Plastik vermeiden im Alltag

Es gibt viele tolle Alternativen zu Plastikprodukten, zum Beispiel aus Holz oder Glas.
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Dass das Problem unbekannt war, kann niemand sagen, wenn wir dann irgendwann in unserem Plastikmeer ertrinken. Fettgedruckte Schlagzeilen, erschreckende Bilder, wissenschaftliche Abhandlungen – das Thema Plastik ist schon seit Längerem omnipräsent in den Medien. Warum aber fällt es uns trotzdem so schwer, unseren Plastikverbrauch einzuschränken? Nach wie vor ist Plastik ein normaler Teil unseres Alltags. Es begegnet uns in unendlich vielen Formen und Anwendungssituationen und ist schlicht nicht wegzudenken. Je mehr man sich jedoch mit der Thematik beschäftigt, desto vielfältigere Alternativen eröffnen sich und mit ein paar guten Tipps an der Hand kann jeder einiges an Plastik einsparen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum Plastik ein Problem ist
  2. Wo ist Plastik versteckt?
  3. Plastik vermeiden – Schritt für Schritt
    1. Plastik vermeiden im Badezimmer
    2. Plastik vermeiden in der Küche
    3. Plastik vermeiden beim Einkauf
    4. Plastik unterwegs vermeiden
    5. Plastik vermeiden durch Selbermachen
  4. Aber was ist mit Bio Plastik?
  5. Verbot für Einwegplastikprodukte
  6. Fazit

Warum Plastik ein Problem ist

Plastik ist der umgangssprachliche Begriff für Kunststoffe verschiedener Art. Sie werden in vielen Bereichen eingesetzt, da sie sehr temperaturbeständig und elastisch bei gleichzeitiger Bruchfestigkeit sind. Du findest Plastik zum Beispiel unter den Bezeichnungen PE (Polyethylen), PP (Polypropylen), PVC (Polyvinylchlorid) oder PET (Polyethylenterephtalat). Die Anwendungsmöglichkeiten sind nahezu unendlich und reichen von Tüten und Verpackungen über Bodenbeläge bis zu Kosmetika. Und weil wir das Plastik in unserem Alltag so gewohnt sind, fällt es uns meistens gar nicht mehr auf.

Dabei stellt die ununterbrochen laufende Produktion die gesamte Menschheit vor große Probleme. Pro Jahr werden rund 400 Millionen Tonnen Kunststoff produziert und nur 8% davon wird recycelt. Rund 80% landen auf Müllhalden oder in unserer Umwelt. Außerdem haben viele Plastikgegenstände eine sehr kurze Gebrauchsdauer. Durchschnittlich wird eine Plastiktüte nur 20 Minuten benutzt bevor sie im Müll landet. Der enorme Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung dadurch sind in keiner Relation zum Nutzen. Bei anderen Produkten sieht es nicht besser aus. Rund 40 Prozent aller Plastikprodukte werden in weniger als 30 Tagen zu Müll. Das führt neben unschön vermüllten Stränden und Parks auch zum Tod unzähliger Tiere. Besonders die Weltmeere sind betroffen: hier sammelt sich der Plastikmüll und verfängt sich in den großen Meeresströmungen. So gibt es zwischen Kalifornien und Hawaii einen drei Millionen Tonnen schweren Müllstrudel, der so groß ist wie Mitteleuropa. Und wen das schockiert, der muss sich gut festhalten, denn es gibt noch viele weitere solcher Plastik Verwirbelungen. Forscher sind der Meinung, dass bis zum Jahr 2050 mehr Plastik als Fische in den Ozeanen schwimmt.

Das Problem an Kunststoff liegt vor allem darin, dass er nicht biologisch abbaubar ist. Der Zersetzungsprozess einer Plastiktüte dauert tausende von Jahren, im Meer sogar noch länger. Es dauert ungefähr 400 bis 450 Jahre bis eine PET-Getränkeflasche komplett zersetzt ist. Bei einem T-Shirt aus Baumwolle sind es 6 Monate und bei einer Zeitung aus Papier 6 Wochen. Da ein so großer Anteil des Kunststoffs in der Natur landet, kann er sich dort anreichern und zerstört so das Ökosystem. Damit ist Plastik in hohem Maße für den Klimawandel und das Artensterben mitverantwortlich. Außerdem werden für die Herstellung von Kunststoffprodukten fossile Energieträger verbraucht, die inzwischen knapp geworden sind. Es kann also schon allein aufgrund der begrenzten Rohstoffe nicht so weitergehen mit unserer kunterbunten Plastikwelt.

