegen. Das wichtigste Werkzeug des Hobbygärtners ist Kalkstickstoff, ein effektiver Dünger mit Mehrfachwirkung.

Seit Jahrzehnten schwören Gärtner auf Kalkstickstoff. Als Pflanzenschutzmittel noch nicht erfunden waren, düngten bereits die Großeltern mit Kalkstickstoff, um Schädlinge und Krankheiten zu unterdrücken. Dieses alte Wissen ist heute gefragter denn je. Gemüse und Obst aus dem heimischen Garten sind bekanntlich frisch und gesund - das entdecken immer mehr Menschen, die Salat, Gurke und Co. nicht mehr im Supermarkt kaufen möchten und selbst anbauen.

Der moderne Garten: Naturnah und leicht zu pflegen

Viele Menschen sehen einen Widerspruch in dem Wunsch, sich einen pflegeleichten Garten zu wünschen. Dieser Wunsch ist aufgrund der stets geforderten Flexibilität im Berufsleben vieler Menschen und die dadurch schwindende Freizeit verständlich. So planen bestehende Gartenbesitzer Umgestaltungen zu einem pflegeleichten Garten beziehungsweise man achtet bereits bei der Anlage des grünen Paradieses, dass dieses sich in einem gewissen Maß alleine instand hält. Was bei der Planung eines pflegeleichten Gartens zu wissen ist, erklärt dieser Artikel anhand von zehn praktischen Tipps.

Aus dem zuvor genannten Text wird ersichtlich, dass der pflegeleichte Garten keineswegs ein Widerspruch ist. Zu diesem Faktor kommt jedoch noch der Trend zum naturnahen Garten hinzu. Menschen möchten ihre ohnehin knappe Freizeit in einem Garten verbringen, der nicht dem aus einem Bilderbuch gleicht, sondern natürlich aussieht. Für diese beiden Wunschvorstellungen ist Kalkstickstoff genau der richtige Kandidat.

Die Vorteile von Kalkstickstoff im Überblick

Glücklicherweise ist Kalkstickstoff ein guter Dünger für Gemüse: Er fördert das Wachstum des Gemüses und wirkt wochenlang gleichmäßig.

  • Keine Auswaschungsgefahr: Im Vergleich zu anderen Düngern bleibt Kalkstickstoff auch nach einem starken Regen im Bereich der Pflanzenwurzeln und wird nicht ausgewaschen. Je nach Bedarf der Pflanze wird Kalkstickstoff im Laufe der Zeit in bewegliche Stickstoffverbindungen gewandelt, weshalb er so lange im Wurzelbereich verbleiben kann.
  • Weniger Unkraut: Unkraut ist für jeden Gartenbesitzer lästig, insbesondere diejenigen, die wenig Zeit für Pflege haben. Viele halten es für nötig, Unkrautvernichter einzusetzen, von denen in Deutschland mehr als 70 zugelassen sind. Die schonende Alternative ist Kalkstickstoff, welcher nach dem Ausstreuen keimbereite Unkrautsamen sowie frisch gekeimte Unkräuter bekämpft. Mit der gezielten Anwendung können sich Hobbygärtner viel Arbeit im Garten sparen.
  • Gesunder Boden: Die Düngung mit Kalkstickstoff verhindert, dass sich Erreger von Pflanzenkrankheiten im Boden ausbreiten. Er ist eine Vorbeugemaßnahme gegen Kohlhernie, Wurzel- und Stängelfäule sowie Salatfäule. Hobbygärtner sichern sich so eine reiche Ernte von hoher Qualität.
  • Stoppt die Bodenversauerung: Im Vergleich zu anderen Stickstoffdüngern enthält Kalkstickstoff mehr als 50 Prozent Kalk in sehr wirksamer Form. Er stoppt die Versauerung des Gartenbodens und steigert gleichzeitig seine biologische Aktivität.

Kalkstickstoff im Vergleich zu anderen N-Düngern

Wie dieses Infoblatt der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (PDF; 77 KB) schildert, gibt es viele verschiedene Düngemittel für die Stickstoffdüngung:

  • NO₃-N (Nitrat): Gelangt über Wasser schnell zu den Pflanzenwurzeln, wirkt aber auch nicht sehr lange.
  • NH₄-N (Ammonium): Wirkt vergleichsweise langsam, da es zu Nitrat umgewandelt werden muss.
  • Amid-N (Harnstoff): Kann teilweise über die Blätter aufgenommen werden. Durch die rapide Umwandlung zu Ammonium erfolgt eine geringe Wurzelaufnahme.
  • Formaldehydharnstoff: Bestandteil einiger Düngemittel, welche zur Blattdüngung angeboten werden.
  • Nitrifikationshemmer: Hemmt Bakterien, welche Ammonium zu Nitrat umwandeln.

