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Buchtipp: "Ein Freund der Erde" von T.C. Boyle

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3,7 von 5 Sternen auf der Grundlage von

Bereits auf den Geschmack gekommen, als ich meinen Text über das Internet des Waldes geschrieben habe, dann weiter inspiriert worden durch Upsis wunderschön bebilderten Beitrag über den Herbstwald als Seelenbalsam und nicht zuletzt angestoßen durch die mediale Berichterstattung über die aktuellen Ereignisse im Hambacher Forst: Das Thema „Wald“ ist für mich momentan sehr präsent. Daher würde ich euch gerne einen Roman von T.C. Boyle empfehlen, in dem neben einer ganzen Reihe skurriler Typen und Tiere der Wald als stummer Protagonist allgegenwärtig ist. Teile der Handlung spielen sogar in der Krone eines riesigen, von einer Öko-Aktivistin besetzten Redwood-Baums. Hambacher Forst, ick hör dir trapsen! Daher kann ich mir einige persönliche Sätze zu diesem Thema einfach nicht verkneifen.

Wenn ein Wald spaltet…

Ich werde an dieser Stelle nicht meine ökologisch-politische Gesinnung ausbreiten, dafür ist hier weder genug Platz noch der rechte Ort. Das erledigt T.C. Boyle in seinem Roman ohnehin für mich: Wir beide sind politisch ziemlich auf einer Wellenlänge. Doch der Lauf der Ereignisse im Hambacher Forst wirft für mich schon eine Frage auf: Wie kann ein Land, das auf der einen Seite zur Energiewende und energiepolitischen Neuorientierung aufruft, sich auf der anderen Seite dermaßen widerstandslos „wirtschaftlichen Zwängen“ unterwerfen? Ich finde diese ganze David-gegen-Goliath-Scharade sehr fragwürdig, aber an den schalen Geschmack im Mund beim Schauen der TV-Nachrichten hat man sich ja leider schon gewöhnt. So viel von mir dazu und nun zurück zum Buch.

STOP – UPDATE: Das Schreiben dieses Textes hat sich über mehrere Tage hingezogen und die Entwicklung im Hambacher Forst hat die Aktualität des letzten Absatzes überholt. Der momentane Stand der Dinge sieht folgendermaßen aus: Die geplante Rodung des Hambacher Forsts ist bis mindestens 2020 auf Eis gelegt. Die Öko-Aktivisten sammeln schon Material für neue Baumhäuser und trotzdem sollen alle Polizeibeamten aus dem Gebiet abgezogen werden. Hey, was für eine tolle Überraschung ist das denn? Man ist hierzulande einfach nicht daran gewöhnt, dass ziviler Widerstand auch mal Früchte trägt. Rund eine Million Einsatzstunden der Polizei sind laut Presse in den letzten Wochen zusammengekommen. Das bedeutet: Völlig abgesehen von den moralischen Verwerfungen, die entstanden sind, wurden da Steuergelder in astronomischer Höhe verheizt. Doch ist das nicht völlig zweitrangig angesichts der geretteten Bäume? Ich meine schon und damit wirklich zurück zum Buch.

…und ein Buch verbindet

Der Roman trägt den schönen Titel „Ein Freund der Erde“ und ist im Jahr 2000 erschienen. Bereits 2001 kam hierzulande die deutsche Übersetzung in den Handel. Tja, der Hanser Verlag weiß halt, worauf die deutschen Leser besonders dringend warten. Dass der Verlag mit seiner offensichtlichen Vermutung, T.C. Boyle werde gerne gelesen, richtig liegt, kann ich aufgrund meiner Beobachtungen beim U-Bahn-Fahren bestätigen. Besonders in der U-Bahn Linie 1 habe ich schon des Öfteren Menschen gesehen, die in einen der zahlreichen Boyle-Romane vertieft waren. Einmal saß mir ein junger Mann gegenüber und wir hatten beide zufällig den Wälzer „Wassermusik“ von Boyle in der Hand. Ein witziger Moment und wir Boyle-Fans konnten einen dieser wahnsinnig coolen Wir-Insider-Wissen-Halt-Bescheid-Blicke austauschen. Solche Erlebnisse entschädigen einen zum Glück nachhaltig für die ansonsten doch recht nervige U-Bahn-Fahrerei.