In den letzten Jahrzehnten ist die Produktionsmenge von Plastik dramatisch gestiegen. So ist Menge an produziertem Kunststoff von 1,7 Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf 322 Millionen Tonnen im Jahr 2015 angestiegen. Mittlerweile ist die Menge trotz Verboten bei über 400 Millionen Tonnen und diese Zahl steigt weiter. Da der Stoff unser gesamtes Leben durchzieht, ist es jedoch kaum möglich, komplett auf Plastik zu verzichten. Aber in manchen Bereichen ist es ganz einfach und nur mit einer kurzen Umgewöhnungsphase verbunden, auf Alternativen auszuweichen. Der größte Absatzmarkt für Plastik sind Verpackungen und hier kannst du als Verbraucher sehr gut ansetzen und mit deinen bewussten Entscheidungen die Welt verändern. Es geht nicht darum, von heute auf morgen ohne Plastik zu leben, sondern ein Bewusstsein für das Problem zu entwickeln und das im Alltag versteckte Plastik sichtbar zu machen.

Wo ist Plastik versteckt?

Unser Alltag ist von Plastik geradezu durchzogen. In vielen Fällen taucht der Kunststoff ganz offensichtlich auf, zum Beispiel in Form von Tüten oder Verpackungen. Aber Plastik bestimmt unser Leben in vielen unerwarteten Bereichen. Rohre und Isolierungen, Kosmetika und Shampoos, Autos, Handys und Computer...die Liste ist endlos. Und da wir so sehr daran gewöhnt sind, fällt uns das Plastik oft gar nicht mehr auf. Starte doch einmal einen Versuch und nimm für einen Tag jedes kunststoffhaltige Element, mit dem du in Berührung kommst, ganz bewusst wahr. Schnell wirst du mit dem Zählen gar nicht mehr nachkommen.

Das bedeutet aber nicht, dass wir sofort den Kopf in den Sand stecken müssen. Ist man sich der Ernsthaftigkeit des Problems bewusst geworden, kann man gezielt Handlungen folgen lassen. Problematisch sind vor allem Einwegverpackungen, da sie eine sehr kurze Lebensdauer haben, in großer Menge produziert werden und scheinbar unumgänglich sind. Denn wer im Supermarkt vor Regalen voll plastikverpackter Ware steht, der sieht zunächst einmal keinen Ausweg aus der Plastikhölle. Mit einigen guten Tipps kannst du den Plastikverpackungen aber geschickt ausweichen und so einen großen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Plastik vermeiden – Schritt für Schritt

Niemand ist perfekt und vor allem ist niemand bereit, sein Leben von einem Tag auf den anderen komplett umzukrempeln. Etwas tun will man aber trotzdem. Suche dir deshalb einfach einen Bereich oder eine Sache aus, bei der dir die Umstellung leicht fällt. So hast du einen Ansatzpunkt und kannst von dort aus weitergehen – mit jedem Schritt wird es einfacher und je mehr Gedanken du dir zum Thema Plastik machst, desto bewusster nimmst du es im Alltag wahr und suchst auch aktiv nach Alternativen. Dafür gibt es grundlegend zwei Möglichkeiten: Entweder du ersetzt das betreffende Kunststoffprodukt durch ein anderes oder du machst das, was du normal in der Packung kaufst, einfach selbst. Gehe deine einzelnen Lebensbereiche Schritt für Schritt durch und sieh, wo du Plastik einsparen kannst.

Wenn du schon Utensilien aus Plastik besitzt, solltest du diese auf jeden Fall weiterverwenden, solange sie noch intakt sind. Wirfst du alles einfach weg, entsteht nur noch mehr Plastikmüll. Für Neuanschaffungen kannst du dir dann Gedanken über Alternativen machen, um keine neuen Plastikprodukte zu kaufen – denn auch wenn Plastikdosen oder Pfannenwender über einen langen Zeitraum benutzt werden, landen sie am Ende genauso auf dem riesigen Plastikmüllhaufen wie jede Tüte und jeder Strohhalm.