Im Gegensatz zu den oben genannten mineralischen Stickstoffdüngern muss man bei der Anwendung von Kalkstickstoff einige Sicherheitshinweise beachten. Für Kalkstickstoff gelten die folgenden Risiko- und Sicherheitssätze:

  • S2: Kalkstickstoff darf nicht in Kinderhände gelangen.
  • R22: Beim Verschlucken ist es gesundheitsschädlich.
  • R37: Der Stoff reizt die Atmunsorgane.
  • R38: Kalkstickstoff reizt die Haut.
  • R39: Es geht ernste Gefahr irreversiblen Schadens aus.
  • R41: Augenschäden sind eine ernstzunehmende Gefahr.
  • S22: Staub darf nicht eingeatmet werden.
  • S26: Kommt es zur Berührung mit den Augen, sollten sie mit Wasser gründlich ausgespült und im Anschluss ein Arzt konsultiert werden.
  • S36: Bei der Arbeit mit Kalkstickstoff sollte eine geeignete Schutzkleidung getragen werden.
  • S37: Geeignete Schutzhandschuhe sind beim Umgang mit Kalkstickstoff von Nöten.
  • S39: Man sollte einen Gesichtsschutz beziehungsweise eine Schutzbrille bei der Verwendung von Kalkstickstoff tragen.

Zwei praktische Einsatzmöglichkeiten für Kalkstickstoff

Neben der Düngung von Pflanzen gibt es zwei Szenarien, die man durch den Einsatz von Kalkstickstoff verbessern kann:

  1. Natürlicher Kompost ohne Fliegen und Gestank: Kompost ist ein unverzichtbares „Naturelement“ im Garten, welches einerseits den Boden auflockert, andererseits die Bodenfruchtbarkeit steigert. Durch die Zusetzung von Kalkstickstoff wird die Verrottung von Gartenabfällen besonders schnell und gründlich. Wichtig: Bitte keine Essensreste entsorgen, diese haben nichts im Kompost zu suchen. Essensreste kann man auf vielen anderen Wegen verwerten.
  2. Schnecken tierfreundlich loswerden: Gehäuselose Nacktschnecken fühlen sich in vielen Gärten wohl. Bei diesem Besuch vergeht dem Gartenbesitzer schnell die Lust am Gärtnern und versucht mit allen Mitteln, die Tierchen langfristig zu bekämpfen. Bereits mit wenigen Gramm Kalkstickstoff je Quadratmeter kann man die Schnecken dezimieren.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Kalkstickstoff viele vorteilhafte Wirkungen besitzt:

  • Gleichmäßiges Wachstum
  • Belebung des Bodens
  • Dezimierung von Schnecken und Unkräutern
  • Vorbeugung gegen Stängel- und Wurzelfäule
  • Kompostierung ohne Fliegen und Gestank
Von
Eingestellt am

12 Kommentare


#1 superomi
28.5.14, 21:59
Ich bedanke mich herzlich für diesen guten Tip. Ich kämpfe gerade mit den gefräßigen Schnecken und werde mir nächste Woche Kalkstickstoff besorgen und dann Schnecken. .....
4
#2
28.5.14, 23:50
Woher weiß der Kalkstickstoff, was Unkraut ist und was nicht? Also wenn er frisch gekeimte Unkräuter bekämpft, bzw. deren keimbereite Samen, dann kann man wohl keine Saat dort ausbringen, wo man Kalkstickstoff gestreut hat, oder?
Was macht dieser Kalkstickstoff mit den Schnecken?
Ist das jetzt Werbung?
8
#3
29.5.14, 00:07
Hm. Schön aus der Broschüre von AlzChem abgeschrieben. Wenn es ein Tipp sein soll (und keine Werbung??) dann ist dieser Tipp jetzt, wo längst gesät und gepflanzt wurde, viel zu spät. Kalkstickstoff bringt man im zeitigen Frühjahr aus, mindestens zwei Wochen vor dem Säen oder Pflanzen oder für den Rasen im Winter auf der Schneedecke. Kommt er mit feuchten Pflanzen in Berührung, gibt's Blattverbrennungen. Was so in der Broschüre übrigens auch drinsteht ;-)
11
#4 donnawetta
29.5.14, 11:24
In einem Naturgarten braucht man gar keinen Dünger, der Garten selbst liefert ihn. Die Frage ist, was man unter einem "naturnahen" Garten versteht. Wenn da statt "Unkraut" nur schwarze Erde oder dekorativ-bunter Mulch zwischen Zier- und Nutzpflanzen zu sehen sein darf, 80% des Gartens aus Rasen bestehen und die Krischlorbeerhecke alles hübsch viereckig umrahmen soll, hat man keinen naturnahen Garten.

