Hier werden einige der am häufigsten falsch verwendeten Wörter, Redewendungen und Sprichwörter unter die Goldwaage genommen. ;)

Reden ist Schweigen – Silber ist Gold

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Neues aus dem Sprichwortmixer

Neulich traf ich eine echte Konifere in Sachen Sprichwörter. Zu jedem noch so gehaltlosen Gesprächsthema konnte das Würstchen seinen Senf in Form eines Sprichworts, Zitats oder Sinnspruchs dazu geben. Nicht alles, was er im Lauf des Abends von sich gab, traf den Hammer auf den Nagel, aber Schwamm drüber oder Sponge above, wie es neudeutsch heißt. Schließlich kann sich nicht jeder mit Tüten und Blasen auskennen. Nachdem das blinde Huhn schon ein paar Korn getrunken hatte, wurde es sprachlich richtig abenteuerlich. Aber ich bin ja nicht der Typ, der jedes Wort auf Messers Schneide legt und irgendwie ziehen wir ja alle am selben Boot, gell? Niemand ist gefeit vor der versehentlichen Verwechslung von Wörtern und dem damit verbundenen Sinn- oder Unsinngehalt. Im Folgenden sollen daher einige der am häufigsten falsch verwendeten Wörter, Redewendungen und Sprichwörter unter die Goldwaage genommen werden.

Falsch verwendete Wörter

Heißt das wirklich so? Wörter? Müsste es nicht Worte heißen? Kurz dazu: Die Bildung des Plurals von „Wort“ hängt vom Kontext ab. Ist ein einzelnes Wort gemeint (Apfel, Teebeutel) ist der Plural „Wörter“. Beispiel: Der Satz hat mehrere Wörter. Ist dagegen eine Bemerkung oder Äußerung gemeint, lautet der Plural „Worte“. Beispiel: Die weisen Worte des Donald T. Komisch, obwohl der Plural im letzten Satz richtig gebildet ist, hat sich ein Fehler eingeschlichen…na, schon entdeckt? Diese Regelung hat sich erst im Lauf der Sprachgeschichte eingebürgert und wird auch heute noch gerne ignoriert. So auch von dem großartigen Schriftsteller Robert Gernhardt, dessen „Dreißigwortegedicht“ ich euch nicht vorenthalten möchte:

Dreißigwortegedicht

Siebzehn Worte schreibe ich
auf dies leere Blatt,
acht hab' ich bereits vertan,
jetzt schon sechzehn und
es hat alles längst mehr keinen Sinn,
ich schreibe lieber dreißig hin:
dreißig.

Schön, nicht? Doch eigentlich müsste es „Dreißigwörtergedicht" heißen und damit kommen wir schon zu einigen Wörtern, die Verwirrung stiften.

Mund-zu-Mund-Propaganda

Es gibt sowohl Mund-zu-Mund-Beatmung als auch Mundpropaganda, aber die Mund-zu-Mund-Propaganda gibt es definitiv nicht. Würde auch nicht viel Sinn machen, jemandem in den Mund zu reden, das Ohr macht sich da viel besser.

Public Viewing

Sehr beliebt, vor allem bei sportlichen Großevents wie der Fußball WM. Hat allerdings im ursprünglichen Sinn nichts mit dem kollektiven Starren auf große Bildschirme zu tun, sondern bezeichnet die öffentliche Zurschaustellung eines toten Menschen (Aufbahrung) oder einen Tag der offenen Tür. Da sich dieser Neologismus in Deutschland aber so hartnäckig eingebürgert hat, wird der Begriff seit 2011 sogar im Duden mit dem dazugehörigen Synonym „Rudelgucken“ erwähnt.

Scheinbar / Anscheinend

Zwei hübsche Adjektive, die zum Verwechseln förmlich einladen. Dabei ist die Unterscheidung gar nicht schwer. Wenn viele Indizien, aber keine Beweise für einen Sachverhalt sprechen, trifft er „anscheinend“ zu. Ein Sachverhalt hingegen, der auf den ersten Blick wahr erscheint, es aber doch nicht ist, wird mit „scheinbar“ bezeichnet. Das ist jetzt anscheinend richtig so. Oder scheinbar?

Kult

Von alten Autos bis hin zu Filmklassikern – alles Kult, oder? Nicht ganz. Der lateinische Begriff „Kultus“ bezeichnet eine „Religionsausübung mit festgelegten Handlungen“. Na gut, manche Menschen vergöttern ihre „Kultobjekte“ ja tatsächlich.

Pleonasmus…

…bezeichnet die Häufung sinngleicher oder sinnähnlicher Wörter. Der Klassiker hier ist wohl der „Weiße Schimmel“. Etliche dieser Pleonasmen haben sich in die Alltagssprache eingeschlichen. So ist eine „La Ola-Welle“ nichts als eine „Welle-Welle“, ein HIV-Virus doppelt gemoppelt und auch die „ABM-Maßnahme“ ist nichts weiter als eine „Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme-Maßnahme“.

Falsch verwendete oder gemixte Sprichwörter und Redewendungen

Ein weites Feld, auf dem ich einige besonders schöne Stilblüten gepflückt habe. Beginnen wir mit:

Iss deinen Teller auf, dann gibt es morgen gutes Wetter.“

Schon als Kind habe ich mich zum einen darüber gewundert, warum ich den Teller essen soll, zum anderen darüber, was mein Mittagessen mit dem Mikroklima zu tun hat. Ich hab sie halt runtergeschluckt, das Essen und meine Frage nach dem Sinn dieses Satzes. Heute weiß ich, dass das Sprichwort auf einem Übersetzungsfehler beruht. Das Original kommt aus dem Plattdeutschen und lautet: „Wenn du dien Teller leer ittst, dann gifft dat morgen goodes wedder.“ Bedeutet so viel wie „…dann gibt es morgen wieder etwas Gutes.“ Also nix mit Wetter. Habe ich als Kind schon irgendwie geahnt, dass da etwas nicht stimmen kann.

Die folgenden Wort-Kapriolen lasse ich unkommentiert – sie sprechen für sich.

  • „Da warst du auf dem falschen Holzdampfer.“
  • „Die dicksten Bauern haben die dümmsten Kartoffeln.“
  • „Das ist das Geld nicht wert, auf dem es gedruckt ist.“
  • „Du hast doch keine Ahnung, wo der Pfeffer wächst.“
  • „Es ist nicht alles Geld, was stinkt.“
  • „Jemandem einen Apfel für ein Ei vormachen.“
  • „Das ist ja allerunterste Gürtellinie.“
  • „Einen Schlusspunkt ziehen.“
  • „Das setzt dem Fass die Krone auf.“
  • „Gleich platzt mir die Hutschnur.“

Dass der Busen nicht die Brüste, sondern das Tal zwischen ihnen bezeichnet, dürfte den meisten von euch geläufig sein. Aber vielleicht kennt ihr noch andere Wörter oder Redewendungen, die gerne falsch benutzt werden oder in den Mixer geraten sind. Die könnt ihr in den Kommentaren gerne aufs Trapez bringen :)

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