Plastik vermeiden im Badezimmer

Im Badezimmer finden sich Unmengen an Plastik. Probiere es doch mal mit einer Bambuszahnbürste und einem Rasierhobel.Der Tag beginnt morgens im Badezimmer und hier wartet einiges an Plastik auf dich: Angefangen mit Zahnbürste und Zahnpasta, über Shampoo, Duschgel und Flüssigseife sowie Rasierer und Rasierklingen bis hin zu Klobürste und Ohrenstäbchen.

Gott sei Dank gibt es inzwischen viele Anbieter, die sich der Problematik angenommen haben und bequeme Lösungen bieten. Kaufe beim nächsten Mal einfach eine und probiere feste Seifen und Shampoos aus, die ganz ohne Plastikverpackungen auskommen. Und statt dem Plastikrasierer mit Einwegklingen legst du dir einen Rasierhobel aus Holz und Metall zu.

Bei Hygieneartikel für Frauen kann sich viel Plastikabfall ansammeln. Auch die Entsorgung der Hygieneartikel ist nicht unproblematisch bspw., wenn sie falsch entsorgt werden. Da Tampons und herkömmliche Binden von den EU-Richtlinien zur Vermeidung von Plastikmüll ausgeschlossen sind, würden sich auch hier Alternativen anbieten:

Statt Tampons kannst du z.B. Menstruationstassen verwenden, die sind aus medizinischem Silikon, auf dem Bakterien nur ungern haften bleiben und das beste: Sie können wiederverwendet werden. Auch Binden können, z.B. durch Slipeinlagen aus Stoff ersetzt werden. Diese kannst du bequem in der Waschmaschine, im Kochwaschgang mitwaschen und ebenfalls öfter verwenden.

Einseifen tun wir uns am liebsten mit einem Bade- oder Duschschwamm, die sind nur leider meistens aus Plastik. Auf das Einschäumen musst du trotzdem nicht verzichten, denn Bade- oder Duschschwämme lassen sich prima durch Badbürsten aus Holz ersetzen.

Plastikmüll vermeiden kannst du auch bei Wattepads, die kann man mittlerweile ebenfalls aus Stoff kaufen und in der Waschmaschine waschen. Wenn du mit einer Nähmaschine umgehen kannst, kannst du dir sogar selber Kosmetikpads aus alten Handtüchern oder T-Shirts machen, die du nicht mehr trägst.

Wer kein festes Shampoo oder Duschgel verwenden möchte, kann zumindest darauf achten, dass sich im Produkt kein Mikroplastik befindet (Bezeichnungen: AC, PA, PE, PP). Dies kann sich auch oft in Peelings oder Sonnencreme sowie in vielen Kosmetik Produkten wie Make-Up, Concealer oder Puder befinden. Greife am besten auf zertifizierte Naturkosmetik zurück, wenn du sichergehen möchtest, dass in den Produkten kein Mikroplastik versteckt ist. In Unverpackt-Läden gibt es oft auch Shampoo, Duschgel, Seife und Co. zum Abfüllen – so können die Plastikbehälter zumindest wiederverwendet werden und ihre Lebensdauer verlängert sich. 

Bei Mikroplastik gibt es zwei verschiedene Arten, dass primäre und das sekundäre. Das primäre Mikroplastik wurde bereits in dieser Form von der Industrie hergestellt. Dieses Granulat findet sich wie bereits beschrieben in Kosmetikprodukten. Das sekundäre Mikroplastik entsteht, wenn größere Plastikteile zerfallen.

Ein Großteil der Abfälle gelang als Mikroplastik in die Natur. Dieses wird dann von Tieren gefressen, da sie es mit Nahrung verwechseln. Beim Verzehr von Fischen und anderen Meerestieren wird das Mikroplastik dann wiederum von uns aufgenommen. In diesem Mikroplastik stecken viele Schädliche Schadstoffe. Weichmacher, Farbstoffe Stabilisatoren und Schutzmittel sind hierbei für die Menschen und Umwelt besonders gefährlich. Jede Woche nimmt jeder Mensch ungefähr 5 Gramm Mikroplastik zu sich. Das ist ungefähr so viel wie eine Kreditkarte wiegt.

