Junge Gierschtriebe im Frühjahr.
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Giersch - lästiges Unkraut oder wohlschmeckendes Wildgemüse

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Seit einigen Jahren schon kämpfe ich erfolglos gegen ein lästiges Unkraut an einer Stelle in unserem Garten, das sich von Jahr zu Jahr immer mehr ausgebreitet hat. Doch vor kurzem wurde ich eines Besseren belehrt, denn es handelt sich hierbei tatsächlich um Giersch, ein „essbares Unkraut“!

Giersch (lateinisch Aegopodium podagraria) ist bei fast allen Gartenbesitzern sehr unbeliebt, ja sogar verhasst, da er durch seine unterirdischen Triebe (Rhizome) sehr hartnäckig wuchert und ganz schwer zu bekämpfen ist, so dass man ihn kaum wieder los wird, denn wenn man seine Blätter entfernt, bekämpft man ihn nicht, sondern regt im Gegenteil sein Wachstum an. Diese Eigenschaft sollte man nutzen, denn der Giersch, der auch Dreiblatt, Geißblatt, Geißfuß, Ziegenkraut, Erd- oder Wiesenholler, Bodenholunder, Podagra- oder auch Zipperleinskraut genannt wird, ist ebenfalls ein gesundes, wohlschmeckendes Wildgemüse und besitzt sogar Heilkräfte! Auf Grund der vielen gesunden Inhaltsstoffe könnte man den Giersch sogar als Wunderkraut bezeichnen. Deshalb sollte man ihn lieber ernten und verspeisen, statt ihn zu bekämpfen!

Erkennungsmerkmale

Giersch ist eine krautige Pflanze, die 30 bis zu 100 cm hoch werden kann. Er gehört zur Familie der Doldenblütler. Seine dreigeteilten Blätter sind spitz, leicht behaart und am Rand gezahnt. Sie sind wechselseitig an einem dreikantigen, kahlen etwa 20 cm langen Stiel angeordnet, der kantig gefurcht ist; dabei ist die eine Kante abgerundet und die gegenüberliegende Seite konkav eingezogen. Dadurch und durch die Form seiner Blätter kann man den Giersch gut von den anderen giftigen Vertretern der Doldenblütler unterscheiden.   

Im Juni/Juli erscheinen die weißen Doldenblüten auf einem bis zu 90 cm hohen leicht kantig bis runden Stängel und die kümmelähnlichen, eiförmig flachen Samen sind 3-4 mm groß.

Giersch verbreitet sich durch tief und weit kriechende unterirdische, sehr stark wuchernde weiße Rhizome mit einer Länge von mindestens 20 cm und einem Durchmesser von ca. 2 mm.

Wenn man seine Blätter regelmäßig entfernt, treiben immer wieder neue junge Blätter nach.

Inhaltsstoffe und heilende Wirkungen

Schon seit Jahrhunderten wurde Giersch besonders von den Griechen und den alten Germanen wegen seiner Heilkraft geschätzt. Seine besonderen Inhaltsstoffe sind: Eisen, Kalium, Calcium, Magnesium, Mangan, Kupfer, Titan, Bor, Harze, Cumarine, Saponine, ätherische Öle, Flavonglycoside, Karotin, Vitamin A und C.  

Er wirkt vor allem entzündungshemmend, antibakteriell, blutreinigend, harntreibend, entsäuernd, stoffwechselfördernd und kräftigend und soll bei Erkältung, Zahnschmerzen, Insektenstichen, Verbrennungen, Sonnenbrand, Verstopfung, Blasenentzündung, Hämorrhoiden, Gicht, Rheuma, Arthritis, Ischias, Hexenschuss, Krampfadern, Insektenstichen und sogar gegen Frühjahrsmüdigkeit helfen.

Bei Insektenstichen, Verbrennungen, Sonnenbrand und Hämorrhoiden werden Umschläge mit Gierschtee angewendet, man kann aber auch zur Linderung bei Insektenstichen und Verbrennungen frisch zerriebene Gierschblätter auf die betroffenen Hautstellen legen.           

Verwendung in der Küche

Durch seinen aromatischen, milden Geschmack ist Giersch vielseitig in der Küche zu verwenden. Er enthält z.B. bis zu 13 mal mehr Mineralstoffe als der Grünkohl, der als mineralstoffreich gilt, und sein Vitamin-C-Gehalt ist sogar bis zu 15 mal höher als der vom Kopfsalat und 4 mal höher als der von Zitronen! Außerdem kann man ihn fast das ganze Jahr ernten, denn er ist von März bis September zu finden.    

Giersch kann gut als Salat oder Gemüse zubereitet werden. Für Salate eignen sich am besten die jungen, rohen Blätter, die durch ihr intensives Aroma auch für Aufstriche oder als Zutat für Suppen verwendet werden können.

Ältere Blätter dagegen nimmt man besser zum Kochen von Suppen oder Eintöpfen oder zum Dünsten. Da ihre Stiele bitter oder zäh sein können, sollten sie besser entfernt werden.

Als Gemüse kann frischer Giersch genau wie Spinat verwendet werden.