Den kan man auch nicht einfach so mit etwas Kalk hinbiegen, dafür muss man sich schon gründlich mit dem Thema auseinandersetzen und zu dem Schluss kommen, dass der Garten entweder Arbeit macht oder aber nicht so aussieht, wie es die Reihenhausnachbarn mögen. Ein Naturgarten hat etwas zu tun

- mit der Pflanzenauswahl
- mit der sorgfältiger Auswahl der Standorte (Sonneneinstrahlung, Höhe, Bodenbeschaffenheit) und ggf. dem Pflanzen oder Umsetzen von Schattenspendern oder "Windabweisern"
- mit der Bereitstellung von Quartieren für natürliche Gartenhelfer wie Bienen, Hummeln, Florfliegen, Igeln, Käfern usw.
- mit der Duldung oder sogar Ansiedlung von Düngerpflanzen wie z. B. Brennnessel und Beinwell
- mit der Ansiedlung von Unterstützerpflanzen wie z.B. Tagetes und Ringelblume mitten im Gemüsebeet
- mit der Vorbereitung und Anreicherung verausgabter Böden durch Gründüngung, Kalkzugabe (da wäre sie dann *g*), Mulch aus geeigneten Pflanzenteilen (Rindenmulch fällt da in 90% der Fälle völlig aus)
- mit der Anlage eines sinnvollen Komposthaufens (was Platz zum Umsetzen desselben voraussetzt)
- mit dem Verzicht auf synthetische "Pflanzenschutzmittel" und Dünger
- mit der Gelassenheit, die Früchte der Arbeit öfter mal mit Schnecken, Vögeln oder anderen "Schädlingen" zu teilen

Ein Naturgarten ist ein perfekter Kreislauf, der eine Weile braucht, um ins Rollen zu kommen - unter guten Umständen (warmes, sonniges Grundstück, guter Boden, bereits vorhandene Mulch- und Düngerpflanzen) etwa 2 bis 3 Jahre. Die kann man auch gut gebrauchen, um sich als Gärtner "einzugrooven" und erste eigene Erfarhungen absiets der Lehrbücher zu machen, die ein Muss sind, wenn man nicht gerade in einer Permakultur-Kommune groß wurde. Statt Kalk empfehle ich daher Marie-Luise Kreuters Buch "Der Biogarten". Das Werk ist stellenweise vielleicht ein bisschen veraltet, aber die Feinheiten kann man sich auch anderswo aneignen und man hat eine umfassende, griffige Anleitung hin zum eigenen giftfreien Garten.

Ach, und eins noch: Kalkdünger auf kalkhaltigem Boden ist tödlich. So sind beispielsweise die meisten Lehmböden basisch. Einen Kalküberschuss kriegt man da nur sehr schlecht wieder raus - mit dem Gemüse wird das dann nix mehr, dafür wächst dann der Wachholder :-) Daher halte ich den Tipp nur dann für sinnvoll, wenn man ihn nach einer Bodenanalyse anwendet!
#5
5.5.15, 11:39
Holla - da wird aber ganz schön auf den Bernhard eingehauen ... ;-)

Trotzdem:
ICH habe den Beitrag sowie auch die z.T. sehr ausführlichen (Danke @donnawetta!) Kommentare der User regelrecht "aufgesogen", bin ich doch gerade als Balkongärtner (zu Beginn der erst dritten Außenbord-Saison) grundsätzlich stark interessiert an allen Hinweisen, wie man dem Boden wieder das zurückgeben kann, das ihm Gemüse & Co. entzogen haben. Keine Lust, jedes Frühjahr Kübel-und Kasteninhalte zu entsorgen und dafür säckeweise Erde in die dritte Etage zu schleppen (mein bisheriger Einsatz: 240 kg). Deshalb streue ich im Herbst auch Senfsaat u.ä. zur Gründüngung aus, die den Boden über den Winter vor Errosion schützt und im ganz zeitigen Frühjahr zur Verrottung eingearbeitet werden kann.