Plastik vermeiden in der Küche

Einmach- oder Schraubgläser, die du bereits besitzt, eignen sich perfekt als plastikfreie Aufbewahrungsmöglichkeiten.Weiter geht‘s zum Frühstück in die Küche. Hier warten Schwämme und Lappen, Kochutensilien, Trinkhalme sowie Schüsseln und Aufbewahrungsboxen. Wenn du dich in deiner Küche umschaust, werden dir nach und nach immer mehr Kunststoffartikel auffallen.

Zum Aufbewahren und Verpacken kannst du statt Plastik super einfach auf Behältnisse aus Glas, Porzellan oder Edelstahl umsteigen. Schraub- oder Einmachgläser hast du bestimmt sowieso herumstehen, sie eignen sich perfekt für Reis, Linsen, Körner, Mehl und so weiter. Für das Brot unterwegs gibt es eine Edelstahlbox oder eine aus Bambusfasern. Kochutensilien und können durch Produkte aus Holz ersetzt werden und auch das Schneidebrett muss nicht aus Plastik sein. Denn entgegen der weitverbreiteten Meinung ist Holz nicht unhygienisch, sondern setzt antibakterielle Gerbstoffe frei. Strohhalme aus Plastik fallen seit dem 3. Juli unter das Verbot für Einwegplastikprodukte. Doch du musst nicht darauf verzichten, deinen Cocktail aus einem Trinkhalm zu trinken, auch hier gibt es Alternativen wie z.B. Strohhalme aus Edelstahl oder Glas.

Plastik vermeiden beim Einkauf

Auf dem Wochenmarkt gibt es frisches und regionales Obst und Gemüse ganz ohne unnötige Plastikverpackung.Der Supermarkteinkauf ist eine wahre Herausforderung, was die Plastikvermeidung angeht. Hier wimmelt es nur so von Verpackungen, teilweise sogar doppelt und dreifach. Und was nicht schon vor verpackt ist – Obst und Gemüse – das stecken wir dann fröhlich selbst in kleine Tütchen.

Einwegtragetaschen haben eine durchschnittliche Lebensdauer von unter einer halben Stunde. Das ist ganz schön wenig dafür, dass sie danach noch tausende von Jahren auf unserem Planeten verweilen werden. Doch dieses Problem dürfte bald der Vergangenheit angehören, denn ab dem 01. Januar 2022 werden Plastiktüten verboten. Ausgenommen sind sogenannte „Hemdchentaschen“ für Obst und Gemüse, die kleiner als 15 Mikrometer und feste Plastiktaschen von mehr als 50 Mikrometern, da diese Erfahrungsgemäß häufiger wiederverwendet werden. Um Plastiktüten zu vermeiden, kannst du zum Einkauf ganz einfach einen Beutel, Korb oder Rucksack mitnehmen. gibt es inzwischen sogar in vielen Supermärkten zu kaufen, damit kannst du viele Tütchen einsparen. Und da Obst und Gemüse meist sowieso mit seiner eigenen natürlichen Schale kommt, braucht es oft ganz einfach gar keine Verpackung. Käse und Wurst kannst du statt aus dem Kühlregal an der Frischetheke kaufen. Bringe deine eigenen Behältnisse mit, in die die Verkäufer deine Ware direkt einfüllen können. Das funktioniert genauso mit Brotaufstrichen, Dips und Antipasti. Es kann sein, dass der Verkäufer deine Dose aufgrund von Hygienevorschriften nicht füllen möchte. Stellst du das Gefäß aber nur auf der Theke ab und der Verkäufer füllt die Ware dort hinein, sollte es kein Problem sein – und fragen kostet ja schließlich nichts.

Um nicht von Plastikverpackungen überwältigt zu werden, bietet sich der Einkauf auf dem Wochenmarkt oder im Unverpackt Laden an. Hier bekommst du alles, was du brauchst ganz ohne Kunststoff. Wenn es dafür in deiner Nähe keine Möglichkeit gibt, musst du vielleicht zunächst etwas mehr Zeit investieren, aber es lohnt sich. Für die meisten Produkte gibt es auch im normalen Supermarkt Alternativen, die in Papier oder Glas verpackt sind. Du musst vielleicht beim ersten Mal etwas suchen, aber sobald du weißt, wo du die plastikfreien Produkte findest, geht der Einkauf genauso schnell wie immer. Wichtig ist es, auf Mehrweg-Glas zurückzugreifen: Da die Produktion von Glas viel Energie benötigt, entsteht ein wirklicher Vorteil gegenüber Plastik nur bei Mehrweg.

