Desinfektion im Haushalt - wenn Hygiene zur Besessenheit wird

Desinfektion im Haushalt - wenn Hygiene zur Besessenheit wird
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Angriff der Killer-Mikroben!

Der Blick in viele deutsche Putzschränke lässt einen unwillkürlich an das Wettrüsten der Supermächte denken. Nur geht es hier nicht um Ost gegen West, sondern um Mensch versus Mikrobe. Kampf dem Keim, wobei der vermeintliche Feind im Unsichtbaren lauert. Zuallererst muss festgestellt werden: Die Zahl der auf dem menschlichen Körper siedelnden Mikroben übersteigt die Zahl der Körperzellen. Und das ist auch gut so! Die allermeisten dieser kleinsten Mitbewohner erfüllen nämlich lebenswichtige Aufgaben für den Menschen. Nur die allerwenigsten sind Krankheitserreger oder andere Störenfriede. Was nährt also unsere irrationale Angst vor Keimen?

Das Angebot bestimmt die Angst…

Der Putzmittel- und Hygienemarkt ist gesättigt mit antibakteriellen, viruziden (gegen Viren wirksame) und desinfizierenden Produkten. Desinfektionstücher für die Klobrille, Anti-Keim-Mülltüten und Flüssigmittel wie Sagrotan und Co. Hier wird ein Bedarf suggeriert, der in Wirklichkeit gar nicht existiert. Im privaten Haushalt sind Desinfektionsmittel in der Regel überflüssig. Ausnahmen sind beispielsweise Haushalte, in denen eine Person an einer hoch infektiösen Krankheit, wie beispielsweise dem Noro-Virus, leidet. Hier kann der gezielte Einsatz von Desinfektionsmitteln die Infektionskette unterbrechen. Das gilt insbesondere für Haushalte, in denen Menschen mit einer durch Krankheit, Immunschwäche oder Chemotherapie geschwächten Abwehr leben.

Wo ist Desinfektion sinnvoll?

Grundsätzlich kann man sagen: In allen medizinischen Einrichtungen. In Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen kann das vermehrte Auftreten krankheitsverursachender Keime ein ernsthaftes Problem darstellen. Auch in der Lebensmittelproduktion und in Großküchen ist Desinfektion angebracht. Allerdings hat die angestrebte Sterilität in Krankenhäusern auch ihre Schattenseiten. Studien irischer Forscher lassen einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Desinfektionsmitteln und der Antibiotika-Resistenz verschiedener Keime vermuten. Neben dem falschen Einsatz von Antibiotika könnte hier ein weiterer Ursprung gefährlicher Krankenhauskeime liegen.

Hygiene ja, Desinfektion nein!

Wenn im Privathaushalt und Alltagsgeschehen einige grundlegende Hygieneregeln beachtet werden, erübrigt sich jede Art von Desinfektion. Einige der wichtigsten Tipps sind hier für euch kurz zusammengefasst:

  • Händewaschen: Eine Studie belegt, dass Menschen durchschnittlich 400 Mal am Tag ins Gesicht fassen. Da über die Hände die meisten Keime "weitergereicht" werden, besteht hier eine besonders hohe Infektionsgefahr. Hierzu Armin Schuster, der als Biologe am Freiburger Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene arbeitet: "Eine Erkältung kann man sich schon durch das Reiben der Augen einfangen, wenn man Erkältungsviren an den Händen hat." Da hilft nur regelmäßiges und gründliches Händewaschen, im Besonderen vor dem Umgang mit Lebensmitteln, nach dem Toilettengang und nach dem Kontakt mit Kranken oder Haustieren. Wasser und Seife genügen!
  • Lebensmittel: Deutschlandweit werden jährlich mehr als 200.000 Magen-Darm-Erkrankungen registriert, die auf mangelhafte Hygiene im Lebensmittelbereich zurückzuführen sind. Und das sind nur die erfassten Fälle, denn die Dunkelziffer liegt ungleich höher. Hier geraten vor allem Keime wie Salmonellen, Listerien und Campylobacter ins Visier. Diese in Fisch, Fleisch und Wurst, aber auch in Rohmilchprodukten und Eiern siedelnden Keime, können zu ernstzunehmenden Krankheiten führen. Diese Lebensmittel sollten daher unmittelbar nach dem Einkauf bei maximal 6 °C im gelagert werden. Um trotzdem vorhandene Keime unschädlich zu machen, müssen die Speisen beim Zubereiten mindestens 2 (besser 10) Minuten auf über 70 °C (Kerntemperatur!) erhitzt werden.
  • Spülbürste und Lappen: Im feuchtwarmen Milieu der Spülhelfer siedeln Mikroben besonders gerne. Ob diese Keime aber gesundheitsbedenklich sind, hängt von der vorausgehenden Verwendung von Lappen und Bürste ab. Alles, was mit Resten von Fleisch, Fisch, Wurst, Milch, rohem Ei oder Auftauwasser in Berührung gekommen ist, gehört vor der nächsten Verwendung grundsätzlich in die Waschmaschine oder in den Geschirrspüler.
  • Bad und Toilette: Normales Putzen reicht! Im deutschen Durchschnittshaushalt tummeln sich im Kühlschrank mehr Keime als auf der Klobrille. Im Bad sind vor allem die Bereiche keimbelastet, die mit vielen Händen in Berührung kommen. Also Türklinken, Wasserhähne, Lichtschalter und Klospülungen. Aber auch hier wäre der Gebrauch von Desinfektionsmitteln mit dem "Kanonen-auf-Spatzen-Prinzip" vergleichbar. Regelmäßiges Abwischen der betreffenden Stellen und gründliches Händewaschen reichen völlig aus.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Im Desinfektionsmittel-Bereich ist Abrüstung angesagt. Macht den von Werbung und Einzelhandel angesagten Kampf gegen den "unsichtbaren Feind" Mikrobe nicht zu eurem privaten Feldzug. Die meisten Mikroben sind eure Freunde und Helfer, also nehmt sie lieber nicht unter "friendly fire"!

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