Zum Inhalt

Die Geschichte spielt im Jahr 2025. In dieser nicht mehr allzu fernen Zukunft sind viele der heute diskutierten Folgen des Klimawandels (haben den nicht die Chinesen erfunden?) bereits bittere Realität geworden. Die Erde ist zwar nicht komplett wüst und unbewohnbar, aber weit davon entfernt ist sie auch nicht mehr. Viele Tierarten sind bereits ausgestorben, da ihre Lebensräume den verschiedensten Klima- und Naturkatastrophen zum Opfer gefallen sind. Die Menschen ernähren sich eher unfreiwillig vegetarisch, bauen Reis an, wo einst Getreide gedieh und trinken Sake anstelle von Bier. Es ist eine öde Welt. Auch das sonnenverwöhnte Kalifornien versinkt in monsunartigen Regenfällen, die nur von Perioden brütender Hitze unterbrochen werden. Andauernde, stürmische Winde machen die Gesamtsituation nicht besser.

Hier treffen wir auf unseren Protagonisten, den 75-jährigen Tyrone O’Shaughnessy Tierwater. Da die Lebenserwartung mittlerweile rund 100 Jahre beträgt ist Tyron, genannt Ty, sozusagen noch in seinen besten Jahren. Ty, langjähriger Ökoaktivist mit einem latenten Hang zum militanten Ökoterrorismus, hat einen ungewöhnlichen Job, eigentlich mehr eine Mission: Im Auftrag des schwerreichen, alternden Popstars Maclovio Pulchris betreut er dessen Privatzoo im kalifornischen Hinterland. Hier leben ausgesuchte Exemplare einiger vom Aussterben bedrohter Tierarten, quasi die letzten Passagiere einer sinkenden Arche Noah. Sie sollen nach der drohenden Apokalypse zum Grundstock einer neuen Tier-Population werden. Soweit der Plan.

Nach gut 20 Jahren Sendepause steht eines Tages plötzlich Andrea, Ty‘s Ex-Frau und Stiefmutter seiner Tochter Sierra vor der Tür. Sie ist gekommen, um zu bleiben. Ty, der einerseits um seine eigenbrötlerische Ruhe fürchtet, sich aber andererseits der Sinnlosigkeit einer möglichen Widerrede bewusst ist, willigt ein.

Boyle erzählt in zahlreichen Rückblenden aus Ty’s wildbewegtem Leben zwischen Aktivismus und Gefängnis, von seiner ebenso leidenschaftlichen wie verwirrenden Liebe zu der Öko-Amazone Andrea und von seiner Tochter Sierra, die noch radikaler lebt als er selbst es je gewagt hätte.

Als ein verheerender Sturm die Tiergehege zerstört und das Wasser steigt, geraten zuerst nur die Löwen außer Kontrolle, aber keine Sorge: Mit jeder Seite greift das Chaos in bester Boyle-Manier weiter um sich und… Stopp! Ab hier laufe ich Gefahr unfreiwillig viel zu viel zu verraten und spoilern unter Freunden geht ja gar nicht. Nur so viel: Es ist großartig, spannend, politisch, witzig, herzzerreißend und am Ende mal wieder viel zu kurz.

Zum Autor

Ach ja: Wer mehr über den Autor T.C. Boyle erfahren möchte, dem sei der Absatz „Der Autor“ aus meinem Buchtipp „Grün ist die Hoffnung“ empfohlen.

Die Fakten

  • Titel:
  • Autor: T.C. Boyle
  • Erscheinungsdatum: 2000
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Umfang: 368 Seiten (Taschenbuchausgabe)
  • ISBN: 978-3423130530
  • Preis: 10,90 Euro (Taschenbuchausgabe)

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Ein Freund der Erde: Roman
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