Natürlich wird es nicht möglich sein, deinen gesamten Wocheneinkauf plastikfrei zu gestalten. Aber denke immer daran, dass jede Situation, in der du Plastik vermeiden kannst, etwas wert ist. Oft sind Produkte mehrfach verpackt oder es befinden sich in der Verpackung nochmals einzeln verpackte Portionsbeutel. Wenn du verpackte Ware kaufst, achte darauf, dass die Verpackung möglichst minimal gehalten ist.

Beim Einkauf lohnt es sich auch, auf Siegel wie den „blauen Engel“ zu achten, den findest du auf Produkten, die besonders umweltfreundlich sind. Das Forest Stewardship Council Siegel, kurz FSC, weist Produkte aus, die aus einer nachhaltigen Waldwirtschaft hervorgehen.

Auch der Online-Handel ist eine wahre Plastikschleuder. Jedes Produkt wird oft einzeln in Plastik sogenannten Polybags verpackt und dann meist in weiteren Plastiktasche gesammelt. Auch, wenn du diese Polybags in den Gelben Sack wirfst, kommen diese meist in eine Verbrennungsanlage und werden nicht Recycelt. Doch auch hier gibt es Alternativen. Einige Firmen haben sich zu diesem Problem Gedanken gemacht und das Single Use Plastic Programm gestartet. Ziel des Programms ist es, die Polybags zu recyclen und weniger Plastik in den Umlauf zu bringen. Mit ein bisschen Recherche lassen sich Online-Shops finden, die allerhand Produkte ohne Plastikverpackung anbieten.

Plastik unterwegs vermeiden

Lege dir einen wiederverwendbaren Kaffeebecher zu, um Wegwerfbecher zu vermeiden - und Rabatte zu erhalten!Wenn man in der Stadt unterwegs ist, plagt einen schnell der Hunger und man holt sich Sushi aus dem Supermarkt, Nudeln vom Asiaten und dazu vielleicht einen Coffee-to-go oder eine Flasche Cola? Früher kam alles mit einer ordentlichen Portion Plastik als gratis Zugabe. Heute ist es zwar eigentlich untersagt – doch die Händler dürfen Restbestände noch aufbrauchen. Alles kommt mit einer ordentlichen Portion Plastik als gratis Zugabe.

Hier ist ein wenig Vorbereitung gefragt, aber dann geht das Plastik Vermeiden auch unterwegs ganz einfach. Und auch wenn die Händler auf Pappbecher und Behälter aus Recyclingmaterial umgestellt haben: Wegwerfartikel müssen nicht sein. Viele Bäcker und Cafés bieten mittlerweile außerdem die Option an, wiederverwendbare Kaffeebecher vor Ort zu kaufen, die du immer wieder mitbringen und auffüllen lassen kannst. Essen für unterwegs kannst du dir entweder von zu Hause mitnehmen #mealprep oder aber ein Gefäß mitbringen, in welches das To-go-Gericht eingefüllt werden kann. Auch eine Trinkflasche kannst du immer dabei haben und dann beliebig oft mit Leitungswasser auffüllen.

Plastik vermeiden durch Selbermachen

Besonders viel Plastik kannst du sparen, wenn du im Alltag öfter mal selbst Hand anlegst und so den Kauf von verpackten Produkten einfach umgehst. Wenn du keine Fertigprodukte kaufst, sondern selbst frisch kochst, vermeidest du nicht nur Plastik, sondern tust auch deiner Gesundheit etwas Gutes.

Auch Spül-, Wasch- und Putzmittel kannst du aus wenigen Zutaten selbst herstellen. Das spart Verpackungsmüll und schont die Umwelt außerdem durch die natürlichen Inhaltsstoffe. Mit Essigessenz kannst du dir z.B. eine Allzweckwaffe gegen allerlei Verschmutzungen zusammenmischen.

Als Ersatz für gewöhnliche Frischhaltefolie kannst du Wachstücher einfach selbst herstellen. Diese sind wiederverwendbar, antibakteriell und sehen außerdem toll aus.

Wer motiviert ist, findet in allen Lebensbereichen Ideen, wie gekaufte Produkte durch selbstgemachte ersetzt werden können. Das fängt beim Zubereiten von gesunden Snacks an, geht weiter über selbstgemachte Seifen und Deos bis hin zu Kosmetika wie Puder. Wer also Spaß am Experimentieren hat, der kann gleich loslegen.