Auch Pesto kann mit Giersch zubereitet werden, dazu mischt man Olivenöl, Knoblauch und Pinienkerne und gibt statt Basilikum Giersch dazu.

Für gefüllte Tomaten schneidet man zunächst die Deckel von großen Tomaten ab und höhlt sie aus. Das Mark und den Saft püriert man, mischt unter das Püree fein geschnittene Gierschblätter, 1-2 Eier und etwas geriebenen Käse, würzt alles mit Pfeffer und Salz und füllt diese Mischung in die Tomaten, deckt diese mit den Deckeln ab und dünstet sie dann kurz.

Die kleinen weißen Blüten des Giersch sind ebenfalls essbar, man kann sie gut als schmackhafte Zutat für Salate, Suppen oder Eintöpfe verwenden. Da sie etwas süß sind, können sie auch zur Aromatisierung von Essig, Öl oder Kräuterlimonade dienen.

Auch die Samen eignen sich frisch oder getrocknet als Gewürz.

Für einen Tee aus Gierschblättern werden junge Blätter kleingeschnitten und zwei Teelöffel davon mit einer Tasse siedendem Wasser aufgegossen. Abgedeckt lässt man ihn dann 7-10 Minuten ziehen. Davon kann man täglich 2-3 Tassen trinken. Man kann aber auch getrocknete Blätter verwenden, die am besten im Frühjahr vor der Blütezeit gesammelt und dann an einem dunklen Ort getrocknet werden. Man nimmt davon dann zwei Esslöffel der trockenen Blätter, übergießt sie mit 250 ml kochendem Wasser und lässt den Tee 10 Minuten ziehen.

Der Tee schmeckt leicht würzig und hilft bei Schnupfen und Blasenentzündung. Zusätzlich zu dem Verzehr von frischen Gierschblättern getrunken soll der Tee die Heilwirkung noch verstärken, er wirkt entzündungshemmend, regt den Stoffwechsel an und besitzt außerdem noch die Fähigkeit, schädliche Stoffe aus dem Körper auszuschwemmen.

Auch eine erfrischende Limonade aus Gierschblättern kann man leicht zubereiten. Dazu nimmt man einen Strauß Giersch, hängt diesen kopfüber in 1 Liter Wasser, gibt den Saft von 1 Zitrone dazu und lässt das Ganze am besten über Nacht ziehen.

Des Weiteren eignen sich frische Gierschblätter auch gut als Zutat für Smoothies.

Tipps für den Anbau im Garten

Will man Giersch im Garten anbauen und ernten, dann muss man beachten, dass er sich über unterirdische Ausläufer verbreitet. Dies kann man verhindern, indem man um die Fläche eine ausreichend tiefe Wurzelsperre anbringt (z. B. ein Vlies oder Blech, das die Rhizome nicht durchdringen können). Eine andere Möglichkeit ist, ihn in einen Kübel zu setzen. Außerdem sollten immer die Blütenknospen entfernt werden, da sonst eine Verbreitung über die Samen erfolgen könnte.

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7 Kommentare


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#1
10.4.17, 16:49
Ich habe früher auf dem Land gelebt, da war der Garten auch voller Giersch. Wir haben ihn in der Küche immer als Alternative zu Spinat verwendet...sehr lecker.
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#2
10.4.17, 18:20
Ich habe gerade auf einer Kräuterfortbildung viel informatives über diese Pflanze gelernt. Er ist sehr gesund und nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei Ziervögeln und Schildkröten sehr beliebt.
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#3
10.4.17, 18:25
Ich war gestern im Wald und da war eine sehr große Fläche mit Giersch bedeckt, so weit das Auge reicht. Leider hatte ich keinerlei Behältnis dabei, aber jetzt einen Grund, bald wieder einen Waldspaziergang zu machen.
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#4
10.4.17, 18:26
Auf Verbrennungen gehören keine Umschläge und schon gar keine zerriebenen Blätter. Solch eine "Behandlung" kann zu schweren Wundinfektionen führen.
Brandwunden werden mit einem sterilen Verbandtuch abgedeckt, das locker fixiert wird.
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#5
10.4.17, 20:25
Der Giersch hat einige sehr giftige Doppelgänger. Beim Sammeln ist man gut beraten, wenn man Leute kennt die ihn wirklich gut kennen.
Mir sind schon Erwachsene untergekommen, die kannten nicht mal den Löwenzahn.
Das selber Sammeln ist also nicht jedermanns Sache.
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#6
10.4.17, 21:42
Giersch lässt sich gut erkennen, aber man sollte ihn mindestens 1x richtig gesehen haben. Auf leichte Brandwunden und Insektenstichen kann man die Blätter gut legen, bzw.zerdrückt auftragen. Größere Wunden würde ich damit auch nicht behandeln. Wir haben leider verlernt auf die Natur zu achten und sie zu nutzen, dabei ist es gar nicht so schwer.
Giersch schmeckt wie rohe Erbsen und der Geschmack ist ja nun wirklich nicht unangenehm.
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#7
10.4.17, 22:29
So viel Giersch, wie ich ohne Zwangsmaßnahme im Garten hätte, kann keine Großfamilie essen!

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