Außerdem baue ich mir gerade einen Wurmkomposter - allerdings nicht für's Aufstellen auf dem Balkon, sondern für den kühleren Keller. Als Vielgemüseesser tut es mir immer in der Seele weh, die Unmengen an organischem "Material", die nicht mal mehr zur Gemüsebrühe taugen, in den normalen Hausmüll entsorgen zu müssen. Wo ich doch schon dazumal als Schrebergärtnerin (vor gefühlt hundert Jahren) immer den überaus dankbaren Kompost damit gefüttert habe.

Also, Bernhard - trotz der "Schelte": Weiter so an der Frag-Mutti-Front!
Und im Zweifelsfalle ist 'ne Info, die eventuell etwas spät kommt, immer noch besser als gar keine Info. Ich jedenfalls betrachte all das bei FM Angebotene als Denkanstoß zum Weiterinformieren. Unreflektiertes "Konsumieren" kriege ich sowieso nicht hin ...
6
#6
5.5.15, 11:40
Kalkstickstoff aber nieee, nieee nieeee auf den Kompost geben. Hier vernichtet er nämlich auch die Kleinstselbewesen, welche den Kompost bearbeiten sollen. Damit gehen dann die "Kompostverarbeiter" kaputt.
So wie er das Unkraut / Beikraut vernichtet, so vernichtet er auch das, was wir im Bio-Garten benötigen. Also gucken und abwägen wo Kalkstickstoff nützlich sein kann und wo nicht.
#7 muddi1965
5.5.15, 14:27
@HörAufDeinHerz: Ja, ja, wenn wir ein Rezept 1 zu 1 abschreiben, wird es hier nicht veröffentlicht (ohne Erlaubnis, Quellenangabe etc.).
An Werbung glaube ich nun nicht, es ist ja kein Hersteller genannt, sie wäre aber seit einiger Zeit erlaubt.
#8
5.5.15, 20:35
Kalkstickstoff scheint gut zu sein, auch im Naturgarten ???
Ich vermute, daß dann aber auch meine vielen!!!!!! Regenwürmer diese Prozedur nicht überleben und verätzt werden.
Was sagt Bernhard dazu??
1
#9
5.5.15, 20:44
@ Westwind
Schau mal in #6.
Die Regenwürmer gehen davon leider kaputt. Was für das eine gut ist, ist für das ander schädlich. Daher abwägen, wo man Kalkstickstoff benutzt.
#10 Ursula Wille
29.3.16, 12:40
 😳 Hallo
 Ich habe  in Diesem Jahr zum ersten mal Kalkstickstoff in meinen Garten benutzt
meine Frage ? muss ich den Boden nochmal umgraben?
1
#11
18.4.16, 00:10
Ja wie doof ist das denn, einen Tipp einzustellen von einem Stoff bei dessen Verwendung 11 Warnhinweise berücksichtigt werden müssen?

Zwar wird Kalkstickstoff im Bioanbau angewendet, aber da geht es ab ein paar Hektar Land los. Also nichts im Vergleich zu uns Kleingärtnern.

In meinen 2.5 ha großen Garten kommt mir nichts rein: kein Insektizid, kein Pestizid, keine anorganische Dünger etc.
Das bedeutet aber auch, das ich mich wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt habe.

#4 donnawetta hat wunderbar beschrieben wie es auch ohne Chemie gehen kann!!!

Kleingärtner denken leider viel zu oft: viel hilft viel, was zu überdüngten und verseuchten Gärten führt.
Ehrlich Leute: schont die Umwelt! Denn alles was nicht von Pflanzen benötigt wird, versickert irgenwann in unser Grundwasser!!
1
#12
20.5.16, 22:24
Ich warne jeden Amateur-Kleingärtner vor dem Gebrauch mit diesem Zeugs !!
Es ist nicht nur gesundheitsschädlich, sondern es kann auch die Pflanzen mehr schädigen -verbrennen-  als helfen.
Kalkstickstoff  evtl. im späten Winter auf den Schnee streuen um langsam dann in die Erde zu bringen ist o.k. und dient dem aufkommenden "Unkraut"  keine Chance zu geben. In den Komposthaufen/Tonne ect. ab- und zu einmal zugeben auch gut. Aber bitte NIE direkt an Gemüse oder gar Obstpflanzen !!! Und bitte die Sicherheitshinweise unbedingt beachten !😱

Verfasse einen Kommentar

Emojis einfügen