Aber was ist mit Bio Plastik?

Immer häufiger stolpert man beim Einkauf über sogenanntes Bio Plastik, das scheinbar als Lösung all unserer Müll-Probleme daherkommt. Warum also nicht einfach auf diese Alternative umsteigen?

Als Bio Plastik können zwei verschiedene Produktgruppen bezeichnet werden. Einerseits sind dies Kunststoffe, die auf Basis nachwachsender Rohstoffe wie Stärke oder Cellulose erzeugt werden. Andererseits kann der Begriff Bio bei Kunststoffen auch dafür stehen, dass das Produkt biologisch abbaubar ist. Das ist ein großer Unterschied, da Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen nicht unbedingt biologisch abbaubar sein müssen, synthetisch hergestellte Produkte es dagegen unter Umständen sein können.

So viel zu den Begrifflichkeiten, das wahre Problem ist aber ein anderes: In fast allen Fällen sind diese Bio Plastik Produkte nicht wirklich biologisch abbaubar. Für die Bezeichnung ist nämlich keine Begrenzung des Zeitraums beinhaltet, den der Abbau benötigt. Eine biologische Abbaubarkeit ist zwar gegeben, die Zersetzung dauert aber wesentlich länger, als bei normalem Biomüll. Um diese Kunststoffe wirklich komplett abzubauen, braucht es industrielle Kompostierungsanlagen. Aufgrund der geringen Menge gibt es diese Möglichkeit aber für private Haushalte gar nicht.

Somit kann Bio Plastik nicht zusammen mit anderem Biomüll kompostiert werden, sondern muss im Restmüll entsorgt werden. Denn auch mit Verpackungen aus dem gelben Sack kann Bio Kunststoff nicht gemeinsam recycelt werden. Diese Begebenheiten sorgen nicht selten für einen großen Mehraufwand, da das Bio Plastik oft aus falschen Tonnen herausgelesen werden muss.

Insgesamt bietet Biokunststoff daher bis jetzt keinen Vorteil gegenüber herkömmlichem Plastik, sondern sorgt sogar für Probleme bei der Entsorgung. Es funktioniert also nicht, damit das Gewissen zu beruhigen. Die Forschungen schreiten aber weiter voran und vielleicht gibt es in nächster Zeit doch eine wirklich grüne Alternative.

Verbot für Einwegplastikprodukte

Jetzt weißt du, was du als Verbraucherin oder Verbraucher tun kannst, um Plastik zu vermeiden. Doch wer kümmert sich eigentlich um diejenigen, die das ganze Plastik in den Umlauf bringen? Mit diesem Problem hat sich das EU-Parlament auseinandergesetzt und sich mit den Mitgliedsstaaten auf ein Plastikverbot geeinigt. Seit dem 3. Juli 2021 gilt nun das Verbot für Einwegplastikprodukte. Das gilt auch für biobasierte oder biologisch abbaubare Kunststoffe. Diese dürfen in der EU nicht mehr produziert und nicht mehr in den Umlauf gebracht werden. Restbestände dürfen abverkauft, jedoch nicht weiter produziert werden. Unter dieses Verbot fallen:

  • inklusive C-PLA Besteck
  • Einwegteller
  • Plastiktrinkhalme
  • Luftballonstäbe
  • Rührstäbchen für Heißgetränke
  • Wattestäbchen aus Plastik
  • Getränkeverpackungen aus Polystyrol
  • Lebensmittelbehälter aus Styropor

Einige Produkte, die nicht verboten werden können, dazu zählen z.B. Hygieneartikel oder Zigaretten mit Plastikfilter, sind seit 3. Juli 2021 mit einem Warnhinweis versehen. Dieser Hinweis sollen dich über die möglichen Schäden durch Plastik warnen und dir zeigen, wie du die Produkte nicht entsorgen solltest.

Die neuen Warnhinweise für Plastikprodukte.

Quelle: Europäische Kommission.

Allerdings sind die neuen EU Verordnungen nicht ganz eindeutig definiert und lassen dadurch eine ganze Menge an Spielraum. So ist die Definition von Einweg- und Mehrwegprodukten nicht ganz genau geregelt. Aus diesem Grund ist auch das C-PLA-Besteck vom Verbot betroffen. Dieses ist zwar industriell kompostierbar, wird aber trotzdem verboten. Getränkebecher, Schalen und andere Verpackungen sind vom Verbot ausgenommen. Diese zählen nämlich laut Definition zu den Transportbehältern. An diesem Beispiel sieht man wie unterschiedlich die EU einzelne Plastikprodukte bewertet.

Die Bundesregierung informiert: „Stündlich werden allein rund 320.000 Einweg-Becher für heiße Getränke in Deutschland verbraucht - davon bis zu 140.000 To-go-Becher, so das Bundesumweltministerium. Die Abfall-Bilanz von Einweggeschirr und To-go-Verpackungen betrug im Jahr 2017 mehr als 346.000 Tonnen, ergab eine Erhebung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung. Die Menge der Kunststoffabfälle insgesamt stieg laut Umweltbundesamt zwischen 2015 und 2017 um 3,9 Prozent auf 6,15 Millionen Tonnen. Das war bisher Höchststand.“

Die Regierung hat sich mehr Nachhaltigkeit auf ihre Fahne geschrieben. Mit dem Gesetz zur Abfallrahmenrichtlinie wird seit dem 29. Oktober 2020 gegen die „Wegwerfmentalität“ angegangen. Die fünf wichtigsten Regelungen sind:

  1. Vernichtung von Retouren verhindern: Retournierte Artikel müssen weiter genutzt werden und sollen nicht zugunsten von Lagerkosten entsorgt werden.
  2. Vorrang für recycelte Produkte: Bundesinstitutionen sind verpflichtet Anbieter die rohstoffschonend, energiesparend und schadstoffarm wirtschaften zu bevorzugen.
  3. Handel trägt Reinigungskosten mit: Hersteller oder Vertreiber von Einwegprodukten müssen sich an Reinigungskosten von Parks und Straßen beteiligen.
  4. Schärfere Vorgaben für Recycling: Stärkung des Recyclings, insbesondere von Papier, Metall, Kunststoff und Glas.
  5. Abfälle müssen getrennt gesammelt werden: Öffentlich-rechtliche Entsorger sind dazu verpflichtet Müll getrennt zu sammeln.

Seit 1. Januar 2021 gilt zudem ein Exportverbot aus der EU für unsortierte oder verschmutzt Plastikgemische, welche sich nicht einfach recyceln lassen.

Weiter Regelungen sind für die nächsten Jahre geplant:

  • Ab 2022 Händler dürfen keine leichten Kunststofftragetaschen mehr ausgeben.
  • Einweg und Mehrwegflaschen aus Plastik müssen für Verbraucher besser gekennzeichnet werden.
  • Pfandpflicht für Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff (bis 3 L).
  • Ab 2023 Caterer, Lieferdiente und Restaurants werden verpflichtet Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegbehälter anzubieten.
  • Ab 2024 Pfandpflicht für Plastikflaschen mit Milchgetränken.
  • Ab 2025 PET-Einweg-Getränkeflaschen müssen mind. 25 Prozent Recycling- Plastik (Rezyklat) enthalten.

Fazit

Damit wir nicht irgendwann wie der Ochse vor dem Plastikberg stehen, kann jeder etwas zu einer Welt mit weniger Plastik beitragen. Auch die Regierung und Unternehmen werden sich hoffentlich in Zukunft weiterhin um nachhaltige Alternativen bemühen. Plastikstück für Plastikstück können wir gemeinsam bewusster und nachhaltiger konsumieren.

„We don‘t need a handful of people doing zero waste perfectly. We need millions of people doing it imperfectly.“

- Anne-Marie Bonneau

(Deutsch: Wir brauchen nicht eine Handvoll von Leuten, die das Abfall-freie Leben perfekt umsetzen. Wir brauchen Millionen von Leuten, die es unperfekt tun.)

In diesem Sinne: Wenn jeder ein paar kleine Maßnahmen ergreift, um in seinem Alltag den Plastikverbrauch einzuschränken, dann ist der Welt schon viel geholfen. Plastik soll nicht mehr normal und gewöhnlich sein, sondern bei jeder Sichtung ein Glöckchen in deinem Kopf läuten lassen, das nach einer Alternative fragt.

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E-Zigaretten Caps wiederbefüllen
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Abgestoßene Ecken an Kunstledertaschen kaschieren
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